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Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 3. 6. Aufl. Leipzig, 1913.

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Kin
Drama "Prexaspes" und ein Epos
"Der Triumph des Kreuzes". Jm
Herbste 1835 kehrte K. nach Bonn
zurück, hörte noch einzelne Kollegien,
machte dann 1836 sein Lizentiaten-
examen und habilitierte sich 1837 in
Bonn als Privatdozent der Theolo-
gie, besonders für das Fach der Kir-
chengeschichte. Jm Oktbr. 1837 unter-
nahm er eine größere Reise durch die
Schweiz und Südfrankreich nach Rom,
wo er mit großem Eifer antike und
mittelalterliche Kunst studierte. Seine
Reise bis Neapel ausdehnend, kehrte
er im März 1838 über Florenz nach
Bonn zurück und hielt hier mit fort-
während steigendem Erfolge Vor-
lesungen über allgemeine Kultur-
geschichte und die Kirchengeschichte der
drei ersten christlichen Jahrhunderte.
Jetzt trat er auch in nähere Berüh-
rung mit den rheinischen Dichtern
Geibel, Freiligrath, Simrock, Matze-
rath, Wolfgang Müller, und nament-
lich der erstere ermunterte ihn zu poe-
tischer Beschäftigung. Jm Jahre 1840
wurde K. Religionslehrer am Gym-
nasium in Bonn u. bald darauf auch
Hilfsprediger der evangelischen Ge-
meinde in Köln, verheiratete sich 1843
mit Johanna Matthieux (s. d. Fol-
gende!), brach dann mit der Theologie,
trat 1844 zur philosophischen Fakul-
tät über, machte noch in demselben
Jahre eine Reise nach Belgien, ver-
öffentlichte 1845 die erste Lieferung
seiner "Geschichte der bildenden Künste
bei den christlichen Völkern", enthal-
tend "Die altchristliche Kunst", und
wurde 1846 zum außerordentlichen
Professor der Kunst- und Kultur-
geschichte ernannt. Jm verhängnis-
vollen Jahre 1848 trat er in die preu-
ßische Nationalversammlung ein, nach
deren Auflösung er sich entschieden
der republikanischen Partei anschloß,
und beteiligte sich an der Erstürmung
des Zeughauses in Siegburg und an
dem badisch-psälzischen Aufstande.
Am 29. Juni 1849 verwundet und ge-
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Kin
fangen, wurde er zu lebenslänglicher
Zuchthausstrafe verurteilt, die er zu
Naugard in Pommern antrat. Von
hier bald nach Spandau versetzt,
gelang im November 1850 seine
Befreiung durch den Studiosus Karl
Schurz, der den Befreiten durch Meck-
lenburg nach England in Sicherheit
brachte. Nach einem im Jahre 1851
unternommenen Ausfluge nach Nord-
amerika ließ sich K. in London nieder,
wurde 1853 Professor der deutschen
Sprache und Literatur am Hyde Park
College,
später am Bedford College,
1863 königlicher Examinator für die
Londoner Universität, 1865 ein glei-
ches für Woolwich und andere Regie-
rungsanstalten. Jn den Jahren 1865
bis 1866 hielt er vor Deutschen in
Paris öffentl. Vorträge über Kunst-
geschichte, und nahm dann im Oktbr.
1866 einen Ruf als Professor der
Kunstgeschichte am Polytechnikum in
Zürich an. Hier starb er am 12. Nov.
1882. Am 29. Juni 1906 wurde sein
Denkmal in Oberstein enthüllt.

S:


Gedichte, 1843. 7. A. 1872. - König
Lothar von Lothringen (Tr.), 1842. -
Otto der Schütz (Ep. D.), 1846. 79. A.
1900. - Erzählungen von Gottfried
und Johanna K., 1849. - Nimrod
(Tr.), 1857. - Gedichte, 2. Sammlg.,
1868. - Der Grobschmied von Ant-
werpen (Ep. D.), 1872. 4. A. 1887. -
Mosaik zur Kunstgeschichte, 1876. -
Tanagra (Jdylle aus Griechenland),
1883.

Kinkel, Johanna,

war die Tochter
des Gymnasiallehrers Mockel in
Bonn, wo sie am 8. Juli 1810 geboren
wurde. Schon in frühester Jugend
entwickelte sie ein beachtenswertes
musikalisches Talent und genoß den
Unterricht des berühmten Kapell-
meisters Franz Rieß, des ersten Leh-
rers Beethovens. Jm 22. Jahre ver-
mählte sie sich mit dem Buchhändler
Matthieux in Köln, trennte sich aber
schon nach einem halben Jahre auf
immer von ihm und lebte in den fol-

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Kin
Drama „Prexaspes“ und ein Epos
„Der Triumph des Kreuzes“. Jm
Herbſte 1835 kehrte K. nach Bonn
zurück, hörte noch einzelne Kollegien,
machte dann 1836 ſein Lizentiaten-
examen und habilitierte ſich 1837 in
Bonn als Privatdozent der Theolo-
gie, beſonders für das Fach der Kir-
chengeſchichte. Jm Oktbr. 1837 unter-
nahm er eine größere Reiſe durch die
Schweiz und Südfrankreich nach Rom,
wo er mit großem Eifer antike und
mittelalterliche Kunſt ſtudierte. Seine
Reiſe bis Neapel ausdehnend, kehrte
er im März 1838 über Florenz nach
Bonn zurück und hielt hier mit fort-
während ſteigendem Erfolge Vor-
leſungen über allgemeine Kultur-
geſchichte und die Kirchengeſchichte der
drei erſten chriſtlichen Jahrhunderte.
Jetzt trat er auch in nähere Berüh-
rung mit den rheiniſchen Dichtern
Geibel, Freiligrath, Simrock, Matze-
rath, Wolfgang Müller, und nament-
lich der erſtere ermunterte ihn zu poe-
tiſcher Beſchäftigung. Jm Jahre 1840
wurde K. Religionslehrer am Gym-
naſium in Bonn u. bald darauf auch
Hilfsprediger der evangeliſchen Ge-
meinde in Köln, verheiratete ſich 1843
mit Johanna Matthieux (ſ. d. Fol-
gende!), brach dann mit der Theologie,
trat 1844 zur philoſophiſchen Fakul-
tät über, machte noch in demſelben
Jahre eine Reiſe nach Belgien, ver-
öffentlichte 1845 die erſte Lieferung
ſeiner „Geſchichte der bildenden Künſte
bei den chriſtlichen Völkern“, enthal-
tend „Die altchriſtliche Kunſt“, und
wurde 1846 zum außerordentlichen
Profeſſor der Kunſt- und Kultur-
geſchichte ernannt. Jm verhängnis-
vollen Jahre 1848 trat er in die preu-
ßiſche Nationalverſammlung ein, nach
deren Auflöſung er ſich entſchieden
der republikaniſchen Partei anſchloß,
und beteiligte ſich an der Erſtürmung
des Zeughauſes in Siegburg und an
dem badiſch-pſälziſchen Aufſtande.
Am 29. Juni 1849 verwundet und ge-
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Kin
fangen, wurde er zu lebenslänglicher
Zuchthausſtrafe verurteilt, die er zu
Naugard in Pommern antrat. Von
hier bald nach Spandau verſetzt,
gelang im November 1850 ſeine
Befreiung durch den Studioſus Karl
Schurz, der den Befreiten durch Meck-
lenburg nach England in Sicherheit
brachte. Nach einem im Jahre 1851
unternommenen Ausfluge nach Nord-
amerika ließ ſich K. in London nieder,
wurde 1853 Profeſſor der deutſchen
Sprache und Literatur am Hyde Park
College,
ſpäter am Bedford College,
1863 königlicher Examinator für die
Londoner Univerſität, 1865 ein glei-
ches für Woolwich und andere Regie-
rungsanſtalten. Jn den Jahren 1865
bis 1866 hielt er vor Deutſchen in
Paris öffentl. Vorträge über Kunſt-
geſchichte, und nahm dann im Oktbr.
1866 einen Ruf als Profeſſor der
Kunſtgeſchichte am Polytechnikum in
Zürich an. Hier ſtarb er am 12. Nov.
1882. Am 29. Juni 1906 wurde ſein
Denkmal in Oberſtein enthüllt.

S:


Gedichte, 1843. 7. A. 1872. – König
Lothar von Lothringen (Tr.), 1842. –
Otto der Schütz (Ep. D.), 1846. 79. A.
1900. – Erzählungen von Gottfried
und Johanna K., 1849. – Nimrod
(Tr.), 1857. – Gedichte, 2. Sammlg.,
1868. – Der Grobſchmied von Ant-
werpen (Ep. D.), 1872. 4. A. 1887. –
Moſaik zur Kunſtgeſchichte, 1876. –
Tanagra (Jdylle aus Griechenland),
1883.

Kinkel, Johanna,

war die Tochter
des Gymnaſiallehrers Mockel in
Bonn, wo ſie am 8. Juli 1810 geboren
wurde. Schon in früheſter Jugend
entwickelte ſie ein beachtenswertes
muſikaliſches Talent und genoß den
Unterricht des berühmten Kapell-
meiſters Franz Rieß, des erſten Leh-
rers Beethovens. Jm 22. Jahre ver-
mählte ſie ſich mit dem Buchhändler
Matthieux in Köln, trennte ſich aber
ſchon nach einem halben Jahre auf
immer von ihm und lebte in den fol-

*
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[463/0467] Kin Kin Drama „Prexaspes“ und ein Epos „Der Triumph des Kreuzes“. Jm Herbſte 1835 kehrte K. nach Bonn zurück, hörte noch einzelne Kollegien, machte dann 1836 ſein Lizentiaten- examen und habilitierte ſich 1837 in Bonn als Privatdozent der Theolo- gie, beſonders für das Fach der Kir- chengeſchichte. Jm Oktbr. 1837 unter- nahm er eine größere Reiſe durch die Schweiz und Südfrankreich nach Rom, wo er mit großem Eifer antike und mittelalterliche Kunſt ſtudierte. Seine Reiſe bis Neapel ausdehnend, kehrte er im März 1838 über Florenz nach Bonn zurück und hielt hier mit fort- während ſteigendem Erfolge Vor- leſungen über allgemeine Kultur- geſchichte und die Kirchengeſchichte der drei erſten chriſtlichen Jahrhunderte. Jetzt trat er auch in nähere Berüh- rung mit den rheiniſchen Dichtern Geibel, Freiligrath, Simrock, Matze- rath, Wolfgang Müller, und nament- lich der erſtere ermunterte ihn zu poe- tiſcher Beſchäftigung. Jm Jahre 1840 wurde K. Religionslehrer am Gym- naſium in Bonn u. bald darauf auch Hilfsprediger der evangeliſchen Ge- meinde in Köln, verheiratete ſich 1843 mit Johanna Matthieux (ſ. d. Fol- gende!), brach dann mit der Theologie, trat 1844 zur philoſophiſchen Fakul- tät über, machte noch in demſelben Jahre eine Reiſe nach Belgien, ver- öffentlichte 1845 die erſte Lieferung ſeiner „Geſchichte der bildenden Künſte bei den chriſtlichen Völkern“, enthal- tend „Die altchriſtliche Kunſt“, und wurde 1846 zum außerordentlichen Profeſſor der Kunſt- und Kultur- geſchichte ernannt. Jm verhängnis- vollen Jahre 1848 trat er in die preu- ßiſche Nationalverſammlung ein, nach deren Auflöſung er ſich entſchieden der republikaniſchen Partei anſchloß, und beteiligte ſich an der Erſtürmung des Zeughauſes in Siegburg und an dem badiſch-pſälziſchen Aufſtande. Am 29. Juni 1849 verwundet und ge- fangen, wurde er zu lebenslänglicher Zuchthausſtrafe verurteilt, die er zu Naugard in Pommern antrat. Von hier bald nach Spandau verſetzt, gelang im November 1850 ſeine Befreiung durch den Studioſus Karl Schurz, der den Befreiten durch Meck- lenburg nach England in Sicherheit brachte. Nach einem im Jahre 1851 unternommenen Ausfluge nach Nord- amerika ließ ſich K. in London nieder, wurde 1853 Profeſſor der deutſchen Sprache und Literatur am Hyde Park College, ſpäter am Bedford College, 1863 königlicher Examinator für die Londoner Univerſität, 1865 ein glei- ches für Woolwich und andere Regie- rungsanſtalten. Jn den Jahren 1865 bis 1866 hielt er vor Deutſchen in Paris öffentl. Vorträge über Kunſt- geſchichte, und nahm dann im Oktbr. 1866 einen Ruf als Profeſſor der Kunſtgeſchichte am Polytechnikum in Zürich an. Hier ſtarb er am 12. Nov. 1882. Am 29. Juni 1906 wurde ſein Denkmal in Oberſtein enthüllt. S: Gedichte, 1843. 7. A. 1872. – König Lothar von Lothringen (Tr.), 1842. – Otto der Schütz (Ep. D.), 1846. 79. A. 1900. – Erzählungen von Gottfried und Johanna K., 1849. – Nimrod (Tr.), 1857. – Gedichte, 2. Sammlg., 1868. – Der Grobſchmied von Ant- werpen (Ep. D.), 1872. 4. A. 1887. – Moſaik zur Kunſtgeſchichte, 1876. – Tanagra (Jdylle aus Griechenland), 1883. Kinkel, Johanna, war die Tochter des Gymnaſiallehrers Mockel in Bonn, wo ſie am 8. Juli 1810 geboren wurde. Schon in früheſter Jugend entwickelte ſie ein beachtenswertes muſikaliſches Talent und genoß den Unterricht des berühmten Kapell- meiſters Franz Rieß, des erſten Leh- rers Beethovens. Jm 22. Jahre ver- mählte ſie ſich mit dem Buchhändler Matthieux in Köln, trennte ſich aber ſchon nach einem halben Jahre auf immer von ihm und lebte in den fol- *

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Zitationshilfe: Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 3. 6. Aufl. Leipzig, 1913, S. 463. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bruemmer_lexikon03_1913/467>, abgerufen am 19.03.2019.