Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

[Bodmer, Johann Jacob]: Sammlung Critischer, Poetischer, und andrer geistvollen Schriften. Bd. 1. Zürich, 1741.

Bild:
<< vorherige Seite

Widerlegung der Relig. Essent.
schaffung alles überflüssigen, wie derselbe meint,
überbleiben, und das Wesen der Religion aus-
machen.

III.

Die Religion ist Wahrheit: Der Grund der
Wahrheit muß in der Natur und Beschaffen-
heit der Sache selbst liegen. Daher entsteht
der erste Grundsaz des Verfassers; nemlich:
Da die Religion in einer Beziehung zwischen
Gott und den Menschen besteht, so müssen die
Wahrheiten/ welche zur Religion gehören, bey-
des in der Beschaffenheit Gottes und der Men-
schen gegründet seyn: Folglich muß jeder Saz/
der nicht in einem dieser Stüke oder in bey-
den seinen Grund hat, oder denselben wider-
spricht/ falsch seyn/ oder doch zum Wesen der
Religion nicht gehören.

So wahr dieser Grundsaz in sich selbst ist,
so schwer ist die Anwendung desselben, zu ei-
ner genauen Bestimmung derjenigen Wahrhei-
ten, welche zur Religion mit Ausschluß alles
andern gehören: Wer dieses thun wolte, müste
nothwendig die Natur Gottes und der Men-
schen völlig kennen; das ist, wissen was durch
die Natur beyder in Absicht auf ihre Beziehung
gegen einander möglich sey. Das sezet Hr.
Breitinger dem Unbekannten entgegen, u. bringt
den gemachten Saz darum in solche Schran-
ken, in welchen er nuzbar wird: Nemlich, al-
les was demjenigen widerspricht, das wir von
Gott und dem Menschen deutlich als Wahrheit
erkennen, dasselbe ist falsch, etc. Wie oft aber

hat

Widerlegung der Relig. Eſſent.
ſchaffung alles uͤberfluͤſſigen, wie derſelbe meint,
uͤberbleiben, und das Weſen der Religion aus-
machen.

III.

Die Religion iſt Wahrheit: Der Grund der
Wahrheit muß in der Natur und Beſchaffen-
heit der Sache ſelbſt liegen. Daher entſteht
der erſte Grundſaz des Verfaſſers; nemlich:
Da die Religion in einer Beziehung zwiſchen
Gott und den Menſchen beſteht, ſo muͤſſen die
Wahrheiten/ welche zur Religion gehoͤren, bey-
des in der Beſchaffenheit Gottes und der Men-
ſchen gegruͤndet ſeyn: Folglich muß jeder Saz/
der nicht in einem dieſer Stuͤke oder in bey-
den ſeinen Grund hat, oder denſelben wider-
ſpricht/ falſch ſeyn/ oder doch zum Weſen der
Religion nicht gehoͤren.

So wahr dieſer Grundſaz in ſich ſelbſt iſt,
ſo ſchwer iſt die Anwendung deſſelben, zu ei-
ner genauen Beſtimmung derjenigen Wahrhei-
ten, welche zur Religion mit Ausſchluß alles
andern gehoͤren: Wer dieſes thun wolte, muͤſte
nothwendig die Natur Gottes und der Men-
ſchen voͤllig kennen; das iſt, wiſſen was durch
die Natur beyder in Abſicht auf ihre Beziehung
gegen einander moͤglich ſey. Das ſezet Hr.
Breitinger dem Unbekannten entgegen, u. bringt
den gemachten Saz darum in ſolche Schran-
ken, in welchen er nuzbar wird: Nemlich, al-
les was demjenigen widerſpricht, das wir von
Gott und dem Menſchen deutlich als Wahrheit
erkennen, daſſelbe iſt falſch, ꝛc. Wie oft aber

hat
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0157" n="141"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Widerlegung der <hi rendition="#aq">Relig. E&#x017F;&#x017F;ent.</hi></hi></fw><lb/>
&#x017F;chaffung alles u&#x0364;berflu&#x0364;&#x017F;&#x017F;igen, wie der&#x017F;elbe meint,<lb/>
u&#x0364;berbleiben, und das We&#x017F;en der Religion aus-<lb/>
machen.</p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#aq">III.</hi> </head><lb/>
          <p>Die Religion i&#x017F;t Wahrheit: Der Grund der<lb/>
Wahrheit muß in der Natur und Be&#x017F;chaffen-<lb/>
heit der Sache &#x017F;elb&#x017F;t liegen. Daher ent&#x017F;teht<lb/>
der er&#x017F;te Grund&#x017F;az des Verfa&#x017F;&#x017F;ers; nemlich:<lb/><hi rendition="#fr">Da die Religion in einer Beziehung zwi&#x017F;chen<lb/>
Gott und den Men&#x017F;chen be&#x017F;teht, &#x017F;o mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en die<lb/>
Wahrheiten/ welche zur Religion geho&#x0364;ren, bey-<lb/>
des in der Be&#x017F;chaffenheit Gottes und der Men-<lb/>
&#x017F;chen gegru&#x0364;ndet &#x017F;eyn: Folglich muß jeder Saz/<lb/>
der nicht in einem die&#x017F;er Stu&#x0364;ke oder in bey-<lb/>
den &#x017F;einen Grund hat, oder den&#x017F;elben wider-<lb/>
&#x017F;pricht/ fal&#x017F;ch &#x017F;eyn/ oder doch zum We&#x017F;en der<lb/>
Religion nicht geho&#x0364;ren.</hi></p><lb/>
          <p>So wahr die&#x017F;er Grund&#x017F;az in &#x017F;ich &#x017F;elb&#x017F;t i&#x017F;t,<lb/>
&#x017F;o &#x017F;chwer i&#x017F;t die Anwendung de&#x017F;&#x017F;elben, zu ei-<lb/>
ner genauen Be&#x017F;timmung derjenigen Wahrhei-<lb/>
ten, welche zur Religion mit Aus&#x017F;chluß alles<lb/>
andern geho&#x0364;ren: Wer die&#x017F;es thun wolte, mu&#x0364;&#x017F;te<lb/>
nothwendig die Natur Gottes und der Men-<lb/>
&#x017F;chen vo&#x0364;llig kennen; das i&#x017F;t, wi&#x017F;&#x017F;en was durch<lb/>
die Natur beyder in Ab&#x017F;icht auf ihre Beziehung<lb/>
gegen einander mo&#x0364;glich &#x017F;ey. Das &#x017F;ezet Hr.<lb/>
Breitinger dem Unbekannten entgegen, u. bringt<lb/>
den gemachten Saz darum in &#x017F;olche Schran-<lb/>
ken, in welchen er nuzbar wird: Nemlich, al-<lb/>
les was demjenigen wider&#x017F;pricht, das wir von<lb/>
Gott und dem Men&#x017F;chen deutlich als Wahrheit<lb/>
erkennen, da&#x017F;&#x017F;elbe i&#x017F;t fal&#x017F;ch, &#xA75B;c. Wie oft aber<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">hat</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[141/0157] Widerlegung der Relig. Eſſent. ſchaffung alles uͤberfluͤſſigen, wie derſelbe meint, uͤberbleiben, und das Weſen der Religion aus- machen. III. Die Religion iſt Wahrheit: Der Grund der Wahrheit muß in der Natur und Beſchaffen- heit der Sache ſelbſt liegen. Daher entſteht der erſte Grundſaz des Verfaſſers; nemlich: Da die Religion in einer Beziehung zwiſchen Gott und den Menſchen beſteht, ſo muͤſſen die Wahrheiten/ welche zur Religion gehoͤren, bey- des in der Beſchaffenheit Gottes und der Men- ſchen gegruͤndet ſeyn: Folglich muß jeder Saz/ der nicht in einem dieſer Stuͤke oder in bey- den ſeinen Grund hat, oder denſelben wider- ſpricht/ falſch ſeyn/ oder doch zum Weſen der Religion nicht gehoͤren. So wahr dieſer Grundſaz in ſich ſelbſt iſt, ſo ſchwer iſt die Anwendung deſſelben, zu ei- ner genauen Beſtimmung derjenigen Wahrhei- ten, welche zur Religion mit Ausſchluß alles andern gehoͤren: Wer dieſes thun wolte, muͤſte nothwendig die Natur Gottes und der Men- ſchen voͤllig kennen; das iſt, wiſſen was durch die Natur beyder in Abſicht auf ihre Beziehung gegen einander moͤglich ſey. Das ſezet Hr. Breitinger dem Unbekannten entgegen, u. bringt den gemachten Saz darum in ſolche Schran- ken, in welchen er nuzbar wird: Nemlich, al- les was demjenigen widerſpricht, das wir von Gott und dem Menſchen deutlich als Wahrheit erkennen, daſſelbe iſt falſch, ꝛc. Wie oft aber hat

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/bodmer_sammlung01_1741
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/bodmer_sammlung01_1741/157
Zitationshilfe: [Bodmer, Johann Jacob]: Sammlung Critischer, Poetischer, und andrer geistvollen Schriften. Bd. 1. Zürich, 1741, S. 141. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bodmer_sammlung01_1741/157>, abgerufen am 26.05.2020.