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Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 4. 6. Aufl. Leipzig, 1913.

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Lie
Nach beendeter Lehrzeit ging er auf
die Wanderschaft, besuchte Nord- u.
Mitteldeutschland und kehrte dann
nach Breslau zurück, wo er bis 1885
blieb und in dem Dichter Paul Barsch
einen Freund fand, der das Selbst-
bewußtsein in ihm zu wecken ver-
stand und auch seine poetischen Nei-
gungen zu fördern suchte. Jm Mai
1885 ging L. nach Leobschütz, und
hier, wo er seine spätere Frau fand,
entstand eine Fülle seiner schönsten
Lieder. Ein hier gehaltener Vortrag
"Der Handwerksbursche und seine
Poesie," den er in Ratibor, Breslau
und andern Städten wiederholte, be-
reitete den Erfolg vor, den seine 1891
erschienenen Gedichte fanden. Bald
vertauschte L. die staubige Werkstatt
mit der Redaktionsstube; nach einigen
Versuchen an kleinen Blättern fand
er eine Stelle am "Breslauer Gene-
ral-Anzeiger," übernahm mit Beginn
des Jahres 1894 die Redaktion des
"General-Anzeigers" in Leipzig und
im Juli 1896 die Chefredaktion des
"Anhaltischen Staatsanzeigers" in
Dessau, wo er noch jetzt wirkt und sich
wohl fühlt.

S:

Kreuz und quer (Lr.
eines Handwerksburschen), 1891. 2. A.
1896. - Die Hochzeitsreise (N.), 1899.
- Der zerbrochene Krug und anderes
(Nn.), 1902.

Liebmann, Ernst,

* am 29. März
1866 zu Oppenheim am Rhein, be-
suchte das Gymnasium und die Han-
delsschule zu Offenbach a. M. und
trat, nachdem sein Vater nach Offen-
bach übergesiedelt war und dort eine
Schäftefabrik betrieb, nach absolvier-
ter Studienzeit in das Geschäft seines
Vaters ein. Jn den Jahren 1888-91
war er in seinem Berufe zu Köln
tätig, gab denselben aber 1893 auf,
um sich ganz der Musik und der jour-
nalistischen Laufbahn zu widmen. Zu
dem Zwecke besuchte er seitdem das
Hoch'sche Konservatorium zu Frank-
furt a. M.

S:

König Ninus (Tr.),
1886. - Barbarossa und Heinrich der
[Spaltenumbruch]

Lie
Löwe (Festsp.), 1887. - Der Erbonkel,
od.: Ein kalter Wasserstrahl (Genre-
bild mit Ges.), 1894. - Polyxena (Op.),
1894.

*Liebmann, Otto,

wurde am 25.
Febr. 1840 zu Löwenberg in Schle-
sien geboren, wo sein Vater damals
Gerichtsassessor war. Dieser teilte
das Schicksal so vieler anderer Ju-
risten, indem er, von Ort zu Ort ver-
setzt, mit seiner Familie häufig den
Wohnsitz wechseln mußte, so daß also
die Kinderzeit des Sohnes eine bunt-
bewegte war. Er verbrachte dieselbe
in Merseburg, Perleberg, seit 1848 in
Frankfurt a. M., wohin der Vater
zum Abgeordneten in die konstituie-
rende deutsche Nationalversammlung
gewählt worden war, besuchte danach
verschiedene Gymnasien und absol-
vierte schließlich in Halle a. S. das
Maturitätsexamen. Jm Herbst 1859
bezog Otto L. die Universität Jena,
um sich hauptsächlich dem Studium
der Mathematik und Philosophie zu
widmen, setzte seine Studien durch
mehrere Jahre in Leipzig und Halle
fort und ging, nachdem er die Würde
eines Dr. phil. erlangt hatte, 1865 nach
Tübingen, wo er sich als Privat-
dozent der Philosophie habilitierte.
Da unter den Philosophen Kant den
entschiedensten Einfluß auf sein Den-
ken ausübte, so behandelte seine Ha-
bilitationsschrift auch "Kant und die
Epigonen" (1865). Jhr folgten die
Schriften "Über den individuellen
Beweis für die Freiheit des Willens"
(1866) u. "Über den objektiven An-
blick" (1869). Jm regen Verkehr mit
jüngeren und älteren Gelehrten er-
fuhr er in Tübingen die mannig-
faltigste geistige Förderung. Bei
Ausbruch des Krieges 1870 trat L.
als Kriegsfreiwilliger in das Garde-
Füsilier-Regiment ein und machte
in den Reihen desselben namentlich
die Belagerung von Paris vom An-
fange bis zum Ende mit. Seine
äußeren u. inneren Kriegserlebnisse

*


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Lie
Nach beendeter Lehrzeit ging er auf
die Wanderſchaft, beſuchte Nord- u.
Mitteldeutſchland und kehrte dann
nach Breslau zurück, wo er bis 1885
blieb und in dem Dichter Paul Barſch
einen Freund fand, der das Selbſt-
bewußtſein in ihm zu wecken ver-
ſtand und auch ſeine poetiſchen Nei-
gungen zu fördern ſuchte. Jm Mai
1885 ging L. nach Leobſchütz, und
hier, wo er ſeine ſpätere Frau fand,
entſtand eine Fülle ſeiner ſchönſten
Lieder. Ein hier gehaltener Vortrag
„Der Handwerksburſche und ſeine
Poeſie,‟ den er in Ratibor, Breslau
und andern Städten wiederholte, be-
reitete den Erfolg vor, den ſeine 1891
erſchienenen Gedichte fanden. Bald
vertauſchte L. die ſtaubige Werkſtatt
mit der Redaktionsſtube; nach einigen
Verſuchen an kleinen Blättern fand
er eine Stelle am „Breslauer Gene-
ral-Anzeiger,‟ übernahm mit Beginn
des Jahres 1894 die Redaktion des
„General-Anzeigers‟ in Leipzig und
im Juli 1896 die Chefredaktion des
„Anhaltiſchen Staatsanzeigers‟ in
Deſſau, wo er noch jetzt wirkt und ſich
wohl fühlt.

S:

Kreuz und quer (Lr.
eines Handwerksburſchen), 1891. 2. A.
1896. ‒ Die Hochzeitsreiſe (N.), 1899.
‒ Der zerbrochene Krug und anderes
(Nn.), 1902.

Liebmann, Ernſt,

* am 29. März
1866 zu Oppenheim am Rhein, be-
ſuchte das Gymnaſium und die Han-
delsſchule zu Offenbach a. M. und
trat, nachdem ſein Vater nach Offen-
bach übergeſiedelt war und dort eine
Schäftefabrik betrieb, nach abſolvier-
ter Studienzeit in das Geſchäft ſeines
Vaters ein. Jn den Jahren 1888‒91
war er in ſeinem Berufe zu Köln
tätig, gab denſelben aber 1893 auf,
um ſich ganz der Muſik und der jour-
naliſtiſchen Laufbahn zu widmen. Zu
dem Zwecke beſuchte er ſeitdem das
Hoch’ſche Konſervatorium zu Frank-
furt a. M.

S:

König Ninus (Tr.),
1886. ‒ Barbaroſſa und Heinrich der
[Spaltenumbruch]

Lie
Löwe (Feſtſp.), 1887. ‒ Der Erbonkel,
od.: Ein kalter Waſſerſtrahl (Genre-
bild mit Geſ.), 1894. ‒ Polyxena (Op.),
1894.

*Liebmann, Otto,

wurde am 25.
Febr. 1840 zu Löwenberg in Schle-
ſien geboren, wo ſein Vater damals
Gerichtsaſſeſſor war. Dieſer teilte
das Schickſal ſo vieler anderer Ju-
riſten, indem er, von Ort zu Ort ver-
ſetzt, mit ſeiner Familie häufig den
Wohnſitz wechſeln mußte, ſo daß alſo
die Kinderzeit des Sohnes eine bunt-
bewegte war. Er verbrachte dieſelbe
in Merſeburg, Perleberg, ſeit 1848 in
Frankfurt a. M., wohin der Vater
zum Abgeordneten in die konſtituie-
rende deutſche Nationalverſammlung
gewählt worden war, beſuchte danach
verſchiedene Gymnaſien und abſol-
vierte ſchließlich in Halle a. S. das
Maturitätsexamen. Jm Herbſt 1859
bezog Otto L. die Univerſität Jena,
um ſich hauptſächlich dem Studium
der Mathematik und Philoſophie zu
widmen, ſetzte ſeine Studien durch
mehrere Jahre in Leipzig und Halle
fort und ging, nachdem er die Würde
eines Dr. phil. erlangt hatte, 1865 nach
Tübingen, wo er ſich als Privat-
dozent der Philoſophie habilitierte.
Da unter den Philoſophen Kant den
entſchiedenſten Einfluß auf ſein Den-
ken ausübte, ſo behandelte ſeine Ha-
bilitationsſchrift auch „Kant und die
Epigonen‟ (1865). Jhr folgten die
Schriften „Über den individuellen
Beweis für die Freiheit des Willens‟
(1866) u. „Über den objektiven An-
blick‟ (1869). Jm regen Verkehr mit
jüngeren und älteren Gelehrten er-
fuhr er in Tübingen die mannig-
faltigſte geiſtige Förderung. Bei
Ausbruch des Krieges 1870 trat L.
als Kriegsfreiwilliger in das Garde-
Füſilier-Regiment ein und machte
in den Reihen desſelben namentlich
die Belagerung von Paris vom An-
fange bis zum Ende mit. Seine
äußeren u. inneren Kriegserlebniſſe

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[255/0259] Lie Lie Nach beendeter Lehrzeit ging er auf die Wanderſchaft, beſuchte Nord- u. Mitteldeutſchland und kehrte dann nach Breslau zurück, wo er bis 1885 blieb und in dem Dichter Paul Barſch einen Freund fand, der das Selbſt- bewußtſein in ihm zu wecken ver- ſtand und auch ſeine poetiſchen Nei- gungen zu fördern ſuchte. Jm Mai 1885 ging L. nach Leobſchütz, und hier, wo er ſeine ſpätere Frau fand, entſtand eine Fülle ſeiner ſchönſten Lieder. Ein hier gehaltener Vortrag „Der Handwerksburſche und ſeine Poeſie,‟ den er in Ratibor, Breslau und andern Städten wiederholte, be- reitete den Erfolg vor, den ſeine 1891 erſchienenen Gedichte fanden. Bald vertauſchte L. die ſtaubige Werkſtatt mit der Redaktionsſtube; nach einigen Verſuchen an kleinen Blättern fand er eine Stelle am „Breslauer Gene- ral-Anzeiger,‟ übernahm mit Beginn des Jahres 1894 die Redaktion des „General-Anzeigers‟ in Leipzig und im Juli 1896 die Chefredaktion des „Anhaltiſchen Staatsanzeigers‟ in Deſſau, wo er noch jetzt wirkt und ſich wohl fühlt. S: Kreuz und quer (Lr. eines Handwerksburſchen), 1891. 2. A. 1896. ‒ Die Hochzeitsreiſe (N.), 1899. ‒ Der zerbrochene Krug und anderes (Nn.), 1902. Liebmann, Ernſt, * am 29. März 1866 zu Oppenheim am Rhein, be- ſuchte das Gymnaſium und die Han- delsſchule zu Offenbach a. M. und trat, nachdem ſein Vater nach Offen- bach übergeſiedelt war und dort eine Schäftefabrik betrieb, nach abſolvier- ter Studienzeit in das Geſchäft ſeines Vaters ein. Jn den Jahren 1888‒91 war er in ſeinem Berufe zu Köln tätig, gab denſelben aber 1893 auf, um ſich ganz der Muſik und der jour- naliſtiſchen Laufbahn zu widmen. Zu dem Zwecke beſuchte er ſeitdem das Hoch’ſche Konſervatorium zu Frank- furt a. M. S: König Ninus (Tr.), 1886. ‒ Barbaroſſa und Heinrich der Löwe (Feſtſp.), 1887. ‒ Der Erbonkel, od.: Ein kalter Waſſerſtrahl (Genre- bild mit Geſ.), 1894. ‒ Polyxena (Op.), 1894. *Liebmann, Otto, wurde am 25. Febr. 1840 zu Löwenberg in Schle- ſien geboren, wo ſein Vater damals Gerichtsaſſeſſor war. Dieſer teilte das Schickſal ſo vieler anderer Ju- riſten, indem er, von Ort zu Ort ver- ſetzt, mit ſeiner Familie häufig den Wohnſitz wechſeln mußte, ſo daß alſo die Kinderzeit des Sohnes eine bunt- bewegte war. Er verbrachte dieſelbe in Merſeburg, Perleberg, ſeit 1848 in Frankfurt a. M., wohin der Vater zum Abgeordneten in die konſtituie- rende deutſche Nationalverſammlung gewählt worden war, beſuchte danach verſchiedene Gymnaſien und abſol- vierte ſchließlich in Halle a. S. das Maturitätsexamen. Jm Herbſt 1859 bezog Otto L. die Univerſität Jena, um ſich hauptſächlich dem Studium der Mathematik und Philoſophie zu widmen, ſetzte ſeine Studien durch mehrere Jahre in Leipzig und Halle fort und ging, nachdem er die Würde eines Dr. phil. erlangt hatte, 1865 nach Tübingen, wo er ſich als Privat- dozent der Philoſophie habilitierte. Da unter den Philoſophen Kant den entſchiedenſten Einfluß auf ſein Den- ken ausübte, ſo behandelte ſeine Ha- bilitationsſchrift auch „Kant und die Epigonen‟ (1865). Jhr folgten die Schriften „Über den individuellen Beweis für die Freiheit des Willens‟ (1866) u. „Über den objektiven An- blick‟ (1869). Jm regen Verkehr mit jüngeren und älteren Gelehrten er- fuhr er in Tübingen die mannig- faltigſte geiſtige Förderung. Bei Ausbruch des Krieges 1870 trat L. als Kriegsfreiwilliger in das Garde- Füſilier-Regiment ein und machte in den Reihen desſelben namentlich die Belagerung von Paris vom An- fange bis zum Ende mit. Seine äußeren u. inneren Kriegserlebniſſe *

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Zitationshilfe: Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 4. 6. Aufl. Leipzig, 1913, S. 255. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bruemmer_lexikon04_1913/259>, abgerufen am 15.11.2018.