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Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 2. 6. Aufl. Leipzig, 1913.

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Gay
gräflich Kinskyscher Wirtschaftsver-
walter war, der dann 1864 als gräf-
lich Salmscher Wirtschaftsdirektor
nach Podersam berufen ward. Hier
erhielt der Knabe, der 1866 seine
Mutter in der Choleraepidemie ver-
lor, seine erste Schulbildung, besuchte
darauf seit dem Herbst 1871 das Real-
gymnasium in Kaaden und seit 1877
das Obergymnasium in Brüx, das
er 1879 absolvierte. Er begann seine
germanistischen, geschichtlichen und
geographischen Studien in Prag, wo
er auch seiner Wehrpflicht als Ein-
jährig-Freiwilliger genügte, u. setzte
dann seine Studien in Leipzig u. seit
1881 in Graz fort. Hier trat er 1883
als Volontär bei der steiermärkischen
Landesbibliothek am Joanneum ein,
wurde an derselben 1885 provisorisch
und 1886 definitiv als Amanuensis
angestellt und 1895 zum Skriptor be-
fördert. Er gab eine Reihe volks-
tümlicher, dem nationalen Gedanken
dienender Kalender heraus, so den
"Deutschnationalen Kalender für
Österreich" (1886-88 und 1890), den
"Kalender und Jahrbuch des Schul-
vereins für Deutsche" (1889) u. den
"Südmarkkalender" (1898-1905 mit
Aurelius Polzer; 1906-10 allein).

S:

Lieder, 1881. - Hin nach Grazien
(anonym), 1884. - Egerberg (R. in
V.), 1884. - Ramphold Gorenz (Ep.
G.), 1885. 2. A. 1892. - Steiermär-
kisches Dichterbuch (Anthol.), 1887. -
Jm heiligen deutschen Osten (Zeit-
gedichte), 1894. - Wie der Weihnachts-
baum in die Welt kam (E.), 1900. -
Friedrich Marx. Sein Leben und
Dichten, 1907.

*Gayelin, Johann Georg,

pseud.
A. Jlgeny, wurde im Mai 1812 zu
Mülhausen im Elsaß als der Sohn
eines Handwerkers geboren, trat,
nachdem er in seiner Vaterstadt und
in Mömpelgard seine Schulbildung
empfangen, 15 Jahre alt bei einem
Kaufmann in die Lehre, war nach
seiner Lehrzeit erst in Sulzmatt, dann
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Gay
auf der Logelbahn und zuletzt über
40 Jahre zu Lautenbach bei Gebwei-
ler im Elsaß als Handlungskommis
tätig. Er + zu Rixheim, wo er zuletzt
gelebt hatte, im Februar 1889.

S:


Die Ordnungsstifter, oder: Der neue
Wirrwarr (Lsp.), 1872. - Hans
Dampf, oder: Wer heiratet sie? (Kom.
O.), 1872. - Musestunden im Blumen-
tale (Ge.), 1882.

Gayer, O.,

Pseudon. für Olga
von Gayworowski;
s. d.!

*Gayette-Georgens, Jeanne
Marie von,

pseud. Jeanne Marie,
wurde am 11. Oktober 1817 zu Kol-
berg als die Tochter eines hohen
Militärs geboren. Jhre ersten elf
Lebensjahre brachte sie am Ostsee-
strande in Pillau zu, wo sie unter der
liebevollen Pflege geistvoller Groß-
eltern den Grund zu ihrem dichteri-
schen Schaffen legte. Später lebte sie
mit den Eltern in Breslau, und die
ersten Gesellschaftskreise, in denen sich
die Familie bewegte, boten dem be-
beobachtenden Mädchen viel Gelegen-
heit, das gesellschaftliche Leben in den
Salons, wie das Familienleben zu
studieren und über die Erziehungs-
und Frauenfrage nachzudenken. Bald
trieb es sie, ihre Beobachtungen in
Schriften niederzulegen, und so trat
sie 1844 mit ihrem ersten Roman
"Elisenhof", in dem sie die Ehefrage
behandelte, an die Öffentlichkeit. Nach-
mals viel auf Reisen und in großen
Städten lebend, wie Dresden, Berlin,
Wien, erweiterte sich der Anschauungs-
und Erfahrungskreis der denkenden
Frau; ihre Schriften wurden mehr
sozialer, pädagogischer Art, seitdem
sie mit Pädagogen ersten Ranges in
Verkehr trat und mit ihrem späteren
Gatten, dem Dr. Jan Daniel Geor-
gens, 1856 eine Heil- u. Erziehungs-
anstalt für geistesschwache Kinder bei
Wien gründete. Dieser Anstalt, in
der sie den Unterricht meist selber
leitete, stand sie neun Jahre vor,
bis dieselbe durch jesuitische Unter-

*


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Gay
gräflich Kinskyſcher Wirtſchaftsver-
walter war, der dann 1864 als gräf-
lich Salmſcher Wirtſchaftsdirektor
nach Poderſam berufen ward. Hier
erhielt der Knabe, der 1866 ſeine
Mutter in der Choleraepidemie ver-
lor, ſeine erſte Schulbildung, beſuchte
darauf ſeit dem Herbſt 1871 das Real-
gymnaſium in Kaaden und ſeit 1877
das Obergymnaſium in Brüx, das
er 1879 abſolvierte. Er begann ſeine
germaniſtiſchen, geſchichtlichen und
geographiſchen Studien in Prag, wo
er auch ſeiner Wehrpflicht als Ein-
jährig-Freiwilliger genügte, u. ſetzte
dann ſeine Studien in Leipzig u. ſeit
1881 in Graz fort. Hier trat er 1883
als Volontär bei der ſteiermärkiſchen
Landesbibliothek am Joanneum ein,
wurde an derſelben 1885 proviſoriſch
und 1886 definitiv als Amanuenſis
angeſtellt und 1895 zum Skriptor be-
fördert. Er gab eine Reihe volks-
tümlicher, dem nationalen Gedanken
dienender Kalender heraus, ſo den
„Deutſchnationalen Kalender für
Öſterreich“ (1886–88 und 1890), den
„Kalender und Jahrbuch des Schul-
vereins für Deutſche“ (1889) u. den
„Südmarkkalender“ (1898–1905 mit
Aurelius Polzer; 1906–10 allein).

S:

Lieder, 1881. – Hin nach Grazien
(anonym), 1884. – Egerberg (R. in
V.), 1884. – Ramphold Gorenz (Ep.
G.), 1885. 2. A. 1892. – Steiermär-
kiſches Dichterbuch (Anthol.), 1887. –
Jm heiligen deutſchen Oſten (Zeit-
gedichte), 1894. – Wie der Weihnachts-
baum in die Welt kam (E.), 1900. –
Friedrich Marx. Sein Leben und
Dichten, 1907.

*Gayelin, Johann Georg,

pſeud.
A. Jlgeny, wurde im Mai 1812 zu
Mülhauſen im Elſaß als der Sohn
eines Handwerkers geboren, trat,
nachdem er in ſeiner Vaterſtadt und
in Mömpelgard ſeine Schulbildung
empfangen, 15 Jahre alt bei einem
Kaufmann in die Lehre, war nach
ſeiner Lehrzeit erſt in Sulzmatt, dann
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Gay
auf der Logelbahn und zuletzt über
40 Jahre zu Lautenbach bei Gebwei-
ler im Elſaß als Handlungskommis
tätig. Er † zu Rixheim, wo er zuletzt
gelebt hatte, im Februar 1889.

S:


Die Ordnungsſtifter, oder: Der neue
Wirrwarr (Lſp.), 1872. – Hans
Dampf, oder: Wer heiratet ſie? (Kom.
O.), 1872. – Muſeſtunden im Blumen-
tale (Ge.), 1882.

Gayer, O.,

Pſeudon. für Olga
von Gayworowski;
ſ. d.!

*Gayette-Georgens, Jeanne
Marie von,

pſeud. Jeanne Marie,
wurde am 11. Oktober 1817 zu Kol-
berg als die Tochter eines hohen
Militärs geboren. Jhre erſten elf
Lebensjahre brachte ſie am Oſtſee-
ſtrande in Pillau zu, wo ſie unter der
liebevollen Pflege geiſtvoller Groß-
eltern den Grund zu ihrem dichteri-
ſchen Schaffen legte. Später lebte ſie
mit den Eltern in Breslau, und die
erſten Geſellſchaftskreiſe, in denen ſich
die Familie bewegte, boten dem be-
beobachtenden Mädchen viel Gelegen-
heit, das geſellſchaftliche Leben in den
Salons, wie das Familienleben zu
ſtudieren und über die Erziehungs-
und Frauenfrage nachzudenken. Bald
trieb es ſie, ihre Beobachtungen in
Schriften niederzulegen, und ſo trat
ſie 1844 mit ihrem erſten Roman
„Eliſenhof“, in dem ſie die Ehefrage
behandelte, an die Öffentlichkeit. Nach-
mals viel auf Reiſen und in großen
Städten lebend, wie Dresden, Berlin,
Wien, erweiterte ſich der Anſchauungs-
und Erfahrungskreis der denkenden
Frau; ihre Schriften wurden mehr
ſozialer, pädagogiſcher Art, ſeitdem
ſie mit Pädagogen erſten Ranges in
Verkehr trat und mit ihrem ſpäteren
Gatten, dem Dr. Jan Daniel Geor-
gens, 1856 eine Heil- u. Erziehungs-
anſtalt für geiſtesſchwache Kinder bei
Wien gründete. Dieſer Anſtalt, in
der ſie den Unterricht meiſt ſelber
leitete, ſtand ſie neun Jahre vor,
bis dieſelbe durch jeſuitiſche Unter-

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[328/0332] Gay Gay gräflich Kinskyſcher Wirtſchaftsver- walter war, der dann 1864 als gräf- lich Salmſcher Wirtſchaftsdirektor nach Poderſam berufen ward. Hier erhielt der Knabe, der 1866 ſeine Mutter in der Choleraepidemie ver- lor, ſeine erſte Schulbildung, beſuchte darauf ſeit dem Herbſt 1871 das Real- gymnaſium in Kaaden und ſeit 1877 das Obergymnaſium in Brüx, das er 1879 abſolvierte. Er begann ſeine germaniſtiſchen, geſchichtlichen und geographiſchen Studien in Prag, wo er auch ſeiner Wehrpflicht als Ein- jährig-Freiwilliger genügte, u. ſetzte dann ſeine Studien in Leipzig u. ſeit 1881 in Graz fort. Hier trat er 1883 als Volontär bei der ſteiermärkiſchen Landesbibliothek am Joanneum ein, wurde an derſelben 1885 proviſoriſch und 1886 definitiv als Amanuenſis angeſtellt und 1895 zum Skriptor be- fördert. Er gab eine Reihe volks- tümlicher, dem nationalen Gedanken dienender Kalender heraus, ſo den „Deutſchnationalen Kalender für Öſterreich“ (1886–88 und 1890), den „Kalender und Jahrbuch des Schul- vereins für Deutſche“ (1889) u. den „Südmarkkalender“ (1898–1905 mit Aurelius Polzer; 1906–10 allein). S: Lieder, 1881. – Hin nach Grazien (anonym), 1884. – Egerberg (R. in V.), 1884. – Ramphold Gorenz (Ep. G.), 1885. 2. A. 1892. – Steiermär- kiſches Dichterbuch (Anthol.), 1887. – Jm heiligen deutſchen Oſten (Zeit- gedichte), 1894. – Wie der Weihnachts- baum in die Welt kam (E.), 1900. – Friedrich Marx. Sein Leben und Dichten, 1907. *Gayelin, Johann Georg, pſeud. A. Jlgeny, wurde im Mai 1812 zu Mülhauſen im Elſaß als der Sohn eines Handwerkers geboren, trat, nachdem er in ſeiner Vaterſtadt und in Mömpelgard ſeine Schulbildung empfangen, 15 Jahre alt bei einem Kaufmann in die Lehre, war nach ſeiner Lehrzeit erſt in Sulzmatt, dann auf der Logelbahn und zuletzt über 40 Jahre zu Lautenbach bei Gebwei- ler im Elſaß als Handlungskommis tätig. Er † zu Rixheim, wo er zuletzt gelebt hatte, im Februar 1889. S: Die Ordnungsſtifter, oder: Der neue Wirrwarr (Lſp.), 1872. – Hans Dampf, oder: Wer heiratet ſie? (Kom. O.), 1872. – Muſeſtunden im Blumen- tale (Ge.), 1882. Gayer, O., Pſeudon. für Olga von Gayworowski; ſ. d.! *Gayette-Georgens, Jeanne Marie von, pſeud. Jeanne Marie, wurde am 11. Oktober 1817 zu Kol- berg als die Tochter eines hohen Militärs geboren. Jhre erſten elf Lebensjahre brachte ſie am Oſtſee- ſtrande in Pillau zu, wo ſie unter der liebevollen Pflege geiſtvoller Groß- eltern den Grund zu ihrem dichteri- ſchen Schaffen legte. Später lebte ſie mit den Eltern in Breslau, und die erſten Geſellſchaftskreiſe, in denen ſich die Familie bewegte, boten dem be- beobachtenden Mädchen viel Gelegen- heit, das geſellſchaftliche Leben in den Salons, wie das Familienleben zu ſtudieren und über die Erziehungs- und Frauenfrage nachzudenken. Bald trieb es ſie, ihre Beobachtungen in Schriften niederzulegen, und ſo trat ſie 1844 mit ihrem erſten Roman „Eliſenhof“, in dem ſie die Ehefrage behandelte, an die Öffentlichkeit. Nach- mals viel auf Reiſen und in großen Städten lebend, wie Dresden, Berlin, Wien, erweiterte ſich der Anſchauungs- und Erfahrungskreis der denkenden Frau; ihre Schriften wurden mehr ſozialer, pädagogiſcher Art, ſeitdem ſie mit Pädagogen erſten Ranges in Verkehr trat und mit ihrem ſpäteren Gatten, dem Dr. Jan Daniel Geor- gens, 1856 eine Heil- u. Erziehungs- anſtalt für geiſtesſchwache Kinder bei Wien gründete. Dieſer Anſtalt, in der ſie den Unterricht meiſt ſelber leitete, ſtand ſie neun Jahre vor, bis dieſelbe durch jeſuitiſche Unter- *

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Zitationshilfe: Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 2. 6. Aufl. Leipzig, 1913, S. 328. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bruemmer_lexikon02_1913/332>, abgerufen am 24.02.2019.