Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

[Bodmer, Johann Jacob]: Sammlung Critischer, Poetischer, und anderer geistvollen Schriften. Bd. 4. Zürich, 1742.

Bild:
<< vorherige Seite
des deutschen Witzes.
III.
Historischer Erweis,
daß das Ergäntzungsstück zu der Vorrede

vor dem Trillerischen Fabelbuche,
Herren Doctor Trillern;
die Vorrede und Anmerkungen zu
demselben aber
Mich
zum Verfasser haben.

DEr Verfasser der neuen Anmerckungen in
den monatlichen Leipzigischen Belustigun-
gen
erweiset sich in der That als einen rechten
Kunstrichter, indem er allerley critische Räncke
brauchet, seiner schlimmen Sache ein Färblein an-
zustreichen, und seinen deutschen Lesern ein Blend-
werck zu machen. Wie sollte es aber einer an-
derst machen, wenn er sich ohne den Beystand der
Wahrheit zu einem critischen Zweykampfe frey-
willig anbietet, und da es ihm an der gerechten
Sache und einer gründlichen Verantwortung man-
gelt, dennoch so keificht ist, daß er seinem Geg-
ner nicht nachgeben will, ob er gleich zu Boden
liegt, sondern mit jenem gestriegelten Manne noch
immer unter der Bancke hervor schreyet: Jch bin
doch das Haupt! Wer zwischen antworten und
sich verantworten keinen Unterschied zu machen
weiß, und sie vor gleichgültig achtet, der wird

alle-
des deutſchen Witzes.
III.
Hiſtoriſcher Erweis,
daß das Ergaͤntzungsſtuͤck zu der Vorrede

vor dem Trilleriſchen Fabelbuche,
Herren Doctor Trillern;
die Vorrede und Anmerkungen zu
demſelben aber
Mich
zum Verfaſſer haben.

DEr Verfaſſer der neuen Anmerckungen in
den monatlichen Leipzigiſchen Beluſtigun-
gen
erweiſet ſich in der That als einen rechten
Kunſtrichter, indem er allerley critiſche Raͤncke
brauchet, ſeiner ſchlimmen Sache ein Faͤrblein an-
zuſtreichen, und ſeinen deutſchen Leſern ein Blend-
werck zu machen. Wie ſollte es aber einer an-
derſt machen, wenn er ſich ohne den Beyſtand der
Wahrheit zu einem critiſchen Zweykampfe frey-
willig anbietet, und da es ihm an der gerechten
Sache und einer gruͤndlichen Verantwortung man-
gelt, dennoch ſo keificht iſt, daß er ſeinem Geg-
ner nicht nachgeben will, ob er gleich zu Boden
liegt, ſondern mit jenem geſtriegelten Manne noch
immer unter der Bancke hervor ſchreyet: Jch bin
doch das Haupt! Wer zwiſchen antworten und
ſich verantworten keinen Unterſchied zu machen
weiß, und ſie vor gleichguͤltig achtet, der wird

alle-
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0063" n="61"/>
        <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b">des deut&#x017F;chen Witzes.</hi> </fw><lb/>
        <div n="2">
          <head><hi rendition="#aq"><hi rendition="#g">III.</hi></hi><lb/><hi rendition="#b">Hi&#x017F;tori&#x017F;cher Erweis,<lb/>
daß das Erga&#x0364;ntzungs&#x017F;tu&#x0364;ck zu der Vorrede</hi><lb/>
vor dem Trilleri&#x017F;chen Fabelbuche,<lb/><hi rendition="#b"><hi rendition="#g">Herren Doctor Trillern;</hi></hi><lb/>
die Vorrede und Anmerkungen zu<lb/>
dem&#x017F;elben aber<lb/><hi rendition="#b"><hi rendition="#g">Mich</hi></hi><lb/>
zum Verfa&#x017F;&#x017F;er haben.</head><lb/>
          <p><hi rendition="#in">D</hi>Er Verfa&#x017F;&#x017F;er der neuen <hi rendition="#fr">Anmerckungen</hi> in<lb/>
den monatlichen Leipzigi&#x017F;chen <hi rendition="#fr">Belu&#x017F;tigun-<lb/>
gen</hi> erwei&#x017F;et &#x017F;ich in der That als einen rechten<lb/><hi rendition="#fr">Kun&#x017F;t</hi>richter, indem er allerley criti&#x017F;che Ra&#x0364;ncke<lb/>
brauchet, &#x017F;einer &#x017F;chlimmen Sache ein Fa&#x0364;rblein an-<lb/>
zu&#x017F;treichen, und &#x017F;einen deut&#x017F;chen Le&#x017F;ern ein Blend-<lb/>
werck zu machen. Wie &#x017F;ollte es aber einer an-<lb/>
der&#x017F;t machen, wenn er &#x017F;ich ohne den Bey&#x017F;tand der<lb/>
Wahrheit <hi rendition="#fr">zu einem</hi> criti&#x017F;chen <hi rendition="#fr">Zweykampfe</hi> frey-<lb/>
willig <hi rendition="#fr">anbietet,</hi> und da es ihm an der gerechten<lb/>
Sache und einer gru&#x0364;ndlichen Verantwortung man-<lb/>
gelt, dennoch &#x017F;o keificht i&#x017F;t, daß er &#x017F;einem Geg-<lb/>
ner nicht nachgeben will, ob er gleich zu Boden<lb/>
liegt, &#x017F;ondern mit jenem ge&#x017F;triegelten Manne noch<lb/>
immer unter der Bancke hervor &#x017F;chreyet: Jch bin<lb/>
doch das Haupt! Wer zwi&#x017F;chen <hi rendition="#fr">antworten</hi> und<lb/><hi rendition="#fr">&#x017F;ich verantworten</hi> keinen Unter&#x017F;chied zu machen<lb/>
weiß, und &#x017F;ie vor gleichgu&#x0364;ltig achtet, der wird<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">alle-</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[61/0063] des deutſchen Witzes. III. Hiſtoriſcher Erweis, daß das Ergaͤntzungsſtuͤck zu der Vorrede vor dem Trilleriſchen Fabelbuche, Herren Doctor Trillern; die Vorrede und Anmerkungen zu demſelben aber Mich zum Verfaſſer haben. DEr Verfaſſer der neuen Anmerckungen in den monatlichen Leipzigiſchen Beluſtigun- gen erweiſet ſich in der That als einen rechten Kunſtrichter, indem er allerley critiſche Raͤncke brauchet, ſeiner ſchlimmen Sache ein Faͤrblein an- zuſtreichen, und ſeinen deutſchen Leſern ein Blend- werck zu machen. Wie ſollte es aber einer an- derſt machen, wenn er ſich ohne den Beyſtand der Wahrheit zu einem critiſchen Zweykampfe frey- willig anbietet, und da es ihm an der gerechten Sache und einer gruͤndlichen Verantwortung man- gelt, dennoch ſo keificht iſt, daß er ſeinem Geg- ner nicht nachgeben will, ob er gleich zu Boden liegt, ſondern mit jenem geſtriegelten Manne noch immer unter der Bancke hervor ſchreyet: Jch bin doch das Haupt! Wer zwiſchen antworten und ſich verantworten keinen Unterſchied zu machen weiß, und ſie vor gleichguͤltig achtet, der wird alle-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/bodmer_sammlung04_1742
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/bodmer_sammlung04_1742/63
Zitationshilfe: [Bodmer, Johann Jacob]: Sammlung Critischer, Poetischer, und anderer geistvollen Schriften. Bd. 4. Zürich, 1742, S. 61. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bodmer_sammlung04_1742/63>, abgerufen am 17.06.2019.