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Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 3. 6. Aufl. Leipzig, 1913.

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Hor
Horter, Johann Traugott,

geb.
am 20. Okt. 1805 zu Rothwasser bei
Görlitz als der Sohn armer Land-
leute, besuchte seit Michaelis 1818
das Gymnasium in Görlitz und stu-
dierte seit 1827 in Leipzig, seit 1829
in Berlin Theologie. Nachdem er
dann zehn Jahre lang Hauslehrer
gewesen, wurde er 1840 Pfarrer zu
See in der Niederlausitz, wo er am
16. Dezbr. 1857 starb.

S:

Gedichte,
1828. - Musenalmanach für d. Jahr
1831. - Sonette, 1. Sammlg., 1885.

*Hosäus, Friedrich Wilhelm,


wurde am 7. September 1827 zu
Dessau in Anhalt geboren. Er war
der Sohn eines Musikers und wurde
daher schon frühe zur Beschäftigung
mit der Musik angehalten: neben
Klavier- und Orgelunterricht ging
gleichzeitig die Einführung in die
Theorie der Musik. Dennoch zog es
ihn von Jugend auf mehr zu den
Wissenschaften hin, und nachdem er
das Gymnasium seiner Vaterstadt
absolviert hatte, studierte er seit 1846
in Halle und seit 1847 in Leipzig
Theologie. Nachdem er 1849 seine
theologische Staatsprüfung in Des-
sau absolviert, begab er sich nach Er-
langen und Neuendettelsau, wo er zu
dem bekannten Pfarrer Löhe in
freundschaftliche Beziehungen trat,
war darauf ein Jahr als Hauslehrer
im Hause des Herrn von Heynitz auf
Heynitz bei Meißen tätig und arbei-
tete von 1850-52 als Hilfsprediger
der von der Landeskirche getrennten
Lutheraner an St. Katharinen in
Breslau u. zu Waldenburg in Schle-
sien. Vom Jahre 1853 an war er
zehn Jahre lang Erzieher der erwach-
senen Söhne des Grafen Hahn auf
Basedow in Mecklenburg und lebte
mit ihnen meist auf Reisen in Deutsch-
land, der Schweiz, in Frankreich, Jta-
lien, Spanien, Belgien, Holland,
England, Schottland und Jrland.
Er selbst benutzte diese Zeit in aus-
giebigster Weise zu seiner Weiterbil-
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Hos
dung. Mit Aufmerksamkeit studierte
er die Sitten, Sprachen und Litera-
turen, die bildende Kunst und Poesie,
Archäologie und Geschichte dieser
Länder. Jn Rom genoß er den bil-
denden Umgang mit Cornelius, Over-
beck, Preller u. a.; in Paris besuchte
er die Museen, Bibliotheken u. hörte
Vorlesungen an der Sorbonne; in
London zog ihn besonders das Prin-
zeßtheater an, an dem damals Char-
les Kean und seine Gattin wirkten,
usw. Zwischendurch erwarb sich H.
1859 in Rostock die Doktorwürde. Jm
Jahre 1863 wurde er Oberlehrer am
Gymnasium in Dessau, u. im Herbst
1866 übernahm er die weitere Er-
ziehung der Prinzen Leopold und
Friedrich, Söhne des damaligen Erb-
prinzen von Anhalt. Als dieselbe
1871 als vollendet angesehen wurde,
blieb H. gleichwohl in seiner Hof-
stellung als Leiter der herzogl. Biblio-
thek und als Lehrer der jüngeren
Prinzen und Prinzessinnen des her-
zogl. Hauses. 1875 gründete er mit
einigen Freunden den Verein für an-
haltische Geschichte und Altertums-
kunde; auch hat er jahrelang den an-
haltischen Kunstverein geleitet. Sein
Herzog ernannte ihn 1869 zum Hof-
rat und 1887 zum Geh. Hofrat. Er
starb am 17. Juli 1900.

S:

Spani-
sche Volkslieder u. Volksreime, 1862.
- Die Amazone (Tr.), 1863. - Prinz
Louis Ferdinand (Vaterl. Schsp.),
1865. - Kriemhild (Tr.), 1866. - Ro-
salinde (Romant. Humoreske), 1866.
- Absalom (Tr.), 1868. - Die Ver-
lobte (Dr.), 1869. - Don Sylvios
Brautfahrt (Fastnachtsspiel), 1869.
- Johann von Kastilien (Tr. nach
dem Span.), 1871. - Euphrosyne,
1871, - Borowins Hochzeit (Festsp.),
1877. - Askania (Vaterl. Ge.), 1885.
- Geistl. Dichtungen, 1885. - Arend-
see'er Lieder, 1886. - Balladen und
Elegien, 1886. - Die Auferstehung
Christi (Osterspiel), 1886. - Die Ge-
burt Christi (Weihnachtssp.), 1886.

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Hor
Horter, Johann Traugott,

geb.
am 20. Okt. 1805 zu Rothwaſſer bei
Görlitz als der Sohn armer Land-
leute, beſuchte ſeit Michaelis 1818
das Gymnaſium in Görlitz und ſtu-
dierte ſeit 1827 in Leipzig, ſeit 1829
in Berlin Theologie. Nachdem er
dann zehn Jahre lang Hauslehrer
geweſen, wurde er 1840 Pfarrer zu
See in der Niederlauſitz, wo er am
16. Dezbr. 1857 ſtarb.

S:

Gedichte,
1828. – Muſenalmanach für d. Jahr
1831. – Sonette, 1. Sammlg., 1885.

*Hoſäus, Friedrich Wilhelm,


wurde am 7. September 1827 zu
Deſſau in Anhalt geboren. Er war
der Sohn eines Muſikers und wurde
daher ſchon frühe zur Beſchäftigung
mit der Muſik angehalten: neben
Klavier- und Orgelunterricht ging
gleichzeitig die Einführung in die
Theorie der Muſik. Dennoch zog es
ihn von Jugend auf mehr zu den
Wiſſenſchaften hin, und nachdem er
das Gymnaſium ſeiner Vaterſtadt
abſolviert hatte, ſtudierte er ſeit 1846
in Halle und ſeit 1847 in Leipzig
Theologie. Nachdem er 1849 ſeine
theologiſche Staatsprüfung in Deſ-
ſau abſolviert, begab er ſich nach Er-
langen und Neuendettelsau, wo er zu
dem bekannten Pfarrer Löhe in
freundſchaftliche Beziehungen trat,
war darauf ein Jahr als Hauslehrer
im Hauſe des Herrn von Heynitz auf
Heynitz bei Meißen tätig und arbei-
tete von 1850–52 als Hilfsprediger
der von der Landeskirche getrennten
Lutheraner an St. Katharinen in
Breslau u. zu Waldenburg in Schle-
ſien. Vom Jahre 1853 an war er
zehn Jahre lang Erzieher der erwach-
ſenen Söhne des Grafen Hahn auf
Baſedow in Mecklenburg und lebte
mit ihnen meiſt auf Reiſen in Deutſch-
land, der Schweiz, in Frankreich, Jta-
lien, Spanien, Belgien, Holland,
England, Schottland und Jrland.
Er ſelbſt benutzte dieſe Zeit in aus-
giebigſter Weiſe zu ſeiner Weiterbil-
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Hoſ
dung. Mit Aufmerkſamkeit ſtudierte
er die Sitten, Sprachen und Litera-
turen, die bildende Kunſt und Poeſie,
Archäologie und Geſchichte dieſer
Länder. Jn Rom genoß er den bil-
denden Umgang mit Cornelius, Over-
beck, Preller u. a.; in Paris beſuchte
er die Muſeen, Bibliotheken u. hörte
Vorleſungen an der Sorbonne; in
London zog ihn beſonders das Prin-
zeßtheater an, an dem damals Char-
les Kean und ſeine Gattin wirkten,
uſw. Zwiſchendurch erwarb ſich H.
1859 in Roſtock die Doktorwürde. Jm
Jahre 1863 wurde er Oberlehrer am
Gymnaſium in Deſſau, u. im Herbſt
1866 übernahm er die weitere Er-
ziehung der Prinzen Leopold und
Friedrich, Söhne des damaligen Erb-
prinzen von Anhalt. Als dieſelbe
1871 als vollendet angeſehen wurde,
blieb H. gleichwohl in ſeiner Hof-
ſtellung als Leiter der herzogl. Biblio-
thek und als Lehrer der jüngeren
Prinzen und Prinzeſſinnen des her-
zogl. Hauſes. 1875 gründete er mit
einigen Freunden den Verein für an-
haltiſche Geſchichte und Altertums-
kunde; auch hat er jahrelang den an-
haltiſchen Kunſtverein geleitet. Sein
Herzog ernannte ihn 1869 zum Hof-
rat und 1887 zum Geh. Hofrat. Er
ſtarb am 17. Juli 1900.

S:

Spani-
ſche Volkslieder u. Volksreime, 1862.
– Die Amazone (Tr.), 1863. – Prinz
Louis Ferdinand (Vaterl. Schſp.),
1865. – Kriemhild (Tr.), 1866. – Ro-
ſalinde (Romant. Humoreske), 1866.
– Abſalom (Tr.), 1868. – Die Ver-
lobte (Dr.), 1869. – Don Sylvios
Brautfahrt (Faſtnachtsſpiel), 1869.
– Johann von Kaſtilien (Tr. nach
dem Span.), 1871. – Euphroſyne,
1871, – Borowins Hochzeit (Feſtſp.),
1877. – Askania (Vaterl. Ge.), 1885.
– Geiſtl. Dichtungen, 1885. – Arend-
ſee’er Lieder, 1886. – Balladen und
Elegien, 1886. – Die Auferſtehung
Chriſti (Oſterſpiel), 1886. – Die Ge-
burt Chriſti (Weihnachtsſp.), 1886.

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[297/0301] Hor Hoſ Horter, Johann Traugott, geb. am 20. Okt. 1805 zu Rothwaſſer bei Görlitz als der Sohn armer Land- leute, beſuchte ſeit Michaelis 1818 das Gymnaſium in Görlitz und ſtu- dierte ſeit 1827 in Leipzig, ſeit 1829 in Berlin Theologie. Nachdem er dann zehn Jahre lang Hauslehrer geweſen, wurde er 1840 Pfarrer zu See in der Niederlauſitz, wo er am 16. Dezbr. 1857 ſtarb. S: Gedichte, 1828. – Muſenalmanach für d. Jahr 1831. – Sonette, 1. Sammlg., 1885. *Hoſäus, Friedrich Wilhelm, wurde am 7. September 1827 zu Deſſau in Anhalt geboren. Er war der Sohn eines Muſikers und wurde daher ſchon frühe zur Beſchäftigung mit der Muſik angehalten: neben Klavier- und Orgelunterricht ging gleichzeitig die Einführung in die Theorie der Muſik. Dennoch zog es ihn von Jugend auf mehr zu den Wiſſenſchaften hin, und nachdem er das Gymnaſium ſeiner Vaterſtadt abſolviert hatte, ſtudierte er ſeit 1846 in Halle und ſeit 1847 in Leipzig Theologie. Nachdem er 1849 ſeine theologiſche Staatsprüfung in Deſ- ſau abſolviert, begab er ſich nach Er- langen und Neuendettelsau, wo er zu dem bekannten Pfarrer Löhe in freundſchaftliche Beziehungen trat, war darauf ein Jahr als Hauslehrer im Hauſe des Herrn von Heynitz auf Heynitz bei Meißen tätig und arbei- tete von 1850–52 als Hilfsprediger der von der Landeskirche getrennten Lutheraner an St. Katharinen in Breslau u. zu Waldenburg in Schle- ſien. Vom Jahre 1853 an war er zehn Jahre lang Erzieher der erwach- ſenen Söhne des Grafen Hahn auf Baſedow in Mecklenburg und lebte mit ihnen meiſt auf Reiſen in Deutſch- land, der Schweiz, in Frankreich, Jta- lien, Spanien, Belgien, Holland, England, Schottland und Jrland. Er ſelbſt benutzte dieſe Zeit in aus- giebigſter Weiſe zu ſeiner Weiterbil- dung. Mit Aufmerkſamkeit ſtudierte er die Sitten, Sprachen und Litera- turen, die bildende Kunſt und Poeſie, Archäologie und Geſchichte dieſer Länder. Jn Rom genoß er den bil- denden Umgang mit Cornelius, Over- beck, Preller u. a.; in Paris beſuchte er die Muſeen, Bibliotheken u. hörte Vorleſungen an der Sorbonne; in London zog ihn beſonders das Prin- zeßtheater an, an dem damals Char- les Kean und ſeine Gattin wirkten, uſw. Zwiſchendurch erwarb ſich H. 1859 in Roſtock die Doktorwürde. Jm Jahre 1863 wurde er Oberlehrer am Gymnaſium in Deſſau, u. im Herbſt 1866 übernahm er die weitere Er- ziehung der Prinzen Leopold und Friedrich, Söhne des damaligen Erb- prinzen von Anhalt. Als dieſelbe 1871 als vollendet angeſehen wurde, blieb H. gleichwohl in ſeiner Hof- ſtellung als Leiter der herzogl. Biblio- thek und als Lehrer der jüngeren Prinzen und Prinzeſſinnen des her- zogl. Hauſes. 1875 gründete er mit einigen Freunden den Verein für an- haltiſche Geſchichte und Altertums- kunde; auch hat er jahrelang den an- haltiſchen Kunſtverein geleitet. Sein Herzog ernannte ihn 1869 zum Hof- rat und 1887 zum Geh. Hofrat. Er ſtarb am 17. Juli 1900. S: Spani- ſche Volkslieder u. Volksreime, 1862. – Die Amazone (Tr.), 1863. – Prinz Louis Ferdinand (Vaterl. Schſp.), 1865. – Kriemhild (Tr.), 1866. – Ro- ſalinde (Romant. Humoreske), 1866. – Abſalom (Tr.), 1868. – Die Ver- lobte (Dr.), 1869. – Don Sylvios Brautfahrt (Faſtnachtsſpiel), 1869. – Johann von Kaſtilien (Tr. nach dem Span.), 1871. – Euphroſyne, 1871, – Borowins Hochzeit (Feſtſp.), 1877. – Askania (Vaterl. Ge.), 1885. – Geiſtl. Dichtungen, 1885. – Arend- ſee’er Lieder, 1886. – Balladen und Elegien, 1886. – Die Auferſtehung Chriſti (Oſterſpiel), 1886. – Die Ge- burt Chriſti (Weihnachtsſp.), 1886. *

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Zitationshilfe: Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 3. 6. Aufl. Leipzig, 1913, S. 297. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bruemmer_lexikon03_1913/301>, abgerufen am 21.03.2019.