Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 4. 6. Aufl. Leipzig, 1913.

Bild:
<< vorherige Seite


[Spaltenumbruch]

Lan
Konsistorium zu Koblenz zugeteilt, u.
1875 wurde ihm der Titel eines Ober-
konsistorialrats verliehen. Er starb
am 8. (nicht 9.) Juli 1884. Außer
einer großen Anzahl theologischer
Werke, von denen besonders sein 36
Bände umfassendes exegetisch-homi-
letisches Bibelwerk und sein gegen
David Strauß gerichtetes "Leben
Jesu" hervorzuheben sind, veröffent-
lichte er

S:

Biblische Dichtungen;
2 Bdchn., 1832-34. - Kleine pole-
mische Gedichte, 1835. - Gedichte und
Sprüche a. d. Gebiete der christlichen
Naturbetrachtung, 1835. - Die Welt
des Herrn. (Jn didaktisch. Gesängen),
1835. - Die Verfinsterung der Welt
(Lehrgedichte u. Lr.), 1838. - Grund-
züge d. urchristlichen Botschaft, 1840. -
Vermischte Schriften; IV, 1841. Neue
Folge; II, 1860. - Gedichte, 1843. -
Deutsches Kirchenliederbuch, 1842 bis
1843. 2. Ausg. 1854. - Neutestament-
liche Zeitgedichte eines Hoffenden,
1849. - Vom Ölberge (Alte und neue
geistliche Lr.), 1852. Neue Ausg. 1858.
- Vom Krieg und Sieg (3 Vorträge),
1869. - Die protestantische Kirche u.
der Protestantenverein (Epigramma-
tische Ge.), 1872. - Wie definiert man
die Musik? (Eine Kultur- und Kunst-
frage), 1882. - Briefe eines kommu-
nistischen Propheten (Ein poetischer
Schattenriß der einstigen Union zwi-
schen der jesuitischen u. sozialistischen
Propaganda), o. J. - Goethes reli-
giöse Poesie (Abriß der Theologie,
dargestellt aus G. s poetischen Wer-
ken), o. J.

Lange, Karl Ernst Philipp,

psd.
Philipp Galen, wurde am 21.
Dezember 1813 zu Potsdam geboren,
wo sein Vater königl. Hofwundarzt
war, ein Mann, der äußerst reiche
und seltsame Jugendschicksale erlebt
hatte. Frühzeitig bekundeten sich die
poetischen Anlagen des Sohnes, der
unter dem Einfluß einer fein gebilde-
ten Mutter u. anderer geistig belebter
Frauen schon als Schüler des Gym-
[Spaltenumbruch]

Lan
nasiums manches Gedicht verfaßte.
Jm Jahre 1835 bezog er die Uni-
versität Berlin, wo er auf Wunsch des
Vaters, wenn auch gegen seine eigene
Neigung, Medizin studierte. Als Zög-
ling des Friedrich-Wilhelm-Jnstituts
konnte er bei sehr beschränkten Mit-
teln nur wenig von der goldenen
Freiheit des akademischen Lebens ge-
nießen; doch bot ihm einige Ent-
schädigung für diese Entbehrung das
Studium der Literatur, Ästhetik und
Geschichte und die sich ihm bald er-
schließenden Gelehrten- und Künstler-
kreise, denen er vielseitige Anregung
verdankte. So schrieb er noch als
Student sein historisches Charakter-
gemälde "Friedrich in Rheinsberg".
Nach seiner Promotion 1839 fungierte
L. als Chirurg an der Charite, seit
1840 als Kompagniechirurg, machte
1844 sein Staatsexamen und beschäf-
tigte sich dann besonders mit psychi-
atrischen Studien, die er in seinem
Romane "Der Jrre von St. James"
verwertete. Seit 1845 Oberarzt am
Potsdamer Kadettenhaus u. seit 1847
Bataillonsarzt in Bielefeld, machte er
1849 als Dirigent eines Feldlazaretts
den Feldzug in Schleswig mit, nahm
auch später an dem Einmarsch in Kur-
hessen teil. Jn Bielefeld hatte L. sei-
nen Hausstand gegründet; aber bei
dem kärglichen Gehalt, das ihm der
Staat zahlte, war er auf eine an-
strengende Bauernpraxis angewiesen,
um sich mit seiner Familie kümmerlich
ernähren zu können. Auf einem sol-
chen strapaziösen Krankengange durch
den Teutoburger Wald kam es ihm
zum Bewußtsein, daß seine körper-
lichen Kräfte für seinen schweren Be-
ruf nicht lange ausreichen würden,
und plötzlich erwachte von neuem die
alte Lust zu geistiger Arbeit, zum
Schreiben. Sich seine eigene Lage
vergegenwärtigend, dachte er, wie
wohl einem Menschen zumute sein
müsse, der so viel Geld hat, daß er
es nicht ausgeben kann. Und dieser

*


[Spaltenumbruch]

Lan
Konſiſtorium zu Koblenz zugeteilt, u.
1875 wurde ihm der Titel eines Ober-
konſiſtorialrats verliehen. Er ſtarb
am 8. (nicht 9.) Juli 1884. Außer
einer großen Anzahl theologiſcher
Werke, von denen beſonders ſein 36
Bände umfaſſendes exegetiſch-homi-
letiſches Bibelwerk und ſein gegen
David Strauß gerichtetes „Leben
Jeſu‟ hervorzuheben ſind, veröffent-
lichte er

S:

Bibliſche Dichtungen;
2 Bdchn., 1832‒34. ‒ Kleine pole-
miſche Gedichte, 1835. ‒ Gedichte und
Sprüche a. d. Gebiete der chriſtlichen
Naturbetrachtung, 1835. ‒ Die Welt
des Herrn. (Jn didaktiſch. Geſängen),
1835. ‒ Die Verfinſterung der Welt
(Lehrgedichte u. Lr.), 1838. ‒ Grund-
züge d. urchriſtlichen Botſchaft, 1840. ‒
Vermiſchte Schriften; IV, 1841. Neue
Folge; II, 1860. ‒ Gedichte, 1843. ‒
Deutſches Kirchenliederbuch, 1842 bis
1843. 2. Ausg. 1854. ‒ Neuteſtament-
liche Zeitgedichte eines Hoffenden,
1849. ‒ Vom Ölberge (Alte und neue
geiſtliche Lr.), 1852. Neue Ausg. 1858.
‒ Vom Krieg und Sieg (3 Vorträge),
1869. ‒ Die proteſtantiſche Kirche u.
der Proteſtantenverein (Epigramma-
tiſche Ge.), 1872. ‒ Wie definiert man
die Muſik? (Eine Kultur- und Kunſt-
frage), 1882. ‒ Briefe eines kommu-
niſtiſchen Propheten (Ein poetiſcher
Schattenriß der einſtigen Union zwi-
ſchen der jeſuitiſchen u. ſozialiſtiſchen
Propaganda), o. J. ‒ Goethes reli-
giöſe Poeſie (Abriß der Theologie,
dargeſtellt aus G. s poetiſchen Wer-
ken), o. J.

Lange, Karl Ernſt Philipp,

pſd.
Philipp Galen, wurde am 21.
Dezember 1813 zu Potsdam geboren,
wo ſein Vater königl. Hofwundarzt
war, ein Mann, der äußerſt reiche
und ſeltſame Jugendſchickſale erlebt
hatte. Frühzeitig bekundeten ſich die
poetiſchen Anlagen des Sohnes, der
unter dem Einfluß einer fein gebilde-
ten Mutter u. anderer geiſtig belebter
Frauen ſchon als Schüler des Gym-
[Spaltenumbruch]

Lan
naſiums manches Gedicht verfaßte.
Jm Jahre 1835 bezog er die Uni-
verſität Berlin, wo er auf Wunſch des
Vaters, wenn auch gegen ſeine eigene
Neigung, Medizin ſtudierte. Als Zög-
ling des Friedrich-Wilhelm-Jnſtituts
konnte er bei ſehr beſchränkten Mit-
teln nur wenig von der goldenen
Freiheit des akademiſchen Lebens ge-
nießen; doch bot ihm einige Ent-
ſchädigung für dieſe Entbehrung das
Studium der Literatur, Äſthetik und
Geſchichte und die ſich ihm bald er-
ſchließenden Gelehrten- und Künſtler-
kreiſe, denen er vielſeitige Anregung
verdankte. So ſchrieb er noch als
Student ſein hiſtoriſches Charakter-
gemälde „Friedrich in Rheinsberg‟.
Nach ſeiner Promotion 1839 fungierte
L. als Chirurg an der Charité, ſeit
1840 als Kompagniechirurg, machte
1844 ſein Staatsexamen und beſchäf-
tigte ſich dann beſonders mit pſychi-
atriſchen Studien, die er in ſeinem
Romane „Der Jrre von St. James‟
verwertete. Seit 1845 Oberarzt am
Potsdamer Kadettenhaus u. ſeit 1847
Bataillonsarzt in Bielefeld, machte er
1849 als Dirigent eines Feldlazaretts
den Feldzug in Schleswig mit, nahm
auch ſpäter an dem Einmarſch in Kur-
heſſen teil. Jn Bielefeld hatte L. ſei-
nen Hausſtand gegründet; aber bei
dem kärglichen Gehalt, das ihm der
Staat zahlte, war er auf eine an-
ſtrengende Bauernpraxis angewieſen,
um ſich mit ſeiner Familie kümmerlich
ernähren zu können. Auf einem ſol-
chen ſtrapaziöſen Krankengange durch
den Teutoburger Wald kam es ihm
zum Bewußtſein, daß ſeine körper-
lichen Kräfte für ſeinen ſchweren Be-
ruf nicht lange ausreichen würden,
und plötzlich erwachte von neuem die
alte Luſt zu geiſtiger Arbeit, zum
Schreiben. Sich ſeine eigene Lage
vergegenwärtigend, dachte er, wie
wohl einem Menſchen zumute ſein
müſſe, der ſo viel Geld hat, daß er
es nicht ausgeben kann. Und dieſer

*
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div type="index" n="1">
        <p><pb facs="#f0182" n="178"/><lb/><cb/><fw type="header" place="top"><hi rendition="#g">Lan</hi></fw><lb/>
Kon&#x017F;i&#x017F;torium zu Koblenz zugeteilt, u.<lb/>
1875 wurde ihm der Titel eines Ober-<lb/>
kon&#x017F;i&#x017F;torialrats verliehen. Er &#x017F;tarb<lb/>
am 8. (nicht 9.) Juli 1884. Außer<lb/>
einer großen Anzahl theologi&#x017F;cher<lb/>
Werke, von denen be&#x017F;onders &#x017F;ein 36<lb/>
Bände umfa&#x017F;&#x017F;endes exegeti&#x017F;ch-homi-<lb/>
leti&#x017F;ches Bibelwerk und &#x017F;ein gegen<lb/>
David Strauß gerichtetes &#x201E;Leben<lb/>
Je&#x017F;u&#x201F; hervorzuheben &#x017F;ind, veröffent-<lb/>
lichte er </p>
      </div><lb/>
      <div type="bibliography" n="1">
        <head> <hi rendition="#i">S:</hi> </head>
        <p> Bibli&#x017F;che Dichtungen;<lb/>
2 Bdchn., 1832&#x2012;34. &#x2012; Kleine pole-<lb/>
mi&#x017F;che Gedichte, 1835. &#x2012; Gedichte und<lb/>
Sprüche a. d. Gebiete der chri&#x017F;tlichen<lb/>
Naturbetrachtung, 1835. &#x2012; Die Welt<lb/>
des Herrn. (Jn didakti&#x017F;ch. Ge&#x017F;ängen),<lb/>
1835. &#x2012; Die Verfin&#x017F;terung der Welt<lb/>
(Lehrgedichte u. Lr.), 1838. &#x2012; Grund-<lb/>
züge d. urchri&#x017F;tlichen Bot&#x017F;chaft, 1840. &#x2012;<lb/>
Vermi&#x017F;chte Schriften; <hi rendition="#aq">IV</hi>, 1841. Neue<lb/>
Folge; <hi rendition="#aq">II</hi>, 1860. &#x2012; Gedichte, 1843. &#x2012;<lb/>
Deut&#x017F;ches Kirchenliederbuch, 1842 bis<lb/>
1843. 2. Ausg. 1854. &#x2012; Neute&#x017F;tament-<lb/>
liche Zeitgedichte eines Hoffenden,<lb/>
1849. &#x2012; Vom Ölberge (Alte und neue<lb/>
gei&#x017F;tliche Lr.), 1852. Neue Ausg. 1858.<lb/>
&#x2012; Vom Krieg und Sieg (3 Vorträge),<lb/>
1869. &#x2012; Die prote&#x017F;tanti&#x017F;che Kirche u.<lb/>
der Prote&#x017F;tantenverein (Epigramma-<lb/>
ti&#x017F;che Ge.), 1872. &#x2012; Wie definiert man<lb/>
die Mu&#x017F;ik? (Eine Kultur- und Kun&#x017F;t-<lb/>
frage), 1882. &#x2012; Briefe eines kommu-<lb/>
ni&#x017F;ti&#x017F;chen Propheten (Ein poeti&#x017F;cher<lb/>
Schattenriß der ein&#x017F;tigen Union zwi-<lb/>
&#x017F;chen der je&#x017F;uiti&#x017F;chen u. &#x017F;oziali&#x017F;ti&#x017F;chen<lb/>
Propaganda), o. J. &#x2012; Goethes reli-<lb/>
giö&#x017F;e Poe&#x017F;ie (Abriß der Theologie,<lb/>
darge&#x017F;tellt aus G. s poeti&#x017F;chen Wer-<lb/>
ken), o. J.</p><lb/>
      </div><lb/>
      <div type="index" n="1">
        <head><hi rendition="#b">Lange,</hi><hi rendition="#g">Karl</hi> Ern&#x017F;t Philipp,</head>
        <p> p&#x017F;d.<lb/><hi rendition="#g">Philipp Galen,</hi> wurde am 21.<lb/>
Dezember 1813 zu Potsdam geboren,<lb/>
wo &#x017F;ein Vater königl. Hofwundarzt<lb/>
war, ein Mann, der äußer&#x017F;t reiche<lb/>
und &#x017F;elt&#x017F;ame Jugend&#x017F;chick&#x017F;ale erlebt<lb/>
hatte. Frühzeitig bekundeten &#x017F;ich die<lb/>
poeti&#x017F;chen Anlagen des Sohnes, der<lb/>
unter dem Einfluß einer fein gebilde-<lb/>
ten Mutter u. anderer gei&#x017F;tig belebter<lb/>
Frauen &#x017F;chon als Schüler des Gym-<lb/><cb/>
<fw type="header" place="top"><hi rendition="#g">Lan</hi></fw><lb/>
na&#x017F;iums manches Gedicht verfaßte.<lb/>
Jm Jahre 1835 bezog er die Uni-<lb/>
ver&#x017F;ität Berlin, wo er auf Wun&#x017F;ch des<lb/>
Vaters, wenn auch gegen &#x017F;eine eigene<lb/>
Neigung, Medizin &#x017F;tudierte. Als Zög-<lb/>
ling des Friedrich-Wilhelm-Jn&#x017F;tituts<lb/>
konnte er bei &#x017F;ehr be&#x017F;chränkten Mit-<lb/>
teln nur wenig von der goldenen<lb/>
Freiheit des akademi&#x017F;chen Lebens ge-<lb/>
nießen; doch bot ihm einige Ent-<lb/>
&#x017F;chädigung für die&#x017F;e Entbehrung das<lb/>
Studium der Literatur, Ä&#x017F;thetik und<lb/>
Ge&#x017F;chichte und die &#x017F;ich ihm bald er-<lb/>
&#x017F;chließenden Gelehrten- und Kün&#x017F;tler-<lb/>
krei&#x017F;e, denen er viel&#x017F;eitige Anregung<lb/>
verdankte. So &#x017F;chrieb er noch als<lb/>
Student &#x017F;ein hi&#x017F;tori&#x017F;ches Charakter-<lb/>
gemälde &#x201E;Friedrich in Rheinsberg&#x201F;.<lb/>
Nach &#x017F;einer Promotion 1839 fungierte<lb/>
L. als Chirurg an der Charité, &#x017F;eit<lb/>
1840 als Kompagniechirurg, machte<lb/>
1844 &#x017F;ein Staatsexamen und be&#x017F;chäf-<lb/>
tigte &#x017F;ich dann be&#x017F;onders mit p&#x017F;ychi-<lb/>
atri&#x017F;chen Studien, die er in &#x017F;einem<lb/>
Romane &#x201E;Der Jrre von St. James&#x201F;<lb/>
verwertete. Seit 1845 Oberarzt am<lb/>
Potsdamer Kadettenhaus u. &#x017F;eit 1847<lb/>
Bataillonsarzt in Bielefeld, machte er<lb/>
1849 als Dirigent eines Feldlazaretts<lb/>
den Feldzug in Schleswig mit, nahm<lb/>
auch &#x017F;päter an dem Einmar&#x017F;ch in Kur-<lb/>
he&#x017F;&#x017F;en teil. Jn Bielefeld hatte L. &#x017F;ei-<lb/>
nen Haus&#x017F;tand gegründet; aber bei<lb/>
dem kärglichen Gehalt, das ihm der<lb/>
Staat zahlte, war er auf eine an-<lb/>
&#x017F;trengende Bauernpraxis angewie&#x017F;en,<lb/>
um &#x017F;ich mit &#x017F;einer Familie kümmerlich<lb/>
ernähren zu können. Auf einem &#x017F;ol-<lb/>
chen &#x017F;trapaziö&#x017F;en Krankengange durch<lb/>
den Teutoburger Wald kam es ihm<lb/>
zum Bewußt&#x017F;ein, daß &#x017F;eine körper-<lb/>
lichen Kräfte für &#x017F;einen &#x017F;chweren Be-<lb/>
ruf nicht lange ausreichen würden,<lb/>
und plötzlich erwachte von neuem die<lb/>
alte Lu&#x017F;t zu gei&#x017F;tiger Arbeit, zum<lb/>
Schreiben. Sich &#x017F;eine eigene Lage<lb/>
vergegenwärtigend, dachte er, wie<lb/>
wohl einem Men&#x017F;chen zumute &#x017F;ein<lb/>&#x017F;&#x017F;e, der &#x017F;o viel Geld hat, daß er<lb/>
es nicht ausgeben kann. Und die&#x017F;er<lb/>
<fw type="sig" place="bottom">*</fw><lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[178/0182] Lan Lan Konſiſtorium zu Koblenz zugeteilt, u. 1875 wurde ihm der Titel eines Ober- konſiſtorialrats verliehen. Er ſtarb am 8. (nicht 9.) Juli 1884. Außer einer großen Anzahl theologiſcher Werke, von denen beſonders ſein 36 Bände umfaſſendes exegetiſch-homi- letiſches Bibelwerk und ſein gegen David Strauß gerichtetes „Leben Jeſu‟ hervorzuheben ſind, veröffent- lichte er S: Bibliſche Dichtungen; 2 Bdchn., 1832‒34. ‒ Kleine pole- miſche Gedichte, 1835. ‒ Gedichte und Sprüche a. d. Gebiete der chriſtlichen Naturbetrachtung, 1835. ‒ Die Welt des Herrn. (Jn didaktiſch. Geſängen), 1835. ‒ Die Verfinſterung der Welt (Lehrgedichte u. Lr.), 1838. ‒ Grund- züge d. urchriſtlichen Botſchaft, 1840. ‒ Vermiſchte Schriften; IV, 1841. Neue Folge; II, 1860. ‒ Gedichte, 1843. ‒ Deutſches Kirchenliederbuch, 1842 bis 1843. 2. Ausg. 1854. ‒ Neuteſtament- liche Zeitgedichte eines Hoffenden, 1849. ‒ Vom Ölberge (Alte und neue geiſtliche Lr.), 1852. Neue Ausg. 1858. ‒ Vom Krieg und Sieg (3 Vorträge), 1869. ‒ Die proteſtantiſche Kirche u. der Proteſtantenverein (Epigramma- tiſche Ge.), 1872. ‒ Wie definiert man die Muſik? (Eine Kultur- und Kunſt- frage), 1882. ‒ Briefe eines kommu- niſtiſchen Propheten (Ein poetiſcher Schattenriß der einſtigen Union zwi- ſchen der jeſuitiſchen u. ſozialiſtiſchen Propaganda), o. J. ‒ Goethes reli- giöſe Poeſie (Abriß der Theologie, dargeſtellt aus G. s poetiſchen Wer- ken), o. J. Lange, Karl Ernſt Philipp, pſd. Philipp Galen, wurde am 21. Dezember 1813 zu Potsdam geboren, wo ſein Vater königl. Hofwundarzt war, ein Mann, der äußerſt reiche und ſeltſame Jugendſchickſale erlebt hatte. Frühzeitig bekundeten ſich die poetiſchen Anlagen des Sohnes, der unter dem Einfluß einer fein gebilde- ten Mutter u. anderer geiſtig belebter Frauen ſchon als Schüler des Gym- naſiums manches Gedicht verfaßte. Jm Jahre 1835 bezog er die Uni- verſität Berlin, wo er auf Wunſch des Vaters, wenn auch gegen ſeine eigene Neigung, Medizin ſtudierte. Als Zög- ling des Friedrich-Wilhelm-Jnſtituts konnte er bei ſehr beſchränkten Mit- teln nur wenig von der goldenen Freiheit des akademiſchen Lebens ge- nießen; doch bot ihm einige Ent- ſchädigung für dieſe Entbehrung das Studium der Literatur, Äſthetik und Geſchichte und die ſich ihm bald er- ſchließenden Gelehrten- und Künſtler- kreiſe, denen er vielſeitige Anregung verdankte. So ſchrieb er noch als Student ſein hiſtoriſches Charakter- gemälde „Friedrich in Rheinsberg‟. Nach ſeiner Promotion 1839 fungierte L. als Chirurg an der Charité, ſeit 1840 als Kompagniechirurg, machte 1844 ſein Staatsexamen und beſchäf- tigte ſich dann beſonders mit pſychi- atriſchen Studien, die er in ſeinem Romane „Der Jrre von St. James‟ verwertete. Seit 1845 Oberarzt am Potsdamer Kadettenhaus u. ſeit 1847 Bataillonsarzt in Bielefeld, machte er 1849 als Dirigent eines Feldlazaretts den Feldzug in Schleswig mit, nahm auch ſpäter an dem Einmarſch in Kur- heſſen teil. Jn Bielefeld hatte L. ſei- nen Hausſtand gegründet; aber bei dem kärglichen Gehalt, das ihm der Staat zahlte, war er auf eine an- ſtrengende Bauernpraxis angewieſen, um ſich mit ſeiner Familie kümmerlich ernähren zu können. Auf einem ſol- chen ſtrapaziöſen Krankengange durch den Teutoburger Wald kam es ihm zum Bewußtſein, daß ſeine körper- lichen Kräfte für ſeinen ſchweren Be- ruf nicht lange ausreichen würden, und plötzlich erwachte von neuem die alte Luſt zu geiſtiger Arbeit, zum Schreiben. Sich ſeine eigene Lage vergegenwärtigend, dachte er, wie wohl einem Menſchen zumute ſein müſſe, der ſo viel Geld hat, daß er es nicht ausgeben kann. Und dieſer *

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/bruemmer_lexikon04_1913
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/bruemmer_lexikon04_1913/182
Zitationshilfe: Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 4. 6. Aufl. Leipzig, 1913, S. 178. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bruemmer_lexikon04_1913/182>, abgerufen am 18.03.2019.