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Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 4. 6. Aufl. Leipzig, 1913.

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Lei
*Leitner, Karl Gottfried Ritter
von,

wurde geb. am 18. Novbr. 1800
zu Graz in Steiermark als der älteste
Sohn des steiermärkischen ständischen
Rechnungsrats Kajetan Franz von L.,
der aber bereits 1805 starb. Die Mut-
ter vermählte sich 1807 zum zweiten
Male mit Johann Pokorny, damals
k. k. Kameralverwalter zu Rothenfels
in Obersteiermark. Hier verlebte L.
seine ersten Knabenjahre, kam dann
aber wegen der Unzulänglichkeit des
Schulunterrichts auf dem Lande wie-
der zu den Großeltern nach Graz, wo
er seit dem Herbst 1811 das Gymna-
sium und seit 1813 das k. k. Konvikt
besuchte, in welchem er eine ständische
Stiftung erhalten hatte. Hier pflegte
Gerhard Enders, ein würdiger Bene-
diktiner aus Admont, das empfäng-
liche Gemüt seines Zöglings mit der
zartesten Sorgfalt; sein sich schon früh
äußerndes poetisches Talent aber be-
merkte und ermunterte zuerst der
Professor der Humanität, Ulrich
Speckmoser. Jm Jahre 1818 bezog L.
die Universität Graz, wo er zunächst
Philosophie studierte und bald die
Aufmerksamkeit des Professors der
Geschichte, Julius Schneller, auf sich
zog, der durch die Lebhaftigkeit seines
Lobes und Tadels ihn zum richtigen
Fortschreiten auf dem Gebiet der Lite-
ratur anfeuerte. Zuletzt studierte L.,
obwohl er keine streng juridische Lauf-
bahn anzutreten willens war, mit
Jnteresse unter Jenull, Kudler und
Springer die Rechte. Nach Beendigung
seiner Studien gedachte L. sich dem
Lehrstande zu widmen u. dozierte auch
als provisorischer Professor am k. k.
Gymnasium zu Cilli u. später wieder-
holt an jenem zu Graz. Allein da die
Lehrerstellen an den Gymnasien und
selbst an den philosophischen Lehran-
stalten Österreichs damals häufig mit
Ordensgeistlichen besetzt wurden, so
bot diese Laufbahn wenig Aussicht,
u. L. entschloß sich daher in die Dienste
der steiermärkischen Stände zu treten,
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deren Körperschaft er ohnehin durch
seine Abstammung angehörte. Er
wurde zunächst bei den, eine literari-
sche Vorbildung bedingenden Arbeiten
am Joanneum, bald aber bei den
ständischen Konzeptsgeschäften ver-
wendet und 1827 zuerst als Mitglied
in die steiermärkische Ständever-
sammlung eingeführt, die ihn 1836
zum zweiten und 1837 zum ersten
Ständesekretär erwählte. Als solcher
genoß er das unbedingte Vertrauen
seiner Mitstände und besorgte durch
eine Reihe von Jahren die schriftliche
Ausarbeitung der wichtigsten, ge-
meinnützigen Anträge, Gutachten,
Beschwerdeschriften pp. der Stände in
den verschiedensten Landesangelegen-
heiten. Er nahm auch an der Begrün-
dung der historischen Vereine für
Jnnerösterreich, sowie später an der
Leitung des historischen Vereins für
Steiermark als Ausschußmitglied und
Mitarbeiter lebhaften Anteil und ge-
hörte viele Jahre der Redaktion der
"Steiermärkischen Zeitschrift" an. Bei
diesen vielseitigen Beschäftigungen
gönnte er sich nur manchmal eine Er-
holung auf Reisen, die er anfangs
allein, später aber in Gesellschaft seiner
1846 erwählten Gattin Karoline, geb.
Beyer von Zeit zu Zeit unternahm u.
allmählich über die österr. Kronländer,
Deutschland, die Schweiz und Belgien
bis London ausdehnte. Die schweren
geschäftlichen Anstrengungen, welche
das Jahr 1848 brachte, verbunden mit
der in solcher Zeit unvermeidlichen
Gemütsaufregung, hatten allmählich
L.s ohnehin nur schwache Gesundheit
erschüttert, so daß er sich, zumal bei
dem Eintritt allseitiger Reaktion, ver-
anlaßt sah, im Herbst 1854 in den
Ruhestand zu treten und nach Jtalien
zu reisen, um seine und seiner Gattin
schwankende Gesundheit zu kräftigen.
Er verlor aber schon nach wenigen
Monaten seine Lebensgefährtin in
Pisa und kehrte mit ihrer Leiche nach
Graz zurück, wo er hinfort in großer

*

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Lei
*Leitner, Karl Gottfried Ritter
von,

wurde geb. am 18. Novbr. 1800
zu Graz in Steiermark als der älteſte
Sohn des ſteiermärkiſchen ſtändiſchen
Rechnungsrats Kajetan Franz von L.,
der aber bereits 1805 ſtarb. Die Mut-
ter vermählte ſich 1807 zum zweiten
Male mit Johann Pokorny, damals
k. k. Kameralverwalter zu Rothenfels
in Oberſteiermark. Hier verlebte L.
ſeine erſten Knabenjahre, kam dann
aber wegen der Unzulänglichkeit des
Schulunterrichts auf dem Lande wie-
der zu den Großeltern nach Graz, wo
er ſeit dem Herbſt 1811 das Gymna-
ſium und ſeit 1813 das k. k. Konvikt
beſuchte, in welchem er eine ſtändiſche
Stiftung erhalten hatte. Hier pflegte
Gerhard Enders, ein würdiger Bene-
diktiner aus Admont, das empfäng-
liche Gemüt ſeines Zöglings mit der
zarteſten Sorgfalt; ſein ſich ſchon früh
äußerndes poetiſches Talent aber be-
merkte und ermunterte zuerſt der
Profeſſor der Humanität, Ulrich
Speckmoſer. Jm Jahre 1818 bezog L.
die Univerſität Graz, wo er zunächſt
Philoſophie ſtudierte und bald die
Aufmerkſamkeit des Profeſſors der
Geſchichte, Julius Schneller, auf ſich
zog, der durch die Lebhaftigkeit ſeines
Lobes und Tadels ihn zum richtigen
Fortſchreiten auf dem Gebiet der Lite-
ratur anfeuerte. Zuletzt ſtudierte L.,
obwohl er keine ſtreng juridiſche Lauf-
bahn anzutreten willens war, mit
Jntereſſe unter Jenull, Kudler und
Springer die Rechte. Nach Beendigung
ſeiner Studien gedachte L. ſich dem
Lehrſtande zu widmen u. dozierte auch
als proviſoriſcher Profeſſor am k. k.
Gymnaſium zu Cilli u. ſpäter wieder-
holt an jenem zu Graz. Allein da die
Lehrerſtellen an den Gymnaſien und
ſelbſt an den philoſophiſchen Lehran-
ſtalten Öſterreichs damals häufig mit
Ordensgeiſtlichen beſetzt wurden, ſo
bot dieſe Laufbahn wenig Ausſicht,
u. L. entſchloß ſich daher in die Dienſte
der ſteiermärkiſchen Stände zu treten,
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deren Körperſchaft er ohnehin durch
ſeine Abſtammung angehörte. Er
wurde zunächſt bei den, eine literari-
ſche Vorbildung bedingenden Arbeiten
am Joanneum, bald aber bei den
ſtändiſchen Konzeptsgeſchäften ver-
wendet und 1827 zuerſt als Mitglied
in die ſteiermärkiſche Ständever-
ſammlung eingeführt, die ihn 1836
zum zweiten und 1837 zum erſten
Ständeſekretär erwählte. Als ſolcher
genoß er das unbedingte Vertrauen
ſeiner Mitſtände und beſorgte durch
eine Reihe von Jahren die ſchriftliche
Ausarbeitung der wichtigſten, ge-
meinnützigen Anträge, Gutachten,
Beſchwerdeſchriften pp. der Stände in
den verſchiedenſten Landesangelegen-
heiten. Er nahm auch an der Begrün-
dung der hiſtoriſchen Vereine für
Jnneröſterreich, ſowie ſpäter an der
Leitung des hiſtoriſchen Vereins für
Steiermark als Ausſchußmitglied und
Mitarbeiter lebhaften Anteil und ge-
hörte viele Jahre der Redaktion der
„Steiermärkiſchen Zeitſchrift‟ an. Bei
dieſen vielſeitigen Beſchäftigungen
gönnte er ſich nur manchmal eine Er-
holung auf Reiſen, die er anfangs
allein, ſpäter aber in Geſellſchaft ſeiner
1846 erwählten Gattin Karoline, geb.
Beyer von Zeit zu Zeit unternahm u.
allmählich über die öſterr. Kronländer,
Deutſchland, die Schweiz und Belgien
bis London ausdehnte. Die ſchweren
geſchäftlichen Anſtrengungen, welche
das Jahr 1848 brachte, verbunden mit
der in ſolcher Zeit unvermeidlichen
Gemütsaufregung, hatten allmählich
L.s ohnehin nur ſchwache Geſundheit
erſchüttert, ſo daß er ſich, zumal bei
dem Eintritt allſeitiger Reaktion, ver-
anlaßt ſah, im Herbſt 1854 in den
Ruheſtand zu treten und nach Jtalien
zu reiſen, um ſeine und ſeiner Gattin
ſchwankende Geſundheit zu kräftigen.
Er verlor aber ſchon nach wenigen
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Piſa und kehrte mit ihrer Leiche nach
Graz zurück, wo er hinfort in großer

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[223/0227] Lei Lei *Leitner, Karl Gottfried Ritter von, wurde geb. am 18. Novbr. 1800 zu Graz in Steiermark als der älteſte Sohn des ſteiermärkiſchen ſtändiſchen Rechnungsrats Kajetan Franz von L., der aber bereits 1805 ſtarb. Die Mut- ter vermählte ſich 1807 zum zweiten Male mit Johann Pokorny, damals k. k. Kameralverwalter zu Rothenfels in Oberſteiermark. Hier verlebte L. ſeine erſten Knabenjahre, kam dann aber wegen der Unzulänglichkeit des Schulunterrichts auf dem Lande wie- der zu den Großeltern nach Graz, wo er ſeit dem Herbſt 1811 das Gymna- ſium und ſeit 1813 das k. k. Konvikt beſuchte, in welchem er eine ſtändiſche Stiftung erhalten hatte. Hier pflegte Gerhard Enders, ein würdiger Bene- diktiner aus Admont, das empfäng- liche Gemüt ſeines Zöglings mit der zarteſten Sorgfalt; ſein ſich ſchon früh äußerndes poetiſches Talent aber be- merkte und ermunterte zuerſt der Profeſſor der Humanität, Ulrich Speckmoſer. Jm Jahre 1818 bezog L. die Univerſität Graz, wo er zunächſt Philoſophie ſtudierte und bald die Aufmerkſamkeit des Profeſſors der Geſchichte, Julius Schneller, auf ſich zog, der durch die Lebhaftigkeit ſeines Lobes und Tadels ihn zum richtigen Fortſchreiten auf dem Gebiet der Lite- ratur anfeuerte. Zuletzt ſtudierte L., obwohl er keine ſtreng juridiſche Lauf- bahn anzutreten willens war, mit Jntereſſe unter Jenull, Kudler und Springer die Rechte. Nach Beendigung ſeiner Studien gedachte L. ſich dem Lehrſtande zu widmen u. dozierte auch als proviſoriſcher Profeſſor am k. k. Gymnaſium zu Cilli u. ſpäter wieder- holt an jenem zu Graz. Allein da die Lehrerſtellen an den Gymnaſien und ſelbſt an den philoſophiſchen Lehran- ſtalten Öſterreichs damals häufig mit Ordensgeiſtlichen beſetzt wurden, ſo bot dieſe Laufbahn wenig Ausſicht, u. L. entſchloß ſich daher in die Dienſte der ſteiermärkiſchen Stände zu treten, deren Körperſchaft er ohnehin durch ſeine Abſtammung angehörte. Er wurde zunächſt bei den, eine literari- ſche Vorbildung bedingenden Arbeiten am Joanneum, bald aber bei den ſtändiſchen Konzeptsgeſchäften ver- wendet und 1827 zuerſt als Mitglied in die ſteiermärkiſche Ständever- ſammlung eingeführt, die ihn 1836 zum zweiten und 1837 zum erſten Ständeſekretär erwählte. Als ſolcher genoß er das unbedingte Vertrauen ſeiner Mitſtände und beſorgte durch eine Reihe von Jahren die ſchriftliche Ausarbeitung der wichtigſten, ge- meinnützigen Anträge, Gutachten, Beſchwerdeſchriften pp. der Stände in den verſchiedenſten Landesangelegen- heiten. Er nahm auch an der Begrün- dung der hiſtoriſchen Vereine für Jnneröſterreich, ſowie ſpäter an der Leitung des hiſtoriſchen Vereins für Steiermark als Ausſchußmitglied und Mitarbeiter lebhaften Anteil und ge- hörte viele Jahre der Redaktion der „Steiermärkiſchen Zeitſchrift‟ an. Bei dieſen vielſeitigen Beſchäftigungen gönnte er ſich nur manchmal eine Er- holung auf Reiſen, die er anfangs allein, ſpäter aber in Geſellſchaft ſeiner 1846 erwählten Gattin Karoline, geb. Beyer von Zeit zu Zeit unternahm u. allmählich über die öſterr. Kronländer, Deutſchland, die Schweiz und Belgien bis London ausdehnte. Die ſchweren geſchäftlichen Anſtrengungen, welche das Jahr 1848 brachte, verbunden mit der in ſolcher Zeit unvermeidlichen Gemütsaufregung, hatten allmählich L.s ohnehin nur ſchwache Geſundheit erſchüttert, ſo daß er ſich, zumal bei dem Eintritt allſeitiger Reaktion, ver- anlaßt ſah, im Herbſt 1854 in den Ruheſtand zu treten und nach Jtalien zu reiſen, um ſeine und ſeiner Gattin ſchwankende Geſundheit zu kräftigen. Er verlor aber ſchon nach wenigen Monaten ſeine Lebensgefährtin in Piſa und kehrte mit ihrer Leiche nach Graz zurück, wo er hinfort in großer *

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Zitationshilfe: Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 4. 6. Aufl. Leipzig, 1913, S. 223. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bruemmer_lexikon04_1913/227>, abgerufen am 27.03.2019.