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Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 1. 6. Aufl. Leipzig, 1913.

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Dau
*Daudert, Ernst Wilhelm,


pseud. Ernst Wildau, wurde am
10. Febr. (22. Febr. n. St.) 1829 in
Riga geboren, bereitete sich für den
Handelsstand vor, zuletzt in der da-
maligen Handelsklasse der dortigen
Kreisschule, versah dann die Stelle
eines Korrespondenten verschiedener
Sprachen in mehreren angesehenen
Handelshäusern in Riga u. gründete
daselbst 1852 ein selbständiges Han-
delshaus. Jm Jahre 1868 wurde er
zum Ratsherrn erwählt; als solcher
war er auch Mitglied u. später Prä-
ses des Rigaer ständischen Theater-
verwaltungskomitees. D. hatte viel-
fach Gelegenheit, größere Reisen durch
Deutschland, Holland und Belgien zu
machen. Bei seiner Vorliebe für lite-
rarische Beschäftigung wurde er auch
mit der französischen, englischen und
dänischen Sprache u. deren Literatur
vertraut. Nach Auflösung des Rigai-
schen Rats zog er sich vom Geschäfts-
leben zurück und siedelte 1891 mit
seiner Familie nach Freiburg in Br.
über, wo er als Privatmann sei-
nen literarischen Neigungen lebte und
am 5. Jan. 1903 starb.

S:

Gedichte,
1876. - Lebensblüten (Lieder), 1884.

Dauer, C.,

Pseud. für C. von der
Boeck;
s. d.!

*Daum,

Friedrich August Her-
mann,
wurde am 10. Mai 1818 zu
Quedlinburg geboren, kam frühe nach
Magdeburg u. besuchte hier das Gym-
nasium zum Kloster U. L. F., wo er
schon im Verein mit seinem Studien-
genossen G. von Putlitz sich in poeti-
schen Dichtungen versuchte. Seinen
von frühester Kindheit an gehegten
Wunsch, Theologie zu studieren, setzte
er trotz der widrigsten Verhältnisse
durch. Er absolvierte dieses Studium
von 1839-42 in Halle, war dann
einige Jahre Prädikant in Schkölen
bei Naumburg u. verwaltete danach
Hauslehrerstellen in Pommern und
in der Lausitz. Jm Jahre 1850 ward
D. Prädikant an der Petrikirche in
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Dau
Magdeburg, 1852 Diakonus in Tan-
germünde und 1858 Archidiakonus
daselbst. Hier begann er seit dem
Jahre 1857 eine erfolgreiche Wirk-
samkeit für die Jnteressen des Gustav-
Adolf-Vereins, wovon mehrere
Schriften Zeugnis geben. 1868 kam
D. als Pfarrer nach Groß-Leinungen
bei Wallhausen u. 1876 nach Wanz-
leben in der Provinz Sachsen, wo er
am 7. Dezbr. 1889 starb.

S:

Der
verlorene Sohn (Dr.), 1851. - Jo-
hannes Huß, der Märtyrer von Kon-
stanz (D.), 1852. - Ein Lorbeerkranz
für Preußens tapferes Heer (G.),
1866. - Gustav Adolf in Deutschland
(Ep. D.), 1882.

Daumer, Georg Friedrich,

pseud.
Eusebius Emeran, wurde am
5. März 1800 zu Nürnberg geboren,
wo sein Vater als begüterter Bürger
lebte, aber Unglück hatte, verarmte
und endlich in eine Art Geisteskrank-
heit verfiel, in der er auch starb. Als
Knabe kränklich, war Georg Fried-
rich D. dem Verkehr mit Altersgenos-
sen fast gänzlich entzogen und auf
Selbstbeschäftigung mit Musik und
Lektüre angewiesen. Er besuchte das
Gymnasium seiner Vaterstadt, an
dem er Hegels Unterricht in der Phi-
losophie genoß, und bezog 1817 die
Universität Erlangen, um Theologie
zu studieren. Anfänglich warf er sich
dem dort herrschenden Pietismus in
die Arme; allein bald begannen sich
Zweifel in ihm zu regen, und diese
wurden mit der Zeit so mächtig, daß
er dem theologischen Studium ent-
sagte u. sich gänzlich der Philosophie
widmete. Er hörte zu Erlangen noch
die Vorlesungen Schellings, ging
dann noch ein Jahr auf die Univer-
sität Leipzig und wurde nach Beendi-
gung seiner Studien 1822 Lehrer an
der lateinischen Schule seiner Vater-
stadt und 1827 Professor am Gym-
nasium daselbst. Seine pädagogische
Wirksamkeit dauerte nicht lange. Kon-
flikte mit dem orthodoxen Direktor

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Dau
*Daudert, Ernſt Wilhelm,


pſeud. Ernſt Wildau, wurde am
10. Febr. (22. Febr. n. St.) 1829 in
Riga geboren, bereitete ſich für den
Handelsſtand vor, zuletzt in der da-
maligen Handelsklaſſe der dortigen
Kreisſchule, verſah dann die Stelle
eines Korreſpondenten verſchiedener
Sprachen in mehreren angeſehenen
Handelshäuſern in Riga u. gründete
daſelbſt 1852 ein ſelbſtändiges Han-
delshaus. Jm Jahre 1868 wurde er
zum Ratsherrn erwählt; als ſolcher
war er auch Mitglied u. ſpäter Prä-
ſes des Rigaer ſtändiſchen Theater-
verwaltungskomitees. D. hatte viel-
fach Gelegenheit, größere Reiſen durch
Deutſchland, Holland und Belgien zu
machen. Bei ſeiner Vorliebe für lite-
rariſche Beſchäftigung wurde er auch
mit der franzöſiſchen, engliſchen und
däniſchen Sprache u. deren Literatur
vertraut. Nach Auflöſung des Rigai-
ſchen Rats zog er ſich vom Geſchäfts-
leben zurück und ſiedelte 1891 mit
ſeiner Familie nach Freiburg in Br.
über, wo er als Privatmann ſei-
nen literariſchen Neigungen lebte und
am 5. Jan. 1903 ſtarb.

S:

Gedichte,
1876. – Lebensblüten (Lieder), 1884.

Dauer, C.,

Pſeud. für C. von der
Boeck;
ſ. d.!

*Daum,

Friedrich Auguſt Her-
mann,
wurde am 10. Mai 1818 zu
Quedlinburg geboren, kam frühe nach
Magdeburg u. beſuchte hier das Gym-
naſium zum Kloſter U. L. F., wo er
ſchon im Verein mit ſeinem Studien-
genoſſen G. von Putlitz ſich in poeti-
ſchen Dichtungen verſuchte. Seinen
von früheſter Kindheit an gehegten
Wunſch, Theologie zu ſtudieren, ſetzte
er trotz der widrigſten Verhältniſſe
durch. Er abſolvierte dieſes Studium
von 1839–42 in Halle, war dann
einige Jahre Prädikant in Schkölen
bei Naumburg u. verwaltete danach
Hauslehrerſtellen in Pommern und
in der Lauſitz. Jm Jahre 1850 ward
D. Prädikant an der Petrikirche in
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Dau
Magdeburg, 1852 Diakonus in Tan-
germünde und 1858 Archidiakonus
daſelbſt. Hier begann er ſeit dem
Jahre 1857 eine erfolgreiche Wirk-
ſamkeit für die Jntereſſen des Guſtav-
Adolf-Vereins, wovon mehrere
Schriften Zeugnis geben. 1868 kam
D. als Pfarrer nach Groß-Leinungen
bei Wallhauſen u. 1876 nach Wanz-
leben in der Provinz Sachſen, wo er
am 7. Dezbr. 1889 ſtarb.

S:

Der
verlorene Sohn (Dr.), 1851. – Jo-
hannes Huß, der Märtyrer von Kon-
ſtanz (D.), 1852. – Ein Lorbeerkranz
für Preußens tapferes Heer (G.),
1866. – Guſtav Adolf in Deutſchland
(Ep. D.), 1882.

Daumer, Georg Friedrich,

pſeud.
Euſebius Emeran, wurde am
5. März 1800 zu Nürnberg geboren,
wo ſein Vater als begüterter Bürger
lebte, aber Unglück hatte, verarmte
und endlich in eine Art Geiſteskrank-
heit verfiel, in der er auch ſtarb. Als
Knabe kränklich, war Georg Fried-
rich D. dem Verkehr mit Altersgenoſ-
ſen faſt gänzlich entzogen und auf
Selbſtbeſchäftigung mit Muſik und
Lektüre angewieſen. Er beſuchte das
Gymnaſium ſeiner Vaterſtadt, an
dem er Hegels Unterricht in der Phi-
loſophie genoß, und bezog 1817 die
Univerſität Erlangen, um Theologie
zu ſtudieren. Anfänglich warf er ſich
dem dort herrſchenden Pietismus in
die Arme; allein bald begannen ſich
Zweifel in ihm zu regen, und dieſe
wurden mit der Zeit ſo mächtig, daß
er dem theologiſchen Studium ent-
ſagte u. ſich gänzlich der Philoſophie
widmete. Er hörte zu Erlangen noch
die Vorleſungen Schellings, ging
dann noch ein Jahr auf die Univer-
ſität Leipzig und wurde nach Beendi-
gung ſeiner Studien 1822 Lehrer an
der lateiniſchen Schule ſeiner Vater-
ſtadt und 1827 Profeſſor am Gym-
naſium daſelbſt. Seine pädagogiſche
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flikte mit dem orthodoxen Direktor

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[463/0467] Dau Dau *Daudert, Ernſt Wilhelm, pſeud. Ernſt Wildau, wurde am 10. Febr. (22. Febr. n. St.) 1829 in Riga geboren, bereitete ſich für den Handelsſtand vor, zuletzt in der da- maligen Handelsklaſſe der dortigen Kreisſchule, verſah dann die Stelle eines Korreſpondenten verſchiedener Sprachen in mehreren angeſehenen Handelshäuſern in Riga u. gründete daſelbſt 1852 ein ſelbſtändiges Han- delshaus. Jm Jahre 1868 wurde er zum Ratsherrn erwählt; als ſolcher war er auch Mitglied u. ſpäter Prä- ſes des Rigaer ſtändiſchen Theater- verwaltungskomitees. D. hatte viel- fach Gelegenheit, größere Reiſen durch Deutſchland, Holland und Belgien zu machen. Bei ſeiner Vorliebe für lite- rariſche Beſchäftigung wurde er auch mit der franzöſiſchen, engliſchen und däniſchen Sprache u. deren Literatur vertraut. Nach Auflöſung des Rigai- ſchen Rats zog er ſich vom Geſchäfts- leben zurück und ſiedelte 1891 mit ſeiner Familie nach Freiburg in Br. über, wo er als Privatmann ſei- nen literariſchen Neigungen lebte und am 5. Jan. 1903 ſtarb. S: Gedichte, 1876. – Lebensblüten (Lieder), 1884. Dauer, C., Pſeud. für C. von der Boeck; ſ. d.! *Daum, Friedrich Auguſt Her- mann, wurde am 10. Mai 1818 zu Quedlinburg geboren, kam frühe nach Magdeburg u. beſuchte hier das Gym- naſium zum Kloſter U. L. F., wo er ſchon im Verein mit ſeinem Studien- genoſſen G. von Putlitz ſich in poeti- ſchen Dichtungen verſuchte. Seinen von früheſter Kindheit an gehegten Wunſch, Theologie zu ſtudieren, ſetzte er trotz der widrigſten Verhältniſſe durch. Er abſolvierte dieſes Studium von 1839–42 in Halle, war dann einige Jahre Prädikant in Schkölen bei Naumburg u. verwaltete danach Hauslehrerſtellen in Pommern und in der Lauſitz. Jm Jahre 1850 ward D. Prädikant an der Petrikirche in Magdeburg, 1852 Diakonus in Tan- germünde und 1858 Archidiakonus daſelbſt. Hier begann er ſeit dem Jahre 1857 eine erfolgreiche Wirk- ſamkeit für die Jntereſſen des Guſtav- Adolf-Vereins, wovon mehrere Schriften Zeugnis geben. 1868 kam D. als Pfarrer nach Groß-Leinungen bei Wallhauſen u. 1876 nach Wanz- leben in der Provinz Sachſen, wo er am 7. Dezbr. 1889 ſtarb. S: Der verlorene Sohn (Dr.), 1851. – Jo- hannes Huß, der Märtyrer von Kon- ſtanz (D.), 1852. – Ein Lorbeerkranz für Preußens tapferes Heer (G.), 1866. – Guſtav Adolf in Deutſchland (Ep. D.), 1882. Daumer, Georg Friedrich, pſeud. Euſebius Emeran, wurde am 5. März 1800 zu Nürnberg geboren, wo ſein Vater als begüterter Bürger lebte, aber Unglück hatte, verarmte und endlich in eine Art Geiſteskrank- heit verfiel, in der er auch ſtarb. Als Knabe kränklich, war Georg Fried- rich D. dem Verkehr mit Altersgenoſ- ſen faſt gänzlich entzogen und auf Selbſtbeſchäftigung mit Muſik und Lektüre angewieſen. Er beſuchte das Gymnaſium ſeiner Vaterſtadt, an dem er Hegels Unterricht in der Phi- loſophie genoß, und bezog 1817 die Univerſität Erlangen, um Theologie zu ſtudieren. Anfänglich warf er ſich dem dort herrſchenden Pietismus in die Arme; allein bald begannen ſich Zweifel in ihm zu regen, und dieſe wurden mit der Zeit ſo mächtig, daß er dem theologiſchen Studium ent- ſagte u. ſich gänzlich der Philoſophie widmete. Er hörte zu Erlangen noch die Vorleſungen Schellings, ging dann noch ein Jahr auf die Univer- ſität Leipzig und wurde nach Beendi- gung ſeiner Studien 1822 Lehrer an der lateiniſchen Schule ſeiner Vater- ſtadt und 1827 Profeſſor am Gym- naſium daſelbſt. Seine pädagogiſche Wirkſamkeit dauerte nicht lange. Kon- flikte mit dem orthodoxen Direktor *

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Zitationshilfe: Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 1. 6. Aufl. Leipzig, 1913, S. 463. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bruemmer_lexikon01_1913/467>, abgerufen am 21.03.2019.