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Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 3. 6. Aufl. Leipzig, 1913.

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Kai
stück), 1874. - Ein Pfaffenleben (R.);
II, 1872. - Unter dem alten Fritz und
Kaiser Joseph (Hist. R.); II, 1877.

*Kaiser, Heinrich,

geb. 1864 in
Wien, besuchte die Volksschule daselbst
und darauf sämtliche Klassen des Real-
gymnasiums des Dr. Ernst Zeidler in
Dresden, worauf er 1883 zur Handels-
akademie in Wien übertrat, an welcher
er zwei Jahre studierte. Danach wid-
mete er sich dem Bankfache und ist auch
noch heute in demselben tätig. Die
trockene Beschäftigung der Buchhal-
tung genügte ihm aber nicht allein,
und so machte sich bei ihm bald der
Drang zur schriftstellerischen Tätigkeit
geltend. Nachdem er ein Jahr lang
Mitarbeiter besonders humoristischer
Blätter gewesen, gründete er 1897 die
"Allgemeinen Sportnachrichten" des
Deutschen Volksblattes, und es gelang
ihm durch seine Satire und schneidigen
Artikel, ihnen einen ausgebreiteten
Leserkreis zu verschaffen.

S:

Sport-
bilder (Hum. u. Novelletten), 1900. -
Der letzte Streich (P.), 1900. - Jm
Reiche des Sportes (Gesangsburleske),
1902.

Kaiser, Jsabelle,

geb. am 2. Oktbr.
1866 in Beggenried am Vierwald-
städter See (Schweiz), kam als Kind
von zwei Jahren mit den Eltern nach
Genf, wo ihr Vater, der "Komman-
dant" Ferdinand K., der eine große
Vorliebe für Geschichte wie für Ro-
mantik besaß, die Zeitung "La Suisse"
gründete und als Deputierter im
Großen Rat auch am politischen Leben
teilnahm. Auf seinen Wunsch erhiel-
ten seine Kinder eine durchaus fran-
zösische Erziehung, und Jsabelle hat
aus dem Munde der Eltern nie ein
deutsches Wort gehört. Mit 13 Jah-
ren kam sie mit Eltern und Geschwi-
stern in die deutsche Schweiz zurück,
wo die Familie nach dem Tode des
Onkels die großväterliche Besitzung
Bethlehem am Zuger See übernahm.
Auf diesem schönen Landsitz verlebte
Jsabelle glückliche Jahre; hier schrieb
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Kai
sie auch mit 15 Jahren ihren ersten
französischen Roman und drei Jahre
später wurde ihr in Frankreich bei
einem Wettbewerb für ihre Novelle
"Gloria victis!" der erste Preis zu-
erkannt. Als sie die große Enttäu-
schung der ersten Liebe durchlebte,
dichtete sie zu ihrer Erlösung den Ro-
man "Coeur de femme" (1895), der
den Romanpreis des Genfer Jnsti-
tuts erhielt. Dann folgten schwere
Jahre der Trübsal u. Trauer: 1884
verlor Jsabelle ihren Bruder Jwan
und ihren Vater, später ihren Groß-
vater, den bekannten Augenarzt und
Ständerat Ferdinand K., ihre Schwe-
ster Fatina, die beim Begießen der
Blumen aus dem Fenster stürzte, und
eine zweite Schwester, die in den
Fluten des Zuger Sees ertrank. Jn
tiefer Seele erschüttert, wurde die
Dichterin selbst lungenleidend und
mußte auf den hohen Bergen von
Leysin und an der Riviera Heilung
suchen. Jn dieser Stimmung schrieb
sie ihre Gedichte "Des ailes" (1897).
Jetzt nur noch mit ihrer Mutter ver-
eint, lebte sie nur noch für diese und
für die Poesie. So entstanden die
Romane "La Sorciere" (1896),
"Hero"
(1896) und "Notre pere qui-
etes aux cieux"
(1900). Ende der
neunziger Jahre verließ Jsabelle mit
ihrer Mutter Bethlehem und grün-
dete sich nach kurzem Aufenthalt in
Zürich ein gemütliches Heim aus dem
Erlös ihrer Feder in Beggenried am
Vierwaldstädter See, wo sie noch jetzt,
nachdem sie 1906 auch ihre Mutter
durch den Tod verloren, die Som-
mermonate verbringt, während sie
im Winter gewöhnlich in Paris weilt.
Jn französischer Sprache schrieb sie
noch "Vive le roi!" (R. a. d. Vendee,
1903), "L'eclair dans la voile" (R.,
1907) und "Mercienne de Flüe"
(1909); in deutscher Sprache aber

S:

Wenn die Sonne untergeht (Nn.),
1901. 3. A. 1910 (Jnhalt: Sein letz-
ter Wille. - Der Herr Marquis. - Auf

*


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Kai
ſtück), 1874. – Ein Pfaffenleben (R.);
II, 1872. – Unter dem alten Fritz und
Kaiſer Joſeph (Hiſt. R.); II, 1877.

*Kaiſer, Heinrich,

geb. 1864 in
Wien, beſuchte die Volksſchule daſelbſt
und darauf ſämtliche Klaſſen des Real-
gymnaſiums des Dr. Ernſt Zeidler in
Dresden, worauf er 1883 zur Handels-
akademie in Wien übertrat, an welcher
er zwei Jahre ſtudierte. Danach wid-
mete er ſich dem Bankfache und iſt auch
noch heute in demſelben tätig. Die
trockene Beſchäftigung der Buchhal-
tung genügte ihm aber nicht allein,
und ſo machte ſich bei ihm bald der
Drang zur ſchriftſtelleriſchen Tätigkeit
geltend. Nachdem er ein Jahr lang
Mitarbeiter beſonders humoriſtiſcher
Blätter geweſen, gründete er 1897 die
„Allgemeinen Sportnachrichten“ des
Deutſchen Volksblattes, und es gelang
ihm durch ſeine Satire und ſchneidigen
Artikel, ihnen einen ausgebreiteten
Leſerkreis zu verſchaffen.

S:

Sport-
bilder (Hum. u. Novelletten), 1900. –
Der letzte Streich (P.), 1900. – Jm
Reiche des Sportes (Geſangsburleske),
1902.

Kaiſer, Jſabelle,

geb. am 2. Oktbr.
1866 in Beggenried am Vierwald-
ſtädter See (Schweiz), kam als Kind
von zwei Jahren mit den Eltern nach
Genf, wo ihr Vater, der „Komman-
dant“ Ferdinand K., der eine große
Vorliebe für Geſchichte wie für Ro-
mantik beſaß, die Zeitung „La Suisse“
gründete und als Deputierter im
Großen Rat auch am politiſchen Leben
teilnahm. Auf ſeinen Wunſch erhiel-
ten ſeine Kinder eine durchaus fran-
zöſiſche Erziehung, und Jſabelle hat
aus dem Munde der Eltern nie ein
deutſches Wort gehört. Mit 13 Jah-
ren kam ſie mit Eltern und Geſchwi-
ſtern in die deutſche Schweiz zurück,
wo die Familie nach dem Tode des
Onkels die großväterliche Beſitzung
Bethlehem am Zuger See übernahm.
Auf dieſem ſchönen Landſitz verlebte
Jſabelle glückliche Jahre; hier ſchrieb
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Kai
ſie auch mit 15 Jahren ihren erſten
franzöſiſchen Roman und drei Jahre
ſpäter wurde ihr in Frankreich bei
einem Wettbewerb für ihre Novelle
„Gloria victis!“ der erſte Preis zu-
erkannt. Als ſie die große Enttäu-
ſchung der erſten Liebe durchlebte,
dichtete ſie zu ihrer Erlöſung den Ro-
man „Cœur de femme“ (1895), der
den Romanpreis des Genfer Jnſti-
tuts erhielt. Dann folgten ſchwere
Jahre der Trübſal u. Trauer: 1884
verlor Jſabelle ihren Bruder Jwan
und ihren Vater, ſpäter ihren Groß-
vater, den bekannten Augenarzt und
Ständerat Ferdinand K., ihre Schwe-
ſter Fatina, die beim Begießen der
Blumen aus dem Fenſter ſtürzte, und
eine zweite Schweſter, die in den
Fluten des Zuger Sees ertrank. Jn
tiefer Seele erſchüttert, wurde die
Dichterin ſelbſt lungenleidend und
mußte auf den hohen Bergen von
Leyſin und an der Riviera Heilung
ſuchen. Jn dieſer Stimmung ſchrieb
ſie ihre Gedichte „Des ailes“ (1897).
Jetzt nur noch mit ihrer Mutter ver-
eint, lebte ſie nur noch für dieſe und
für die Poeſie. So entſtanden die
Romane „La Sorcière“ (1896),
„Héro“
(1896) und „Notre père qui-
êtes aux cieux“
(1900). Ende der
neunziger Jahre verließ Jſabelle mit
ihrer Mutter Bethlehem und grün-
dete ſich nach kurzem Aufenthalt in
Zürich ein gemütliches Heim aus dem
Erlös ihrer Feder in Beggenried am
Vierwaldſtädter See, wo ſie noch jetzt,
nachdem ſie 1906 auch ihre Mutter
durch den Tod verloren, die Som-
mermonate verbringt, während ſie
im Winter gewöhnlich in Paris weilt.
Jn franzöſiſcher Sprache ſchrieb ſie
noch „Vive le roi!“ (R. a. d. Vendée,
1903), „L’éclair dans la voile“ (R.,
1907) und „Mercienne de Flüe“
(1909); in deutſcher Sprache aber

S:

Wenn die Sonne untergeht (Nn.),
1901. 3. A. 1910 (Jnhalt: Sein letz-
ter Wille. – Der Herr Marquis. – Auf

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[397/0401] Kai Kai ſtück), 1874. – Ein Pfaffenleben (R.); II, 1872. – Unter dem alten Fritz und Kaiſer Joſeph (Hiſt. R.); II, 1877. *Kaiſer, Heinrich, geb. 1864 in Wien, beſuchte die Volksſchule daſelbſt und darauf ſämtliche Klaſſen des Real- gymnaſiums des Dr. Ernſt Zeidler in Dresden, worauf er 1883 zur Handels- akademie in Wien übertrat, an welcher er zwei Jahre ſtudierte. Danach wid- mete er ſich dem Bankfache und iſt auch noch heute in demſelben tätig. Die trockene Beſchäftigung der Buchhal- tung genügte ihm aber nicht allein, und ſo machte ſich bei ihm bald der Drang zur ſchriftſtelleriſchen Tätigkeit geltend. Nachdem er ein Jahr lang Mitarbeiter beſonders humoriſtiſcher Blätter geweſen, gründete er 1897 die „Allgemeinen Sportnachrichten“ des Deutſchen Volksblattes, und es gelang ihm durch ſeine Satire und ſchneidigen Artikel, ihnen einen ausgebreiteten Leſerkreis zu verſchaffen. S: Sport- bilder (Hum. u. Novelletten), 1900. – Der letzte Streich (P.), 1900. – Jm Reiche des Sportes (Geſangsburleske), 1902. Kaiſer, Jſabelle, geb. am 2. Oktbr. 1866 in Beggenried am Vierwald- ſtädter See (Schweiz), kam als Kind von zwei Jahren mit den Eltern nach Genf, wo ihr Vater, der „Komman- dant“ Ferdinand K., der eine große Vorliebe für Geſchichte wie für Ro- mantik beſaß, die Zeitung „La Suisse“ gründete und als Deputierter im Großen Rat auch am politiſchen Leben teilnahm. Auf ſeinen Wunſch erhiel- ten ſeine Kinder eine durchaus fran- zöſiſche Erziehung, und Jſabelle hat aus dem Munde der Eltern nie ein deutſches Wort gehört. Mit 13 Jah- ren kam ſie mit Eltern und Geſchwi- ſtern in die deutſche Schweiz zurück, wo die Familie nach dem Tode des Onkels die großväterliche Beſitzung Bethlehem am Zuger See übernahm. Auf dieſem ſchönen Landſitz verlebte Jſabelle glückliche Jahre; hier ſchrieb ſie auch mit 15 Jahren ihren erſten franzöſiſchen Roman und drei Jahre ſpäter wurde ihr in Frankreich bei einem Wettbewerb für ihre Novelle „Gloria victis!“ der erſte Preis zu- erkannt. Als ſie die große Enttäu- ſchung der erſten Liebe durchlebte, dichtete ſie zu ihrer Erlöſung den Ro- man „Cœur de femme“ (1895), der den Romanpreis des Genfer Jnſti- tuts erhielt. Dann folgten ſchwere Jahre der Trübſal u. Trauer: 1884 verlor Jſabelle ihren Bruder Jwan und ihren Vater, ſpäter ihren Groß- vater, den bekannten Augenarzt und Ständerat Ferdinand K., ihre Schwe- ſter Fatina, die beim Begießen der Blumen aus dem Fenſter ſtürzte, und eine zweite Schweſter, die in den Fluten des Zuger Sees ertrank. Jn tiefer Seele erſchüttert, wurde die Dichterin ſelbſt lungenleidend und mußte auf den hohen Bergen von Leyſin und an der Riviera Heilung ſuchen. Jn dieſer Stimmung ſchrieb ſie ihre Gedichte „Des ailes“ (1897). Jetzt nur noch mit ihrer Mutter ver- eint, lebte ſie nur noch für dieſe und für die Poeſie. So entſtanden die Romane „La Sorcière“ (1896), „Héro“ (1896) und „Notre père qui- êtes aux cieux“ (1900). Ende der neunziger Jahre verließ Jſabelle mit ihrer Mutter Bethlehem und grün- dete ſich nach kurzem Aufenthalt in Zürich ein gemütliches Heim aus dem Erlös ihrer Feder in Beggenried am Vierwaldſtädter See, wo ſie noch jetzt, nachdem ſie 1906 auch ihre Mutter durch den Tod verloren, die Som- mermonate verbringt, während ſie im Winter gewöhnlich in Paris weilt. Jn franzöſiſcher Sprache ſchrieb ſie noch „Vive le roi!“ (R. a. d. Vendée, 1903), „L’éclair dans la voile“ (R., 1907) und „Mercienne de Flüe“ (1909); in deutſcher Sprache aber S: Wenn die Sonne untergeht (Nn.), 1901. 3. A. 1910 (Jnhalt: Sein letz- ter Wille. – Der Herr Marquis. – Auf *

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Zitationshilfe: Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 3. 6. Aufl. Leipzig, 1913, S. 397. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bruemmer_lexikon03_1913/401>, abgerufen am 21.03.2019.