Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Brockes, Barthold Heinrich: Jrdisches Vergnügen in Gott. Bd. 6. Hamburg, 1740.

Bild:
<< vorherige Seite
Versuch der Kraft unsers Geistes,
Versuch der Kraft unsers Geistes,
in der Betrachtung vom Nichts, nebst

wiederholter Untersuchung seiner hauptsächlich-
sten Pflicht der Bewunderung.
Zum Neujahrs-Gedicht auf 1738.
Sanctius ac reuerentius de actis Dei credere, quam scire.
tacitvs.
Einzig unbegränztes All! ewigs undurchdringlichs Licht,
Dessen Liebe, Macht und Weisheit allenthalben, nirgends
nicht,

Gottheit, die in Ewigkeit mensch- und englischen Gedanken
Unbegreiflich, unerforschlich, dessen Maaße, Ziel und Schranken
Bloß allein das wahre Nichts, da ich itzt zu dieser Zeit
(Welche vor viel andren Zeiten voll von deiner Herrlichkeit,
Da wir um des Lichtes Quell unsern großen Kreislauf
enden,

Da wir uns, nach deiner Ordnung, wieder zu der Sonne
wenden,)

Dir zu Ehren meinen Geist in die tiefste Tiefe senke,
Und vom Anfang eines Etwas, wo das Nichts sich endet,
denke,

Auch zugleich von unserm Geist, seinen Gränzen, seiner Kraft,
Seinen Pflichten, seinem Wesen, seiner Absicht, Eigenschaft
Noch was nützliches zu schreiben, willens bin, und zu erwegen:
Ach so gieb zu diesem Vorsatz deine Gnade, deinen Segen!
Laß es, nicht zu meines Nächsten und zu meinem Nutz allein,
Sondern dir zum Ruhm und Preise, würdig eingerichtet seyn.
Das
Verſuch der Kraft unſers Geiſtes,
Verſuch der Kraft unſers Geiſtes,
in der Betrachtung vom Nichts, nebſt

wiederholter Unterſuchung ſeiner hauptſaͤchlich-
ſten Pflicht der Bewunderung.
Zum Neujahrs-Gedicht auf 1738.
Sanctius ac reuerentius de actis Dei credere, quam ſcire.
tacitvs.
Einzig unbegraͤnztes All! ewigs undurchdringlichs Licht,
Deſſen Liebe, Macht und Weisheit allenthalben, nirgends
nicht,

Gottheit, die in Ewigkeit menſch- und engliſchen Gedanken
Unbegreiflich, unerforſchlich, deſſen Maaße, Ziel und Schranken
Bloß allein das wahre Nichts, da ich itzt zu dieſer Zeit
(Welche vor viel andren Zeiten voll von deiner Herrlichkeit,
Da wir um des Lichtes Quell unſern großen Kreislauf
enden,

Da wir uns, nach deiner Ordnung, wieder zu der Sonne
wenden,)

Dir zu Ehren meinen Geiſt in die tiefſte Tiefe ſenke,
Und vom Anfang eines Etwas, wo das Nichts ſich endet,
denke,

Auch zugleich von unſerm Geiſt, ſeinen Graͤnzen, ſeiner Kraft,
Seinen Pflichten, ſeinem Weſen, ſeiner Abſicht, Eigenſchaft
Noch was nuͤtzliches zu ſchreiben, willens bin, und zu erwegen:
Ach ſo gieb zu dieſem Vorſatz deine Gnade, deinen Segen!
Laß es, nicht zu meines Naͤchſten und zu meinem Nutz allein,
Sondern dir zum Ruhm und Preiſe, wuͤrdig eingerichtet ſeyn.
Das
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0698" n="674"/>
        <fw place="top" type="header">Ver&#x017F;uch der Kraft un&#x017F;ers Gei&#x017F;tes,</fw><lb/>
        <div n="2">
          <head><hi rendition="#b">Ver&#x017F;uch der Kraft un&#x017F;ers Gei&#x017F;tes,<lb/>
in der Betrachtung vom Nichts, neb&#x017F;t</hi><lb/>
wiederholter Unter&#x017F;uchung &#x017F;einer haupt&#x017F;a&#x0364;chlich-<lb/>
&#x017F;ten Pflicht der Bewunderung.<lb/><hi rendition="#b">Zum Neujahrs-Gedicht auf 1738.</hi><lb/><hi rendition="#aq">Sanctius ac reuerentius de actis Dei credere, quam &#x017F;cire.<lb/><hi rendition="#g"><hi rendition="#k">tacitvs.</hi></hi></hi></head><lb/>
          <lg n="1">
            <l><hi rendition="#in">E</hi>inzig unbegra&#x0364;nztes All! ewigs undurchdringlichs Licht,</l><lb/>
            <l>De&#x017F;&#x017F;en Liebe, Macht und Weisheit allenthalben, nirgends<lb/><hi rendition="#et">nicht,</hi></l><lb/>
            <l>Gottheit, die in Ewigkeit men&#x017F;ch- und engli&#x017F;chen Gedanken</l><lb/>
            <l>Unbegreiflich, unerfor&#x017F;chlich, de&#x017F;&#x017F;en Maaße, Ziel und Schranken</l><lb/>
            <l>Bloß allein das wahre <hi rendition="#fr">Nichts</hi>, da ich itzt zu die&#x017F;er Zeit</l><lb/>
            <l>(Welche vor viel andren Zeiten voll von deiner Herrlichkeit,</l><lb/>
            <l>Da wir um des Lichtes Quell un&#x017F;ern großen Kreislauf<lb/><hi rendition="#et">enden,</hi></l><lb/>
            <l>Da wir uns, nach deiner Ordnung, wieder zu der Sonne<lb/><hi rendition="#et">wenden,)</hi></l><lb/>
            <l>Dir zu Ehren meinen Gei&#x017F;t in die tief&#x017F;te Tiefe &#x017F;enke,</l><lb/>
            <l>Und vom Anfang eines <hi rendition="#fr">Etwas,</hi> wo das <hi rendition="#fr">Nichts</hi> &#x017F;ich endet,<lb/><hi rendition="#et">denke,</hi></l><lb/>
            <l>Auch zugleich von un&#x017F;erm Gei&#x017F;t, &#x017F;einen Gra&#x0364;nzen, &#x017F;einer Kraft,</l><lb/>
            <l>Seinen Pflichten, &#x017F;einem We&#x017F;en, &#x017F;einer Ab&#x017F;icht, Eigen&#x017F;chaft</l><lb/>
            <l>Noch was nu&#x0364;tzliches zu &#x017F;chreiben, willens bin, und zu erwegen:</l><lb/>
            <l>Ach &#x017F;o gieb zu die&#x017F;em Vor&#x017F;atz deine Gnade, deinen Segen!</l><lb/>
            <l>Laß es, nicht zu meines Na&#x0364;ch&#x017F;ten und zu meinem Nutz allein,</l><lb/>
            <l>Sondern dir zum Ruhm und Prei&#x017F;e, wu&#x0364;rdig eingerichtet &#x017F;eyn.</l>
          </lg><lb/>
          <fw place="bottom" type="catch">Das</fw><lb/>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[674/0698] Verſuch der Kraft unſers Geiſtes, Verſuch der Kraft unſers Geiſtes, in der Betrachtung vom Nichts, nebſt wiederholter Unterſuchung ſeiner hauptſaͤchlich- ſten Pflicht der Bewunderung. Zum Neujahrs-Gedicht auf 1738. Sanctius ac reuerentius de actis Dei credere, quam ſcire. tacitvs. Einzig unbegraͤnztes All! ewigs undurchdringlichs Licht, Deſſen Liebe, Macht und Weisheit allenthalben, nirgends nicht, Gottheit, die in Ewigkeit menſch- und engliſchen Gedanken Unbegreiflich, unerforſchlich, deſſen Maaße, Ziel und Schranken Bloß allein das wahre Nichts, da ich itzt zu dieſer Zeit (Welche vor viel andren Zeiten voll von deiner Herrlichkeit, Da wir um des Lichtes Quell unſern großen Kreislauf enden, Da wir uns, nach deiner Ordnung, wieder zu der Sonne wenden,) Dir zu Ehren meinen Geiſt in die tiefſte Tiefe ſenke, Und vom Anfang eines Etwas, wo das Nichts ſich endet, denke, Auch zugleich von unſerm Geiſt, ſeinen Graͤnzen, ſeiner Kraft, Seinen Pflichten, ſeinem Weſen, ſeiner Abſicht, Eigenſchaft Noch was nuͤtzliches zu ſchreiben, willens bin, und zu erwegen: Ach ſo gieb zu dieſem Vorſatz deine Gnade, deinen Segen! Laß es, nicht zu meines Naͤchſten und zu meinem Nutz allein, Sondern dir zum Ruhm und Preiſe, wuͤrdig eingerichtet ſeyn. Das

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/brockes_vergnuegen06_1740
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/brockes_vergnuegen06_1740/698
Zitationshilfe: Brockes, Barthold Heinrich: Jrdisches Vergnügen in Gott. Bd. 6. Hamburg, 1740, S. 674. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/brockes_vergnuegen06_1740/698>, abgerufen am 28.05.2020.