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Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 2. 6. Aufl. Leipzig, 1913.

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Grä
*Gräfe, Julius,

Sohn des
bekannten Pädagogen Heinrich G.,
wurde am 22. März 1852 in Kassel
geboren und erhielt seine Schulbil-
dung in Bremen, wohin der Vater
1855 als Realschuldirektor berufen
worden war. Jm Jahre 1867 trat
er als Lehrling in ein kaufmännisches
Geschäft, erlernte 1868-70 in Olden-
burg die Apothekerkunst, lebte von
1871-73 als Zögling des Seminars
in Bremen, hörte von 1875 ab in
Jena u. später in Leipzig Vorlesun-
gen an der Universität, war neben-
her als Hauslehrer und Literat tätig
und gründete dann ein Erziehungs-
institut in Leipzig, das er 1886 nach
Dresden, 1895 nach Böhlau b. Dres-
den und 1896 nach Striesen b. Dres-
den verlegte, und dem er als Direktor
bis zu seinem Tode am 10. April 1897
vorstand.

S:

Bremer Dichter des 19.
Jahrhunderts; hrsg., 1875. - Die
Wunder des Himmels (Mainachts-
phantasie), 1876. - Meeresstille und
wilde Wellen (Ge.), 1876. - Für Herz
und Geist (Ein Jugend- und Volks-
buch), 1880. - Wahrheit in Dichtung
(Ge.), 1883. - Der türkische Gesandte
(Schw.), 1884.

*Graff, Wilhelm Paul,

pseudon.
Wilhelm Paul, geb. am 10. März
1845 zu Dobberan in Mecklenburg,
besuchte zuerst ein vornehmes Erzie-
hungsinstitut daselbst, dann das
Gymnasium in Rostock und verließ
dasselbe in seinem 16. Jahre, um sich
dem Handelsstande zu widmen. Nach
anderthalb Jahren trat er indes wie-
der ins Gymnasium ein und studierte
seit Ostern 1866 an den Universitäten
Rostock, Berlin, Göttingen u. Mün-
chen die Rechte, hörte daneben auch
die Vorlesungen eines Ranke, Riehl,
Carriere, Bartsch u. a. Jm Jahre
1868 kehrte er nach Rostock zurück u.
wendete sich jetzt ganz dem Studium
der Geschichte und Literatur zu. Von
1870-74 als Lektor und Hauslehrer
in der Rheinprovinz, in Berlin und
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Gra
Rostock tätig, beschäftigte er sich viel
mit dramatischen, kritischen u. feuille-
tonistischen Arbeiten, nahm auch eine
Zeitlang kritisch und dramaturgisch
lebhaften Anteil an der von Direktor
Deutschinger in Rostock anfangs mit
Glück versuchten Hebung u. Belebung
der dortigen Theaterverhältnisse und
brachte hier sein Trauerspiel "Michael
Kohlhaas" zur ersten Aufführung.
Jm Frühjahr 1873 unternahm er
eine mehrmonatige Reise nach Süd-
deutschland, Tirol und Oberitalien
u. ließ sich nach seiner Verheiratung
mit einer jungen Russin, die er in
Genf kennen gelernt, im September
1874 in Wiesbaden, im Frühjahr
1875 in Rostock und im Herbst d. J.
auf seinem Landgute bei Güstrow
nieder, um ganz seinem Berufe als
Schriftsteller zu leben. Seit vielen
Jahren war sein Wohnsitz zwischen
Güstrow und Schwerin geteilt; auch
war er hier mehrere Jahre als Hilfs-
arbeiter in der Regierungsbibliothek
tätig. Er starb in Schwerin am 23.
August 1904.

S:

Die Babenberger
(Histor. Dr.), 1870. - Michael
Kohlhaas (Tr.), 1871. - Vermietet
(Schw.), 1873. - Odysseus (Lyr.-dra-
mat. D., Musik v. Max Bruch), 1873.
- Ein Göttermärchen (Ep.), 1876. -
Der Student (Dr.), 1883. - Um eine
Krone (Dr.), 1885.

Grandinger, Johannes,

geb. am
27. März 1869 in Nürnberg als der
Sohn eines Zugführers, besuchte die
Volksschule und das Gymnasium da-
selbst, später das Gymnasium und
königl. Lyzeum in Bamberg u. wid-
mete sich seit 1877 dem Studium der
katholischen Theologie. Jm Jahre
1891 zum Priester geweiht, wurde er
1892 Stadtkaplan in Bamberg und
übernahm hier auch die Redaktion
des "St. Heinrichsblattes". 1897
kam er als Pfarrer nach Elbersberg
in der fränkischen Schweiz u. wurde
1900 nach Nordhalben in Oberfran-
ken versetzt, wo er sich durch Grün-

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Grä
*Gräfe, Julius,

Sohn des
bekannten Pädagogen Heinrich G.,
wurde am 22. März 1852 in Kaſſel
geboren und erhielt ſeine Schulbil-
dung in Bremen, wohin der Vater
1855 als Realſchuldirektor berufen
worden war. Jm Jahre 1867 trat
er als Lehrling in ein kaufmänniſches
Geſchäft, erlernte 1868–70 in Olden-
burg die Apothekerkunſt, lebte von
1871–73 als Zögling des Seminars
in Bremen, hörte von 1875 ab in
Jena u. ſpäter in Leipzig Vorleſun-
gen an der Univerſität, war neben-
her als Hauslehrer und Literat tätig
und gründete dann ein Erziehungs-
inſtitut in Leipzig, das er 1886 nach
Dresden, 1895 nach Böhlau b. Dres-
den und 1896 nach Strieſen b. Dres-
den verlegte, und dem er als Direktor
bis zu ſeinem Tode am 10. April 1897
vorſtand.

S:

Bremer Dichter des 19.
Jahrhunderts; hrsg., 1875. – Die
Wunder des Himmels (Mainachts-
phantaſie), 1876. – Meeresſtille und
wilde Wellen (Ge.), 1876. – Für Herz
und Geiſt (Ein Jugend- und Volks-
buch), 1880. – Wahrheit in Dichtung
(Ge.), 1883. – Der türkiſche Geſandte
(Schw.), 1884.

*Graff, Wilhelm Paul,

pſeudon.
Wilhelm Paul, geb. am 10. März
1845 zu Dobberan in Mecklenburg,
beſuchte zuerſt ein vornehmes Erzie-
hungsinſtitut daſelbſt, dann das
Gymnaſium in Roſtock und verließ
dasſelbe in ſeinem 16. Jahre, um ſich
dem Handelsſtande zu widmen. Nach
anderthalb Jahren trat er indes wie-
der ins Gymnaſium ein und ſtudierte
ſeit Oſtern 1866 an den Univerſitäten
Roſtock, Berlin, Göttingen u. Mün-
chen die Rechte, hörte daneben auch
die Vorleſungen eines Ranke, Riehl,
Carrière, Bartſch u. a. Jm Jahre
1868 kehrte er nach Roſtock zurück u.
wendete ſich jetzt ganz dem Studium
der Geſchichte und Literatur zu. Von
1870–74 als Lektor und Hauslehrer
in der Rheinprovinz, in Berlin und
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Gra
Roſtock tätig, beſchäftigte er ſich viel
mit dramatiſchen, kritiſchen u. feuille-
toniſtiſchen Arbeiten, nahm auch eine
Zeitlang kritiſch und dramaturgiſch
lebhaften Anteil an der von Direktor
Deutſchinger in Roſtock anfangs mit
Glück verſuchten Hebung u. Belebung
der dortigen Theaterverhältniſſe und
brachte hier ſein Trauerſpiel „Michael
Kohlhaas“ zur erſten Aufführung.
Jm Frühjahr 1873 unternahm er
eine mehrmonatige Reiſe nach Süd-
deutſchland, Tirol und Oberitalien
u. ließ ſich nach ſeiner Verheiratung
mit einer jungen Ruſſin, die er in
Genf kennen gelernt, im September
1874 in Wiesbaden, im Frühjahr
1875 in Roſtock und im Herbſt d. J.
auf ſeinem Landgute bei Güſtrow
nieder, um ganz ſeinem Berufe als
Schriftſteller zu leben. Seit vielen
Jahren war ſein Wohnſitz zwiſchen
Güſtrow und Schwerin geteilt; auch
war er hier mehrere Jahre als Hilfs-
arbeiter in der Regierungsbibliothek
tätig. Er ſtarb in Schwerin am 23.
Auguſt 1904.

S:

Die Babenberger
(Hiſtor. Dr.), 1870. – Michael
Kohlhaas (Tr.), 1871. – Vermietet
(Schw.), 1873. – Odyſſeus (Lyr.-dra-
mat. D., Muſik v. Max Bruch), 1873.
– Ein Göttermärchen (Ep.), 1876. –
Der Student (Dr.), 1883. – Um eine
Krone (Dr.), 1885.

Grandinger, Johannes,

geb. am
27. März 1869 in Nürnberg als der
Sohn eines Zugführers, beſuchte die
Volksſchule und das Gymnaſium da-
ſelbſt, ſpäter das Gymnaſium und
königl. Lyzeum in Bamberg u. wid-
mete ſich ſeit 1877 dem Studium der
katholiſchen Theologie. Jm Jahre
1891 zum Prieſter geweiht, wurde er
1892 Stadtkaplan in Bamberg und
übernahm hier auch die Redaktion
des „St. Heinrichsblattes“. 1897
kam er als Pfarrer nach Elbersberg
in der fränkiſchen Schweiz u. wurde
1900 nach Nordhalben in Oberfran-
ken verſetzt, wo er ſich durch Grün-

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[426/0430] Grä Gra *Gräfe, Julius, Sohn des bekannten Pädagogen Heinrich G., wurde am 22. März 1852 in Kaſſel geboren und erhielt ſeine Schulbil- dung in Bremen, wohin der Vater 1855 als Realſchuldirektor berufen worden war. Jm Jahre 1867 trat er als Lehrling in ein kaufmänniſches Geſchäft, erlernte 1868–70 in Olden- burg die Apothekerkunſt, lebte von 1871–73 als Zögling des Seminars in Bremen, hörte von 1875 ab in Jena u. ſpäter in Leipzig Vorleſun- gen an der Univerſität, war neben- her als Hauslehrer und Literat tätig und gründete dann ein Erziehungs- inſtitut in Leipzig, das er 1886 nach Dresden, 1895 nach Böhlau b. Dres- den und 1896 nach Strieſen b. Dres- den verlegte, und dem er als Direktor bis zu ſeinem Tode am 10. April 1897 vorſtand. S: Bremer Dichter des 19. Jahrhunderts; hrsg., 1875. – Die Wunder des Himmels (Mainachts- phantaſie), 1876. – Meeresſtille und wilde Wellen (Ge.), 1876. – Für Herz und Geiſt (Ein Jugend- und Volks- buch), 1880. – Wahrheit in Dichtung (Ge.), 1883. – Der türkiſche Geſandte (Schw.), 1884. *Graff, Wilhelm Paul, pſeudon. Wilhelm Paul, geb. am 10. März 1845 zu Dobberan in Mecklenburg, beſuchte zuerſt ein vornehmes Erzie- hungsinſtitut daſelbſt, dann das Gymnaſium in Roſtock und verließ dasſelbe in ſeinem 16. Jahre, um ſich dem Handelsſtande zu widmen. Nach anderthalb Jahren trat er indes wie- der ins Gymnaſium ein und ſtudierte ſeit Oſtern 1866 an den Univerſitäten Roſtock, Berlin, Göttingen u. Mün- chen die Rechte, hörte daneben auch die Vorleſungen eines Ranke, Riehl, Carrière, Bartſch u. a. Jm Jahre 1868 kehrte er nach Roſtock zurück u. wendete ſich jetzt ganz dem Studium der Geſchichte und Literatur zu. Von 1870–74 als Lektor und Hauslehrer in der Rheinprovinz, in Berlin und Roſtock tätig, beſchäftigte er ſich viel mit dramatiſchen, kritiſchen u. feuille- toniſtiſchen Arbeiten, nahm auch eine Zeitlang kritiſch und dramaturgiſch lebhaften Anteil an der von Direktor Deutſchinger in Roſtock anfangs mit Glück verſuchten Hebung u. Belebung der dortigen Theaterverhältniſſe und brachte hier ſein Trauerſpiel „Michael Kohlhaas“ zur erſten Aufführung. Jm Frühjahr 1873 unternahm er eine mehrmonatige Reiſe nach Süd- deutſchland, Tirol und Oberitalien u. ließ ſich nach ſeiner Verheiratung mit einer jungen Ruſſin, die er in Genf kennen gelernt, im September 1874 in Wiesbaden, im Frühjahr 1875 in Roſtock und im Herbſt d. J. auf ſeinem Landgute bei Güſtrow nieder, um ganz ſeinem Berufe als Schriftſteller zu leben. Seit vielen Jahren war ſein Wohnſitz zwiſchen Güſtrow und Schwerin geteilt; auch war er hier mehrere Jahre als Hilfs- arbeiter in der Regierungsbibliothek tätig. Er ſtarb in Schwerin am 23. Auguſt 1904. S: Die Babenberger (Hiſtor. Dr.), 1870. – Michael Kohlhaas (Tr.), 1871. – Vermietet (Schw.), 1873. – Odyſſeus (Lyr.-dra- mat. D., Muſik v. Max Bruch), 1873. – Ein Göttermärchen (Ep.), 1876. – Der Student (Dr.), 1883. – Um eine Krone (Dr.), 1885. Grandinger, Johannes, geb. am 27. März 1869 in Nürnberg als der Sohn eines Zugführers, beſuchte die Volksſchule und das Gymnaſium da- ſelbſt, ſpäter das Gymnaſium und königl. Lyzeum in Bamberg u. wid- mete ſich ſeit 1877 dem Studium der katholiſchen Theologie. Jm Jahre 1891 zum Prieſter geweiht, wurde er 1892 Stadtkaplan in Bamberg und übernahm hier auch die Redaktion des „St. Heinrichsblattes“. 1897 kam er als Pfarrer nach Elbersberg in der fränkiſchen Schweiz u. wurde 1900 nach Nordhalben in Oberfran- ken verſetzt, wo er ſich durch Grün- *

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Zitationshilfe: Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 2. 6. Aufl. Leipzig, 1913, S. 426. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bruemmer_lexikon02_1913/430>, abgerufen am 16.02.2019.