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Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 1. 6. Aufl. Leipzig, 1913.

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auf Kunstgeschichte und Humaniora,
um sich für den Journalismus vor-
zubilden. Dann folgten große Reisen
in Jtalien und Griechenland, hierauf
in Skandinavien, wo er sich besonders
dem Studium der altnordischen Or-
namentik widmete, und 1876 nach den
Vereinigten Staaten Amerikas und
nach Venezuela, wo bereits sein star-
kes Jnteresse für praktisch-politische
Aufgaben in den Vordergrund trat.
Heimgekehrt, trat er in die Redaktion
der "Kölnischen Zeitung" ein und
übernahm damit die literarische Füh-
rung des rheinischen Kunstlebens.
Durch seltenes Verständnis u. glän-
zende Darstellungsweise hob er die
Kunstkritik des rheinischen Blattes zu
einer bemerkenswerten Höhe u. ern-
ster Sachlichkeit. Aus dieser Zeit
stammt auch sein Werk "Moderne
Kunst. Studien zur Kunstgeschichte
der Gegenwart" (1884). Seinem zur
Tat drängenden Temperamente ge-
nügte indessen der Journalismus auf
die Dauer nicht, und als die deutsche
Kolonialbewegung größere Wellen
schlug, trat B. 1884 als eifriger Vor-
kämpfer in dieselbe ein. Als Heraus-
geber der "Kolonialpolitischen Korre-
spondenz" und Schriftführer des All-
gemeinen deutschen Kongresses war
er unermüdlich tätig für die Siche-
rung der in Ostafrika geschaffenen
Keime im politischen Wollen und Be-
wußtsein der Nation. Als dann in
der Begründung der Deutsch-Ostafri-
kanischen Gesellschaft die wirtschaft-
liche Grundlage der Kolonie gesichert
war, ging B. selbst nach Ostafrika
hinaus, wo er zu Anfang des Jahres
1887 die Station Usungula über-
nahm und dieselbe leitete, bis infolge
der beklagenswerten Politik des Jah-
res 1888 die Wogen des Aufstandes
auch über der blühenden Stätte sei-
nes Wirkens zusammenschlugen. Sein
Werk "Deutsche Pionierarbeit in Ost-
afrika" (1890), mehr noch sein Roman
aus der Zeit des afrikanischen Auf-
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Bli
standes "Die Schwestern von Mbu-
sini" (Tägliche Rundschau, 1893)
haben mehr als alle Zeitungs-Leit-
artikel dazu beigetragen, die Verir-
rungen der Kolonialpolitik der letzten
Jahre klarzulegen. Am 1. Mai 1897
übernahm B. die Chefredaktion der
"Ostpreußischen Zeitung" in Königs-
berg, die er bis 1899 führte u. kehrte
dann nach Berlin zurück. Hier gibt
er seit 1905 "Zeitfragen. Wochen-
schrift für Literatur, Kunst u. Politik"
heraus.

S:

Ans Herz der Heimat
(R.), 1883. - Circe (R.), 1892. - Hor-
ridoh! (Weidmannsbilder und Lr.),
1896. - Hochlandminne (Lr. a. Alt-
Tirol), 1902. - Die Schwestern von
Mbusini (Geschichtl. R.), 1903.

Bliemchen, Partikularist,

Pseud.
für Gustav Schumann; s. d.!

*Bliß, Paul,

geb. am 3. März 1861
zu Prenzlau in der Ukermark als
Sohn eines Kaufmanns, besuchte das
Gymnasium daselbst, um sich für das
theologische Studium vorzubereiten,
mußte aber, da er frühe den Vater
verlor, diesen Plan fallen lassen und
einen praktischen Beruf ergreifen.
Nachdem er seine Erziehung teils im
elterlichen Hause, teils bei seinen
Großeltern, einfachen und braven
Bauersleuten, erhalten hatte, wurde
er Kaufmann u. ist in diesem Berufe
als Korrespondent und Sekretär in
kaufmännischen Bureaus bis 1890
tätig gewesen. Seine Mußestunden
füllte er durch Beschäftigung mit Stu-
dien u. der Schriftstellerei aus. Seit
1890 widmet er sich ausschließlich der
letzteren und lebt als unabhängiger
Schriftsteller in Berlin oder in Arco
(Südtirol).

S:

Zum Frieden! (R.
aus der Gegenwart), 1889. - Kon-
kurrenz (Lsp.), 1890. - Ein Badescherz
(Lsp.), 1890. - Der Herr im Hause
(Lsp.), 1890. - Ein probates Mittel
(Lsp.), 1890. - Meine ersten Sünden
(Nn.), 1891. - Der verlorene Sohn
(Berliner Sittenbild), 1892. - Des
Übels Wurzel (Berliner R.), 1892. -

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Ble
auf Kunſtgeſchichte und Humaniora,
um ſich für den Journalismus vor-
zubilden. Dann folgten große Reiſen
in Jtalien und Griechenland, hierauf
in Skandinavien, wo er ſich beſonders
dem Studium der altnordiſchen Or-
namentik widmete, und 1876 nach den
Vereinigten Staaten Amerikas und
nach Venezuela, wo bereits ſein ſtar-
kes Jntereſſe für praktiſch-politiſche
Aufgaben in den Vordergrund trat.
Heimgekehrt, trat er in die Redaktion
der „Kölniſchen Zeitung“ ein und
übernahm damit die literariſche Füh-
rung des rheiniſchen Kunſtlebens.
Durch ſeltenes Verſtändnis u. glän-
zende Darſtellungsweiſe hob er die
Kunſtkritik des rheiniſchen Blattes zu
einer bemerkenswerten Höhe u. ern-
ſter Sachlichkeit. Aus dieſer Zeit
ſtammt auch ſein Werk „Moderne
Kunſt. Studien zur Kunſtgeſchichte
der Gegenwart“ (1884). Seinem zur
Tat drängenden Temperamente ge-
nügte indeſſen der Journalismus auf
die Dauer nicht, und als die deutſche
Kolonialbewegung größere Wellen
ſchlug, trat B. 1884 als eifriger Vor-
kämpfer in dieſelbe ein. Als Heraus-
geber der „Kolonialpolitiſchen Korre-
ſpondenz“ und Schriftführer des All-
gemeinen deutſchen Kongreſſes war
er unermüdlich tätig für die Siche-
rung der in Oſtafrika geſchaffenen
Keime im politiſchen Wollen und Be-
wußtſein der Nation. Als dann in
der Begründung der Deutſch-Oſtafri-
kaniſchen Geſellſchaft die wirtſchaft-
liche Grundlage der Kolonie geſichert
war, ging B. ſelbſt nach Oſtafrika
hinaus, wo er zu Anfang des Jahres
1887 die Station Uſungula über-
nahm und dieſelbe leitete, bis infolge
der beklagenswerten Politik des Jah-
res 1888 die Wogen des Aufſtandes
auch über der blühenden Stätte ſei-
nes Wirkens zuſammenſchlugen. Sein
Werk „Deutſche Pionierarbeit in Oſt-
afrika“ (1890), mehr noch ſein Roman
aus der Zeit des afrikaniſchen Auf-
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Bli
ſtandes „Die Schweſtern von Mbu-
ſini“ (Tägliche Rundſchau, 1893)
haben mehr als alle Zeitungs-Leit-
artikel dazu beigetragen, die Verir-
rungen der Kolonialpolitik der letzten
Jahre klarzulegen. Am 1. Mai 1897
übernahm B. die Chefredaktion der
„Oſtpreußiſchen Zeitung“ in Königs-
berg, die er bis 1899 führte u. kehrte
dann nach Berlin zurück. Hier gibt
er ſeit 1905 „Zeitfragen. Wochen-
ſchrift für Literatur, Kunſt u. Politik“
heraus.

S:

Ans Herz der Heimat
(R.), 1883. – Circe (R.), 1892. – Hor-
ridoh! (Weidmannsbilder und Lr.),
1896. – Hochlandminne (Lr. a. Alt-
Tirol), 1902. – Die Schweſtern von
Mbuſini (Geſchichtl. R.), 1903.

Bliemchen, Partikulariſt,

Pſeud.
für Guſtav Schumann; ſ. d.!

*Bliß, Paul,

geb. am 3. März 1861
zu Prenzlau in der Ukermark als
Sohn eines Kaufmanns, beſuchte das
Gymnaſium daſelbſt, um ſich für das
theologiſche Studium vorzubereiten,
mußte aber, da er frühe den Vater
verlor, dieſen Plan fallen laſſen und
einen praktiſchen Beruf ergreifen.
Nachdem er ſeine Erziehung teils im
elterlichen Hauſe, teils bei ſeinen
Großeltern, einfachen und braven
Bauersleuten, erhalten hatte, wurde
er Kaufmann u. iſt in dieſem Berufe
als Korreſpondent und Sekretär in
kaufmänniſchen Bureaus bis 1890
tätig geweſen. Seine Mußeſtunden
füllte er durch Beſchäftigung mit Stu-
dien u. der Schriftſtellerei aus. Seit
1890 widmet er ſich ausſchließlich der
letzteren und lebt als unabhängiger
Schriftſteller in Berlin oder in Arco
(Südtirol).

S:

Zum Frieden! (R.
aus der Gegenwart), 1889. – Kon-
kurrenz (Lſp.), 1890. – Ein Badeſcherz
(Lſp.), 1890. – Der Herr im Hauſe
(Lſp.), 1890. – Ein probates Mittel
(Lſp.), 1890. – Meine erſten Sünden
(Nn.), 1891. – Der verlorene Sohn
(Berliner Sittenbild), 1892. – Des
Übels Wurzel (Berliner R.), 1892. –

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[256/0260] Ble Bli auf Kunſtgeſchichte und Humaniora, um ſich für den Journalismus vor- zubilden. Dann folgten große Reiſen in Jtalien und Griechenland, hierauf in Skandinavien, wo er ſich beſonders dem Studium der altnordiſchen Or- namentik widmete, und 1876 nach den Vereinigten Staaten Amerikas und nach Venezuela, wo bereits ſein ſtar- kes Jntereſſe für praktiſch-politiſche Aufgaben in den Vordergrund trat. Heimgekehrt, trat er in die Redaktion der „Kölniſchen Zeitung“ ein und übernahm damit die literariſche Füh- rung des rheiniſchen Kunſtlebens. Durch ſeltenes Verſtändnis u. glän- zende Darſtellungsweiſe hob er die Kunſtkritik des rheiniſchen Blattes zu einer bemerkenswerten Höhe u. ern- ſter Sachlichkeit. Aus dieſer Zeit ſtammt auch ſein Werk „Moderne Kunſt. Studien zur Kunſtgeſchichte der Gegenwart“ (1884). Seinem zur Tat drängenden Temperamente ge- nügte indeſſen der Journalismus auf die Dauer nicht, und als die deutſche Kolonialbewegung größere Wellen ſchlug, trat B. 1884 als eifriger Vor- kämpfer in dieſelbe ein. Als Heraus- geber der „Kolonialpolitiſchen Korre- ſpondenz“ und Schriftführer des All- gemeinen deutſchen Kongreſſes war er unermüdlich tätig für die Siche- rung der in Oſtafrika geſchaffenen Keime im politiſchen Wollen und Be- wußtſein der Nation. Als dann in der Begründung der Deutſch-Oſtafri- kaniſchen Geſellſchaft die wirtſchaft- liche Grundlage der Kolonie geſichert war, ging B. ſelbſt nach Oſtafrika hinaus, wo er zu Anfang des Jahres 1887 die Station Uſungula über- nahm und dieſelbe leitete, bis infolge der beklagenswerten Politik des Jah- res 1888 die Wogen des Aufſtandes auch über der blühenden Stätte ſei- nes Wirkens zuſammenſchlugen. Sein Werk „Deutſche Pionierarbeit in Oſt- afrika“ (1890), mehr noch ſein Roman aus der Zeit des afrikaniſchen Auf- ſtandes „Die Schweſtern von Mbu- ſini“ (Tägliche Rundſchau, 1893) haben mehr als alle Zeitungs-Leit- artikel dazu beigetragen, die Verir- rungen der Kolonialpolitik der letzten Jahre klarzulegen. Am 1. Mai 1897 übernahm B. die Chefredaktion der „Oſtpreußiſchen Zeitung“ in Königs- berg, die er bis 1899 führte u. kehrte dann nach Berlin zurück. Hier gibt er ſeit 1905 „Zeitfragen. Wochen- ſchrift für Literatur, Kunſt u. Politik“ heraus. S: Ans Herz der Heimat (R.), 1883. – Circe (R.), 1892. – Hor- ridoh! (Weidmannsbilder und Lr.), 1896. – Hochlandminne (Lr. a. Alt- Tirol), 1902. – Die Schweſtern von Mbuſini (Geſchichtl. R.), 1903. Bliemchen, Partikulariſt, Pſeud. für Guſtav Schumann; ſ. d.! *Bliß, Paul, geb. am 3. März 1861 zu Prenzlau in der Ukermark als Sohn eines Kaufmanns, beſuchte das Gymnaſium daſelbſt, um ſich für das theologiſche Studium vorzubereiten, mußte aber, da er frühe den Vater verlor, dieſen Plan fallen laſſen und einen praktiſchen Beruf ergreifen. Nachdem er ſeine Erziehung teils im elterlichen Hauſe, teils bei ſeinen Großeltern, einfachen und braven Bauersleuten, erhalten hatte, wurde er Kaufmann u. iſt in dieſem Berufe als Korreſpondent und Sekretär in kaufmänniſchen Bureaus bis 1890 tätig geweſen. Seine Mußeſtunden füllte er durch Beſchäftigung mit Stu- dien u. der Schriftſtellerei aus. Seit 1890 widmet er ſich ausſchließlich der letzteren und lebt als unabhängiger Schriftſteller in Berlin oder in Arco (Südtirol). S: Zum Frieden! (R. aus der Gegenwart), 1889. – Kon- kurrenz (Lſp.), 1890. – Ein Badeſcherz (Lſp.), 1890. – Der Herr im Hauſe (Lſp.), 1890. – Ein probates Mittel (Lſp.), 1890. – Meine erſten Sünden (Nn.), 1891. – Der verlorene Sohn (Berliner Sittenbild), 1892. – Des Übels Wurzel (Berliner R.), 1892. – *

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Zitationshilfe: Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 1. 6. Aufl. Leipzig, 1913, S. 256. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bruemmer_lexikon01_1913/260>, abgerufen am 21.03.2019.