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Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 4. 6. Aufl. Leipzig, 1913.

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Kur
Eine schwere Lungenentzündung setzte
am 27. April 1904 seinem Leben ein
Ziel.

S:

Toskanische Volkslieder,
übers., 1904. - Gedichte (hrsg. v. s.
Schwester Jsolde Kurz), 1904.

Kurz (oder, wie er sich vor 1848
schrieb: Kurtz), Hermann,

wurde am
30. November 1813 zu Reutlingen in
Württemberg geboren, wo sein Va-
ter, ein freisinniger, begabter Mann,
als Kaufmann ansässig war. Nach
dem frühen Tode desselben blieb der
Sohn bis zur Vollendung seiner
Schuljahre unter Leitung seiner treff-
lichen Mutter, besuchte dann die Klo-
sterschule in Maulbronn u. studierte
1831-35 im Stift zu Tübingen Theo-
logie. Wegen seiner satirischen Aus-
fälle, beißenden Epigramme u. wegen
Verletzung der strengen Regeln des
Stifts wurde er endlich aus demsel-
ben verwiesen. Er ging nun nach
Stuttgart, vollendete hier seine Stu-
dien, bestand im Herbst 1835 das
theologische Examen und übernahm
dann die Stelle eines Vikars bei sei-
nem Oheim, Pfarrer Mohr in Ehnin-
gen. Aber schon nach kurzer Zeit gab
er die theologische Laufbahn auf und
privatisierte, schriftstellerisch beschäf-
tigt, an verschiedenen Orten Würt-
tembergs, meist aber in Stuttgart.
Hier verkehrte er in dem Kreise geist-
voller Männer, wie L. Seeger, Mö-
rike, G. Schwab, Kerner, Lenau und
anderer, so daß diese Zeit, trotz aller
äußeren Not, zu seiner glücklichsten
und fruchtbarsten gehörte. Jm Herbst
1844 folgte er einer Einladung nach
Karlsruhe, sich an der Redaktion einer
illustrierten Zeitschrift, des "Deut-
schen Familienbuches zur Belehrung
und Unterhaltung" zu beteiligen, und
blieb hier bis 1848. Dann kehrte er
nach Stuttgart zurück, wo er die Re-
daktion des "Beobachters" (bis 1849
mit L. Weißer, und seitdem sieben
Jahre allein) führte. Mitten in die-
ser politischen Tätigkeit, die ihm ein-
mal im Sommer 1851 wegen Ehren-
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Kur
kränkung höherer Beamten in einem
Artikel eine dreiwöchige Haft auf
Hohenasperg eintrug, fand er in einer
Gesinnungsgenossin die Lebensge-
fährtin: er schloß 1851 mit Maria von
Brunnow eine trotz aller materiellen
Sorgen glückliche Ehe. Besonders die
nun folgenden Jahre von 1856-63
waren die bitterste Zeit seines Lebens;
häusliche Sorgen u. materielle Not,
Nervenleiden und das nagende Ge-
fühl der Verkennung lasteten schwer
auf ihm. Wohl hat er in dieser Zeit
noch mancherlei veröffentlicht, aber
die volle dichterische Schaffensfreu-
digkeit war gebrochen. Von Stutt-
gart zog er sich auf stille Dörfer zurück,
nach Ober-Eßlingen, nach Kirchheim
und Weilheim an der Teck. Eine
Stütze fand der Vielverkannte seit
1859 in der Freundschaft Paul Heyses.
Seit 1860 verlieh ihm die Schiller-
Stiftung einen Ehrensold, und 1863
wurde er im Herbst zum zweiten
Unterbibliothekar der Universitäts-
bibliothek zu Tübingen ernannt. Diese
zwar bescheidene Stellung schützte ihn
wenigstens vor Mangel u. schuf ihm
für seine letzten Lebensjahre eine
ruhige Zuflucht. Für seine meister-
hafte Übertragung von Gottfrieds
von Straßburg "Tristan und Jsolde"
(1844, 2. A. 1847) und seine Über-
setzung von Ariostos "Rasendem Ro-
land" (1840) verlieh ihm die Univer-
sität Rostock das Diplom eines Dok-
tors der Philosophie. Kurz starb an
einem Herzschlage am 10. (nicht 11.)
Oktbr. 1873.

S:

Ausgewählte Poe-
sien v. Lord Byron, Thomas Moore,
Walter Scott und andern in teutschen
Übertragungen, 1832. - Das ärger-
liche Leben und schreckliche Ende des
vielberüchtigten Erz-Schwarzkünst-
lers Johannes Fausti. Neu hrsg.
1834. 3. A. 1869. - Gedichte, 1836. -
Die vorgebliche Tante (Nachgelassene
Studenten-Novelle von Cervantes),
1836. - Genzianen (Ein Novellen-
strauß), 1837 (Jnhalt: Familienge-

*


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Kur
Eine ſchwere Lungenentzündung ſetzte
am 27. April 1904 ſeinem Leben ein
Ziel.

S:

Toskaniſche Volkslieder,
überſ., 1904. ‒ Gedichte (hrsg. v. ſ.
Schweſter Jſolde Kurz), 1904.

Kurz (oder, wie er ſich vor 1848
ſchrieb: Kurtz), Hermann,

wurde am
30. November 1813 zu Reutlingen in
Württemberg geboren, wo ſein Va-
ter, ein freiſinniger, begabter Mann,
als Kaufmann anſäſſig war. Nach
dem frühen Tode desſelben blieb der
Sohn bis zur Vollendung ſeiner
Schuljahre unter Leitung ſeiner treff-
lichen Mutter, beſuchte dann die Klo-
ſterſchule in Maulbronn u. ſtudierte
1831‒35 im Stift zu Tübingen Theo-
logie. Wegen ſeiner ſatiriſchen Aus-
fälle, beißenden Epigramme u. wegen
Verletzung der ſtrengen Regeln des
Stifts wurde er endlich aus demſel-
ben verwieſen. Er ging nun nach
Stuttgart, vollendete hier ſeine Stu-
dien, beſtand im Herbſt 1835 das
theologiſche Examen und übernahm
dann die Stelle eines Vikars bei ſei-
nem Oheim, Pfarrer Mohr in Ehnin-
gen. Aber ſchon nach kurzer Zeit gab
er die theologiſche Laufbahn auf und
privatiſierte, ſchriftſtelleriſch beſchäf-
tigt, an verſchiedenen Orten Würt-
tembergs, meiſt aber in Stuttgart.
Hier verkehrte er in dem Kreiſe geiſt-
voller Männer, wie L. Seeger, Mö-
rike, G. Schwab, Kerner, Lenau und
anderer, ſo daß dieſe Zeit, trotz aller
äußeren Not, zu ſeiner glücklichſten
und fruchtbarſten gehörte. Jm Herbſt
1844 folgte er einer Einladung nach
Karlsruhe, ſich an der Redaktion einer
illuſtrierten Zeitſchrift, des „Deut-
ſchen Familienbuches zur Belehrung
und Unterhaltung‟ zu beteiligen, und
blieb hier bis 1848. Dann kehrte er
nach Stuttgart zurück, wo er die Re-
daktion des „Beobachters‟ (bis 1849
mit L. Weißer, und ſeitdem ſieben
Jahre allein) führte. Mitten in die-
ſer politiſchen Tätigkeit, die ihm ein-
mal im Sommer 1851 wegen Ehren-
[Spaltenumbruch]

Kur
kränkung höherer Beamten in einem
Artikel eine dreiwöchige Haft auf
Hohenaſperg eintrug, fand er in einer
Geſinnungsgenoſſin die Lebensge-
fährtin: er ſchloß 1851 mit Maria von
Brunnow eine trotz aller materiellen
Sorgen glückliche Ehe. Beſonders die
nun folgenden Jahre von 1856‒63
waren die bitterſte Zeit ſeines Lebens;
häusliche Sorgen u. materielle Not,
Nervenleiden und das nagende Ge-
fühl der Verkennung laſteten ſchwer
auf ihm. Wohl hat er in dieſer Zeit
noch mancherlei veröffentlicht, aber
die volle dichteriſche Schaffensfreu-
digkeit war gebrochen. Von Stutt-
gart zog er ſich auf ſtille Dörfer zurück,
nach Ober-Eßlingen, nach Kirchheim
und Weilheim an der Teck. Eine
Stütze fand der Vielverkannte ſeit
1859 in der Freundſchaft Paul Heyſes.
Seit 1860 verlieh ihm die Schiller-
Stiftung einen Ehrenſold, und 1863
wurde er im Herbſt zum zweiten
Unterbibliothekar der Univerſitäts-
bibliothek zu Tübingen ernannt. Dieſe
zwar beſcheidene Stellung ſchützte ihn
wenigſtens vor Mangel u. ſchuf ihm
für ſeine letzten Lebensjahre eine
ruhige Zuflucht. Für ſeine meiſter-
hafte Übertragung von Gottfrieds
von Straßburg „Triſtan und Jſolde‟
(1844, 2. A. 1847) und ſeine Über-
ſetzung von Arioſtos „Raſendem Ro-
land‟ (1840) verlieh ihm die Univer-
ſität Roſtock das Diplom eines Dok-
tors der Philoſophie. Kurz ſtarb an
einem Herzſchlage am 10. (nicht 11.)
Oktbr. 1873.

S:

Ausgewählte Poe-
ſien v. Lord Byron, Thomas Moore,
Walter Scott und andern in teutſchen
Übertragungen, 1832. ‒ Das ärger-
liche Leben und ſchreckliche Ende des
vielberüchtigten Erz-Schwarzkünſt-
lers Johannes Fauſti. Neu hrsg.
1834. 3. A. 1869. ‒ Gedichte, 1836. ‒
Die vorgebliche Tante (Nachgelaſſene
Studenten-Novelle von Cervantes),
1836. ‒ Genzianen (Ein Novellen-
ſtrauß), 1837 (Jnhalt: Familienge-

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[152/0156] Kur Kur Eine ſchwere Lungenentzündung ſetzte am 27. April 1904 ſeinem Leben ein Ziel. S: Toskaniſche Volkslieder, überſ., 1904. ‒ Gedichte (hrsg. v. ſ. Schweſter Jſolde Kurz), 1904. Kurz (oder, wie er ſich vor 1848 ſchrieb: Kurtz), Hermann, wurde am 30. November 1813 zu Reutlingen in Württemberg geboren, wo ſein Va- ter, ein freiſinniger, begabter Mann, als Kaufmann anſäſſig war. Nach dem frühen Tode desſelben blieb der Sohn bis zur Vollendung ſeiner Schuljahre unter Leitung ſeiner treff- lichen Mutter, beſuchte dann die Klo- ſterſchule in Maulbronn u. ſtudierte 1831‒35 im Stift zu Tübingen Theo- logie. Wegen ſeiner ſatiriſchen Aus- fälle, beißenden Epigramme u. wegen Verletzung der ſtrengen Regeln des Stifts wurde er endlich aus demſel- ben verwieſen. Er ging nun nach Stuttgart, vollendete hier ſeine Stu- dien, beſtand im Herbſt 1835 das theologiſche Examen und übernahm dann die Stelle eines Vikars bei ſei- nem Oheim, Pfarrer Mohr in Ehnin- gen. Aber ſchon nach kurzer Zeit gab er die theologiſche Laufbahn auf und privatiſierte, ſchriftſtelleriſch beſchäf- tigt, an verſchiedenen Orten Würt- tembergs, meiſt aber in Stuttgart. Hier verkehrte er in dem Kreiſe geiſt- voller Männer, wie L. Seeger, Mö- rike, G. Schwab, Kerner, Lenau und anderer, ſo daß dieſe Zeit, trotz aller äußeren Not, zu ſeiner glücklichſten und fruchtbarſten gehörte. Jm Herbſt 1844 folgte er einer Einladung nach Karlsruhe, ſich an der Redaktion einer illuſtrierten Zeitſchrift, des „Deut- ſchen Familienbuches zur Belehrung und Unterhaltung‟ zu beteiligen, und blieb hier bis 1848. Dann kehrte er nach Stuttgart zurück, wo er die Re- daktion des „Beobachters‟ (bis 1849 mit L. Weißer, und ſeitdem ſieben Jahre allein) führte. Mitten in die- ſer politiſchen Tätigkeit, die ihm ein- mal im Sommer 1851 wegen Ehren- kränkung höherer Beamten in einem Artikel eine dreiwöchige Haft auf Hohenaſperg eintrug, fand er in einer Geſinnungsgenoſſin die Lebensge- fährtin: er ſchloß 1851 mit Maria von Brunnow eine trotz aller materiellen Sorgen glückliche Ehe. Beſonders die nun folgenden Jahre von 1856‒63 waren die bitterſte Zeit ſeines Lebens; häusliche Sorgen u. materielle Not, Nervenleiden und das nagende Ge- fühl der Verkennung laſteten ſchwer auf ihm. Wohl hat er in dieſer Zeit noch mancherlei veröffentlicht, aber die volle dichteriſche Schaffensfreu- digkeit war gebrochen. Von Stutt- gart zog er ſich auf ſtille Dörfer zurück, nach Ober-Eßlingen, nach Kirchheim und Weilheim an der Teck. Eine Stütze fand der Vielverkannte ſeit 1859 in der Freundſchaft Paul Heyſes. Seit 1860 verlieh ihm die Schiller- Stiftung einen Ehrenſold, und 1863 wurde er im Herbſt zum zweiten Unterbibliothekar der Univerſitäts- bibliothek zu Tübingen ernannt. Dieſe zwar beſcheidene Stellung ſchützte ihn wenigſtens vor Mangel u. ſchuf ihm für ſeine letzten Lebensjahre eine ruhige Zuflucht. Für ſeine meiſter- hafte Übertragung von Gottfrieds von Straßburg „Triſtan und Jſolde‟ (1844, 2. A. 1847) und ſeine Über- ſetzung von Arioſtos „Raſendem Ro- land‟ (1840) verlieh ihm die Univer- ſität Roſtock das Diplom eines Dok- tors der Philoſophie. Kurz ſtarb an einem Herzſchlage am 10. (nicht 11.) Oktbr. 1873. S: Ausgewählte Poe- ſien v. Lord Byron, Thomas Moore, Walter Scott und andern in teutſchen Übertragungen, 1832. ‒ Das ärger- liche Leben und ſchreckliche Ende des vielberüchtigten Erz-Schwarzkünſt- lers Johannes Fauſti. Neu hrsg. 1834. 3. A. 1869. ‒ Gedichte, 1836. ‒ Die vorgebliche Tante (Nachgelaſſene Studenten-Novelle von Cervantes), 1836. ‒ Genzianen (Ein Novellen- ſtrauß), 1837 (Jnhalt: Familienge- *

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Zitationshilfe: Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 4. 6. Aufl. Leipzig, 1913, S. 152. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bruemmer_lexikon04_1913/156>, abgerufen am 27.03.2019.