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Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 4. 6. Aufl. Leipzig, 1913.

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Meh
Knaben ansehnliche Unterstützungen
gewährte. Von 1869-75 besuchte M.
das Lehrerseminar zu Friedrichstadt-
Dresden und wirkte dann als Hilfs-
lehrer in Zehren und Wilsdruff. Der
Verlust teurer Angehöriger erweckte
in ihm die Sehnsucht, mit seinem ihm
gebliebenen einzigen Bruder vereint
zu sein, der als Mechaniker in London
lebte. Er verließ darum nach bestande-
nem Wahlfähigkeitsexamen im Herbst
1877 Sachsen, begab sich erst nach
London und dann nach New Castle
upon Tyne, wo er eine Anstellung
als Musik- und Sprachlehrer an der
St. Mary's School erhielt. Jm Som-
mer begleitete er seinen Bruder nach
Paris und reiste mit ihm schließlich
nach Bombay in Jndien. Hier starb
der Bruder schon im ersten Jahre am
Fieber, während M. noch bis 1887
dort blieb und als Musik- u. Sprach-
lehrer und als Organist an einer
Missionskirche eine angenehme Stel-
lung innehatte. Dann kehrte er in die
Heimat zurück, wurde zunächst Lehrer
in Sobrigau und wirkt nun seit 1892
als Kirchschullehrer in Röhrsdorf
(Sachsen). Die Stoffe zu seinen Er-
zählungen hat er auf seinen häufigen
Reisen in Jndien gesammelt.

S:

Ein
indischer Kaspar Hauser (E.), 1893. -
Auf heißem Boden (E.), 1895. - Die
Auswanderer (E.), 1897. - Gold-
zauber (E. a. Südafrika), 1898. -
Kismet webt! (E. a. d. Vorbergen des
Himalaya), 1903.

Mehr, Adolf B.,

geboren am 18.
September 1868 in Lemberg, (1898)
Filialvorstand des "Janus", (1899)
Generalagent daselbst.

S:

Anna und
andere Novellen, 1898,

*Mehring, Sigmar,

geb. am 13.
April 1856 zu Breslau, hatte von
Jugend auf nnter allen möglichen
Krankheiten zu leiden und wurde nur
durch die aufopferndste Pflege seiner
Mutter am Leben erhalten; sie war
es auch, die nach dem frühen Tode
des künstlerisch begabten Vaters
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Mei
(1866) seine Erziehung auf das sorg-
fältigste leitete. Nachdem M. die
Sekunda einer höheren Lehranstalt
in Breslau besucht, mußte er teils auf
Anraten des Arztes, teils in Rücksicht
auf seine materiellen Verhältnisse
seine Schulbildung unterbrechen: er
wurde Kaufmann, kam nach erstan-
dener dreijähriger Lehrzeit in das
Getreidegeschäft eines vermögenden
Oheims und siedelte mit diesem 1879
nach Berlin über. Hier verwandte er
seine Muße teils zu seiner Fortbildung,
teils zu feuilletonistischen Arbeiten
für Zeitschriften. Jm Jahre 1886
etablierte sich M. als Buchhändler,
doch setzte dieser Tätigkeit eine heftige
Krankheit bald ein Ziel, und so ent-
schloß er sich 1889, sich ganz der
Schriftstellerei zu widmen. Jm Som-
mer 1890 gab er die humoristische
Wochenschrift "Die Polize" heraus,
gehörte von 1891-94 der Redaktion
der "Deutschen Wespen" an, war seit
August 1893 Redaktionsmitglied des
"Kleinen Journal" und gehört seit
1895 der Redaktion des Witzblattes
"Ulk" an. Großes Aufsehen erregte
1899 seine Verurteilung zu einer
dreimonatigen Haftstrafe wegen einer
durch ein Gedicht begangenen Ver-
ächtlichmachung der katholischen Kir-
che.

S:

Jch bitt' ums Wort (Tafel-
reden in V.), 1886. - Champagner-
Geist (Gereimte Übertragungen a. d.
Franz.), 1888. - Physiologie der Ehe
von S. Marmering (pseud., eine
Parodie auf Mantegazza), 1889. -
Die Pfennigsonate (Parodie auf Tol-
stois "Kreuzersonate"), 1890. - Nichts
(Reimklänge), 1894. - Deutsche Vers-
lehre, 1891. - Die französische Lyrik
im 19. Jahrhundert, 1900. - Unge-
bundenes in gebundener Form (Lau-
nige Vortragslyrik), 1901. - Ein
Herbst auf der Festung (Erinnerngn.),
1901.

Meier, Emerenz,

geb. am 3. Oktbr.
1872 zu Schiefweg im bayerischen
Walde als die sechste Tochter eines

*


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Meh
Knaben anſehnliche Unterſtützungen
gewährte. Von 1869-75 beſuchte M.
das Lehrerſeminar zu Friedrichſtadt-
Dresden und wirkte dann als Hilfs-
lehrer in Zehren und Wilsdruff. Der
Verluſt teurer Angehöriger erweckte
in ihm die Sehnſucht, mit ſeinem ihm
gebliebenen einzigen Bruder vereint
zu ſein, der als Mechaniker in London
lebte. Er verließ darum nach beſtande-
nem Wahlfähigkeitsexamen im Herbſt
1877 Sachſen, begab ſich erſt nach
London und dann nach New Caſtle
upon Tyne, wo er eine Anſtellung
als Muſik- und Sprachlehrer an der
St. Mary’s School erhielt. Jm Som-
mer begleitete er ſeinen Bruder nach
Paris und reiſte mit ihm ſchließlich
nach Bombay in Jndien. Hier ſtarb
der Bruder ſchon im erſten Jahre am
Fieber, während M. noch bis 1887
dort blieb und als Muſik- u. Sprach-
lehrer und als Organiſt an einer
Miſſionskirche eine angenehme Stel-
lung innehatte. Dann kehrte er in die
Heimat zurück, wurde zunächſt Lehrer
in Sobrigau und wirkt nun ſeit 1892
als Kirchſchullehrer in Röhrsdorf
(Sachſen). Die Stoffe zu ſeinen Er-
zählungen hat er auf ſeinen häufigen
Reiſen in Jndien geſammelt.

S:

Ein
indiſcher Kaſpar Hauſer (E.), 1893. ‒
Auf heißem Boden (E.), 1895. ‒ Die
Auswanderer (E.), 1897. ‒ Gold-
zauber (E. a. Südafrika), 1898. ‒
Kismet webt! (E. a. d. Vorbergen des
Himalaya), 1903.

Mehr, Adolf B.,

geboren am 18.
September 1868 in Lemberg, (1898)
Filialvorſtand des „Janus‟, (1899)
Generalagent daſelbſt.

S:

Anna und
andere Novellen, 1898,

*Mehring, Sigmar,

geb. am 13.
April 1856 zu Breslau, hatte von
Jugend auf nnter allen möglichen
Krankheiten zu leiden und wurde nur
durch die aufopferndſte Pflege ſeiner
Mutter am Leben erhalten; ſie war
es auch, die nach dem frühen Tode
des künſtleriſch begabten Vaters
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Mei
(1866) ſeine Erziehung auf das ſorg-
fältigſte leitete. Nachdem M. die
Sekunda einer höheren Lehranſtalt
in Breslau beſucht, mußte er teils auf
Anraten des Arztes, teils in Rückſicht
auf ſeine materiellen Verhältniſſe
ſeine Schulbildung unterbrechen: er
wurde Kaufmann, kam nach erſtan-
dener dreijähriger Lehrzeit in das
Getreidegeſchäft eines vermögenden
Oheims und ſiedelte mit dieſem 1879
nach Berlin über. Hier verwandte er
ſeine Muße teils zu ſeiner Fortbildung,
teils zu feuilletoniſtiſchen Arbeiten
für Zeitſchriften. Jm Jahre 1886
etablierte ſich M. als Buchhändler,
doch ſetzte dieſer Tätigkeit eine heftige
Krankheit bald ein Ziel, und ſo ent-
ſchloß er ſich 1889, ſich ganz der
Schriftſtellerei zu widmen. Jm Som-
mer 1890 gab er die humoriſtiſche
Wochenſchrift „Die Polize‟ heraus,
gehörte von 1891‒94 der Redaktion
der „Deutſchen Weſpen‟ an, war ſeit
Auguſt 1893 Redaktionsmitglied des
„Kleinen Journal‟ und gehört ſeit
1895 der Redaktion des Witzblattes
„Ulk‟ an. Großes Aufſehen erregte
1899 ſeine Verurteilung zu einer
dreimonatigen Haftſtrafe wegen einer
durch ein Gedicht begangenen Ver-
ächtlichmachung der katholiſchen Kir-
che.

S:

Jch bitt’ ums Wort (Tafel-
reden in V.), 1886. ‒ Champagner-
Geiſt (Gereimte Übertragungen a. d.
Franz.), 1888. ‒ Phyſiologie der Ehe
von S. Marmering (pſeud., eine
Parodie auf Mantegazza), 1889. ‒
Die Pfennigſonate (Parodie auf Tol-
ſtois „Kreuzerſonate‟), 1890. ‒ Nichts
(Reimklänge), 1894. ‒ Deutſche Vers-
lehre, 1891. ‒ Die franzöſiſche Lyrik
im 19. Jahrhundert, 1900. ‒ Unge-
bundenes in gebundener Form (Lau-
nige Vortragslyrik), 1901. ‒ Ein
Herbſt auf der Feſtung (Erinnerngn.),
1901.

Meier, Emerenz,

geb. am 3. Oktbr.
1872 zu Schiefweg im bayeriſchen
Walde als die ſechſte Tochter eines

*
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[416/0420] Meh Mei Knaben anſehnliche Unterſtützungen gewährte. Von 1869-75 beſuchte M. das Lehrerſeminar zu Friedrichſtadt- Dresden und wirkte dann als Hilfs- lehrer in Zehren und Wilsdruff. Der Verluſt teurer Angehöriger erweckte in ihm die Sehnſucht, mit ſeinem ihm gebliebenen einzigen Bruder vereint zu ſein, der als Mechaniker in London lebte. Er verließ darum nach beſtande- nem Wahlfähigkeitsexamen im Herbſt 1877 Sachſen, begab ſich erſt nach London und dann nach New Caſtle upon Tyne, wo er eine Anſtellung als Muſik- und Sprachlehrer an der St. Mary’s School erhielt. Jm Som- mer begleitete er ſeinen Bruder nach Paris und reiſte mit ihm ſchließlich nach Bombay in Jndien. Hier ſtarb der Bruder ſchon im erſten Jahre am Fieber, während M. noch bis 1887 dort blieb und als Muſik- u. Sprach- lehrer und als Organiſt an einer Miſſionskirche eine angenehme Stel- lung innehatte. Dann kehrte er in die Heimat zurück, wurde zunächſt Lehrer in Sobrigau und wirkt nun ſeit 1892 als Kirchſchullehrer in Röhrsdorf (Sachſen). Die Stoffe zu ſeinen Er- zählungen hat er auf ſeinen häufigen Reiſen in Jndien geſammelt. S: Ein indiſcher Kaſpar Hauſer (E.), 1893. ‒ Auf heißem Boden (E.), 1895. ‒ Die Auswanderer (E.), 1897. ‒ Gold- zauber (E. a. Südafrika), 1898. ‒ Kismet webt! (E. a. d. Vorbergen des Himalaya), 1903. Mehr, Adolf B., geboren am 18. September 1868 in Lemberg, (1898) Filialvorſtand des „Janus‟, (1899) Generalagent daſelbſt. S: Anna und andere Novellen, 1898, *Mehring, Sigmar, geb. am 13. April 1856 zu Breslau, hatte von Jugend auf nnter allen möglichen Krankheiten zu leiden und wurde nur durch die aufopferndſte Pflege ſeiner Mutter am Leben erhalten; ſie war es auch, die nach dem frühen Tode des künſtleriſch begabten Vaters (1866) ſeine Erziehung auf das ſorg- fältigſte leitete. Nachdem M. die Sekunda einer höheren Lehranſtalt in Breslau beſucht, mußte er teils auf Anraten des Arztes, teils in Rückſicht auf ſeine materiellen Verhältniſſe ſeine Schulbildung unterbrechen: er wurde Kaufmann, kam nach erſtan- dener dreijähriger Lehrzeit in das Getreidegeſchäft eines vermögenden Oheims und ſiedelte mit dieſem 1879 nach Berlin über. Hier verwandte er ſeine Muße teils zu ſeiner Fortbildung, teils zu feuilletoniſtiſchen Arbeiten für Zeitſchriften. Jm Jahre 1886 etablierte ſich M. als Buchhändler, doch ſetzte dieſer Tätigkeit eine heftige Krankheit bald ein Ziel, und ſo ent- ſchloß er ſich 1889, ſich ganz der Schriftſtellerei zu widmen. Jm Som- mer 1890 gab er die humoriſtiſche Wochenſchrift „Die Polize‟ heraus, gehörte von 1891‒94 der Redaktion der „Deutſchen Weſpen‟ an, war ſeit Auguſt 1893 Redaktionsmitglied des „Kleinen Journal‟ und gehört ſeit 1895 der Redaktion des Witzblattes „Ulk‟ an. Großes Aufſehen erregte 1899 ſeine Verurteilung zu einer dreimonatigen Haftſtrafe wegen einer durch ein Gedicht begangenen Ver- ächtlichmachung der katholiſchen Kir- che. S: Jch bitt’ ums Wort (Tafel- reden in V.), 1886. ‒ Champagner- Geiſt (Gereimte Übertragungen a. d. Franz.), 1888. ‒ Phyſiologie der Ehe von S. Marmering (pſeud., eine Parodie auf Mantegazza), 1889. ‒ Die Pfennigſonate (Parodie auf Tol- ſtois „Kreuzerſonate‟), 1890. ‒ Nichts (Reimklänge), 1894. ‒ Deutſche Vers- lehre, 1891. ‒ Die franzöſiſche Lyrik im 19. Jahrhundert, 1900. ‒ Unge- bundenes in gebundener Form (Lau- nige Vortragslyrik), 1901. ‒ Ein Herbſt auf der Feſtung (Erinnerngn.), 1901. Meier, Emerenz, geb. am 3. Oktbr. 1872 zu Schiefweg im bayeriſchen Walde als die ſechſte Tochter eines *

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Zitationshilfe: Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 4. 6. Aufl. Leipzig, 1913, S. 416. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bruemmer_lexikon04_1913/420>, abgerufen am 20.03.2019.