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Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 2. 6. Aufl. Leipzig, 1913.

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das Generalsekretariat berufen und
hier später Chef des Personal-Bu-
reaus. Als solcher schied er 1873 aus
dem Eisenbahndienste. Seit Grün-
dung des "Neuen Wiener Tagbl."
war er Redakteur dieser Zeitung (Mu-
sikkritik) bis zu seinem Tode, der am
16. April 1909 eintrat.

S:

Die Hütte
am See (E.), 1854. - Vier Volkserzäh-
lungen, 1858. - Jrrlicht (R.), 1858.
Aus fernen Welten (R.), 1861.

*Freyburger, Emil,

pseud. Gott-
lieb Frank,
wurde am 27. Mai
1825 in Eggenstein (Baden) als der
Sohn des dortigen Pfarrers gebo-
ren, wuchs in Malterdingen (im ba-
dischen Oberland) heran, machte den
Gymnasialkursus in Karlsruhe und
Heidelberg und ging dann nach Halle,
um Theologie (unter Tholuck und J.
Müller) und Philosophie (unter Erd-
mann und Schaller) zu studieren. Ein
eingehendes Studium von Schleier-
macher und Hegel drängte ihn zu
freieren Ansichten und zu Christian
Bauer nach Tübingen. Jm theologi-
schen Seminar zu Heidelberg war er
ein Schüler Rothes und Ullmanns,
und hier legte er auch im Sommer
1848 seine Prüfung ab. Nach einem
kurzen Aufenthalte bei seinem Vater
als Vikar glaubte er mit seinen frei-
denkenden Ansichten die Kanzel nicht
mehr besteigen zu sollen. Er verlebte
den nächsten Winter in Karlsruhe,
ging dann nach München, wo er,
unterstützt von einer edlen Dame,
Kunststudien machte, und dann, um
sich die Mittel zu einem längeren Auf-
enthalt in Jtalien, dem Lande seiner
Sehnsucht, zu verschaffen, nach Wien,
wo er anderthalb Jahre als Privat-
lehrer und Kunstkritiker für das da-
malige Weltblatt "Lloyd" wirkte. Jm
Jahre 1851 reiste er dann nach Jta-
lien, wo er, meist in Rom lebend, im
Kreise von später berühmt geworde-
nen Künstlern und im Hause des Pe-
ter von Cornelius herrliche Jahre
verbrachte und teils als Privatlehrer
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und Referent für Zeitschriften tätig
war, auch fleißig auf der vatikani-
schen Bibliothek arbeitete. Längere
Zeit weilte er auch in Florenz. Hier
brachte ihn ein Cholera-Anfall an
den Rand des Grabes. Noch immer
krank, kehrte er nach Rom zurück, wo
sich mit seiner langsamen Genesung
auch eine Wandlung seiner Anschau-
ungen vollzog. Er kehrte in die Hei-
mat zurück, meldete sich zum Kirchen-
dienst und wurde für ein Jahr als
Pfarrverweser aufs Land geschickt.
Dann kam er als Hof- und Stadt-
vikar nach Karlsruhe, wo er an Wili-
bald Beyschlag und Emil Frommel
treue Freunde fand. Der Agenden-
streit löste diesen Freundeskreis und
F. nahm die Stelle eines Diakonus
in Müllheim bei Badenweiler an, die
er bis zum J. 1864 innehatte, wo
Krankheit ihn nötigte, einen neuen,
weniger anstrengenden Beruf zu wäh-
len. Er erhielt eine Stellung als
Direktionsgehilfe an der Heil- und
Pflegeanstalt für Geisteskranke in
Jllenau bei Achern (Baden), die er
bis zu seinem Tode, 3. Novbr. 1899,
innehatte. Hier redigierte er auch
viele Jahre das besonders für Ange-
hörige der Anstalt bestimmte "Jlle-
nauer Wochenblatt".

S:

Kunstge-
spräche in Versen, 1854. - Novellen
aus dem Seelenleben, 1876. - Neme-
sis (N. a. d. Seelenleben), 1878. -
Joseph und seine Brüder in lebenden
Bildern, 1878. - Maler Bertram an
den Quellen von Eaux-Bonnes (Le-
bensbild), 1880. - Das Kätterli aus
dem Wiesental (E.), 1880. 2. A. 1881.
- Der Fischerknabe von Reichenau
(G.), 1897.

Freydorf, Alberta von,

geborene
Freiin von Cornberg, entstammte
einer der altkurhessischen Ritterschaft
angehörigen Familie und wurde am
19. Februar 1846 als die Tochter des
Freiherrn Otto v. Cornberg (+ 1883)
in Paris geboren. Sie vermählte
sich im Herbst 1866 mit Rudolf von

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das Generalſekretariat berufen und
hier ſpäter Chef des Perſonal-Bu-
reaus. Als ſolcher ſchied er 1873 aus
dem Eiſenbahndienſte. Seit Grün-
dung des „Neuen Wiener Tagbl.“
war er Redakteur dieſer Zeitung (Mu-
ſikkritik) bis zu ſeinem Tode, der am
16. April 1909 eintrat.

S:

Die Hütte
am See (E.), 1854. – Vier Volkserzäh-
lungen, 1858. – Jrrlicht (R.), 1858.
Aus fernen Welten (R.), 1861.

*Freyburger, Emil,

pſeud. Gott-
lieb Frank,
wurde am 27. Mai
1825 in Eggenſtein (Baden) als der
Sohn des dortigen Pfarrers gebo-
ren, wuchs in Malterdingen (im ba-
diſchen Oberland) heran, machte den
Gymnaſialkurſus in Karlsruhe und
Heidelberg und ging dann nach Halle,
um Theologie (unter Tholuck und J.
Müller) und Philoſophie (unter Erd-
mann und Schaller) zu ſtudieren. Ein
eingehendes Studium von Schleier-
macher und Hegel drängte ihn zu
freieren Anſichten und zu Chriſtian
Bauer nach Tübingen. Jm theologi-
ſchen Seminar zu Heidelberg war er
ein Schüler Rothes und Ullmanns,
und hier legte er auch im Sommer
1848 ſeine Prüfung ab. Nach einem
kurzen Aufenthalte bei ſeinem Vater
als Vikar glaubte er mit ſeinen frei-
denkenden Anſichten die Kanzel nicht
mehr beſteigen zu ſollen. Er verlebte
den nächſten Winter in Karlsruhe,
ging dann nach München, wo er,
unterſtützt von einer edlen Dame,
Kunſtſtudien machte, und dann, um
ſich die Mittel zu einem längeren Auf-
enthalt in Jtalien, dem Lande ſeiner
Sehnſucht, zu verſchaffen, nach Wien,
wo er anderthalb Jahre als Privat-
lehrer und Kunſtkritiker für das da-
malige Weltblatt „Lloyd“ wirkte. Jm
Jahre 1851 reiſte er dann nach Jta-
lien, wo er, meiſt in Rom lebend, im
Kreiſe von ſpäter berühmt geworde-
nen Künſtlern und im Hauſe des Pe-
ter von Cornelius herrliche Jahre
verbrachte und teils als Privatlehrer
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Fre
und Referent für Zeitſchriften tätig
war, auch fleißig auf der vatikani-
ſchen Bibliothek arbeitete. Längere
Zeit weilte er auch in Florenz. Hier
brachte ihn ein Cholera-Anfall an
den Rand des Grabes. Noch immer
krank, kehrte er nach Rom zurück, wo
ſich mit ſeiner langſamen Geneſung
auch eine Wandlung ſeiner Anſchau-
ungen vollzog. Er kehrte in die Hei-
mat zurück, meldete ſich zum Kirchen-
dienſt und wurde für ein Jahr als
Pfarrverweſer aufs Land geſchickt.
Dann kam er als Hof- und Stadt-
vikar nach Karlsruhe, wo er an Wili-
bald Beyſchlag und Emil Frommel
treue Freunde fand. Der Agenden-
ſtreit löſte dieſen Freundeskreis und
F. nahm die Stelle eines Diakonus
in Müllheim bei Badenweiler an, die
er bis zum J. 1864 innehatte, wo
Krankheit ihn nötigte, einen neuen,
weniger anſtrengenden Beruf zu wäh-
len. Er erhielt eine Stellung als
Direktionsgehilfe an der Heil- und
Pflegeanſtalt für Geiſteskranke in
Jllenau bei Achern (Baden), die er
bis zu ſeinem Tode, 3. Novbr. 1899,
innehatte. Hier redigierte er auch
viele Jahre das beſonders für Ange-
hörige der Anſtalt beſtimmte „Jlle-
nauer Wochenblatt“.

S:

Kunſtge-
ſpräche in Verſen, 1854. – Novellen
aus dem Seelenleben, 1876. – Neme-
ſis (N. a. d. Seelenleben), 1878. –
Joſeph und ſeine Brüder in lebenden
Bildern, 1878. – Maler Bertram an
den Quellen von Eaux-Bonnes (Le-
bensbild), 1880. – Das Kätterli aus
dem Wieſental (E.), 1880. 2. A. 1881.
– Der Fiſcherknabe von Reichenau
(G.), 1897.

Freydorf, Alberta von,

geborene
Freiin von Cornberg, entſtammte
einer der altkurheſſiſchen Ritterſchaft
angehörigen Familie und wurde am
19. Februar 1846 als die Tochter des
Freiherrn Otto v. Cornberg († 1883)
in Paris geboren. Sie vermählte
ſich im Herbſt 1866 mit Rudolf von

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[270/0274] Fre Fre das Generalſekretariat berufen und hier ſpäter Chef des Perſonal-Bu- reaus. Als ſolcher ſchied er 1873 aus dem Eiſenbahndienſte. Seit Grün- dung des „Neuen Wiener Tagbl.“ war er Redakteur dieſer Zeitung (Mu- ſikkritik) bis zu ſeinem Tode, der am 16. April 1909 eintrat. S: Die Hütte am See (E.), 1854. – Vier Volkserzäh- lungen, 1858. – Jrrlicht (R.), 1858. Aus fernen Welten (R.), 1861. *Freyburger, Emil, pſeud. Gott- lieb Frank, wurde am 27. Mai 1825 in Eggenſtein (Baden) als der Sohn des dortigen Pfarrers gebo- ren, wuchs in Malterdingen (im ba- diſchen Oberland) heran, machte den Gymnaſialkurſus in Karlsruhe und Heidelberg und ging dann nach Halle, um Theologie (unter Tholuck und J. Müller) und Philoſophie (unter Erd- mann und Schaller) zu ſtudieren. Ein eingehendes Studium von Schleier- macher und Hegel drängte ihn zu freieren Anſichten und zu Chriſtian Bauer nach Tübingen. Jm theologi- ſchen Seminar zu Heidelberg war er ein Schüler Rothes und Ullmanns, und hier legte er auch im Sommer 1848 ſeine Prüfung ab. Nach einem kurzen Aufenthalte bei ſeinem Vater als Vikar glaubte er mit ſeinen frei- denkenden Anſichten die Kanzel nicht mehr beſteigen zu ſollen. Er verlebte den nächſten Winter in Karlsruhe, ging dann nach München, wo er, unterſtützt von einer edlen Dame, Kunſtſtudien machte, und dann, um ſich die Mittel zu einem längeren Auf- enthalt in Jtalien, dem Lande ſeiner Sehnſucht, zu verſchaffen, nach Wien, wo er anderthalb Jahre als Privat- lehrer und Kunſtkritiker für das da- malige Weltblatt „Lloyd“ wirkte. Jm Jahre 1851 reiſte er dann nach Jta- lien, wo er, meiſt in Rom lebend, im Kreiſe von ſpäter berühmt geworde- nen Künſtlern und im Hauſe des Pe- ter von Cornelius herrliche Jahre verbrachte und teils als Privatlehrer und Referent für Zeitſchriften tätig war, auch fleißig auf der vatikani- ſchen Bibliothek arbeitete. Längere Zeit weilte er auch in Florenz. Hier brachte ihn ein Cholera-Anfall an den Rand des Grabes. Noch immer krank, kehrte er nach Rom zurück, wo ſich mit ſeiner langſamen Geneſung auch eine Wandlung ſeiner Anſchau- ungen vollzog. Er kehrte in die Hei- mat zurück, meldete ſich zum Kirchen- dienſt und wurde für ein Jahr als Pfarrverweſer aufs Land geſchickt. Dann kam er als Hof- und Stadt- vikar nach Karlsruhe, wo er an Wili- bald Beyſchlag und Emil Frommel treue Freunde fand. Der Agenden- ſtreit löſte dieſen Freundeskreis und F. nahm die Stelle eines Diakonus in Müllheim bei Badenweiler an, die er bis zum J. 1864 innehatte, wo Krankheit ihn nötigte, einen neuen, weniger anſtrengenden Beruf zu wäh- len. Er erhielt eine Stellung als Direktionsgehilfe an der Heil- und Pflegeanſtalt für Geiſteskranke in Jllenau bei Achern (Baden), die er bis zu ſeinem Tode, 3. Novbr. 1899, innehatte. Hier redigierte er auch viele Jahre das beſonders für Ange- hörige der Anſtalt beſtimmte „Jlle- nauer Wochenblatt“. S: Kunſtge- ſpräche in Verſen, 1854. – Novellen aus dem Seelenleben, 1876. – Neme- ſis (N. a. d. Seelenleben), 1878. – Joſeph und ſeine Brüder in lebenden Bildern, 1878. – Maler Bertram an den Quellen von Eaux-Bonnes (Le- bensbild), 1880. – Das Kätterli aus dem Wieſental (E.), 1880. 2. A. 1881. – Der Fiſcherknabe von Reichenau (G.), 1897. Freydorf, Alberta von, geborene Freiin von Cornberg, entſtammte einer der altkurheſſiſchen Ritterſchaft angehörigen Familie und wurde am 19. Februar 1846 als die Tochter des Freiherrn Otto v. Cornberg († 1883) in Paris geboren. Sie vermählte ſich im Herbſt 1866 mit Rudolf von *

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Zitationshilfe: Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 2. 6. Aufl. Leipzig, 1913, S. 270. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bruemmer_lexikon02_1913/274>, abgerufen am 20.02.2019.