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Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. 4. Aufl. Göttingen, 1791.

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§. 31.

Außer diesem Erhohlungsschlaf findet sich in
der Oeconomie vieler Thiere noch die sehr be-
queme Einrichtung, daß sie einen beträchtlichen
Theil des Jahrs, und zwar gerade die rauhesten
Monathe, da es ihnen schwer werden würde, für
ihre Erhaltung zu sorgen*), in einem tiefen
Winterschlaf zubringen. Sie verkriechen sich,
wenn diese Zeit kommt, an sichre, schaurige Orte;
wie die Murmelthiere, Hamster, Ameisen etc. in
ihre Nester, die Fledermäuse in Höhlen, die Frö-
sche und einige Fische in Sümpfe, die Schlangen
und Schnecken ins Gebüsch u. s. w. und fallen mit
einbrechender Kälte in eine Art von Erstarrung,
aus der sie erst durch die erwärmenden Blicke der
Frühlingssonne wieder erweckt werden. Diese
Erstarrung ist so stark, daß die warmblütigen
Thiere während dieses Todtenschlafs nur unmerk-
liche Wärme übrig behalten, und daß die Pup-
pen vieler Insecten, die zu gleicher Zeit ihre Ver-
wandlung bestehen, im Winter oft so durchfro-
ren sind, daß sie, dem Leben des darin schlafen-
den Thieres unbeschadet, wie Eiszapfen oder
Glas klingen, wenn man sie auf die Erde fallen
läßt.

§. 32.

Von den Seelenfähigkeiten sind manche
dem Menschen mit den mehresten übrigen Thie-

*) Ergo in hiemes aliis prouisum pabulum, aliis pro
cibo somnus
. Plinivs.
§. 31.

Außer diesem Erhohlungsschlaf findet sich in
der Oeconomie vieler Thiere noch die sehr be-
queme Einrichtung, daß sie einen beträchtlichen
Theil des Jahrs, und zwar gerade die rauhesten
Monathe, da es ihnen schwer werden würde, für
ihre Erhaltung zu sorgen*), in einem tiefen
Winterschlaf zubringen. Sie verkriechen sich,
wenn diese Zeit kommt, an sichre, schaurige Orte;
wie die Murmelthiere, Hamster, Ameisen ꝛc. in
ihre Nester, die Fledermäuse in Höhlen, die Frö-
sche und einige Fische in Sümpfe, die Schlangen
und Schnecken ins Gebüsch u. s. w. und fallen mit
einbrechender Kälte in eine Art von Erstarrung,
aus der sie erst durch die erwärmenden Blicke der
Frühlingssonne wieder erweckt werden. Diese
Erstarrung ist so stark, daß die warmblütigen
Thiere während dieses Todtenschlafs nur unmerk-
liche Wärme übrig behalten, und daß die Pup-
pen vieler Insecten, die zu gleicher Zeit ihre Ver-
wandlung bestehen, im Winter oft so durchfro-
ren sind, daß sie, dem Leben des darin schlafen-
den Thieres unbeschadet, wie Eiszapfen oder
Glas klingen, wenn man sie auf die Erde fallen
läßt.

§. 32.

Von den Seelenfähigkeiten sind manche
dem Menschen mit den mehresten übrigen Thie-

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[31/0047] §. 31. Außer diesem Erhohlungsschlaf findet sich in der Oeconomie vieler Thiere noch die sehr be- queme Einrichtung, daß sie einen beträchtlichen Theil des Jahrs, und zwar gerade die rauhesten Monathe, da es ihnen schwer werden würde, für ihre Erhaltung zu sorgen *), in einem tiefen Winterschlaf zubringen. Sie verkriechen sich, wenn diese Zeit kommt, an sichre, schaurige Orte; wie die Murmelthiere, Hamster, Ameisen ꝛc. in ihre Nester, die Fledermäuse in Höhlen, die Frö- sche und einige Fische in Sümpfe, die Schlangen und Schnecken ins Gebüsch u. s. w. und fallen mit einbrechender Kälte in eine Art von Erstarrung, aus der sie erst durch die erwärmenden Blicke der Frühlingssonne wieder erweckt werden. Diese Erstarrung ist so stark, daß die warmblütigen Thiere während dieses Todtenschlafs nur unmerk- liche Wärme übrig behalten, und daß die Pup- pen vieler Insecten, die zu gleicher Zeit ihre Ver- wandlung bestehen, im Winter oft so durchfro- ren sind, daß sie, dem Leben des darin schlafen- den Thieres unbeschadet, wie Eiszapfen oder Glas klingen, wenn man sie auf die Erde fallen läßt. §. 32. Von den Seelenfähigkeiten sind manche dem Menschen mit den mehresten übrigen Thie- *) Ergo in hiemes aliis prouisum pabulum, aliis pro cibo somnus. Plinivs.

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Zitationshilfe: Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. 4. Aufl. Göttingen, 1791, S. 31. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_naturgeschichte_1791/47>, abgerufen am 23.02.2019.