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[Bodmer, Johann Jacob]: Sammlung Critischer, Poetischer, und anderer geistvollen Schriften. Bd. 7. Zürich, 1743.

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Abentheuer, das sich mit der Aeneis
Hrn. Joh. Christ. Schwartzen in Conrector
Erlebachs Schule zugetragen hat.

JCH habe so viele Proben von der Gütig-
keit meiner Leser empfangen, daß ich mich
dißmahl aus blossem Vertrauen auf die-
selbe erkühne, der Neigung, nach welcher jeder
Mensch gerne von seinem Handwercke redet, nach-
zugeben, und ihnen eine Handlung aus meinem
Schulstaate zu erzehlen. Jch darf dieses desto
dreuster thun, nachdem diejenige, für welche ich vor-
nehmlich schreibe, sich in den Gottschedischen Bey-
trägen zur deutschen Sprache,
in den Belusti-
gungen des Witzes und des Verstandes,
und in
andern Schriften von dieser Art, an Schulübun-
gen, an Jugendfrüchte, an Erstlinge des Geistes,
an grammaticalische Exercitien, und dergleichen
Sachen dergestalt gewöhnt haben, daß sie sol-
che nicht selten ihres Beyfalles gewürdiget, und
manchmahl gar vor Meisterstücke des Witzes be-
wundert haben.

Jch habe vor wenigen Tagen meinen Unter-
gebenen etliche Stellen aus der Aeneis zu über-
setzen vorgeschrieben, und demjenigen der es am
besten machen würde, einen saubergebundenen Lon-
gin nach Heineckens Uebersetzung mit der neuen
Vorrede, als einen verdienten Preis verspro-
chen, dahingegen derjenige, welcher die schlech-
teste Probe liefern würde, den Schulesel bestei-
gen, und drey Viertelstunden darauf sitzen sollte.

Unter
[Crit. Samml VII. St.] F


Abentheuer, das ſich mit der Aeneis
Hrn. Joh. Chriſt. Schwartzen in Conrector
Erlebachs Schule zugetragen hat.

JCH habe ſo viele Proben von der Guͤtig-
keit meiner Leſer empfangen, daß ich mich
dißmahl aus bloſſem Vertrauen auf die-
ſelbe erkuͤhne, der Neigung, nach welcher jeder
Menſch gerne von ſeinem Handwercke redet, nach-
zugeben, und ihnen eine Handlung aus meinem
Schulſtaate zu erzehlen. Jch darf dieſes deſto
dreuſter thun, nachdem diejenige, fuͤr welche ich vor-
nehmlich ſchreibe, ſich in den Gottſchediſchen Bey-
traͤgen zur deutſchen Sprache,
in den Beluſti-
gungen des Witzes und des Verſtandes,
und in
andern Schriften von dieſer Art, an Schuluͤbun-
gen, an Jugendfruͤchte, an Erſtlinge des Geiſtes,
an grammaticaliſche Exercitien, und dergleichen
Sachen dergeſtalt gewoͤhnt haben, daß ſie ſol-
che nicht ſelten ihres Beyfalles gewuͤrdiget, und
manchmahl gar vor Meiſterſtuͤcke des Witzes be-
wundert haben.

Jch habe vor wenigen Tagen meinen Unter-
gebenen etliche Stellen aus der Aeneis zu uͤber-
ſetzen vorgeſchrieben, und demjenigen der es am
beſten machen wuͤrde, einen ſaubergebundenen Lon-
gin nach Heineckens Ueberſetzung mit der neuen
Vorrede, als einen verdienten Preis verſpro-
chen, dahingegen derjenige, welcher die ſchlech-
teſte Probe liefern wuͤrde, den Schuleſel beſtei-
gen, und drey Viertelſtunden darauf ſitzen ſollte.

Unter
[Crit. Sam̃l VII. St.] F
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[81/0081] Abentheuer, das ſich mit der Aeneis Hrn. Joh. Chriſt. Schwartzen in Conrector Erlebachs Schule zugetragen hat. JCH habe ſo viele Proben von der Guͤtig- keit meiner Leſer empfangen, daß ich mich dißmahl aus bloſſem Vertrauen auf die- ſelbe erkuͤhne, der Neigung, nach welcher jeder Menſch gerne von ſeinem Handwercke redet, nach- zugeben, und ihnen eine Handlung aus meinem Schulſtaate zu erzehlen. Jch darf dieſes deſto dreuſter thun, nachdem diejenige, fuͤr welche ich vor- nehmlich ſchreibe, ſich in den Gottſchediſchen Bey- traͤgen zur deutſchen Sprache, in den Beluſti- gungen des Witzes und des Verſtandes, und in andern Schriften von dieſer Art, an Schuluͤbun- gen, an Jugendfruͤchte, an Erſtlinge des Geiſtes, an grammaticaliſche Exercitien, und dergleichen Sachen dergeſtalt gewoͤhnt haben, daß ſie ſol- che nicht ſelten ihres Beyfalles gewuͤrdiget, und manchmahl gar vor Meiſterſtuͤcke des Witzes be- wundert haben. Jch habe vor wenigen Tagen meinen Unter- gebenen etliche Stellen aus der Aeneis zu uͤber- ſetzen vorgeſchrieben, und demjenigen der es am beſten machen wuͤrde, einen ſaubergebundenen Lon- gin nach Heineckens Ueberſetzung mit der neuen Vorrede, als einen verdienten Preis verſpro- chen, dahingegen derjenige, welcher die ſchlech- teſte Probe liefern wuͤrde, den Schuleſel beſtei- gen, und drey Viertelſtunden darauf ſitzen ſollte. Unter [Crit. Sam̃l VII. St.] F

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Zitationshilfe: [Bodmer, Johann Jacob]: Sammlung Critischer, Poetischer, und anderer geistvollen Schriften. Bd. 7. Zürich, 1743, S. 81. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bodmer_sammlung07_1743/81>, abgerufen am 20.01.2020.