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Blumenbach, Johann Friedrich: Anfangsgründe der Physiologie. (Übers. Joseph Eyerel). Wien, 1789.

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Sie sondern ihren Speichel durch die an den Mitt-
lern obern Backzähnen sich eröffnenden Stenoni-
schen Speichelgänge a) aus.

Nahe an diesen liegen die Unterkieferdrü-
sen, die ihren Speichel durch die Warthonischen
Gänge b) abscheiden.

Die unter der Zunge liegenden sind die al-
lerkleinsten, und sind mit sehr vielen, von Ri-
vinus c) entdeckten Aussonderungsgängen ver-
sehen.

a) Stenonis observationes anatomicae. p. 20.

b) Warthonis adenographia. p. 120.

c) Rivinus de dyspepsia. Lips. 1678. 4.

Aug. Fr. Walther de lingua humana ib. 1724. 4.

§. 348.

Die Aussonderung des Speichels wird sowohl
durch Reiz, mechanischen Druck und gleichsam
durch Auspressung befördert. Nach Nuck's a)
etwas willkührlicher Angabe nimmt man gemeinig-
lich an, daß innerhalb zwölf Stunden gegen ein
Pfund abgesondert werde.

Durch den Druck nämlich (den vorzüglich die
Lage der Ohrendrüsen an dem Kinnladengelenke
begünstiget) zerkäuen wir die härtern Speisen,
welche durch den herbeyfließenden Speichel vortreff-
lich erweicht werden.

Der Reiz liegt entweder in der Schärfe der
Speisen, welche sodann durch diesen Zufluß des
Speichels gemildert wird, oder wird durch die
Einbildungskraft erregt, wie wir an denjenigen
sehen, denen vor Begierde zu essen der Speichel
häufiger zufließt.

a) Nuckii Sialographia p. 29.

Sie sondern ihren Speichel durch die an den Mitt-
lern obern Backzähnen sich eröffnenden Stenoni-
schen Speichelgänge a) aus.

Nahe an diesen liegen die Unterkieferdrü-
sen, die ihren Speichel durch die Warthonischen
Gänge b) abscheiden.

Die unter der Zunge liegenden sind die al-
lerkleinsten, und sind mit sehr vielen, von Ri-
vinus c) entdeckten Aussonderungsgängen ver-
sehen.

a) Stenonis observationes anatomicae. p. 20.

b) Warthonis adenographia. p. 120.

c) Rivinus de dyspepsia. Lips. 1678. 4.

Aug. Fr. Walther de lingua humana ib. 1724. 4.

§. 348.

Die Aussonderung des Speichels wird sowohl
durch Reiz, mechanischen Druck und gleichsam
durch Auspressung befördert. Nach Nuck's a)
etwas willkührlicher Angabe nimmt man gemeinig-
lich an, daß innerhalb zwölf Stunden gegen ein
Pfund abgesondert werde.

Durch den Druck nämlich (den vorzüglich die
Lage der Ohrendrüsen an dem Kinnladengelenke
begünstiget) zerkäuen wir die härtern Speisen,
welche durch den herbeyfließenden Speichel vortreff-
lich erweicht werden.

Der Reiz liegt entweder in der Schärfe der
Speisen, welche sodann durch diesen Zufluß des
Speichels gemildert wird, oder wird durch die
Einbildungskraft erregt, wie wir an denjenigen
sehen, denen vor Begierde zu essen der Speichel
häufiger zufließt.

a) Nuckii Sialographia p. 29.

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[215/0233] Sie sondern ihren Speichel durch die an den Mitt- lern obern Backzähnen sich eröffnenden Stenoni- schen Speichelgänge a) aus. Nahe an diesen liegen die Unterkieferdrü- sen, die ihren Speichel durch die Warthonischen Gänge b) abscheiden. Die unter der Zunge liegenden sind die al- lerkleinsten, und sind mit sehr vielen, von Ri- vinus c) entdeckten Aussonderungsgängen ver- sehen. a) Stenonis observationes anatomicae. p. 20. b) Warthonis adenographia. p. 120. c) Rivinus de dyspepsia. Lips. 1678. 4. Aug. Fr. Walther de lingua humana ib. 1724. 4. §. 348. Die Aussonderung des Speichels wird sowohl durch Reiz, mechanischen Druck und gleichsam durch Auspressung befördert. Nach Nuck's a) etwas willkührlicher Angabe nimmt man gemeinig- lich an, daß innerhalb zwölf Stunden gegen ein Pfund abgesondert werde. Durch den Druck nämlich (den vorzüglich die Lage der Ohrendrüsen an dem Kinnladengelenke begünstiget) zerkäuen wir die härtern Speisen, welche durch den herbeyfließenden Speichel vortreff- lich erweicht werden. Der Reiz liegt entweder in der Schärfe der Speisen, welche sodann durch diesen Zufluß des Speichels gemildert wird, oder wird durch die Einbildungskraft erregt, wie wir an denjenigen sehen, denen vor Begierde zu essen der Speichel häufiger zufließt. a) Nuckii Sialographia p. 29.

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Zitationshilfe: Blumenbach, Johann Friedrich: Anfangsgründe der Physiologie. (Übers. Joseph Eyerel). Wien, 1789, S. 215. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_physiologie_1789/233>, abgerufen am 28.05.2020.