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Brehm, Alfred Edmund: Illustrirtes Thierleben. Bd. 5. Hildburghausen, 1869.

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Die Edelfische. Welse.
weil sie glauben oder doch behaupten, daß diese Flossen ihnen wieder wüchsen. Jn Brasilien hakt
man sie lebend an die Angel und fängt dann die köstlichsten Raubfische, namentlich Boniten und
Goldmakrelen, welche sich ja, wie schon erwähnt, sogar durch die rohe Nachbildung der Hochflieger
täuschen lassen.

Die Familie umfaßt nach den gegenwärtig giltigen Anschauungen der Naturforscher nur eine
einzige Sippe, die der Flederfische (Exocoetus); die bekannteste Art derselben ist der Schwalben-
fisch
(Exocoetus volitans). Seine Länge beträgt höchstens 11/2 Fuß. Die Färbung der Oberseite
ist azurblau, die der unteren silberweiß; die Haut der Brustflossen hat eine schöne, durchscheinend
blaue Färbung. Jn der Rückenflosse stehen 11, in der Brustflosse 15, in der Bauchflosse 6, in der
Afterflosse 9, in der Schwanzflosse 22 Strahlen.

Der Flugfisch (Exocoetus evolans) ist größer, gegen 20 Zoll lang und hat kürzere Brust-
flossen, ähnelt aber im Uebrigen den Verwandten.

Beide Arten kommen in den europäischen Meeren vor.



Fünfte Ordnung.
Die Edelfische
(Physostomi).

Bei genauerer Untersuchung der von Cuvier unter dem Namen Weichflosser vereinigten
Fische fand Johannes Müller, daß eine namhafte Anzahl derselben sich durch einen von der
Schwimmblase ausgehenden Luftgang von den übrigen unterscheidet. Auf dieses Merkmal gründet
er die Ordnung, mit welcher wir uns nunmehr zu beschäftigen haben werden, und auf dieses Merkmal
bezieht sich auch der wissenschaftliche Name, welchen ich nicht habe übersetzen wollen, weil es mir nicht
nothwendig erscheint, daß der deutsche und der wissenschaftliche Name wirklich Ein und Dasselbe
bedeuten. Edelfische nenne ich die "Mund- oder Schwimmbläser", weil zu ihnen wirklich
die edelsten aller Fische und weitaus der größte Theil unserer Flußfische gehören. Rücksichtlich der
Bedeutsamkeit des angegebenen Merkmales können die Ansichten verschieden sein. "Es liegt", sagt
Johannes Müller selbst, "die Bemerkung nahe, daß es mißlich sei, die Schwimmblase bei der
Eintheilung zu benutzen, da gerade dieses Organ so sehr variire. Hierauf antworte ich, daß auf die
Gegenwart der Schwimmblase unter keinen Umständen ein Werth zu legen, daß aber ihr Bau, sofern
sie gegenwärtig, unabänderlichen Gesetzen unterworfen ist, welche wir kennen, sobald wir die wahren
Ordnungen und Familien der Fische kennen. Nach diesem Gesetze ist sie unter allen hierher gehörigen
Fischen mit einem Luftgange versehen, sobald sie überhaupt da ist; nach diesem Gesetz ist sie beim
Karpfen und Salmler in die Quere getheilt und bei den Familien der Karpfen, Salmler und Welse,
sofern sie vorhanden, ohne Ausnahme mit dem Gehörorgan durch eine Reihe von Gehörknöchelchen
verbunden. Der Name Physostomi ist von einem Hauptcharakter der Ordnung hergenommen; er soll
keinen alleinherrschenden Charakter ausdrücken." Anderweitige Kennzeichen liegen in den stets getrennten
Schlundknochen, den kammförmigen Kiemen, den weichen Flossen, der Stellung der Bauchflossen,
falls sie vorhanden, hinter den Brustflossen, und der Bekleidung, welche bei allen schuppentragenden
Arten aus Rundschuppen besteht. Die Gestalt rechtfertigt den von mir gewählten Namen in jeder
Hinsicht. Die Edelfische sind regel- und ebenmäßig gebaut, ihr Leib ist gestreckt, walzig oder
zusammengedrückt; ihr Kopf und die Flossen stehen im rechten Verhältniß zur Körpergröße.

Die Edelfiſche. Welſe.
weil ſie glauben oder doch behaupten, daß dieſe Floſſen ihnen wieder wüchſen. Jn Braſilien hakt
man ſie lebend an die Angel und fängt dann die köſtlichſten Raubfiſche, namentlich Boniten und
Goldmakrelen, welche ſich ja, wie ſchon erwähnt, ſogar durch die rohe Nachbildung der Hochflieger
täuſchen laſſen.

Die Familie umfaßt nach den gegenwärtig giltigen Anſchauungen der Naturforſcher nur eine
einzige Sippe, die der Flederfiſche (Exocoetus); die bekannteſte Art derſelben iſt der Schwalben-
fiſch
(Exocoetus volitans). Seine Länge beträgt höchſtens 1½ Fuß. Die Färbung der Oberſeite
iſt azurblau, die der unteren ſilberweiß; die Haut der Bruſtfloſſen hat eine ſchöne, durchſcheinend
blaue Färbung. Jn der Rückenfloſſe ſtehen 11, in der Bruſtfloſſe 15, in der Bauchfloſſe 6, in der
Afterfloſſe 9, in der Schwanzfloſſe 22 Strahlen.

Der Flugfiſch (Exocoetus evolans) iſt größer, gegen 20 Zoll lang und hat kürzere Bruſt-
floſſen, ähnelt aber im Uebrigen den Verwandten.

Beide Arten kommen in den europäiſchen Meeren vor.



Fünfte Ordnung.
Die Edelfiſche
(Physostomi).

Bei genauerer Unterſuchung der von Cuvier unter dem Namen Weichfloſſer vereinigten
Fiſche fand Johannes Müller, daß eine namhafte Anzahl derſelben ſich durch einen von der
Schwimmblaſe ausgehenden Luftgang von den übrigen unterſcheidet. Auf dieſes Merkmal gründet
er die Ordnung, mit welcher wir uns nunmehr zu beſchäftigen haben werden, und auf dieſes Merkmal
bezieht ſich auch der wiſſenſchaftliche Name, welchen ich nicht habe überſetzen wollen, weil es mir nicht
nothwendig erſcheint, daß der deutſche und der wiſſenſchaftliche Name wirklich Ein und Daſſelbe
bedeuten. Edelfiſche nenne ich die „Mund- oder Schwimmbläſer“, weil zu ihnen wirklich
die edelſten aller Fiſche und weitaus der größte Theil unſerer Flußfiſche gehören. Rückſichtlich der
Bedeutſamkeit des angegebenen Merkmales können die Anſichten verſchieden ſein. „Es liegt“, ſagt
Johannes Müller ſelbſt, „die Bemerkung nahe, daß es mißlich ſei, die Schwimmblaſe bei der
Eintheilung zu benutzen, da gerade dieſes Organ ſo ſehr variire. Hierauf antworte ich, daß auf die
Gegenwart der Schwimmblaſe unter keinen Umſtänden ein Werth zu legen, daß aber ihr Bau, ſofern
ſie gegenwärtig, unabänderlichen Geſetzen unterworfen iſt, welche wir kennen, ſobald wir die wahren
Ordnungen und Familien der Fiſche kennen. Nach dieſem Geſetze iſt ſie unter allen hierher gehörigen
Fiſchen mit einem Luftgange verſehen, ſobald ſie überhaupt da iſt; nach dieſem Geſetz iſt ſie beim
Karpfen und Salmler in die Quere getheilt und bei den Familien der Karpfen, Salmler und Welſe,
ſofern ſie vorhanden, ohne Ausnahme mit dem Gehörorgan durch eine Reihe von Gehörknöchelchen
verbunden. Der Name Physostomi iſt von einem Hauptcharakter der Ordnung hergenommen; er ſoll
keinen alleinherrſchenden Charakter ausdrücken.“ Anderweitige Kennzeichen liegen in den ſtets getrennten
Schlundknochen, den kammförmigen Kiemen, den weichen Floſſen, der Stellung der Bauchfloſſen,
falls ſie vorhanden, hinter den Bruſtfloſſen, und der Bekleidung, welche bei allen ſchuppentragenden
Arten aus Rundſchuppen beſteht. Die Geſtalt rechtfertigt den von mir gewählten Namen in jeder
Hinſicht. Die Edelfiſche ſind regel- und ebenmäßig gebaut, ihr Leib iſt geſtreckt, walzig oder
zuſammengedrückt; ihr Kopf und die Floſſen ſtehen im rechten Verhältniß zur Körpergröße.

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[628/0666] Die Edelfiſche. Welſe. weil ſie glauben oder doch behaupten, daß dieſe Floſſen ihnen wieder wüchſen. Jn Braſilien hakt man ſie lebend an die Angel und fängt dann die köſtlichſten Raubfiſche, namentlich Boniten und Goldmakrelen, welche ſich ja, wie ſchon erwähnt, ſogar durch die rohe Nachbildung der Hochflieger täuſchen laſſen. Die Familie umfaßt nach den gegenwärtig giltigen Anſchauungen der Naturforſcher nur eine einzige Sippe, die der Flederfiſche (Exocoetus); die bekannteſte Art derſelben iſt der Schwalben- fiſch (Exocoetus volitans). Seine Länge beträgt höchſtens 1½ Fuß. Die Färbung der Oberſeite iſt azurblau, die der unteren ſilberweiß; die Haut der Bruſtfloſſen hat eine ſchöne, durchſcheinend blaue Färbung. Jn der Rückenfloſſe ſtehen 11, in der Bruſtfloſſe 15, in der Bauchfloſſe 6, in der Afterfloſſe 9, in der Schwanzfloſſe 22 Strahlen. Der Flugfiſch (Exocoetus evolans) iſt größer, gegen 20 Zoll lang und hat kürzere Bruſt- floſſen, ähnelt aber im Uebrigen den Verwandten. Beide Arten kommen in den europäiſchen Meeren vor. Fünfte Ordnung. Die Edelfiſche (Physostomi). Bei genauerer Unterſuchung der von Cuvier unter dem Namen Weichfloſſer vereinigten Fiſche fand Johannes Müller, daß eine namhafte Anzahl derſelben ſich durch einen von der Schwimmblaſe ausgehenden Luftgang von den übrigen unterſcheidet. Auf dieſes Merkmal gründet er die Ordnung, mit welcher wir uns nunmehr zu beſchäftigen haben werden, und auf dieſes Merkmal bezieht ſich auch der wiſſenſchaftliche Name, welchen ich nicht habe überſetzen wollen, weil es mir nicht nothwendig erſcheint, daß der deutſche und der wiſſenſchaftliche Name wirklich Ein und Daſſelbe bedeuten. Edelfiſche nenne ich die „Mund- oder Schwimmbläſer“, weil zu ihnen wirklich die edelſten aller Fiſche und weitaus der größte Theil unſerer Flußfiſche gehören. Rückſichtlich der Bedeutſamkeit des angegebenen Merkmales können die Anſichten verſchieden ſein. „Es liegt“, ſagt Johannes Müller ſelbſt, „die Bemerkung nahe, daß es mißlich ſei, die Schwimmblaſe bei der Eintheilung zu benutzen, da gerade dieſes Organ ſo ſehr variire. Hierauf antworte ich, daß auf die Gegenwart der Schwimmblaſe unter keinen Umſtänden ein Werth zu legen, daß aber ihr Bau, ſofern ſie gegenwärtig, unabänderlichen Geſetzen unterworfen iſt, welche wir kennen, ſobald wir die wahren Ordnungen und Familien der Fiſche kennen. Nach dieſem Geſetze iſt ſie unter allen hierher gehörigen Fiſchen mit einem Luftgange verſehen, ſobald ſie überhaupt da iſt; nach dieſem Geſetz iſt ſie beim Karpfen und Salmler in die Quere getheilt und bei den Familien der Karpfen, Salmler und Welſe, ſofern ſie vorhanden, ohne Ausnahme mit dem Gehörorgan durch eine Reihe von Gehörknöchelchen verbunden. Der Name Physostomi iſt von einem Hauptcharakter der Ordnung hergenommen; er ſoll keinen alleinherrſchenden Charakter ausdrücken.“ Anderweitige Kennzeichen liegen in den ſtets getrennten Schlundknochen, den kammförmigen Kiemen, den weichen Floſſen, der Stellung der Bauchfloſſen, falls ſie vorhanden, hinter den Bruſtfloſſen, und der Bekleidung, welche bei allen ſchuppentragenden Arten aus Rundſchuppen beſteht. Die Geſtalt rechtfertigt den von mir gewählten Namen in jeder Hinſicht. Die Edelfiſche ſind regel- und ebenmäßig gebaut, ihr Leib iſt geſtreckt, walzig oder zuſammengedrückt; ihr Kopf und die Floſſen ſtehen im rechten Verhältniß zur Körpergröße.

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Zitationshilfe: Brehm, Alfred Edmund: Illustrirtes Thierleben. Bd. 5. Hildburghausen, 1869, S. 628. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/brehm_thierleben05_1869/666>, abgerufen am 18.08.2019.