Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. 5. Aufl. Göttingen, 1797.

Bild:
<< vorherige Seite

werden können. Um auch nakte Mauern und
Felse mit Gewächsen zu beleben, daß sie daran
Würzel schlagen können, läßt die Natur erst
trockne Schorfmoose (Lichenes) und andre so
genannte plantas aereas anfliegen, die wenig
Nahrung bedürfen und aus deren Moder nach-
her die Samen größerer Pflanzen, die vom Winde
und Vögeln dahin gebracht werden, auskeimen
und Nahrung ziehen*).

§. 170.

Verschiedene Pflanzen ziehen aber ihre Nah-
rung nicht unmittelbar aus der Erde, sondern
leben, gleichsam wie Ungeziefer aus andern Ge-
wächsen, und nähren sich, indem sie diesen einen
Theil ihres Nahrungssaftes aussaugen, daher
sie Schmarozerpflanzen (plantae parasiticae)
genannt werden. So die Baumkrätzen und viele
andre Moose, der Mistel, die Flachsseide (cuscuta
europaea und epithymum), die Vanille u. a.
Epidendra etc.

Anm. Auch gibt es Pflanzen, die in der Erde eingewur-
zelt zu seyn scheinen, und doch mit ihren Wurzel-
zafern immer an den Wurzeln gewisser andrer be-
nachbarter Pflanzen ansitzen, und sich durch diesel-
ben nähren. So z. B. die hydnora africana an
der euphorbia mauritanica u. a. - s. Schwed.
Abhandl. XXXIX.B. S.132.

*) Wie aus ähnliche Weise in Süd-Indien anfäng-
lich kahle Sandbänke allgemach mit Vegetabilien
überzogen werden, zeigen die genauen Beobach-
tungen des großen Nautischen Geographen Hrn.
Alex. Dalrymple, on the formation of Islands in
den philosoph. Transactions Vol. LVII. pag. 396.

werden können. Um auch nakte Mauern und
Felse mit Gewächsen zu beleben, daß sie daran
Würzel schlagen können, läßt die Natur erst
trockne Schorfmoose (Lichenes) und andre so
genannte plantas aëreas anfliegen, die wenig
Nahrung bedürfen und aus deren Moder nach-
her die Samen größerer Pflanzen, die vom Winde
und Vögeln dahin gebracht werden, auskeimen
und Nahrung ziehen*).

§. 170.

Verschiedene Pflanzen ziehen aber ihre Nah-
rung nicht unmittelbar aus der Erde, sondern
leben, gleichsam wie Ungeziefer aus andern Ge-
wächsen, und nähren sich, indem sie diesen einen
Theil ihres Nahrungssaftes aussaugen, daher
sie Schmarozerpflanzen (plantae parasiticae)
genannt werden. So die Baumkrätzen und viele
andre Moose, der Mistel, die Flachsseide (cuscuta
europaea und epithymum), die Vanille u. a.
Epidendra ꝛc.

Anm. Auch gibt es Pflanzen, die in der Erde eingewur-
zelt zu seyn scheinen, und doch mit ihren Wurzel-
zafern immer an den Wurzeln gewisser andrer be-
nachbarter Pflanzen ansitzen, und sich durch diesel-
ben nähren. So z. B. die hydnora africana an
der euphorbia mauritanica u. a. – s. Schwed.
Abhandl. XXXIX.B. S.132.

*) Wie aus ähnliche Weise in Süd-Indien anfäng-
lich kahle Sandbänke allgemach mit Vegetabilien
überzogen werden, zeigen die genauen Beobach-
tungen des großen Nautischen Geographen Hrn.
Alex. Dalrymple, on the formation of Islands in
den philosoph. Transactions Vol. LVII. pag. 396.
<TEI xml:lang="de-DE">
  <text xml:id="blume_hbnatur_000026">
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0501" xml:id="pb479_0001" n="479"/>
werden können. Um auch nakte Mauern und<lb/>
Felse mit Gewächsen zu beleben, daß sie daran<lb/>
Würzel schlagen können, läßt die Natur erst<lb/>
trockne Schorfmoose <hi rendition="#aq">(Lichenes)</hi> und andre so<lb/>
genannte <hi rendition="#aq">plantas aëreas</hi> anfliegen, die wenig<lb/>
Nahrung bedürfen und aus deren Moder nach-<lb/>
her die Samen größerer Pflanzen, die vom Winde<lb/>
und Vögeln dahin gebracht werden, auskeimen<lb/>
und Nahrung ziehen<note anchored="true" place="foot" n="*)"><p>Wie aus ähnliche Weise in Süd-Indien anfäng-<lb/>
lich kahle Sandbänke allgemach mit Vegetabilien<lb/>
überzogen werden, zeigen die genauen Beobach-<lb/>
tungen des großen Nautischen Geographen Hrn.<lb/>
Alex. Dalrymple, <hi rendition="#i"><hi rendition="#aq">on the formation of Islands</hi></hi> in<lb/>
den <hi rendition="#i"><hi rendition="#aq">philosoph. Transactions</hi></hi> <hi rendition="#aq">Vol</hi>. LVII. <hi rendition="#aq">pag.</hi> 396.</p></note>.</p>
        </div>
        <div n="2">
          <head rendition="#c">§. 170.</head><lb/>
          <p>Verschiedene Pflanzen ziehen aber ihre Nah-<lb/>
rung nicht unmittelbar aus der Erde, sondern<lb/>
leben, gleichsam wie Ungeziefer aus andern Ge-<lb/>
wächsen, und nähren sich, indem sie diesen einen<lb/>
Theil ihres Nahrungssaftes aussaugen, daher<lb/>
sie Schmarozerpflanzen (<hi rendition="#aq">plantae parasiticae</hi>)<lb/>
genannt werden. So die Baumkrätzen und viele<lb/>
andre Moose, der Mistel, die Flachsseide (<hi rendition="#aq">cuscuta</hi><lb/><hi rendition="#i"><hi rendition="#aq">europaea</hi></hi> und <hi rendition="#i"><hi rendition="#aq">epithymum</hi></hi>), die Vanille u. a.<lb/><hi rendition="#aq">Epidendra</hi> &#xA75B;c.</p>
          <p rendition="#indent-1 #small">Anm. Auch gibt es Pflanzen, die in der Erde eingewur-<lb/>
zelt zu seyn scheinen, und doch mit ihren Wurzel-<lb/>
zafern immer an den Wurzeln gewisser andrer be-<lb/>
nachbarter Pflanzen ansitzen, und sich durch diesel-<lb/>
ben nähren. So z. B. die <hi rendition="#aq">hydnora</hi> <hi rendition="#i"><hi rendition="#aq">africana</hi></hi> an<lb/>
der <hi rendition="#aq">euphorbia</hi> <hi rendition="#i"><hi rendition="#aq">mauritanica</hi></hi> u. a. &#x2013; s. Schwed.<lb/>
Abhandl. XXXIX.B. S.132.</p>
        </div>
        <div n="2">
</div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[479/0501] werden können. Um auch nakte Mauern und Felse mit Gewächsen zu beleben, daß sie daran Würzel schlagen können, läßt die Natur erst trockne Schorfmoose (Lichenes) und andre so genannte plantas aëreas anfliegen, die wenig Nahrung bedürfen und aus deren Moder nach- her die Samen größerer Pflanzen, die vom Winde und Vögeln dahin gebracht werden, auskeimen und Nahrung ziehen *). §. 170. Verschiedene Pflanzen ziehen aber ihre Nah- rung nicht unmittelbar aus der Erde, sondern leben, gleichsam wie Ungeziefer aus andern Ge- wächsen, und nähren sich, indem sie diesen einen Theil ihres Nahrungssaftes aussaugen, daher sie Schmarozerpflanzen (plantae parasiticae) genannt werden. So die Baumkrätzen und viele andre Moose, der Mistel, die Flachsseide (cuscuta europaea und epithymum), die Vanille u. a. Epidendra ꝛc. Anm. Auch gibt es Pflanzen, die in der Erde eingewur- zelt zu seyn scheinen, und doch mit ihren Wurzel- zafern immer an den Wurzeln gewisser andrer be- nachbarter Pflanzen ansitzen, und sich durch diesel- ben nähren. So z. B. die hydnora africana an der euphorbia mauritanica u. a. – s. Schwed. Abhandl. XXXIX.B. S.132. *) Wie aus ähnliche Weise in Süd-Indien anfäng- lich kahle Sandbänke allgemach mit Vegetabilien überzogen werden, zeigen die genauen Beobach- tungen des großen Nautischen Geographen Hrn. Alex. Dalrymple, on the formation of Islands in den philosoph. Transactions Vol. LVII. pag. 396.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Editura GmbH & Co.KG, Berlin: Volltexterstellung und Basis-TEI-Auszeichung
Johann Friedrich Blumenbach – online: Bereitstellung der Bilddigitalisate (2013-08-26T09:00:15Z)
Frank Wiegand: Konvertierung nach DTA-Basisformat (2013-08-26T09:00:15Z)

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:

  • Nicht erfasst: Bogensignaturen und Kustoden, Kolumnentitel.
  • Auf Titelblättern wurde auf die Auszeichnung der Schriftgrößenunterschiede zugunsten der Identifizierung von <titlePart>s verzichtet.
  • Keine Auszeichnung der Initialbuchstaben am Kapitelanfang.
  • Langes ſ: als s transkribiert.
  • Hochgestellte e über Vokalen: in moderner Schreibweise erfasst.



Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_naturgeschichte_1797
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_naturgeschichte_1797/501
Zitationshilfe: Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. 5. Aufl. Göttingen, 1797, S. 479. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_naturgeschichte_1797/501>, abgerufen am 17.02.2019.