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Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 2. 6. Aufl. Leipzig, 1913.

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Gey
die Rechte, habilitierte sich 1833 in
Breslau als Privatdozent für Enzy-
klopädie, deutsches Privatrecht und
dessen Geschichte, schied aber 1843
aus der Fakultät. Er lebte nun in
seiner Vaterstadt als Schriftsteller,
unterstützt von begüterten Freunden,
häufig auch als Gesellschafter in ade-
ligen Häusern und starb am 23. Fe-
bruar 1874.

S:

Reinhart Fuchs.
Aus dem Mittelniederländischen zum
erstenmal in das Hochdeutsche über-
setzt, 1844. - Walther von Aquita-
nien. Eine altdeutsche Heldsage im
Versmaße des Nibelungenliedes,
1854. - Caballeros Werke, a. d. Spa-
nischen übers.; VI, 1860.

Geyern, Detlev von,

Pseud. für
Oskar Meding; s. d.!

*Gheri, Leopold,

entstammt einer
alten Veroneser Familie und wurde
am 1. Juli 1866 in Jnnsbruck ge-
boren. Nachdem er das Gymnasium
daselbst besucht, frequentierte er noch
die zwei obersten Klassen der Han-
delsakademie und trat dann in ein
Reisebureau ein. Als Angestellter des-
selben kam er nach Venedig, La Va-
lette (auf Malta) und Alexandrien
und machte im Auftrage des Bureaus
verschiedene Reisen in Ägypten, nach
Syrien, Konstantinopel, Algier und
Tunis. Als das Reisebureau sich auf-
löste, blieb er noch längere Zeit in
Ägypten als Fremdenführer u. Dol-
metsch, kehrte aber dann in die Hei-
mat zurück, von dem Wunsche beseelt,
sich der Kunst zu widmen. Jn dem
bekannten Orientmaler Edmund von
Wörndle (+ 1906) in Jnnsbruck fand
er bald einen tüchtigen Lehrer und
väterlichen Freund. Zu weiterer Aus-
bildung besuchte er dann die Kunst-
schule in Weimar, die Kunstakademie
in Karlsruhe, die Academia di belle
arti
in Venedig. Aber dann erwachte
die alte Reiselust, die ihn nun wieder
nach dem Süden Europas trieb. Die
dort gemachten Studien über Spra-
chen, Sitten und Gebräuche der Völ-
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Gib
ker, über die Tier- und Pflanzenwelt
anderer Länder gaben ihm nach seiner
Heimkehr hinreichend Stoff zu seinen
novellistisch gehaltenen Schilderun-
gen, die ihm dem Namen des "zwei-
ten Gerstäcker" eintrugen. Noch mag
erwähnt werden, daß G. 1903 auf
der Jnsel Busi an der dalmatinischen
Küste eine "blaue Grotte" entdeckte,
die die Grotte auf Capri an Größe
und Schönheit weit übertrifft. Seit
1903 lebte G. wieder in Jnnsbruck,
wo er die Zeitschrift "Der Kunst-
freund" redigierte, und ist seit 1909
Redakteur der "Gardaseepost" in Riva
am Gardasee.

S:

An der Schwelle
des Jenseits. Satana (2 Reise-En.),
1906. - Die rächende Nemesis (Reise-
erlebnisse); II, 1906. - Ephrata. -
An Arabiens Gestaden (Reiseerleb-
nisse); II, 1907. - Die Gerechtigkeit
der Menschen (Reise-E.) und: Mar-
tediten (Eine Reise ins Reich der
Phantasie), 1907. - Wilde Welt (Er-
lebnisse u. Schildergn. a. d. brasil.
Urwalde), 1907. - Jn den Schluchten
des Cha-gan-alin (R. a. d. Tunguska),
1908.

*Gibara, Leo Felicie,

pseud. Leo
Rittlingen,
entstammte einer aus
Spanien nach Ägypten eingewander-
ten Familie - ihr Großvater G. war
Premierminister Mohammed Alys --
und wurde am 6. Juni 1865 im soge-
nannten "Schlößl" zu Jschl in Ober-
österreich geboren, wo ihre Eltern die
Sommermonate zubrachten. Das Ver-
mögen der letzteren schmolz infolge
von Betrügereien eines Anverwand-
ten immer mehr zusammen, und als
dann ein letzter finanzieller Krach
auch den Nest hinwegnahm, trat an
Leo Felicie nach einer verwöhnten
Mädchenzeit die Notwendigkeit heran,
sich auf eigene Füße zu stellen. Sie
verwertete fortan ihre Kenntnisse in
der französischen, italienischen und
englischen Sprache zu Übersetzungen,
die teils in Zeitschriften, teils im
Buchhandel erschienen. Sie lebt seit

*


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Gey
die Rechte, habilitierte ſich 1833 in
Breslau als Privatdozent für Enzy-
klopädie, deutſches Privatrecht und
deſſen Geſchichte, ſchied aber 1843
aus der Fakultät. Er lebte nun in
ſeiner Vaterſtadt als Schriftſteller,
unterſtützt von begüterten Freunden,
häufig auch als Geſellſchafter in ade-
ligen Häuſern und ſtarb am 23. Fe-
bruar 1874.

S:

Reinhart Fuchs.
Aus dem Mittelniederländiſchen zum
erſtenmal in das Hochdeutſche über-
ſetzt, 1844. – Walther von Aquita-
nien. Eine altdeutſche Heldſage im
Versmaße des Nibelungenliedes,
1854. – Caballeros Werke, a. d. Spa-
niſchen überſ.; VI, 1860.

Geyern, Detlev von,

Pſeud. für
Oskar Meding; ſ. d.!

*Gheri, Leopold,

entſtammt einer
alten Veroneſer Familie und wurde
am 1. Juli 1866 in Jnnsbruck ge-
boren. Nachdem er das Gymnaſium
daſelbſt beſucht, frequentierte er noch
die zwei oberſten Klaſſen der Han-
delsakademie und trat dann in ein
Reiſebureau ein. Als Angeſtellter des-
ſelben kam er nach Venedig, La Va-
lette (auf Malta) und Alexandrien
und machte im Auftrage des Bureaus
verſchiedene Reiſen in Ägypten, nach
Syrien, Konſtantinopel, Algier und
Tunis. Als das Reiſebureau ſich auf-
löſte, blieb er noch längere Zeit in
Ägypten als Fremdenführer u. Dol-
metſch, kehrte aber dann in die Hei-
mat zurück, von dem Wunſche beſeelt,
ſich der Kunſt zu widmen. Jn dem
bekannten Orientmaler Edmund von
Wörndle († 1906) in Jnnsbruck fand
er bald einen tüchtigen Lehrer und
väterlichen Freund. Zu weiterer Aus-
bildung beſuchte er dann die Kunſt-
ſchule in Weimar, die Kunſtakademie
in Karlsruhe, die Academia di belle
arti
in Venedig. Aber dann erwachte
die alte Reiſeluſt, die ihn nun wieder
nach dem Süden Europas trieb. Die
dort gemachten Studien über Spra-
chen, Sitten und Gebräuche der Völ-
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Gib
ker, über die Tier- und Pflanzenwelt
anderer Länder gaben ihm nach ſeiner
Heimkehr hinreichend Stoff zu ſeinen
novelliſtiſch gehaltenen Schilderun-
gen, die ihm dem Namen des „zwei-
ten Gerſtäcker“ eintrugen. Noch mag
erwähnt werden, daß G. 1903 auf
der Jnſel Buſi an der dalmatiniſchen
Küſte eine „blaue Grotte“ entdeckte,
die die Grotte auf Capri an Größe
und Schönheit weit übertrifft. Seit
1903 lebte G. wieder in Jnnsbruck,
wo er die Zeitſchrift „Der Kunſt-
freund“ redigierte, und iſt ſeit 1909
Redakteur der „Gardaſeepoſt“ in Riva
am Gardaſee.

S:

An der Schwelle
des Jenſeits. Satana (2 Reiſe-En.),
1906. – Die rächende Nemeſis (Reiſe-
erlebniſſe); II, 1906. – Ephrata. –
An Arabiens Geſtaden (Reiſeerleb-
niſſe); II, 1907. – Die Gerechtigkeit
der Menſchen (Reiſe-E.) und: Mar-
tediten (Eine Reiſe ins Reich der
Phantaſie), 1907. – Wilde Welt (Er-
lebniſſe u. Schildergn. a. d. braſil.
Urwalde), 1907. – Jn den Schluchten
des Châ-gan-alin (R. a. d. Tunguska),
1908.

*Gibara, Léo Felicie,

pſeud. Leo
Rittlingen,
entſtammte einer aus
Spanien nach Ägypten eingewander-
ten Familie – ihr Großvater G. war
Premierminiſter Mohammed Alys —
und wurde am 6. Juni 1865 im ſoge-
nannten „Schlößl“ zu Jſchl in Ober-
öſterreich geboren, wo ihre Eltern die
Sommermonate zubrachten. Das Ver-
mögen der letzteren ſchmolz infolge
von Betrügereien eines Anverwand-
ten immer mehr zuſammen, und als
dann ein letzter finanzieller Krach
auch den Neſt hinwegnahm, trat an
Léo Felicie nach einer verwöhnten
Mädchenzeit die Notwendigkeit heran,
ſich auf eigene Füße zu ſtellen. Sie
verwertete fortan ihre Kenntniſſe in
der franzöſiſchen, italieniſchen und
engliſchen Sprache zu Überſetzungen,
die teils in Zeitſchriften, teils im
Buchhandel erſchienen. Sie lebt ſeit

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[366/0370] Gey Gib die Rechte, habilitierte ſich 1833 in Breslau als Privatdozent für Enzy- klopädie, deutſches Privatrecht und deſſen Geſchichte, ſchied aber 1843 aus der Fakultät. Er lebte nun in ſeiner Vaterſtadt als Schriftſteller, unterſtützt von begüterten Freunden, häufig auch als Geſellſchafter in ade- ligen Häuſern und ſtarb am 23. Fe- bruar 1874. S: Reinhart Fuchs. Aus dem Mittelniederländiſchen zum erſtenmal in das Hochdeutſche über- ſetzt, 1844. – Walther von Aquita- nien. Eine altdeutſche Heldſage im Versmaße des Nibelungenliedes, 1854. – Caballeros Werke, a. d. Spa- niſchen überſ.; VI, 1860. Geyern, Detlev von, Pſeud. für Oskar Meding; ſ. d.! *Gheri, Leopold, entſtammt einer alten Veroneſer Familie und wurde am 1. Juli 1866 in Jnnsbruck ge- boren. Nachdem er das Gymnaſium daſelbſt beſucht, frequentierte er noch die zwei oberſten Klaſſen der Han- delsakademie und trat dann in ein Reiſebureau ein. Als Angeſtellter des- ſelben kam er nach Venedig, La Va- lette (auf Malta) und Alexandrien und machte im Auftrage des Bureaus verſchiedene Reiſen in Ägypten, nach Syrien, Konſtantinopel, Algier und Tunis. Als das Reiſebureau ſich auf- löſte, blieb er noch längere Zeit in Ägypten als Fremdenführer u. Dol- metſch, kehrte aber dann in die Hei- mat zurück, von dem Wunſche beſeelt, ſich der Kunſt zu widmen. Jn dem bekannten Orientmaler Edmund von Wörndle († 1906) in Jnnsbruck fand er bald einen tüchtigen Lehrer und väterlichen Freund. Zu weiterer Aus- bildung beſuchte er dann die Kunſt- ſchule in Weimar, die Kunſtakademie in Karlsruhe, die Academia di belle arti in Venedig. Aber dann erwachte die alte Reiſeluſt, die ihn nun wieder nach dem Süden Europas trieb. Die dort gemachten Studien über Spra- chen, Sitten und Gebräuche der Völ- ker, über die Tier- und Pflanzenwelt anderer Länder gaben ihm nach ſeiner Heimkehr hinreichend Stoff zu ſeinen novelliſtiſch gehaltenen Schilderun- gen, die ihm dem Namen des „zwei- ten Gerſtäcker“ eintrugen. Noch mag erwähnt werden, daß G. 1903 auf der Jnſel Buſi an der dalmatiniſchen Küſte eine „blaue Grotte“ entdeckte, die die Grotte auf Capri an Größe und Schönheit weit übertrifft. Seit 1903 lebte G. wieder in Jnnsbruck, wo er die Zeitſchrift „Der Kunſt- freund“ redigierte, und iſt ſeit 1909 Redakteur der „Gardaſeepoſt“ in Riva am Gardaſee. S: An der Schwelle des Jenſeits. Satana (2 Reiſe-En.), 1906. – Die rächende Nemeſis (Reiſe- erlebniſſe); II, 1906. – Ephrata. – An Arabiens Geſtaden (Reiſeerleb- niſſe); II, 1907. – Die Gerechtigkeit der Menſchen (Reiſe-E.) und: Mar- tediten (Eine Reiſe ins Reich der Phantaſie), 1907. – Wilde Welt (Er- lebniſſe u. Schildergn. a. d. braſil. Urwalde), 1907. – Jn den Schluchten des Châ-gan-alin (R. a. d. Tunguska), 1908. *Gibara, Léo Felicie, pſeud. Leo Rittlingen, entſtammte einer aus Spanien nach Ägypten eingewander- ten Familie – ihr Großvater G. war Premierminiſter Mohammed Alys — und wurde am 6. Juni 1865 im ſoge- nannten „Schlößl“ zu Jſchl in Ober- öſterreich geboren, wo ihre Eltern die Sommermonate zubrachten. Das Ver- mögen der letzteren ſchmolz infolge von Betrügereien eines Anverwand- ten immer mehr zuſammen, und als dann ein letzter finanzieller Krach auch den Neſt hinwegnahm, trat an Léo Felicie nach einer verwöhnten Mädchenzeit die Notwendigkeit heran, ſich auf eigene Füße zu ſtellen. Sie verwertete fortan ihre Kenntniſſe in der franzöſiſchen, italieniſchen und engliſchen Sprache zu Überſetzungen, die teils in Zeitſchriften, teils im Buchhandel erſchienen. Sie lebt ſeit *

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Zitationshilfe: Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 2. 6. Aufl. Leipzig, 1913, S. 366. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bruemmer_lexikon02_1913/370>, abgerufen am 17.02.2019.