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Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 2. 6. Aufl. Leipzig, 1913.

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der Artillerie war. Der letztere starb
frühzeitig an den Folgen einer schwe-
ren Verwundung, die er sich in den
Kämpfen am Kaukasus zugezogen
hatte, u. die Mutter, eine Schlesierin
von Geburt, zog bald darauf nach
Deutschland, verstarb aber bereits
1877 in Berlin, so daß der verwaiste
Knabe, der bis dahin nur die russische
Sprache kannte, unter die Obhut von
Verwandten kam, die ihn erst das
Französische Gymnasium in Berlin
und dann mit Rücksicht auf seine Ge-
sundheit, das Gymnasium in Freien-
walde a. Oder besuchen ließen. Einen
Lichtblick in seiner schweren Jugend-
periode bildete die Freundschaft, die
ihn mit den Söhnen des berühmten
Professors der Chemie A. W. von
Hofmann in Berlin verband. Jm
Jahre 1887 ging G. nach St. Peters-
burg, wo er einen Einblick in die
hohen gesellschaftlichen Kreise emp-
fing, und 1889 nach Dorpat, wo er
sich besonders dem Studium der rus-
sischen Sprache widmete. Seine Ab-
sicht, Offizier zu werden, scheiterte an
dem schlechten Zustande seiner Augen,
und um russischer Beamter oder Di-
plomat zu werden, hätte er seine deut-
sche Nationalität aufgeben u. wieder
Russe werden müssen. Dies wider-
strebte ihm, u. so kehrte er 1890 nach
Deutschland zurück, begann seine
Studien in Leipzig 1891 und setzte
dieselben in Heidelberg fort, mußte
sie hier aber wegen eines beginnen-
den Lungenleidens 1893 unterbrechen
und nach dem Süden gehen. Mehr
als vier Jahre weilte er in Meran,
Brixen, Bozen, zuletzt in Arco-Riva
am Gardasee, und genesen kehrte er
im Winter 1898 nach München zurück,
wo der bekannte Dichter M. G. Con-
rad ihn für den Schriftstellerberuf
gewann. Gegen Ende d. J. 1899 sie-
delte G. nach Leipzig über, wo er noch-
mals als Student der Philosophie
die Universität bezog und seit 1901
als Mitarbeiter an vielen größeren
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Zeitschriften und Zeitungen tätig ist.

S:

Lu (Eine Liebesgesch.) und: Vor-
rei morir (Ein Erinnerungsblatt),
1908. - Die Tochter des Samurai
(Japan. N.), 1908. - Eine spiritisti-
sche Seance und andere Novelletten,
1908.

Gall, Luise von,

siehe Luise
Schücking!

Galland, Georg,

geb. am 19. Ja-
nuar 1857 in Posen als der Sohn
eines Rentners, erhielt dort seine
Vorbildung und bezog 1877 die ehe-
malige Berliner Bauakademie, auf
welcher er Architektur studierte, wäh-
rend er an der Universität daselbst
Vorlesungen über Kunstgeschichte
hörte. Nachdem er 1881-82 seiner
Militärpflicht genügt hatte, habili-
tierte er sich 1883 als Privatdozent
für Kunstgeschichte an der Technischen
Hochschule in Hannover, dozierte 1887
bis 1888 in Amsterdam und ließ sich
1889 als Dozent für Kunstgeschichte
an der Technischen Hochschule in Ber-
lin nieder; später übernahm er hier
auch den Lehrauftrag an der königl.
akademischen Hochschule für die bil-
denden Künste und wurde 1896 zum
Professor ernannt. Jm Jahre 1895
begründete er die Halbmonatsschrift
"Die Kunst-Halle", die er noch jetzt
redigiert. Er ist Ehrenmitglied ge-
lehrter und künstlerischer Gesellschaf-
ten in Amsterdam, Haag, Utrecht,
Leyden und Haarlem und hat eine
Reihe kunsthistorischer Werke verfaßt.

S:

Die Perleninsel (Eine nordische
Mär), 1906.

*Galli, Eugenie Tugendreich,


wurde am 21. Dezbr. 1849 in Jassy
(Rumänien) geboren, wo ihr Vater,
Gustav von Loos, preußischer
Legationsrat war. Nach dem Rück-
tritt des letzteren aus dem Staats-
dienst zogen die Eltern nach Berlin,
wo sie die Winter verlebten, wäh-
rend sie die Sommermonate wegen
ihrer und der Tochter Kränklichkeit
in Badeorten zubrachten. Aus die-

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der Artillerie war. Der letztere ſtarb
frühzeitig an den Folgen einer ſchwe-
ren Verwundung, die er ſich in den
Kämpfen am Kaukaſus zugezogen
hatte, u. die Mutter, eine Schleſierin
von Geburt, zog bald darauf nach
Deutſchland, verſtarb aber bereits
1877 in Berlin, ſo daß der verwaiſte
Knabe, der bis dahin nur die ruſſiſche
Sprache kannte, unter die Obhut von
Verwandten kam, die ihn erſt das
Franzöſiſche Gymnaſium in Berlin
und dann mit Rückſicht auf ſeine Ge-
ſundheit, das Gymnaſium in Freien-
walde a. Oder beſuchen ließen. Einen
Lichtblick in ſeiner ſchweren Jugend-
periode bildete die Freundſchaft, die
ihn mit den Söhnen des berühmten
Profeſſors der Chemie A. W. von
Hofmann in Berlin verband. Jm
Jahre 1887 ging G. nach St. Peters-
burg, wo er einen Einblick in die
hohen geſellſchaftlichen Kreiſe emp-
fing, und 1889 nach Dorpat, wo er
ſich beſonders dem Studium der ruſ-
ſiſchen Sprache widmete. Seine Ab-
ſicht, Offizier zu werden, ſcheiterte an
dem ſchlechten Zuſtande ſeiner Augen,
und um ruſſiſcher Beamter oder Di-
plomat zu werden, hätte er ſeine deut-
ſche Nationalität aufgeben u. wieder
Ruſſe werden müſſen. Dies wider-
ſtrebte ihm, u. ſo kehrte er 1890 nach
Deutſchland zurück, begann ſeine
Studien in Leipzig 1891 und ſetzte
dieſelben in Heidelberg fort, mußte
ſie hier aber wegen eines beginnen-
den Lungenleidens 1893 unterbrechen
und nach dem Süden gehen. Mehr
als vier Jahre weilte er in Meran,
Brixen, Bozen, zuletzt in Arco-Riva
am Gardaſee, und geneſen kehrte er
im Winter 1898 nach München zurück,
wo der bekannte Dichter M. G. Con-
rad ihn für den Schriftſtellerberuf
gewann. Gegen Ende d. J. 1899 ſie-
delte G. nach Leipzig über, wo er noch-
mals als Student der Philoſophie
die Univerſität bezog und ſeit 1901
als Mitarbeiter an vielen größeren
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Gal
Zeitſchriften und Zeitungen tätig iſt.

S:

Lu (Eine Liebesgeſch.) und: Vor-
rei morir (Ein Erinnerungsblatt),
1908. – Die Tochter des Samurai
(Japan. N.), 1908. – Eine ſpiritiſti-
ſche Séance und andere Novelletten,
1908.

Gall, Luiſe von,

ſiehe Luiſe
Schücking!

Galland, Georg,

geb. am 19. Ja-
nuar 1857 in Poſen als der Sohn
eines Rentners, erhielt dort ſeine
Vorbildung und bezog 1877 die ehe-
malige Berliner Bauakademie, auf
welcher er Architektur ſtudierte, wäh-
rend er an der Univerſität daſelbſt
Vorleſungen über Kunſtgeſchichte
hörte. Nachdem er 1881–82 ſeiner
Militärpflicht genügt hatte, habili-
tierte er ſich 1883 als Privatdozent
für Kunſtgeſchichte an der Techniſchen
Hochſchule in Hannover, dozierte 1887
bis 1888 in Amſterdam und ließ ſich
1889 als Dozent für Kunſtgeſchichte
an der Techniſchen Hochſchule in Ber-
lin nieder; ſpäter übernahm er hier
auch den Lehrauftrag an der königl.
akademiſchen Hochſchule für die bil-
denden Künſte und wurde 1896 zum
Profeſſor ernannt. Jm Jahre 1895
begründete er die Halbmonatsſchrift
„Die Kunſt-Halle“, die er noch jetzt
redigiert. Er iſt Ehrenmitglied ge-
lehrter und künſtleriſcher Geſellſchaf-
ten in Amſterdam, Haag, Utrecht,
Leyden und Haarlem und hat eine
Reihe kunſthiſtoriſcher Werke verfaßt.

S:

Die Perleninſel (Eine nordiſche
Mär), 1906.

*Galli, Eugenie Tugendreich,


wurde am 21. Dezbr. 1849 in Jaſſy
(Rumänien) geboren, wo ihr Vater,
Guſtav von Loos, preußiſcher
Legationsrat war. Nach dem Rück-
tritt des letzteren aus dem Staats-
dienſt zogen die Eltern nach Berlin,
wo ſie die Winter verlebten, wäh-
rend ſie die Sommermonate wegen
ihrer und der Tochter Kränklichkeit
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[314/0318] Gal Gal der Artillerie war. Der letztere ſtarb frühzeitig an den Folgen einer ſchwe- ren Verwundung, die er ſich in den Kämpfen am Kaukaſus zugezogen hatte, u. die Mutter, eine Schleſierin von Geburt, zog bald darauf nach Deutſchland, verſtarb aber bereits 1877 in Berlin, ſo daß der verwaiſte Knabe, der bis dahin nur die ruſſiſche Sprache kannte, unter die Obhut von Verwandten kam, die ihn erſt das Franzöſiſche Gymnaſium in Berlin und dann mit Rückſicht auf ſeine Ge- ſundheit, das Gymnaſium in Freien- walde a. Oder beſuchen ließen. Einen Lichtblick in ſeiner ſchweren Jugend- periode bildete die Freundſchaft, die ihn mit den Söhnen des berühmten Profeſſors der Chemie A. W. von Hofmann in Berlin verband. Jm Jahre 1887 ging G. nach St. Peters- burg, wo er einen Einblick in die hohen geſellſchaftlichen Kreiſe emp- fing, und 1889 nach Dorpat, wo er ſich beſonders dem Studium der ruſ- ſiſchen Sprache widmete. Seine Ab- ſicht, Offizier zu werden, ſcheiterte an dem ſchlechten Zuſtande ſeiner Augen, und um ruſſiſcher Beamter oder Di- plomat zu werden, hätte er ſeine deut- ſche Nationalität aufgeben u. wieder Ruſſe werden müſſen. Dies wider- ſtrebte ihm, u. ſo kehrte er 1890 nach Deutſchland zurück, begann ſeine Studien in Leipzig 1891 und ſetzte dieſelben in Heidelberg fort, mußte ſie hier aber wegen eines beginnen- den Lungenleidens 1893 unterbrechen und nach dem Süden gehen. Mehr als vier Jahre weilte er in Meran, Brixen, Bozen, zuletzt in Arco-Riva am Gardaſee, und geneſen kehrte er im Winter 1898 nach München zurück, wo der bekannte Dichter M. G. Con- rad ihn für den Schriftſtellerberuf gewann. Gegen Ende d. J. 1899 ſie- delte G. nach Leipzig über, wo er noch- mals als Student der Philoſophie die Univerſität bezog und ſeit 1901 als Mitarbeiter an vielen größeren Zeitſchriften und Zeitungen tätig iſt. S: Lu (Eine Liebesgeſch.) und: Vor- rei morir (Ein Erinnerungsblatt), 1908. – Die Tochter des Samurai (Japan. N.), 1908. – Eine ſpiritiſti- ſche Séance und andere Novelletten, 1908. Gall, Luiſe von, ſiehe Luiſe Schücking! Galland, Georg, geb. am 19. Ja- nuar 1857 in Poſen als der Sohn eines Rentners, erhielt dort ſeine Vorbildung und bezog 1877 die ehe- malige Berliner Bauakademie, auf welcher er Architektur ſtudierte, wäh- rend er an der Univerſität daſelbſt Vorleſungen über Kunſtgeſchichte hörte. Nachdem er 1881–82 ſeiner Militärpflicht genügt hatte, habili- tierte er ſich 1883 als Privatdozent für Kunſtgeſchichte an der Techniſchen Hochſchule in Hannover, dozierte 1887 bis 1888 in Amſterdam und ließ ſich 1889 als Dozent für Kunſtgeſchichte an der Techniſchen Hochſchule in Ber- lin nieder; ſpäter übernahm er hier auch den Lehrauftrag an der königl. akademiſchen Hochſchule für die bil- denden Künſte und wurde 1896 zum Profeſſor ernannt. Jm Jahre 1895 begründete er die Halbmonatsſchrift „Die Kunſt-Halle“, die er noch jetzt redigiert. Er iſt Ehrenmitglied ge- lehrter und künſtleriſcher Geſellſchaf- ten in Amſterdam, Haag, Utrecht, Leyden und Haarlem und hat eine Reihe kunſthiſtoriſcher Werke verfaßt. S: Die Perleninſel (Eine nordiſche Mär), 1906. *Galli, Eugenie Tugendreich, wurde am 21. Dezbr. 1849 in Jaſſy (Rumänien) geboren, wo ihr Vater, Guſtav von Loos, preußiſcher Legationsrat war. Nach dem Rück- tritt des letzteren aus dem Staats- dienſt zogen die Eltern nach Berlin, wo ſie die Winter verlebten, wäh- rend ſie die Sommermonate wegen ihrer und der Tochter Kränklichkeit in Badeorten zubrachten. Aus die- *

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Zitationshilfe: Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 2. 6. Aufl. Leipzig, 1913, S. 314. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bruemmer_lexikon02_1913/318>, abgerufen am 23.03.2019.