Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Bohse, August: Des Franzöischen Helicons Monat-Früchte. Leipzig, 1696.

Bild:
<< vorherige Seite

Politische Unterweisungen
Verwandten Rath sich bedienen/ weil doch viel Au-
gen mehr| als eines sähen.

Das 5. Capitel.
Von denen Maximen/ so zur Democratie oder Regie-
rung des Volcks gehören.

DIe erste Maxim des Status popularis, oder
der Regierung so das Volck führete/ als wie
in der Schweitz und in Holland/ wäre/ daß
man ihm die eusserste Liebe der Erhaltung ihrer
Freyheit einprägete: daß unter denen Königen und
in Aristocratien das Volck solche verlohren hätte/
und nur blind hin gehorsamen müste/ also ihre Re-
gierungs-Form allein/ da weder Fürsten noch Adel
gülten/ die beste wäre.

Anmerckung. Einer von Adel solle aus dieser
Maxim lernen/ daß die Leute allezeit nach der Im-
pressio
n handelten/ die man ihnen einmahl von ei-
ner Sache scheinbar beygebracht hätte: deswegen
er lernen solle/ seinen Untergebenen/ oder die unter
ihm sind/ dasjenige zu persuadiren/ was er gerne
sähe/ daß sie davor halten solten; und müste er sich
also an dem Orte/ wo er seine Reputation fest stel-
len wolte/ Creaturen machen.

Die II. Maxim.

Diese wäre derjenigen gleich/ so die Aristocra-
tie
hätte/ die allzu grosse Erhöhung eines Bürgers
zu verhindern/ aus Furcht/ er möchte sonst Ober-
herr werden.

Anmerckung. Einer von Adel solle sich nicht an
die Calumnien und an den Neid seiner Competi-
tor
en kehren/ sondern gerade auf seinen Zweck zuge-

hen/

Politiſche Unterweiſungen
Verwandten Rath ſich bedienen/ weil doch viel Au-
gen mehr| als eines ſaͤhen.

Das 5. Capitel.
Von denen Maximen/ ſo zur Democratie oder Regie-
rung des Volcks gehoͤren.

DIe erſte Maxim des Status popularis, oder
der Regierung ſo das Volck fuͤhrete/ als wie
in der Schweitz und in Holland/ waͤre/ daß
man ihm die euſſerſte Liebe der Erhaltung ihrer
Freyheit einpraͤgete: daß unter denen Koͤnigen und
in Ariſtocratien das Volck ſolche verlohren haͤtte/
und nur blind hin gehorſamen muͤſte/ alſo ihre Re-
gierungs-Form allein/ da weder Fuͤrſten noch Adel
guͤlten/ die beſte waͤre.

Anmerckung. Einer von Adel ſolle aus dieſer
Maxim lernen/ daß die Leute allezeit nach der Im-
preſſio
n handelten/ die man ihnen einmahl von ei-
ner Sache ſcheinbar beygebracht haͤtte: deswegen
er lernen ſolle/ ſeinen Untergebenen/ oder die unter
ihm ſind/ dasjenige zu perſuadiren/ was er gerne
ſaͤhe/ daß ſie davor halten ſolten; und muͤſte er ſich
alſo an dem Orte/ wo er ſeine Reputation feſt ſtel-
len wolte/ Creaturen machen.

Die II. Maxim.

Dieſe waͤre derjenigen gleich/ ſo die Ariſtocra-
tie
haͤtte/ die allzu groſſe Erhoͤhung eines Buͤrgers
zu verhindern/ aus Furcht/ er moͤchte ſonſt Ober-
herr werden.

Anmerckung. Einer von Adel ſolle ſich nicht an
die Calumnien und an den Neid ſeiner Competi-
tor
en kehren/ ſondern gerade auf ſeinen Zweck zuge-

hen/
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="3">
              <p><pb facs="#f0080" n="60"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Politi&#x017F;che Unterwei&#x017F;ungen</hi></fw><lb/>
Verwandten Rath &#x017F;ich bedienen/ weil doch viel Au-<lb/>
gen mehr| als eines &#x017F;a&#x0364;hen.</p>
            </div>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head><hi rendition="#b">Das 5. Capitel.</hi><lb/>
Von denen Maximen/ &#x017F;o zur <hi rendition="#aq">Democratie</hi> oder Regie-<lb/>
rung des Volcks geho&#x0364;ren.</head><lb/>
            <p><hi rendition="#in">D</hi>Ie er&#x017F;te Maxim des <hi rendition="#aq">Status popularis,</hi> oder<lb/>
der Regierung &#x017F;o das Volck fu&#x0364;hrete/ als wie<lb/>
in der Schweitz und in Holland/ wa&#x0364;re/ daß<lb/>
man ihm die eu&#x017F;&#x017F;er&#x017F;te Liebe der Erhaltung ihrer<lb/>
Freyheit einpra&#x0364;gete: daß unter denen Ko&#x0364;nigen und<lb/>
in <hi rendition="#aq">Ari&#x017F;tocrati</hi>en das Volck &#x017F;olche verlohren ha&#x0364;tte/<lb/>
und nur blind hin gehor&#x017F;amen mu&#x0364;&#x017F;te/ al&#x017F;o ihre Re-<lb/>
gierungs-Form allein/ da weder Fu&#x0364;r&#x017F;ten noch Adel<lb/>
gu&#x0364;lten/ die be&#x017F;te wa&#x0364;re.</p><lb/>
            <p><hi rendition="#fr">Anmerckung.</hi> Einer von Adel &#x017F;olle aus die&#x017F;er<lb/>
Maxim lernen/ daß die Leute allezeit nach der <hi rendition="#aq">Im-<lb/>
pre&#x017F;&#x017F;io</hi>n handelten/ die man ihnen einmahl von ei-<lb/>
ner Sache &#x017F;cheinbar beygebracht ha&#x0364;tte: deswegen<lb/>
er lernen &#x017F;olle/ &#x017F;einen Untergebenen/ oder die unter<lb/>
ihm &#x017F;ind/ dasjenige zu <hi rendition="#aq">per&#x017F;uadi</hi>ren/ was er gerne<lb/>
&#x017F;a&#x0364;he/ daß &#x017F;ie davor halten &#x017F;olten; und mu&#x0364;&#x017F;te er &#x017F;ich<lb/>
al&#x017F;o an dem Orte/ wo er &#x017F;eine <hi rendition="#aq">Reputatio</hi>n fe&#x017F;t &#x017F;tel-<lb/>
len wolte/ Creaturen machen.</p><lb/>
            <div n="3">
              <head> <hi rendition="#b">Die <hi rendition="#aq">II.</hi> Maxim.</hi> </head><lb/>
              <p>Die&#x017F;e wa&#x0364;re derjenigen gleich/ &#x017F;o die <hi rendition="#aq">Ari&#x017F;tocra-<lb/>
tie</hi> ha&#x0364;tte/ die allzu gro&#x017F;&#x017F;e Erho&#x0364;hung eines Bu&#x0364;rgers<lb/>
zu verhindern/ aus Furcht/ er mo&#x0364;chte &#x017F;on&#x017F;t Ober-<lb/>
herr werden.</p><lb/>
              <p><hi rendition="#fr">Anmerckung.</hi> Einer von Adel &#x017F;olle &#x017F;ich nicht an<lb/>
die <hi rendition="#aq">Calumni</hi>en und an den Neid &#x017F;einer <hi rendition="#aq">Competi-<lb/>
tor</hi>en kehren/ &#x017F;ondern gerade auf &#x017F;einen Zweck zuge-<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">hen/</fw><lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[60/0080] Politiſche Unterweiſungen Verwandten Rath ſich bedienen/ weil doch viel Au- gen mehr| als eines ſaͤhen. Das 5. Capitel. Von denen Maximen/ ſo zur Democratie oder Regie- rung des Volcks gehoͤren. DIe erſte Maxim des Status popularis, oder der Regierung ſo das Volck fuͤhrete/ als wie in der Schweitz und in Holland/ waͤre/ daß man ihm die euſſerſte Liebe der Erhaltung ihrer Freyheit einpraͤgete: daß unter denen Koͤnigen und in Ariſtocratien das Volck ſolche verlohren haͤtte/ und nur blind hin gehorſamen muͤſte/ alſo ihre Re- gierungs-Form allein/ da weder Fuͤrſten noch Adel guͤlten/ die beſte waͤre. Anmerckung. Einer von Adel ſolle aus dieſer Maxim lernen/ daß die Leute allezeit nach der Im- preſſion handelten/ die man ihnen einmahl von ei- ner Sache ſcheinbar beygebracht haͤtte: deswegen er lernen ſolle/ ſeinen Untergebenen/ oder die unter ihm ſind/ dasjenige zu perſuadiren/ was er gerne ſaͤhe/ daß ſie davor halten ſolten; und muͤſte er ſich alſo an dem Orte/ wo er ſeine Reputation feſt ſtel- len wolte/ Creaturen machen. Die II. Maxim. Dieſe waͤre derjenigen gleich/ ſo die Ariſtocra- tie haͤtte/ die allzu groſſe Erhoͤhung eines Buͤrgers zu verhindern/ aus Furcht/ er moͤchte ſonſt Ober- herr werden. Anmerckung. Einer von Adel ſolle ſich nicht an die Calumnien und an den Neid ſeiner Competi- toren kehren/ ſondern gerade auf ſeinen Zweck zuge- hen/

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Diese Ausgabe ist ein Exemplar der Zeitschrift „D… [mehr]

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/bohse_helicon_1696
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/bohse_helicon_1696/80
Zitationshilfe: Bohse, August: Des Franzöischen Helicons Monat-Früchte. Leipzig, 1696, S. 60. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bohse_helicon_1696/80>, abgerufen am 18.02.2019.