Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. 2. Aufl. Göttingen, 1782.

Bild:
<< vorherige Seite

berschwemmungen verursacht werden. Die
wilden Wasser reissen alles durch einander und
mit sich fort, weichen den Boden auf, und so
wie sie sich allgemach wieder verlaufen, so setzt
sich der Schlamm und mit ihm die zerstörten
durch einander geschwemmten modernden Theile
von Thieren und Pflanzen, wie man das an
den jährlichen Ueberschwemmungen des Nils,
des Oronocko, oder des Amazonen Flusses,
und im kleinen an jeder unter Wasser gesetzten
Wiese etc. sehen kann. Und doch war eine Zeit,
da man die Petrefacten von der Sündfluth her-
leitete! Ehe könnte man vielleicht manche Stein-
arten z. B. Bänder-Jaspis, der zuweilen wie
blos verhärteter Schlamm aussieht, aber wol
nie eine Spur von einer Versteinerung ent-
halten wird, für Urkunden der Sündfluth
ausgeben.

§. 226.

Weit unbemerkter aber unaufhörlich ergie-
big und im ganzen ungleich wichtiger ist hinge-
gen die Entstehung der Mineralien durch das
allmälige Absterben der organisirten natürlichen
Körper durch das Verwittern der unorganisir-
ten selbst, und endlich durch die Zerstörung aller
verarbeiteten Naturalien oder Kunstsachen:
kurz durch das unabbittliche Loos aller erschaffe-
nen oder auch von Menschen verfertigten Dinge,
über kurz oder lang nach dem verschiedenen

berschwemmungen verursacht werden. Die
wilden Wasser reissen alles durch einander und
mit sich fort, weichen den Boden auf, und so
wie sie sich allgemach wieder verlaufen, so setzt
sich der Schlamm und mit ihm die zerstörten
durch einander geschwemmten modernden Theile
von Thieren und Pflanzen, wie man das an
den jährlichen Ueberschwemmungen des Nils,
des Oronocko, oder des Amazonen Flusses,
und im kleinen an jeder unter Wasser gesetzten
Wiese ꝛc. sehen kann. Und doch war eine Zeit,
da man die Petrefacten von der Sündfluth her-
leitete! Ehe könnte man vielleicht manche Stein-
arten z. B. Bänder-Jaspis, der zuweilen wie
blos verhärteter Schlamm aussieht, aber wol
nie eine Spur von einer Versteinerung ent-
halten wird, für Urkunden der Sündfluth
ausgeben.

§. 226.

Weit unbemerkter aber unaufhörlich ergie-
big und im ganzen ungleich wichtiger ist hinge-
gen die Entstehung der Mineralien durch das
allmälige Absterben der organisirten natürlichen
Körper durch das Verwittern der unorganisir-
ten selbst, und endlich durch die Zerstörung aller
verarbeiteten Naturalien oder Kunstsachen:
kurz durch das unabbittliche Loos aller erschaffe-
nen oder auch von Menschen verfertigten Dinge,
über kurz oder lang nach dem verschiedenen

<TEI xml:lang="de-DE">
  <text xml:id="blume_hbnatur_000023">
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0492" xml:id="pb480_0001" n="480"/>
berschwemmungen verursacht werden. Die<lb/>
wilden Wasser reissen alles durch einander und<lb/>
mit sich fort, weichen den Boden auf, und so<lb/>
wie sie sich allgemach wieder verlaufen, so setzt<lb/>
sich der Schlamm und mit ihm die zerstörten<lb/>
durch einander geschwemmten modernden Theile<lb/>
von Thieren und Pflanzen, wie man das an<lb/>
den jährlichen Ueberschwemmungen des Nils,<lb/>
des Oronocko, oder des Amazonen Flusses,<lb/>
und im kleinen an jeder unter Wasser gesetzten<lb/>
Wiese &#xA75B;c. sehen kann. Und doch war eine Zeit,<lb/>
da man die Petrefacten von der Sündfluth her-<lb/>
leitete! Ehe könnte man vielleicht manche Stein-<lb/>
arten z. B. Bänder-Jaspis, der zuweilen wie<lb/>
blos verhärteter Schlamm aussieht, aber wol<lb/>
nie eine Spur von einer Versteinerung ent-<lb/>
halten wird, für Urkunden der Sündfluth<lb/>
ausgeben.</p>
        </div>
        <div n="2">
          <head rendition="#c">§. 226.</head><lb/>
          <p>Weit unbemerkter aber unaufhörlich ergie-<lb/>
big und im ganzen ungleich wichtiger ist hinge-<lb/>
gen die Entstehung der Mineralien durch das<lb/>
allmälige Absterben der organisirten natürlichen<lb/>
Körper durch das Verwittern der unorganisir-<lb/>
ten selbst, und endlich durch die Zerstörung aller<lb/>
verarbeiteten Naturalien oder Kunstsachen:<lb/>
kurz durch das unabbittliche Loos aller erschaffe-<lb/>
nen oder auch von Menschen verfertigten Dinge,<lb/>
über kurz oder lang nach dem verschiedenen<lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[480/0492] berschwemmungen verursacht werden. Die wilden Wasser reissen alles durch einander und mit sich fort, weichen den Boden auf, und so wie sie sich allgemach wieder verlaufen, so setzt sich der Schlamm und mit ihm die zerstörten durch einander geschwemmten modernden Theile von Thieren und Pflanzen, wie man das an den jährlichen Ueberschwemmungen des Nils, des Oronocko, oder des Amazonen Flusses, und im kleinen an jeder unter Wasser gesetzten Wiese ꝛc. sehen kann. Und doch war eine Zeit, da man die Petrefacten von der Sündfluth her- leitete! Ehe könnte man vielleicht manche Stein- arten z. B. Bänder-Jaspis, der zuweilen wie blos verhärteter Schlamm aussieht, aber wol nie eine Spur von einer Versteinerung ent- halten wird, für Urkunden der Sündfluth ausgeben. §. 226. Weit unbemerkter aber unaufhörlich ergie- big und im ganzen ungleich wichtiger ist hinge- gen die Entstehung der Mineralien durch das allmälige Absterben der organisirten natürlichen Körper durch das Verwittern der unorganisir- ten selbst, und endlich durch die Zerstörung aller verarbeiteten Naturalien oder Kunstsachen: kurz durch das unabbittliche Loos aller erschaffe- nen oder auch von Menschen verfertigten Dinge, über kurz oder lang nach dem verschiedenen

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Editura GmbH & Co.KG, Berlin: Volltexterstellung und Basis-TEI-Auszeichung
Johann Friedrich Blumenbach – online: Bereitstellung der Bilddigitalisate (2013-08-26T09:00:15Z)
Frank Wiegand: Konvertierung nach DTA-Basisformat (2013-08-26T09:00:15Z)

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:

  • Nicht erfasst: Bogensignaturen und Kustoden, Kolumnentitel.
  • Auf Titelblättern wurde auf die Auszeichnung der Schriftgrößenunterschiede zugunsten der Identifizierung von <titlePart>s verzichtet.
  • Keine Auszeichnung der Initialbuchstaben am Kapitelanfang.
  • Langes ſ: als s transkribiert.
  • Hochgestellte e über Vokalen: in moderner Schreibweise erfasst.



Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_naturgeschichte_1782
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_naturgeschichte_1782/492
Zitationshilfe: Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. 2. Aufl. Göttingen, 1782, S. 480. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_naturgeschichte_1782/492>, abgerufen am 18.07.2019.