Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. 6. Aufl. Göttingen, 1799.

Bild:
<< vorherige Seite

worüber bekanntlich Herr Kölreuter die scharf-
sinnigsten Versuche angestellt, und sogar durch
wiederhohlte Erzeugung fruchtbarer Bastard-
pflanzen die Eine Gattung von Toback (nico-
tiana
rustica) endlich vollkommen in eine andre
(nicotiana paniculata) verwandelt und umge-
schaffen*): welches sich freylich mit der Lehre
von vermeinten präformirten Keimen schlechter-
dings nicht, aber, wo ich nicht irre, ganz wohl
mit der vom Bildungstriebe (§. 9.) reimen läßt.

Anm. So können auch durch Zufall Bestardpflanzen
in Gärten entstehen; wenn zwey verschiedene, aber
doch verwandte Gattungen zur Blühzeit nahe bey-
sammen waren.

§. 204.

Auch die Mißgeburten (§. 12.) sind im Ge-
wächsreiche ungleich zahlreicher, als unter den
Thieren und zwar bekanntlich bey den cultivir-
ten Gewächsen ohne Vergleich häufiger als bey
den wild wachsenden. (- s. oben §. 12. Anm. -)
Es ist kein Theil der Pflanze, an welchem man
nicht zuweilen, an einigen aber sehr häufig,
Monstrositäten bemerkte. Am meisten sind es
überzählige, wuchernde Theile (monstra per ex-
cessum
S. 21.); doppelte an einander gewachsene
Stämme, doppelte oder vielfache Früchte etc. viel-
fache Kornähren, Rosen, aus deren Mitte andre
kleine Rosen hervor schießen u. s. w.

*) Dritte Fortsetzung der vorläufigen Nachricht.
S. 51 u. f.

worüber bekanntlich Herr Kölreuter die scharf-
sinnigsten Versuche angestellt, und sogar durch
wiederhohlte Erzeugung fruchtbarer Bastard-
pflanzen die Eine Gattung von Toback (nico-
tiana
rustica) endlich vollkommen in eine andre
(nicotiana paniculata) verwandelt und umge-
schaffen*): welches sich freylich mit der Lehre
von vermeinten präformirten Keimen schlechter-
dings nicht, aber, wo ich nicht irre, ganz wohl
mit der vom Bildungstriebe (§. 9.) reimen läßt.

Anm. So können auch durch Zufall Bestardpflanzen
in Gärten entstehen; wenn zwey verschiedene, aber
doch verwandte Gattungen zur Blühzeit nahe bey-
sammen waren.

§. 204.

Auch die Mißgeburten (§. 12.) sind im Ge-
wächsreiche ungleich zahlreicher, als unter den
Thieren und zwar bekanntlich bey den cultivir-
ten Gewächsen ohne Vergleich häufiger als bey
den wild wachsenden. (– s. oben §. 12. Anm. –)
Es ist kein Theil der Pflanze, an welchem man
nicht zuweilen, an einigen aber sehr häufig,
Monstrositäten bemerkte. Am meisten sind es
überzählige, wuchernde Theile (monstra per ex-
cessum
S. 21.); doppelte an einander gewachsene
Stämme, doppelte oder vielfache Früchte ꝛc. viel-
fache Kornähren, Rosen, aus deren Mitte andre
kleine Rosen hervor schießen u. s. w.

*) Dritte Fortsetzung der vorläufigen Nachricht.
S. 51 u. f.
<TEI xml:lang="de-DE">
  <text xml:id="blume000027">
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0523" xml:id="pb499_0001" n="499"/>
worüber bekanntlich Herr Kölreuter die scharf-<lb/>
sinnigsten Versuche angestellt, und sogar durch<lb/>
wiederhohlte Erzeugung fruchtbarer Bastard-<lb/>
pflanzen die Eine Gattung von Toback (<hi rendition="#aq">nico-<lb/>
tiana</hi> <hi rendition="#i"><hi rendition="#aq">rustica</hi></hi>) endlich vollkommen in eine andre<lb/>
(<hi rendition="#aq">nicotiana</hi> <hi rendition="#i"><hi rendition="#aq">paniculata</hi></hi>) verwandelt und umge-<lb/>
schaffen<note anchored="true" place="foot" n="*)"><p>Dritte Fortsetzung der vorläufigen Nachricht.<lb/>
S. 51 u. f.</p></note>: welches sich freylich mit der Lehre<lb/>
von vermeinten präformirten Keimen schlechter-<lb/>
dings nicht, aber, wo ich nicht irre, ganz wohl<lb/>
mit der vom Bildungstriebe (§. 9.) reimen läßt.</p>
          <p rendition="#indent-1 #small">Anm. So können auch durch Zufall Bestardpflanzen<lb/>
in Gärten entstehen; wenn zwey verschiedene, aber<lb/>
doch verwandte Gattungen zur Blühzeit nahe bey-<lb/>
sammen waren.</p>
        </div>
        <div n="2">
          <head rendition="#c">§. 204.</head><lb/>
          <p>Auch die Mißgeburten (§. 12.) sind im Ge-<lb/>
wächsreiche ungleich zahlreicher, als unter den<lb/>
Thieren und zwar bekanntlich bey den cultivir-<lb/>
ten Gewächsen ohne Vergleich häufiger als bey<lb/>
den wild wachsenden. (&#x2013; s. oben §. 12. Anm. &#x2013;)<lb/>
Es ist kein Theil der Pflanze, an welchem man<lb/>
nicht zuweilen, an einigen aber sehr häufig,<lb/>
Monstrositäten bemerkte. Am meisten sind es<lb/>
überzählige, wuchernde Theile (<hi rendition="#aq">monstra</hi> <hi rendition="#i"><hi rendition="#aq">per ex-<lb/>
cessum</hi></hi> S. 21.); doppelte an einander gewachsene<lb/>
Stämme, doppelte oder vielfache Früchte &#xA75B;c. viel-<lb/>
fache Kornähren, Rosen, aus deren Mitte andre<lb/>
kleine Rosen hervor schießen u. s. w.</p>
        </div>
        <div n="2">
</div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[499/0523] worüber bekanntlich Herr Kölreuter die scharf- sinnigsten Versuche angestellt, und sogar durch wiederhohlte Erzeugung fruchtbarer Bastard- pflanzen die Eine Gattung von Toback (nico- tiana rustica) endlich vollkommen in eine andre (nicotiana paniculata) verwandelt und umge- schaffen *): welches sich freylich mit der Lehre von vermeinten präformirten Keimen schlechter- dings nicht, aber, wo ich nicht irre, ganz wohl mit der vom Bildungstriebe (§. 9.) reimen läßt. Anm. So können auch durch Zufall Bestardpflanzen in Gärten entstehen; wenn zwey verschiedene, aber doch verwandte Gattungen zur Blühzeit nahe bey- sammen waren. §. 204. Auch die Mißgeburten (§. 12.) sind im Ge- wächsreiche ungleich zahlreicher, als unter den Thieren und zwar bekanntlich bey den cultivir- ten Gewächsen ohne Vergleich häufiger als bey den wild wachsenden. (– s. oben §. 12. Anm. –) Es ist kein Theil der Pflanze, an welchem man nicht zuweilen, an einigen aber sehr häufig, Monstrositäten bemerkte. Am meisten sind es überzählige, wuchernde Theile (monstra per ex- cessum S. 21.); doppelte an einander gewachsene Stämme, doppelte oder vielfache Früchte ꝛc. viel- fache Kornähren, Rosen, aus deren Mitte andre kleine Rosen hervor schießen u. s. w. *) Dritte Fortsetzung der vorläufigen Nachricht. S. 51 u. f.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Weitere Informationen:

Dieses Werk stammt vom Projekt „Johann Friedrich Blumenbach – online“ der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen.

Herstellung der Imagedateien des Quelldokuments durch die Utrecht University Library und die Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena.

Anmerkungen zur Transkription:

Bei der Zeichenerkennung wurde nach dem von der Akademie gelieferten Dokument "Buchstabenmuster_Blumenbach.doc" modernisiert.

In Absprache mit der Akademie wurden die folgenden Aspekte der Vorlage nicht erfasst:

  • Bogensignaturen und Kustoden
  • Kolumnentitel
  • Auf Titelblättern wurde auf die Auszeichnung der Schriftgrößenunterscheide zugunsten der Identifizeriung von titleParts verzeichtet.
  • Keine Auszeichnung der Initialbuchstaben am Kapitelanfang.

Es wurden alle Anführungszeichen übernommen und die Zitate zusätzlich mit q ausgezeichnet. Eine Ausnahme bilden Zitate, bei denen das Anführungszeichen zu Beginn jeder Zeile wiederholt wird. Hier wurden die Wiederholungen des öffenenden Zeichens nicht übernommen, sondern jeweils nur das öffnende und das schließende Zeichen. Das umschließende Element q wurde für diese Zitate über das Attribut type mit dem Wert preline gekennzeichnet.

Weiche und harte Zeilentrennungen wurden als 002D übernommen. Weiche Zeilentrennungen wurden über die Ergänzung eines Attributwertes von den harten Trennungen unterscheiden: lb type="inWord". Erstreckt sich die Worttrennung über einen Seitenumbruch steht das Element pb direkt hinter dem schließenden lb type="inWord" bzw. lb.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_naturgeschichte_1799
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_naturgeschichte_1799/523
Zitationshilfe: Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. 6. Aufl. Göttingen, 1799, S. 499. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_naturgeschichte_1799/523>, abgerufen am 17.02.2019.