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Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. 6. Aufl. Göttingen, 1799.

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4) M. G. mit überzähligen Gliedern. Mon-
stra per excessum
. Die gemeinsten (-
selbst nicht selten unter wilden Thieren z. B.
Hasen -) Theils gar erblich, wie z. B. in
den sechsfingrigen Familien.

Anm. Die auffallende Aehnlichkeit unter so vielen Mon-
strositäten beweiset, daß auch selbst diese Abwei-
chungen des Bildungstriebes dennoch bestimmten
Gesetzen folgen müssen; so wie hingegen die be-
kannte Erfahrung, daß die Hausthiere seit ihrer
Unterjochung und die cultivirten Gartenpflanzen
denselben weit mehr als in ihrem wilden Zustand
unterworfen sind (daß z. B. Mißgeburten unter
den Hausschweinen so häufig, unter den wilden
Schweinen hingegen fast unerhört sind), sich mit
der Lehre der Evolutionisten, daß die Keime die-
ser Mißgeburten ebenfalls seit der ersten Schöpfung
schon monströs präformirt eingeschachtelt gele-
gen, wohl schwerlich zusammen reimen läßt.

§. 13.

Zwitter nennt man zwar im engern Sinn
bloß solche einzelne Individua von organisirten
Körpern, bey welchen widernatürlicher Weise
die Spuren der zweyfachen eigentlichen Sexual-
organe mehr oder weniger verbunden sind, die
sonst, in den männlichen und weiblichen Ge-
schöpfen derselben Art, getrennt seyn sollten.
Dergleichen finden sich selbst zuweilen unter den
warmblütigen Thieren; zumahl unter den Rind-
vieh, Schafen und Ziegen.

Nächstdem aber verdient auch diejenige Ab-
weichung des Bildungstriebes hier einer Erwäh-
nung, wenn andre körperliche Functionen oder

4) M. G. mit überzähligen Gliedern. Mon-
stra per excessum
. Die gemeinsten (–
selbst nicht selten unter wilden Thieren z. B.
Hasen –) Theils gar erblich, wie z. B. in
den sechsfingrigen Familien.

Anm. Die auffallende Aehnlichkeit unter so vielen Mon-
strositäten beweiset, daß auch selbst diese Abwei-
chungen des Bildungstriebes dennoch bestimmten
Gesetzen folgen müssen; so wie hingegen die be-
kannte Erfahrung, daß die Hausthiere seit ihrer
Unterjochung und die cultivirten Gartenpflanzen
denselben weit mehr als in ihrem wilden Zustand
unterworfen sind (daß z. B. Mißgeburten unter
den Hausschweinen so häufig, unter den wilden
Schweinen hingegen fast unerhört sind), sich mit
der Lehre der Evolutionisten, daß die Keime die-
ser Mißgeburten ebenfalls seit der ersten Schöpfung
schon monströs präformirt eingeschachtelt gele-
gen, wohl schwerlich zusammen reimen läßt.

§. 13.

Zwitter nennt man zwar im engern Sinn
bloß solche einzelne Individua von organisirten
Körpern, bey welchen widernatürlicher Weise
die Spuren der zweyfachen eigentlichen Sexual-
organe mehr oder weniger verbunden sind, die
sonst, in den männlichen und weiblichen Ge-
schöpfen derselben Art, getrennt seyn sollten.
Dergleichen finden sich selbst zuweilen unter den
warmblütigen Thieren; zumahl unter den Rind-
vieh, Schafen und Ziegen.

Nächstdem aber verdient auch diejenige Ab-
weichung des Bildungstriebes hier einer Erwäh-
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[21/0045] 4) M. G. mit überzähligen Gliedern. Mon- stra per excessum. Die gemeinsten (– selbst nicht selten unter wilden Thieren z. B. Hasen –) Theils gar erblich, wie z. B. in den sechsfingrigen Familien. Anm. Die auffallende Aehnlichkeit unter so vielen Mon- strositäten beweiset, daß auch selbst diese Abwei- chungen des Bildungstriebes dennoch bestimmten Gesetzen folgen müssen; so wie hingegen die be- kannte Erfahrung, daß die Hausthiere seit ihrer Unterjochung und die cultivirten Gartenpflanzen denselben weit mehr als in ihrem wilden Zustand unterworfen sind (daß z. B. Mißgeburten unter den Hausschweinen so häufig, unter den wilden Schweinen hingegen fast unerhört sind), sich mit der Lehre der Evolutionisten, daß die Keime die- ser Mißgeburten ebenfalls seit der ersten Schöpfung schon monströs präformirt eingeschachtelt gele- gen, wohl schwerlich zusammen reimen läßt. §. 13. Zwitter nennt man zwar im engern Sinn bloß solche einzelne Individua von organisirten Körpern, bey welchen widernatürlicher Weise die Spuren der zweyfachen eigentlichen Sexual- organe mehr oder weniger verbunden sind, die sonst, in den männlichen und weiblichen Ge- schöpfen derselben Art, getrennt seyn sollten. Dergleichen finden sich selbst zuweilen unter den warmblütigen Thieren; zumahl unter den Rind- vieh, Schafen und Ziegen. Nächstdem aber verdient auch diejenige Ab- weichung des Bildungstriebes hier einer Erwäh- nung, wenn andre körperliche Functionen oder

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Dieses Werk stammt vom Projekt „Johann Friedrich Blumenbach – online“ der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen.

Herstellung der Imagedateien des Quelldokuments durch die Utrecht University Library und die Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena.

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Bei der Zeichenerkennung wurde nach dem von der Akademie gelieferten Dokument "Buchstabenmuster_Blumenbach.doc" modernisiert.

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  • Bogensignaturen und Kustoden
  • Kolumnentitel
  • Auf Titelblättern wurde auf die Auszeichnung der Schriftgrößenunterscheide zugunsten der Identifizeriung von titleParts verzeichtet.
  • Keine Auszeichnung der Initialbuchstaben am Kapitelanfang.

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Zitationshilfe: Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. 6. Aufl. Göttingen, 1799, S. 21. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_naturgeschichte_1799/45>, abgerufen am 18.02.2019.