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Blumenbach, Johann Friedrich: Anfangsgründe der Physiologie. (Übers. Joseph Eyerel). Wien, 1789.

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und dem Urquell aller thierischen Säfte handeln;
denn der rohe Saft wird in Blut verwandelt,
woraus sodann alle übrigen Feuchtigkeiten ent-
springen; das Blut strömt, einige Theile, z. B.
das Oberhäutchen, die Spinnewebhaut, das
Schaafhäutchen, und den Schmelz der Zähne aus-
genommen, durch die ganze Substanz des Kör-
pers.

§. 6.

Es ist aber das Blut eine eigene, mehr oder
weniger rothe, klebrige und warme Flüßigkeit,
deren Zusammensetzung unter die Naturgeheimni-
ße gehört; denn alle Versuche der Scheidekünst-
ler, eine ähnliche flüßige Masse hervorzubringen,
waren bisher umsonst.

§. 7.

Wenn das Blut frisch aus der Ader gelas-
sen, und in einem Gefässe aufgefangen wird,
bemerkt man folgende Erscheinungen a).

So lange das Blut noch warm ist, steigt
ein flüchtiger Duft in die Höhe, der sich unter ei-
ner Glasglocke in thauförmigen Tropfen ansamm-
let, wie klares Brunnenwasser aussieht, aber ei-
nen brenzlichten, eigenen, wahrhaft thierischen
Geruch hat (bey fleischfressenden Thieren noch auf-
fallender) und demjenigen Geruch ähnlich ist, der
aus dem frischgelassenen, noch warmen Urin, und
bey Leichenöffnungen, die sogleich nach dem Tode
angestellt werden, aus dem Bauche und der Brust-
höhle aufsteigt. Ein großer Theil dieser wässe-
rigten Flüßigkeit bleibt den übrigen Bestandthei-
len des Blutes beygemischt.

und dem Urquell aller thierischen Säfte handeln;
denn der rohe Saft wird in Blut verwandelt,
woraus sodann alle übrigen Feuchtigkeiten ent-
springen; das Blut strömt, einige Theile, z. B.
das Oberhäutchen, die Spinnewebhaut, das
Schaafhäutchen, und den Schmelz der Zähne aus-
genommen, durch die ganze Substanz des Kör-
pers.

§. 6.

Es ist aber das Blut eine eigene, mehr oder
weniger rothe, klebrige und warme Flüßigkeit,
deren Zusammensetzung unter die Naturgeheimni-
ße gehört; denn alle Versuche der Scheidekünst-
ler, eine ähnliche flüßige Masse hervorzubringen,
waren bisher umsonst.

§. 7.

Wenn das Blut frisch aus der Ader gelas-
sen, und in einem Gefässe aufgefangen wird,
bemerkt man folgende Erscheinungen a).

So lange das Blut noch warm ist, steigt
ein flüchtiger Duft in die Höhe, der sich unter ei-
ner Glasglocke in thauförmigen Tropfen ansamm-
let, wie klares Brunnenwasser aussieht, aber ei-
nen brenzlichten, eigenen, wahrhaft thierischen
Geruch hat (bey fleischfressenden Thieren noch auf-
fallender) und demjenigen Geruch ähnlich ist, der
aus dem frischgelassenen, noch warmen Urin, und
bey Leichenöffnungen, die sogleich nach dem Tode
angestellt werden, aus dem Bauche und der Brust-
höhle aufsteigt. Ein großer Theil dieser wässe-
rigten Flüßigkeit bleibt den übrigen Bestandthei-
len des Blutes beygemischt.

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[6/0026] und dem Urquell aller thierischen Säfte handeln; denn der rohe Saft wird in Blut verwandelt, woraus sodann alle übrigen Feuchtigkeiten ent- springen; das Blut strömt, einige Theile, z. B. das Oberhäutchen, die Spinnewebhaut, das Schaafhäutchen, und den Schmelz der Zähne aus- genommen, durch die ganze Substanz des Kör- pers. §. 6. Es ist aber das Blut eine eigene, mehr oder weniger rothe, klebrige und warme Flüßigkeit, deren Zusammensetzung unter die Naturgeheimni- ße gehört; denn alle Versuche der Scheidekünst- ler, eine ähnliche flüßige Masse hervorzubringen, waren bisher umsonst. §. 7. Wenn das Blut frisch aus der Ader gelas- sen, und in einem Gefässe aufgefangen wird, bemerkt man folgende Erscheinungen a). So lange das Blut noch warm ist, steigt ein flüchtiger Duft in die Höhe, der sich unter ei- ner Glasglocke in thauförmigen Tropfen ansamm- let, wie klares Brunnenwasser aussieht, aber ei- nen brenzlichten, eigenen, wahrhaft thierischen Geruch hat (bey fleischfressenden Thieren noch auf- fallender) und demjenigen Geruch ähnlich ist, der aus dem frischgelassenen, noch warmen Urin, und bey Leichenöffnungen, die sogleich nach dem Tode angestellt werden, aus dem Bauche und der Brust- höhle aufsteigt. Ein großer Theil dieser wässe- rigten Flüßigkeit bleibt den übrigen Bestandthei- len des Blutes beygemischt.

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Zitationshilfe: Blumenbach, Johann Friedrich: Anfangsgründe der Physiologie. (Übers. Joseph Eyerel). Wien, 1789, S. 6. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_physiologie_1789/26>, abgerufen am 15.11.2018.