Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Bohse, August: Des Franzöischen Helicons Monat-Früchte. Leipzig, 1696.

Bild:
<< vorherige Seite

des Frauenvolcks.
schnur-stracks entgegen gesetzet; und liesse uns keine
Empfindlichkeit als nur zu Behauptung des An-
sehens/ der Schönheit/ und des Reichthumes.
Ausser der Ehrsucht/ der Wollust/ und dem Geitze
gefiele ihr nichts: Und durch diese unglückselige Af-
fect
en gäben wir ihr tägliche Nahrung.

Um nun sie aus dem Hertzen zu verbannen/ gehö-
re ein rechter Ernst und beständiger Angriff dazu.
Man müsse sich selbst großmüthig verachten lernen/
so würde eine rechte Härtigkeit das Gemüth gewin-
nen/ den Eigennutz zu verlassen/ und die wahre De-
muth anzunehmen. Man würde alles Unglück mit
standhafftem Muth ertragen: Und das Frauenzim-
mer würde ohne Verringerung ihres Vermögens/
ihres Ansehens/ ihrer Ruhe/ ihrer Schönheit/ vor
klug und weise mit Warheit können gehalten wer-
den/ und das Lob erwerben/ daß es durch Besie-
gung der Selbst-Liebe sich ein grösseres Triumphs-
Zeichen aufgerichtet/ als jemahls die tapffersten
Helden voriger Zeiten durch ihre grossen Thaten
verdienet hätten.

Histoire des amours du Duc d'ARIONE
& de la Comtesse VICTORIA ou l'amour re-
ciproque. a la Haye
1694.
Des Hertzogs von Arione und der Gräfin
Victoria Liebes-Geschichte oder die Wechsel-
Liebe/ im Haag 1694.

Niemahls hat ein Favorite sein Glück und seine
Ehrsucht so hoch gebracht/ als unter Johann
dem andern König von Castilien Don Alvaron

de

des Frauenvolcks.
ſchnur-ſtracks entgegen geſetzet; und lieſſe uns keine
Empfindlichkeit als nur zu Behauptung des An-
ſehens/ der Schoͤnheit/ und des Reichthumes.
Auſſer der Ehrſucht/ der Wolluſt/ und dem Geitze
gefiele ihr nichts: Und durch dieſe ungluͤckſelige Af-
fect
en gaͤben wir ihr taͤgliche Nahrung.

Um nun ſie aus dem Hertzen zu verbannen/ gehoͤ-
re ein rechter Ernſt und beſtaͤndiger Angriff dazu.
Man muͤſſe ſich ſelbſt großmuͤthig verachten lernen/
ſo wuͤrde eine rechte Haͤrtigkeit das Gemuͤth gewin-
nen/ den Eigennutz zu verlaſſen/ und die wahre De-
muth anzunehmen. Man wuͤrde alles Ungluͤck mit
ſtandhafftem Muth ertragen: Und das Frauenzim-
mer wuͤrde ohne Verringerung ihres Vermoͤgens/
ihres Anſehens/ ihrer Ruhe/ ihrer Schoͤnheit/ vor
klug und weiſe mit Warheit koͤnnen gehalten wer-
den/ und das Lob erwerben/ daß es durch Beſie-
gung der Selbſt-Liebe ſich ein groͤſſeres Triumphs-
Zeichen aufgerichtet/ als jemahls die tapfferſten
Helden voriger Zeiten durch ihre groſſen Thaten
verdienet haͤtten.

Hiſtoire des amours du Duc d’ARIONE
& de la Comteſſe VICTORIA ou l’amour re-
ciproque. à la Haye
1694.
Des Hertzogs von Arione und der Graͤfin
Victoria Liebes-Geſchichte oder die Wechſel-
Liebe/ im Haag 1694.

Niemahls hat ein Favorite ſein Gluͤck und ſeine
Ehrſucht ſo hoch gebracht/ als unter Johann
dem andern Koͤnig von Caſtilien Don Alvaron

de
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0337" n="305"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">des Frauenvolcks.</hi></fw><lb/>
&#x017F;chnur-&#x017F;tracks entgegen ge&#x017F;etzet; und lie&#x017F;&#x017F;e uns keine<lb/>
Empfindlichkeit als nur zu Behauptung des An-<lb/>
&#x017F;ehens/ der Scho&#x0364;nheit/ und des Reichthumes.<lb/>
Au&#x017F;&#x017F;er der Ehr&#x017F;ucht/ der Wollu&#x017F;t/ und dem Geitze<lb/>
gefiele ihr nichts: Und durch die&#x017F;e unglu&#x0364;ck&#x017F;elige <hi rendition="#aq">Af-<lb/>
fect</hi>en ga&#x0364;ben wir ihr ta&#x0364;gliche Nahrung.</p><lb/>
          <p>Um nun &#x017F;ie aus dem Hertzen zu verbannen/ geho&#x0364;-<lb/>
re ein rechter Ern&#x017F;t und be&#x017F;ta&#x0364;ndiger Angriff dazu.<lb/>
Man mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;e &#x017F;ich &#x017F;elb&#x017F;t großmu&#x0364;thig verachten lernen/<lb/>
&#x017F;o wu&#x0364;rde eine rechte Ha&#x0364;rtigkeit das Gemu&#x0364;th gewin-<lb/>
nen/ den Eigennutz zu verla&#x017F;&#x017F;en/ und die wahre De-<lb/>
muth anzunehmen. Man wu&#x0364;rde alles Unglu&#x0364;ck mit<lb/>
&#x017F;tandhafftem Muth ertragen: Und das Frauenzim-<lb/>
mer wu&#x0364;rde ohne Verringerung ihres Vermo&#x0364;gens/<lb/>
ihres An&#x017F;ehens/ ihrer Ruhe/ ihrer Scho&#x0364;nheit/ vor<lb/>
klug und wei&#x017F;e mit Warheit ko&#x0364;nnen gehalten wer-<lb/>
den/ und das Lob erwerben/ daß es durch Be&#x017F;ie-<lb/>
gung der Selb&#x017F;t-Liebe &#x017F;ich ein gro&#x0364;&#x017F;&#x017F;eres Triumphs-<lb/>
Zeichen aufgerichtet/ als jemahls die tapffer&#x017F;ten<lb/>
Helden voriger Zeiten durch ihre gro&#x017F;&#x017F;en Thaten<lb/>
verdienet ha&#x0364;tten.</p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b"><hi rendition="#aq">Hi&#x017F;toire des amours du Duc d&#x2019;ARIONE<lb/>
&amp; de la Comte&#x017F;&#x017F;e VICTORIA ou l&#x2019;amour re-<lb/>
ciproque. à la Haye</hi> 1694.<lb/>
Des Hertzogs von <hi rendition="#aq">Arione</hi> und der Gra&#x0364;fin<lb/><hi rendition="#aq">Victoria</hi> Liebes-Ge&#x017F;chichte oder die Wech&#x017F;el-<lb/>
Liebe/ im Haag 1694.</hi> </head><lb/>
          <p><hi rendition="#in">N</hi>iemahls hat ein <hi rendition="#aq">Favorit</hi>e &#x017F;ein Glu&#x0364;ck und &#x017F;eine<lb/>
Ehr&#x017F;ucht &#x017F;o hoch gebracht/ als unter <hi rendition="#aq">Johann</hi><lb/>
dem andern Ko&#x0364;nig von <hi rendition="#aq">Ca&#x017F;tili</hi>en <hi rendition="#aq">Don Alvaron</hi><lb/>
<fw place="bottom" type="catch"><hi rendition="#aq">de</hi></fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[305/0337] des Frauenvolcks. ſchnur-ſtracks entgegen geſetzet; und lieſſe uns keine Empfindlichkeit als nur zu Behauptung des An- ſehens/ der Schoͤnheit/ und des Reichthumes. Auſſer der Ehrſucht/ der Wolluſt/ und dem Geitze gefiele ihr nichts: Und durch dieſe ungluͤckſelige Af- fecten gaͤben wir ihr taͤgliche Nahrung. Um nun ſie aus dem Hertzen zu verbannen/ gehoͤ- re ein rechter Ernſt und beſtaͤndiger Angriff dazu. Man muͤſſe ſich ſelbſt großmuͤthig verachten lernen/ ſo wuͤrde eine rechte Haͤrtigkeit das Gemuͤth gewin- nen/ den Eigennutz zu verlaſſen/ und die wahre De- muth anzunehmen. Man wuͤrde alles Ungluͤck mit ſtandhafftem Muth ertragen: Und das Frauenzim- mer wuͤrde ohne Verringerung ihres Vermoͤgens/ ihres Anſehens/ ihrer Ruhe/ ihrer Schoͤnheit/ vor klug und weiſe mit Warheit koͤnnen gehalten wer- den/ und das Lob erwerben/ daß es durch Beſie- gung der Selbſt-Liebe ſich ein groͤſſeres Triumphs- Zeichen aufgerichtet/ als jemahls die tapfferſten Helden voriger Zeiten durch ihre groſſen Thaten verdienet haͤtten. Hiſtoire des amours du Duc d’ARIONE & de la Comteſſe VICTORIA ou l’amour re- ciproque. à la Haye 1694. Des Hertzogs von Arione und der Graͤfin Victoria Liebes-Geſchichte oder die Wechſel- Liebe/ im Haag 1694. Niemahls hat ein Favorite ſein Gluͤck und ſeine Ehrſucht ſo hoch gebracht/ als unter Johann dem andern Koͤnig von Caſtilien Don Alvaron de

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Diese Ausgabe ist ein Exemplar der Zeitschrift „D… [mehr]

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/bohse_helicon_1696
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/bohse_helicon_1696/337
Zitationshilfe: Bohse, August: Des Franzöischen Helicons Monat-Früchte. Leipzig, 1696, S. 305. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bohse_helicon_1696/337>, abgerufen am 22.10.2019.