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Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 3. 6. Aufl. Leipzig, 1913.

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liche Auffassungsvermögen berechnet
sind. Seit dem J. 1907 weilt sie in
Florenz.

S:

Allerlei Poeterei (Ge.),
1901. - Die weißen Mäuse (Nn.),
1903. - Dore Brandt (Berliner R.),
1908. - Marionetten des Schicksals
(R.), 1910.

*Hertz, Wilhelm,

* am 24. Sept.
1835 zu Stuttgart, verlor bei seiner
Geburt die Mutter, im fünften Le-
bensjahre den Vater, der eine Gärt-
nerei besaß, und wurde nun bei den
Großeltern erzogen. Nach des Va-
ters Wunsche sollte er Kaufmann
werden; da er aber wenig Neigung
für diesen Beruf zeigte, so wollte er
sich nach seiner Konfirmation der
Landwirtschaft widmen, zu welchem
Zwecke ihn die Großeltern auf den
Berkheimer Hof bei Stuttgart in die
Lehre brachten. Doch kehrte er, da
ihm jedenfalls diese Beschäftigung zu
prosaisch erschien, schon nach Jahres-
frist nach Stuttgart zurück, um sich
für das Universitätsstudium vorzu-
bereiten. Nach Besuch des Stutt-
garter Gymnasiums studierte Hertz
1855-58 in Tübingen Philosophie
und Sprachwissenschaften, mit be-
sonderer Hinneigung zu germanisti-
schen, speziell altenglischen Studien,
wobei ihm Uhland freundlich an die
Hand ging. Der Verkehr mit diesem
Meister wirkte auch anregend auf
Hertz' poetische Gestaltungskraft, und
so entstand während seiner Studien-
zeit der größte Teil seiner später ver-
öffentlichten "Gedichte". Nachdem
H. im August 1858 mit seiner Ab-
handlung über "Die epischen Dich-
tungen der Engländer im Mittel-
alter" zum Doktor der Philosophie
promoviert, siedelte er im Herbst
nach München über, wo er sich dem
unter dem Namen "Das Krokodil"
bekannten Dichterkreise, dem Geibel,
Heyse, Lingg und andere angehör-
ten, anschloß. Die Mobilmachung im
Jahre 1859 rief den Dichter u. Ge-
lehrten aus der Studierstube in die
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Her
württembergische Armee, in der er
als Leutnant diente. Jm Herbst
wurde er beurlaubt, worauf er im
folgenden Jahre eine größere wissen-
schaftl. Reise durch England, Schott-
land u. Frankreich unternahm. Mit
dem in Edinburg und Oxford gedich-
teten Epos "Hugdietrichs Braut-
fahrt" kehrte er 1861 nach München
zurück u. habilitierte sich an der dor-
tigen Universität als Privatdozent
für germanische Altertumskunde auf
Grund seiner Abhandlung "Der Wer-
wolf". Jm Jahre 1865 machte er eine
Reise nach Jtalien, wurde 1869
außerordentlicher Professor der allge-
meinen und der deutschen Literatur-
geschichte am neu gegründeten Poly-
technikum in München und 1878 or-
dentlicher Professor; als solcher wirkte
er an demselben bis zu seinem Tode.
Jm Jahre 1885 wurde er zum außer-
ordentlichen, 1890 zum ordentlichen
Mitgliede der Akademie der Wissen-
schaften in München ernannt u. 1892
auf Vorschlag des Ordenskapitels in
den königl. bayr. Maximiliansorden
für Kunst und Wissenschaft aufge-
nommen. Er starb in München am
7. Januar 1902.

S:

Gedichte, 1859.
- Lanzelot und Ginevra (Ep. G.),
1860. - Das Rolandslied, übersetzt,
1861. - Marie de France (Poet. En.
nach altbretonischen Liebessagen;
übers.), 1862. - Der Werwolf (Sg.),
1862. - Hugdietrichs Brautfahrt (E.
G.), 1863. 4. A. 1908. - Aucassin
und Nicolette (Altfranz. R.; übers.),
1865. - Heinrich von Schwaben (Ep.),
1867. 3. A. 1903. - Deutsche Sage
im Elsaß, 1872. - Gottfrieds von
Straßburg Tristan und Jsolde (neu
bearbeitet), 1878. 3. A. 1904. - Die
Sage vom Parcival und dem Gral,
1882. - Bruder Rausch (Ein Kloster-
märchen), 1882. 5. A. 1905. - Spiel-
mannsbuch (Nn. in V., aus d. 12. u.
13. Jahrh. übertragen), 1886. 3. A.
1905. - Gesammelte Dichtungen,
1900. 2. A. 1904. - Wilhelm Hertz.

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liche Auffaſſungsvermögen berechnet
ſind. Seit dem J. 1907 weilt ſie in
Florenz.

S:

Allerlei Poeterei (Ge.),
1901. – Die weißen Mäuſe (Nn.),
1903. – Dore Brandt (Berliner R.),
1908. – Marionetten des Schickſals
(R.), 1910.

*Hertz, Wilhelm,

* am 24. Sept.
1835 zu Stuttgart, verlor bei ſeiner
Geburt die Mutter, im fünften Le-
bensjahre den Vater, der eine Gärt-
nerei beſaß, und wurde nun bei den
Großeltern erzogen. Nach des Va-
ters Wunſche ſollte er Kaufmann
werden; da er aber wenig Neigung
für dieſen Beruf zeigte, ſo wollte er
ſich nach ſeiner Konfirmation der
Landwirtſchaft widmen, zu welchem
Zwecke ihn die Großeltern auf den
Berkheimer Hof bei Stuttgart in die
Lehre brachten. Doch kehrte er, da
ihm jedenfalls dieſe Beſchäftigung zu
proſaiſch erſchien, ſchon nach Jahres-
friſt nach Stuttgart zurück, um ſich
für das Univerſitätsſtudium vorzu-
bereiten. Nach Beſuch des Stutt-
garter Gymnaſiums ſtudierte Hertz
1855–58 in Tübingen Philoſophie
und Sprachwiſſenſchaften, mit be-
ſonderer Hinneigung zu germaniſti-
ſchen, ſpeziell altengliſchen Studien,
wobei ihm Uhland freundlich an die
Hand ging. Der Verkehr mit dieſem
Meiſter wirkte auch anregend auf
Hertz’ poetiſche Geſtaltungskraft, und
ſo entſtand während ſeiner Studien-
zeit der größte Teil ſeiner ſpäter ver-
öffentlichten „Gedichte“. Nachdem
H. im Auguſt 1858 mit ſeiner Ab-
handlung über „Die epiſchen Dich-
tungen der Engländer im Mittel-
alter“ zum Doktor der Philoſophie
promoviert, ſiedelte er im Herbſt
nach München über, wo er ſich dem
unter dem Namen „Das Krokodil“
bekannten Dichterkreiſe, dem Geibel,
Heyſe, Lingg und andere angehör-
ten, anſchloß. Die Mobilmachung im
Jahre 1859 rief den Dichter u. Ge-
lehrten aus der Studierſtube in die
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Her
württembergiſche Armee, in der er
als Leutnant diente. Jm Herbſt
wurde er beurlaubt, worauf er im
folgenden Jahre eine größere wiſſen-
ſchaftl. Reiſe durch England, Schott-
land u. Frankreich unternahm. Mit
dem in Edinburg und Oxford gedich-
teten Epos „Hugdietrichs Braut-
fahrt“ kehrte er 1861 nach München
zurück u. habilitierte ſich an der dor-
tigen Univerſität als Privatdozent
für germaniſche Altertumskunde auf
Grund ſeiner Abhandlung „Der Wer-
wolf“. Jm Jahre 1865 machte er eine
Reiſe nach Jtalien, wurde 1869
außerordentlicher Profeſſor der allge-
meinen und der deutſchen Literatur-
geſchichte am neu gegründeten Poly-
technikum in München und 1878 or-
dentlicher Profeſſor; als ſolcher wirkte
er an demſelben bis zu ſeinem Tode.
Jm Jahre 1885 wurde er zum außer-
ordentlichen, 1890 zum ordentlichen
Mitgliede der Akademie der Wiſſen-
ſchaften in München ernannt u. 1892
auf Vorſchlag des Ordenskapitels in
den königl. bayr. Maximiliansorden
für Kunſt und Wiſſenſchaft aufge-
nommen. Er ſtarb in München am
7. Januar 1902.

S:

Gedichte, 1859.
– Lanzelot und Ginevra (Ep. G.),
1860. – Das Rolandslied, überſetzt,
1861. – Marie de France (Poet. En.
nach altbretoniſchen Liebesſagen;
überſ.), 1862. – Der Werwolf (Sg.),
1862. – Hugdietrichs Brautfahrt (E.
G.), 1863. 4. A. 1908. – Aucaſſin
und Nicolette (Altfranz. R.; überſ.),
1865. – Heinrich von Schwaben (Ep.),
1867. 3. A. 1903. – Deutſche Sage
im Elſaß, 1872. – Gottfrieds von
Straßburg Triſtan und Jſolde (neu
bearbeitet), 1878. 3. A. 1904. – Die
Sage vom Parcival und dem Gral,
1882. – Bruder Rauſch (Ein Kloſter-
märchen), 1882. 5. A. 1905. – Spiel-
mannsbuch (Nn. in V., aus d. 12. u.
13. Jahrh. übertragen), 1886. 3. A.
1905. – Geſammelte Dichtungen,
1900. 2. A. 1904. – Wilhelm Hertz.

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[178/0182] Her Her liche Auffaſſungsvermögen berechnet ſind. Seit dem J. 1907 weilt ſie in Florenz. S: Allerlei Poeterei (Ge.), 1901. – Die weißen Mäuſe (Nn.), 1903. – Dore Brandt (Berliner R.), 1908. – Marionetten des Schickſals (R.), 1910. *Hertz, Wilhelm, * am 24. Sept. 1835 zu Stuttgart, verlor bei ſeiner Geburt die Mutter, im fünften Le- bensjahre den Vater, der eine Gärt- nerei beſaß, und wurde nun bei den Großeltern erzogen. Nach des Va- ters Wunſche ſollte er Kaufmann werden; da er aber wenig Neigung für dieſen Beruf zeigte, ſo wollte er ſich nach ſeiner Konfirmation der Landwirtſchaft widmen, zu welchem Zwecke ihn die Großeltern auf den Berkheimer Hof bei Stuttgart in die Lehre brachten. Doch kehrte er, da ihm jedenfalls dieſe Beſchäftigung zu proſaiſch erſchien, ſchon nach Jahres- friſt nach Stuttgart zurück, um ſich für das Univerſitätsſtudium vorzu- bereiten. Nach Beſuch des Stutt- garter Gymnaſiums ſtudierte Hertz 1855–58 in Tübingen Philoſophie und Sprachwiſſenſchaften, mit be- ſonderer Hinneigung zu germaniſti- ſchen, ſpeziell altengliſchen Studien, wobei ihm Uhland freundlich an die Hand ging. Der Verkehr mit dieſem Meiſter wirkte auch anregend auf Hertz’ poetiſche Geſtaltungskraft, und ſo entſtand während ſeiner Studien- zeit der größte Teil ſeiner ſpäter ver- öffentlichten „Gedichte“. Nachdem H. im Auguſt 1858 mit ſeiner Ab- handlung über „Die epiſchen Dich- tungen der Engländer im Mittel- alter“ zum Doktor der Philoſophie promoviert, ſiedelte er im Herbſt nach München über, wo er ſich dem unter dem Namen „Das Krokodil“ bekannten Dichterkreiſe, dem Geibel, Heyſe, Lingg und andere angehör- ten, anſchloß. Die Mobilmachung im Jahre 1859 rief den Dichter u. Ge- lehrten aus der Studierſtube in die württembergiſche Armee, in der er als Leutnant diente. Jm Herbſt wurde er beurlaubt, worauf er im folgenden Jahre eine größere wiſſen- ſchaftl. Reiſe durch England, Schott- land u. Frankreich unternahm. Mit dem in Edinburg und Oxford gedich- teten Epos „Hugdietrichs Braut- fahrt“ kehrte er 1861 nach München zurück u. habilitierte ſich an der dor- tigen Univerſität als Privatdozent für germaniſche Altertumskunde auf Grund ſeiner Abhandlung „Der Wer- wolf“. Jm Jahre 1865 machte er eine Reiſe nach Jtalien, wurde 1869 außerordentlicher Profeſſor der allge- meinen und der deutſchen Literatur- geſchichte am neu gegründeten Poly- technikum in München und 1878 or- dentlicher Profeſſor; als ſolcher wirkte er an demſelben bis zu ſeinem Tode. Jm Jahre 1885 wurde er zum außer- ordentlichen, 1890 zum ordentlichen Mitgliede der Akademie der Wiſſen- ſchaften in München ernannt u. 1892 auf Vorſchlag des Ordenskapitels in den königl. bayr. Maximiliansorden für Kunſt und Wiſſenſchaft aufge- nommen. Er ſtarb in München am 7. Januar 1902. S: Gedichte, 1859. – Lanzelot und Ginevra (Ep. G.), 1860. – Das Rolandslied, überſetzt, 1861. – Marie de France (Poet. En. nach altbretoniſchen Liebesſagen; überſ.), 1862. – Der Werwolf (Sg.), 1862. – Hugdietrichs Brautfahrt (E. G.), 1863. 4. A. 1908. – Aucaſſin und Nicolette (Altfranz. R.; überſ.), 1865. – Heinrich von Schwaben (Ep.), 1867. 3. A. 1903. – Deutſche Sage im Elſaß, 1872. – Gottfrieds von Straßburg Triſtan und Jſolde (neu bearbeitet), 1878. 3. A. 1904. – Die Sage vom Parcival und dem Gral, 1882. – Bruder Rauſch (Ein Kloſter- märchen), 1882. 5. A. 1905. – Spiel- mannsbuch (Nn. in V., aus d. 12. u. 13. Jahrh. übertragen), 1886. 3. A. 1905. – Geſammelte Dichtungen, 1900. 2. A. 1904. – Wilhelm Hertz. *

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Zitationshilfe: Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 3. 6. Aufl. Leipzig, 1913, S. 178. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bruemmer_lexikon03_1913/182>, abgerufen am 25.03.2019.