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Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 3. 6. Aufl. Leipzig, 1913.

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Hon
*Honegger, Johann Jakob,

wurde
als der Sohn eines unbemittelten
Kleinbauern am 13. Juli 1825 zu
Dürnten im Kanton Zürich geboren,
erhielt seine Bildung in der Gemeinde-
und Sekundarschule des Ortes und
Privatunterricht in den alten Spra-
chen, durch den Pfarrer des Orts,
worauf er sich auf dem Lehrersemi-
nar zu Küßnacht zum Sekundarleh-
rer ausbildete. Nachdem er ungefähr
sechs Jahre im praktisch. Schuldienste
gestanden, trat er 1849 aus demselben
und privatisierte acht Jahre, um wei-
tere Studien zu verfolgen; davon
wurden ein halbes Jahr auf Reisen
in der französischen Schweiz und Ober-
italien und neun Semester auf phi-
losophische, historische und philolo-
gische Studien an der Hochschule in
Zürich verwandt. Nach einem ein-
jährigen Aufenthalt in Paris, der
namentlich Forschungen in der fran-
zösischen Literatur gewidmet war,
wurde er 1861 Seminarlehrer in
Küßnacht, nach vier Jahren Doktor
der Philosophie und Dozent an der
Hochschule in Zürich, war später vier
Jahre lang Professor an der Kan-
tonsschule in St. Gallen und darauf
als Schriftsteller in Zürich und seit
1873 als Dozent der deutschen Lite-
raturgeschichte an der Universität
Zürich tätig, an der er 1874 zum Pro-
fessor ernannt wurde. Auch in der
Politik spielte er in dieser Zeit eine
gewisse Rolle. Er war ein eifriges
Mitglied des von Dr. Nußbaumer
gegründeten Huttenvereins u. schrieb
politische Artikel für den "Republi-
kaner" und andere Blätter, war an
der Landesgemeinde von 1867 einer
der Redner in Zürich und funktio-
nierte 1868-69 als Mitglied und Se-
kretär des zürcherischen Verfassungs-
rats. Jm Jahre 1886 legte er seine
Professur nieder und widmete er sich
seitdem teils seinen literarischen Ar-
beiten, teils der Verwaltung des
Konsumvereins Zürich, den er zu
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Hon
einem der bedeutendsten Vereine auf
dem Kontinente erhob, bis ihn ein
zunehmendes Gemütsleiden 1892
zwang, sich von aller Welt und aller
Tätigkeit zurückzuziehen. Er starb
in Stäfa bei Zürich am 6. (nicht 5.
oder 7.) November 1896.

S:

Herbst-
blüten (Lyr. Ge.); II, 1849-52. - Vik-
tor Hugo, Lamartine und die fran-
zösische Lyrik im 19. Jahrhundert,
1856. - Literatur und Kultur des 19.
Jahrh., 1865. - Grundsteine einer
allgemeinen Kulturgeschichte der
neuesten Zeit; V, 1868-74. - Kritische
Geschichte der französischen Kultur-
einflüsse in den letzten Jahrhunderten,
1875. - Katechismus der Kulturge-
schichte, 1879. - Russische Literatur
und Kultur. 1880. - Lieder und Bil-
der (3. A. der Ge.), 1887. - Das deut-
sche Lied der Neuzeit, sein Geist und
Wesen, 1891. - Allgemeine Kulturge-
schichte: II, 1882-86. - Gab heraus:
Die poetische Nationalliteratur der
deutschen Schweiz, Bd. 4, 1876.

*Honig, Ernst,

geb. am 12. Febr,
1861 in Göttingen als der Sohn eines
Bäckermeisters, besuchte das Real-
gymnasium bis zum 14. Jahre und
erlernte dann den väterlichen Beruf
in einem fremden Hause. Als Ge-
selle durchzog er nach altem Hand-
werksbrauch deutsche und fremde
Lande, während dieser Zeit immer
noch hoffend, seine zeichnerische Be-
gabung weiter ausbilden und zu
einem künstlerischen Berufe übergehen
zu können. Diese Hoffnung erfüllte
sich nicht, und so machte sich H., nach-
dem er 1884 Meister geworden, in
seiner Vaterstadt seßhaft. Sein Jnter-
esse für städtische Angelegenheiten
führte ihn zu einer Zeitungspolemik
gegen veraltete und wertlose städti-
sche Einrichtungen, wobei er sich
mundartlicher Schreibweise bediente.
Dies führte dann zu weiteren humo-
ristischen plattdeutschen Erzählungen,
die sich um die Figur eines alten
"chöttigeschen" Philisters gruppieren.

*

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Hon
*Honegger, Johann Jakob,

wurde
als der Sohn eines unbemittelten
Kleinbauern am 13. Juli 1825 zu
Dürnten im Kanton Zürich geboren,
erhielt ſeine Bildung in der Gemeinde-
und Sekundarſchule des Ortes und
Privatunterricht in den alten Spra-
chen, durch den Pfarrer des Orts,
worauf er ſich auf dem Lehrerſemi-
nar zu Küßnacht zum Sekundarleh-
rer ausbildete. Nachdem er ungefähr
ſechs Jahre im praktiſch. Schuldienſte
geſtanden, trat er 1849 aus demſelben
und privatiſierte acht Jahre, um wei-
tere Studien zu verfolgen; davon
wurden ein halbes Jahr auf Reiſen
in der franzöſiſchen Schweiz und Ober-
italien und neun Semeſter auf phi-
loſophiſche, hiſtoriſche und philolo-
giſche Studien an der Hochſchule in
Zürich verwandt. Nach einem ein-
jährigen Aufenthalt in Paris, der
namentlich Forſchungen in der fran-
zöſiſchen Literatur gewidmet war,
wurde er 1861 Seminarlehrer in
Küßnacht, nach vier Jahren Doktor
der Philoſophie und Dozent an der
Hochſchule in Zürich, war ſpäter vier
Jahre lang Profeſſor an der Kan-
tonsſchule in St. Gallen und darauf
als Schriftſteller in Zürich und ſeit
1873 als Dozent der deutſchen Lite-
raturgeſchichte an der Univerſität
Zürich tätig, an der er 1874 zum Pro-
feſſor ernannt wurde. Auch in der
Politik ſpielte er in dieſer Zeit eine
gewiſſe Rolle. Er war ein eifriges
Mitglied des von Dr. Nußbaumer
gegründeten Huttenvereins u. ſchrieb
politiſche Artikel für den „Republi-
kaner“ und andere Blätter, war an
der Landesgemeinde von 1867 einer
der Redner in Zürich und funktio-
nierte 1868–69 als Mitglied und Se-
kretär des zürcheriſchen Verfaſſungs-
rats. Jm Jahre 1886 legte er ſeine
Profeſſur nieder und widmete er ſich
ſeitdem teils ſeinen literariſchen Ar-
beiten, teils der Verwaltung des
Konſumvereins Zürich, den er zu
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Hon
einem der bedeutendſten Vereine auf
dem Kontinente erhob, bis ihn ein
zunehmendes Gemütsleiden 1892
zwang, ſich von aller Welt und aller
Tätigkeit zurückzuziehen. Er ſtarb
in Stäfa bei Zürich am 6. (nicht 5.
oder 7.) November 1896.

S:

Herbſt-
blüten (Lyr. Ge.); II, 1849–52. – Vik-
tor Hugo, Lamartine und die fran-
zöſiſche Lyrik im 19. Jahrhundert,
1856. – Literatur und Kultur des 19.
Jahrh., 1865. – Grundſteine einer
allgemeinen Kulturgeſchichte der
neueſten Zeit; V, 1868–74. – Kritiſche
Geſchichte der franzöſiſchen Kultur-
einflüſſe in den letzten Jahrhunderten,
1875. – Katechismus der Kulturge-
ſchichte, 1879. – Ruſſiſche Literatur
und Kultur. 1880. – Lieder und Bil-
der (3. A. der Ge.), 1887. – Das deut-
ſche Lied der Neuzeit, ſein Geiſt und
Weſen, 1891. – Allgemeine Kulturge-
ſchichte: II, 1882–86. – Gab heraus:
Die poetiſche Nationalliteratur der
deutſchen Schweiz, Bd. 4, 1876.

*Honig, Ernſt,

geb. am 12. Febr,
1861 in Göttingen als der Sohn eines
Bäckermeiſters, beſuchte das Real-
gymnaſium bis zum 14. Jahre und
erlernte dann den väterlichen Beruf
in einem fremden Hauſe. Als Ge-
ſelle durchzog er nach altem Hand-
werksbrauch deutſche und fremde
Lande, während dieſer Zeit immer
noch hoffend, ſeine zeichneriſche Be-
gabung weiter ausbilden und zu
einem künſtleriſchen Berufe übergehen
zu können. Dieſe Hoffnung erfüllte
ſich nicht, und ſo machte ſich H., nach-
dem er 1884 Meiſter geworden, in
ſeiner Vaterſtadt ſeßhaft. Sein Jnter-
eſſe für ſtädtiſche Angelegenheiten
führte ihn zu einer Zeitungspolemik
gegen veraltete und wertloſe ſtädti-
ſche Einrichtungen, wobei er ſich
mundartlicher Schreibweiſe bediente.
Dies führte dann zu weiteren humo-
riſtiſchen plattdeutſchen Erzählungen,
die ſich um die Figur eines alten
„chöttigeſchen“ Philiſters gruppieren.

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[283/0287] Hon Hon *Honegger, Johann Jakob, wurde als der Sohn eines unbemittelten Kleinbauern am 13. Juli 1825 zu Dürnten im Kanton Zürich geboren, erhielt ſeine Bildung in der Gemeinde- und Sekundarſchule des Ortes und Privatunterricht in den alten Spra- chen, durch den Pfarrer des Orts, worauf er ſich auf dem Lehrerſemi- nar zu Küßnacht zum Sekundarleh- rer ausbildete. Nachdem er ungefähr ſechs Jahre im praktiſch. Schuldienſte geſtanden, trat er 1849 aus demſelben und privatiſierte acht Jahre, um wei- tere Studien zu verfolgen; davon wurden ein halbes Jahr auf Reiſen in der franzöſiſchen Schweiz und Ober- italien und neun Semeſter auf phi- loſophiſche, hiſtoriſche und philolo- giſche Studien an der Hochſchule in Zürich verwandt. Nach einem ein- jährigen Aufenthalt in Paris, der namentlich Forſchungen in der fran- zöſiſchen Literatur gewidmet war, wurde er 1861 Seminarlehrer in Küßnacht, nach vier Jahren Doktor der Philoſophie und Dozent an der Hochſchule in Zürich, war ſpäter vier Jahre lang Profeſſor an der Kan- tonsſchule in St. Gallen und darauf als Schriftſteller in Zürich und ſeit 1873 als Dozent der deutſchen Lite- raturgeſchichte an der Univerſität Zürich tätig, an der er 1874 zum Pro- feſſor ernannt wurde. Auch in der Politik ſpielte er in dieſer Zeit eine gewiſſe Rolle. Er war ein eifriges Mitglied des von Dr. Nußbaumer gegründeten Huttenvereins u. ſchrieb politiſche Artikel für den „Republi- kaner“ und andere Blätter, war an der Landesgemeinde von 1867 einer der Redner in Zürich und funktio- nierte 1868–69 als Mitglied und Se- kretär des zürcheriſchen Verfaſſungs- rats. Jm Jahre 1886 legte er ſeine Profeſſur nieder und widmete er ſich ſeitdem teils ſeinen literariſchen Ar- beiten, teils der Verwaltung des Konſumvereins Zürich, den er zu einem der bedeutendſten Vereine auf dem Kontinente erhob, bis ihn ein zunehmendes Gemütsleiden 1892 zwang, ſich von aller Welt und aller Tätigkeit zurückzuziehen. Er ſtarb in Stäfa bei Zürich am 6. (nicht 5. oder 7.) November 1896. S: Herbſt- blüten (Lyr. Ge.); II, 1849–52. – Vik- tor Hugo, Lamartine und die fran- zöſiſche Lyrik im 19. Jahrhundert, 1856. – Literatur und Kultur des 19. Jahrh., 1865. – Grundſteine einer allgemeinen Kulturgeſchichte der neueſten Zeit; V, 1868–74. – Kritiſche Geſchichte der franzöſiſchen Kultur- einflüſſe in den letzten Jahrhunderten, 1875. – Katechismus der Kulturge- ſchichte, 1879. – Ruſſiſche Literatur und Kultur. 1880. – Lieder und Bil- der (3. A. der Ge.), 1887. – Das deut- ſche Lied der Neuzeit, ſein Geiſt und Weſen, 1891. – Allgemeine Kulturge- ſchichte: II, 1882–86. – Gab heraus: Die poetiſche Nationalliteratur der deutſchen Schweiz, Bd. 4, 1876. *Honig, Ernſt, geb. am 12. Febr, 1861 in Göttingen als der Sohn eines Bäckermeiſters, beſuchte das Real- gymnaſium bis zum 14. Jahre und erlernte dann den väterlichen Beruf in einem fremden Hauſe. Als Ge- ſelle durchzog er nach altem Hand- werksbrauch deutſche und fremde Lande, während dieſer Zeit immer noch hoffend, ſeine zeichneriſche Be- gabung weiter ausbilden und zu einem künſtleriſchen Berufe übergehen zu können. Dieſe Hoffnung erfüllte ſich nicht, und ſo machte ſich H., nach- dem er 1884 Meiſter geworden, in ſeiner Vaterſtadt ſeßhaft. Sein Jnter- eſſe für ſtädtiſche Angelegenheiten führte ihn zu einer Zeitungspolemik gegen veraltete und wertloſe ſtädti- ſche Einrichtungen, wobei er ſich mundartlicher Schreibweiſe bediente. Dies führte dann zu weiteren humo- riſtiſchen plattdeutſchen Erzählungen, die ſich um die Figur eines alten „chöttigeſchen“ Philiſters gruppieren. *

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Zitationshilfe: Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 3. 6. Aufl. Leipzig, 1913, S. 283. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bruemmer_lexikon03_1913/287>, abgerufen am 18.03.2019.