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Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 3. 6. Aufl. Leipzig, 1913.

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derbare Fähigkeit, sich in andere hin-
einzufühlen. Für häusliche Arbeiten
war sie wenig begabt, dagegen zeigte
sie frühe Lust zum Lehrerinnenberuf.
Nachdem sie ihre Prüfung in Droyßig
bestanden, wirkte sie in Sterkrade, in
England u. a. O., zuletzt 12 Jahre in
Gütersloh als Lehrerin an der dor-
tigen höheren Töchterschule. Ein
langsam zunehmendes schweres Siech-
tum zwang sie zur Aufgabe ihres Be-
rufs; alle medizinischen Versuche zur
Erlangung der früheren Kraft erwie-
sen sich als erfolglos. Die letzten drei
Jahre lag sie still in der Bethesda,
einem v. Bodelschwinghschen Damen-
heim, hinwelkend und viel leidend.
Hier entstanden auch ihre Gedichte.
Sie entschlief am 3. Juli 1901.

S:


Licht im Dunkel (Ge. und Sprüche,
hrsg. von ihrer Schwägerin Bertha
Josephson), 1902. - Perlen aus bit-
terer Flut (Ge. und Sprüche, hrsg.
von Bertha Josephson), 1903.

Josephson, Ludwig,

wurde am
28. Jan. 1809 zu Unna in Westfalen
als der Sohn eines Kaufmanns ge-
boren u. studierte von 1827-30 unter
Nitzsch in Bonn Theologie. Nach Be-
endigung seiner Studien wurde er
Hauslehrer in der Familie des Mi-
nisters von Bodelschwingh u. bereits
1832 Pfarrer an der evangelischen
Gemeinde in Jserlohn, in welcher
Stellung er bis zum Jahre 1851 blieb,
wo er zum Divisionsprediger in Mün-
ster ernannt wurde. 1858 nahm er
einen Ruf als Seminardirektor in
Köslin an und verblieb in dieser
Stellung bis zum Jahre 1863. Seit-
dem wirkte er als Superintendent zu
Barth in Pommern, wo er im Januar
1877 starb.

S:

Stimmen aus Zion
(Ge.), 1841. - Brosamen (Volkserz.);
drei Sammlgu., 1857-72.

Josephy, Julius,

geb. am 21. Ja-
nuar 1821 in Parchim (Mecklenburg),
besuchte die Handelsschule daselbst u.
eröffnete im Anfang der 60er Jahre
ein Kaufmannsgeschäft in Barth in
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Pommern. Hier ist er am 5. März
1885 gestorben.

S:

Uns' Krieg mit
den Franzos 1870-71 (Plattd. Rie-
mels), 1871.

Josephy, Karl,

geb. am 17. April
1859 in Schwaan (Mecklenburg), be-
suchte zuerst die Schule seiner Vater-
stadt, dann bis 1876 die Realschule
in Rostock u. wurde nun in den Kauf-
mannsstand hineingewiesen. Allein
die Liebe zu den Studien führte den
aufgeweckten Jüngling schon nach
Jahresfrist in die Schule zurück. Er
besuchte die Gymnasien in Rostock u.
Wismar, erlangte hier zu Ostern 1881
das Zeugnis der Reife und studierte
darauf in Tübingen, Jena u. Leipzig
klassische Philologie unter Curtius,
Ribbeck und Delbrück, ließ sich aber
auch durch Zarncke und Hildebrand
in die ältere deutsche Literatur ein-
führen. Zu Ostern 1884 ging J., an
dem der Frühlingssturm der sozia-
listischen Evolution nicht unbemerkt
vorübergebraust war, nach d. Schweiz
und wählte Zürich zu seiner neuen
Heimat. Er trat als ordentliches
Mitglied in das philologische Semi-
nar der dortigen Universität ein, ab-
solvierte 1887 die Diplomprüfung für
das höhere Lehramt und erwarb sich
bald darauf die Würde eines Dr. phil.
Aber vergebens suchte er nun eine sei-
nen Fähigkeiten und Kenntnissen an-
gemessene Stellung an einer schwei-
zerischen Mittelschule: sein Judentum
verschloß ihm alle Türen. Er erwarb
nun auf eigene Rechnung das Jnsti-
tut Ryffel in Stäfa bei Zürich, das
er aber nach einigen Jahren wieder
aufgab, wirkte dann als Privatlehrer
und Schriftsteller in Zürich, bis er
endlich 1901 zum Lehrer der deutscheu
Sprache an die höhere Töchterschule
daselbst berufen ward, an der er seine
Stelle voll und ganz ausfüllte. Ein
ausgezeichneter Redner, war es ihm,
dem Juden, vergönnt, am Schiller-
tage 1905 vor tausend Schülern der
Gewerbeschule in der Freimünster-

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derbare Fähigkeit, ſich in andere hin-
einzufühlen. Für häusliche Arbeiten
war ſie wenig begabt, dagegen zeigte
ſie frühe Luſt zum Lehrerinnenberuf.
Nachdem ſie ihre Prüfung in Droyßig
beſtanden, wirkte ſie in Sterkrade, in
England u. a. O., zuletzt 12 Jahre in
Gütersloh als Lehrerin an der dor-
tigen höheren Töchterſchule. Ein
langſam zunehmendes ſchweres Siech-
tum zwang ſie zur Aufgabe ihres Be-
rufs; alle mediziniſchen Verſuche zur
Erlangung der früheren Kraft erwie-
ſen ſich als erfolglos. Die letzten drei
Jahre lag ſie ſtill in der Bethesda,
einem v. Bodelſchwinghſchen Damen-
heim, hinwelkend und viel leidend.
Hier entſtanden auch ihre Gedichte.
Sie entſchlief am 3. Juli 1901.

S:


Licht im Dunkel (Ge. und Sprüche,
hrsg. von ihrer Schwägerin Bertha
Joſephſon), 1902. – Perlen aus bit-
terer Flut (Ge. und Sprüche, hrsg.
von Bertha Joſephſon), 1903.

Joſephſon, Ludwig,

wurde am
28. Jan. 1809 zu Unna in Weſtfalen
als der Sohn eines Kaufmanns ge-
boren u. ſtudierte von 1827–30 unter
Nitzſch in Bonn Theologie. Nach Be-
endigung ſeiner Studien wurde er
Hauslehrer in der Familie des Mi-
niſters von Bodelſchwingh u. bereits
1832 Pfarrer an der evangeliſchen
Gemeinde in Jſerlohn, in welcher
Stellung er bis zum Jahre 1851 blieb,
wo er zum Diviſionsprediger in Mün-
ſter ernannt wurde. 1858 nahm er
einen Ruf als Seminardirektor in
Köslin an und verblieb in dieſer
Stellung bis zum Jahre 1863. Seit-
dem wirkte er als Superintendent zu
Barth in Pommern, wo er im Januar
1877 ſtarb.

S:

Stimmen aus Zion
(Ge.), 1841. – Broſamen (Volkserz.);
drei Sammlgu., 1857–72.

Joſephy, Julius,

geb. am 21. Ja-
nuar 1821 in Parchim (Mecklenburg),
beſuchte die Handelsſchule daſelbſt u.
eröffnete im Anfang der 60er Jahre
ein Kaufmannsgeſchäft in Barth in
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Joſ
Pommern. Hier iſt er am 5. März
1885 geſtorben.

S:

Unſ’ Krieg mit
den Franzos 1870–71 (Plattd. Rie-
mels), 1871.

Joſephy, Karl,

geb. am 17. April
1859 in Schwaan (Mecklenburg), be-
ſuchte zuerſt die Schule ſeiner Vater-
ſtadt, dann bis 1876 die Realſchule
in Roſtock u. wurde nun in den Kauf-
mannsſtand hineingewieſen. Allein
die Liebe zu den Studien führte den
aufgeweckten Jüngling ſchon nach
Jahresfriſt in die Schule zurück. Er
beſuchte die Gymnaſien in Roſtock u.
Wismar, erlangte hier zu Oſtern 1881
das Zeugnis der Reife und ſtudierte
darauf in Tübingen, Jena u. Leipzig
klaſſiſche Philologie unter Curtius,
Ribbeck und Delbrück, ließ ſich aber
auch durch Zarncke und Hildebrand
in die ältere deutſche Literatur ein-
führen. Zu Oſtern 1884 ging J., an
dem der Frühlingsſturm der ſozia-
liſtiſchen Evolution nicht unbemerkt
vorübergebrauſt war, nach d. Schweiz
und wählte Zürich zu ſeiner neuen
Heimat. Er trat als ordentliches
Mitglied in das philologiſche Semi-
nar der dortigen Univerſität ein, ab-
ſolvierte 1887 die Diplomprüfung für
das höhere Lehramt und erwarb ſich
bald darauf die Würde eines Dr. phil.
Aber vergebens ſuchte er nun eine ſei-
nen Fähigkeiten und Kenntniſſen an-
gemeſſene Stellung an einer ſchwei-
zeriſchen Mittelſchule: ſein Judentum
verſchloß ihm alle Türen. Er erwarb
nun auf eigene Rechnung das Jnſti-
tut Ryffel in Stäfa bei Zürich, das
er aber nach einigen Jahren wieder
aufgab, wirkte dann als Privatlehrer
und Schriftſteller in Zürich, bis er
endlich 1901 zum Lehrer der deutſcheu
Sprache an die höhere Töchterſchule
daſelbſt berufen ward, an der er ſeine
Stelle voll und ganz ausfüllte. Ein
ausgezeichneter Redner, war es ihm,
dem Juden, vergönnt, am Schiller-
tage 1905 vor tauſend Schülern der
Gewerbeſchule in der Freimünſter-

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[375/0379] Joſ Joſ derbare Fähigkeit, ſich in andere hin- einzufühlen. Für häusliche Arbeiten war ſie wenig begabt, dagegen zeigte ſie frühe Luſt zum Lehrerinnenberuf. Nachdem ſie ihre Prüfung in Droyßig beſtanden, wirkte ſie in Sterkrade, in England u. a. O., zuletzt 12 Jahre in Gütersloh als Lehrerin an der dor- tigen höheren Töchterſchule. Ein langſam zunehmendes ſchweres Siech- tum zwang ſie zur Aufgabe ihres Be- rufs; alle mediziniſchen Verſuche zur Erlangung der früheren Kraft erwie- ſen ſich als erfolglos. Die letzten drei Jahre lag ſie ſtill in der Bethesda, einem v. Bodelſchwinghſchen Damen- heim, hinwelkend und viel leidend. Hier entſtanden auch ihre Gedichte. Sie entſchlief am 3. Juli 1901. S: Licht im Dunkel (Ge. und Sprüche, hrsg. von ihrer Schwägerin Bertha Joſephſon), 1902. – Perlen aus bit- terer Flut (Ge. und Sprüche, hrsg. von Bertha Joſephſon), 1903. Joſephſon, Ludwig, wurde am 28. Jan. 1809 zu Unna in Weſtfalen als der Sohn eines Kaufmanns ge- boren u. ſtudierte von 1827–30 unter Nitzſch in Bonn Theologie. Nach Be- endigung ſeiner Studien wurde er Hauslehrer in der Familie des Mi- niſters von Bodelſchwingh u. bereits 1832 Pfarrer an der evangeliſchen Gemeinde in Jſerlohn, in welcher Stellung er bis zum Jahre 1851 blieb, wo er zum Diviſionsprediger in Mün- ſter ernannt wurde. 1858 nahm er einen Ruf als Seminardirektor in Köslin an und verblieb in dieſer Stellung bis zum Jahre 1863. Seit- dem wirkte er als Superintendent zu Barth in Pommern, wo er im Januar 1877 ſtarb. S: Stimmen aus Zion (Ge.), 1841. – Broſamen (Volkserz.); drei Sammlgu., 1857–72. Joſephy, Julius, geb. am 21. Ja- nuar 1821 in Parchim (Mecklenburg), beſuchte die Handelsſchule daſelbſt u. eröffnete im Anfang der 60er Jahre ein Kaufmannsgeſchäft in Barth in Pommern. Hier iſt er am 5. März 1885 geſtorben. S: Unſ’ Krieg mit den Franzos 1870–71 (Plattd. Rie- mels), 1871. Joſephy, Karl, geb. am 17. April 1859 in Schwaan (Mecklenburg), be- ſuchte zuerſt die Schule ſeiner Vater- ſtadt, dann bis 1876 die Realſchule in Roſtock u. wurde nun in den Kauf- mannsſtand hineingewieſen. Allein die Liebe zu den Studien führte den aufgeweckten Jüngling ſchon nach Jahresfriſt in die Schule zurück. Er beſuchte die Gymnaſien in Roſtock u. Wismar, erlangte hier zu Oſtern 1881 das Zeugnis der Reife und ſtudierte darauf in Tübingen, Jena u. Leipzig klaſſiſche Philologie unter Curtius, Ribbeck und Delbrück, ließ ſich aber auch durch Zarncke und Hildebrand in die ältere deutſche Literatur ein- führen. Zu Oſtern 1884 ging J., an dem der Frühlingsſturm der ſozia- liſtiſchen Evolution nicht unbemerkt vorübergebrauſt war, nach d. Schweiz und wählte Zürich zu ſeiner neuen Heimat. Er trat als ordentliches Mitglied in das philologiſche Semi- nar der dortigen Univerſität ein, ab- ſolvierte 1887 die Diplomprüfung für das höhere Lehramt und erwarb ſich bald darauf die Würde eines Dr. phil. Aber vergebens ſuchte er nun eine ſei- nen Fähigkeiten und Kenntniſſen an- gemeſſene Stellung an einer ſchwei- zeriſchen Mittelſchule: ſein Judentum verſchloß ihm alle Türen. Er erwarb nun auf eigene Rechnung das Jnſti- tut Ryffel in Stäfa bei Zürich, das er aber nach einigen Jahren wieder aufgab, wirkte dann als Privatlehrer und Schriftſteller in Zürich, bis er endlich 1901 zum Lehrer der deutſcheu Sprache an die höhere Töchterſchule daſelbſt berufen ward, an der er ſeine Stelle voll und ganz ausfüllte. Ein ausgezeichneter Redner, war es ihm, dem Juden, vergönnt, am Schiller- tage 1905 vor tauſend Schülern der Gewerbeſchule in der Freimünſter- *

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Zitationshilfe: Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 3. 6. Aufl. Leipzig, 1913, S. 375. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bruemmer_lexikon03_1913/379>, abgerufen am 12.12.2018.