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Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 5. 6. Aufl. Leipzig, 1913.

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Nit
einige Zeit daselbst zu verweilen und
Land und Leute kennen zu lernen.
Sie lebt noch jetzt als Lehrerin an
der deutschen Schule daselbst.

S:


Freudvoll und leidvoll (Ge.), 1884.
- Die Weihnachtsfeier im Kinder-
garten (Gesänge u. Deklamationen),
1890. - Kinderspiele, Kinderlieder
u. a. für den Kindergarten, 1902. -
Volksmärchenspiele, 1904.

*Nitschke, Julius Ernst August
v.,

geb. am 31. Okt. 1818 zu Braun-
schweig, besuchte das Gesamtgymna-
sium daselbst u. studierte von 1838-41
in Göttingen die ihm gegen seinen
Wunsch aufgedrungenen Rechtswis-
senschaften. Hatten schon in Braun-
schweig die Bande der Freundschaft
und eine vorwiegend der deutschen
poetischen Literatur zugewandte Liebe
ihm und mehreren Mitschülern in
einem sogenannten "Dichterbunde"
einen erwünschten geistigen Vereini-
gungspunkt dargeboten, in dem be-
sonders eigene poetische Versuche vor-
gelesen, besprochen und beurteilt
wurden, so erweiterte sich in der Fort-
setzung dieses Vereins auf der Uni-
versität das Streben gleichgesinnter
Freunde dahin, die Schätze der deut-
schen Literatur durch mündlichen
Gedankenaustausch und eine ästheti-
sche Analyse dem bessern Verständnis
zu erschließen. Nach Absolvierung der
Studien diente N. einige Jahre als
Auditor, um sodann, nach erlangter
väterlicher Einwilligung, die juristi-
sche Laufbahn zu verlassen. Seitdem
widmete er seine, leider durch kör-
perliche, 1850 eingetretene Lähmung
beschränkte Kraft neben naturwis-
senschaftlichen Studien ganz seiner
Lieblingsbeschäftigung, der Poesie.
Seinen Wohnsitz behielt er in Braun-
schweig bei u. daselbst ist er im Mai
1878 gestorben.

S:

Sänge u. Klänge
(L.), 1854. - Lieder (Nach des Verf.
Tode hrsg.), 1879.

*Nitschmann, Heinrich,

Litera-
urhistoriker u. bedeutender Übersetzer
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Nit
a. d. Slawischen, wurde am 26. April
1826 zu Elbing geboren und von sei-
nem Vater, der dort Kreisgerichts-
rat war, für die juristische Laufbahn
bestimmt. Als er indes das Elbinger
Gymnasium absolviert hatte, stellte
es sich heraus, daß durch frühe und
anhaltende Anstrengung seine Ge-
sundheit sehr geschwächt war, und so
wandte er sich der Landwirtschaft zu.
Jn der Stille des Landlebens wurde
nicht nur seine Gesundheit befestigt,
sondern es erwachte auch die alte
Liebe zu den Wissenschaften, beson-
ders zu fremden Sprachen und zur
Dichtkunst. Nachdem N. einen Win-
ter hindurch an der Berliner Uni-
versität Vorlesungen gehört, kaufte
er das Rittergut Posaren und konnte
nun ganz seinen Neigungen leben.
Außer fremden Sprachen, Griechisch,
Lateinisch, Französisch, Englisch, Hol-
ländisch, Polnisch u. Serbisch, die er
völlig beherrschte, wandte er seine
Muße auch der Musik zu, und meh-
rere von ihm für Klavier, sowie für
Orchester geschriebene Kompositio-
nen geben Zeugnis von seiner musi-
kalischen Begabung. Der Schwer-
punkt seiner literarischen Tätigkeit
ist indessen in seinen Übersetzungen
aus dem Polnischen zu suchen, u. N.
gebührt wohl das meiste Verdienst,
die Schätze der polnischen Literatur
den Deutschen zugänglich gemacht zu
haben. Seine "Geschichte der polni-
schen Literatur" ist das erste diesen
Gegenstand erschöpfende Werk in
deutscher Sprache. Um sich dieser
Tätigkeit voll und ganz widmen zu
können, verkaufte N. sein Landgut
und siedelte 1865 nach Elbing über,
wo er, verschiedene Reisen durch
einen großen Teil Europas abgerech-
net, bis 1881 verblieb. Seitdem lebte
er in Berlin und Königsberg, kehrte
aber 1884 zu dauerndem Aufenthalt
nach Elbing zurück. Er starb am 28.
April 1905. Sein ganzes bedeuten-
des Vermögen vermachte er der Stadt

* 10


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Nit
einige Zeit daſelbſt zu verweilen und
Land und Leute kennen zu lernen.
Sie lebt noch jetzt als Lehrerin an
der deutſchen Schule daſelbſt.

S:


Freudvoll und leidvoll (Ge.), 1884.
‒ Die Weihnachtsfeier im Kinder-
garten (Geſänge u. Deklamationen),
1890. ‒ Kinderſpiele, Kinderlieder
u. a. für den Kindergarten, 1902. ‒
Volksmärchenſpiele, 1904.

*Nitſchke, Julius Ernſt Auguſt
v.,

geb. am 31. Okt. 1818 zu Braun-
ſchweig, beſuchte das Geſamtgymna-
ſium daſelbſt u. ſtudierte von 1838-41
in Göttingen die ihm gegen ſeinen
Wunſch aufgedrungenen Rechtswiſ-
ſenſchaften. Hatten ſchon in Braun-
ſchweig die Bande der Freundſchaft
und eine vorwiegend der deutſchen
poetiſchen Literatur zugewandte Liebe
ihm und mehreren Mitſchülern in
einem ſogenannten „Dichterbunde“
einen erwünſchten geiſtigen Vereini-
gungspunkt dargeboten, in dem be-
ſonders eigene poetiſche Verſuche vor-
geleſen, beſprochen und beurteilt
wurden, ſo erweiterte ſich in der Fort-
ſetzung dieſes Vereins auf der Uni-
verſität das Streben gleichgeſinnter
Freunde dahin, die Schätze der deut-
ſchen Literatur durch mündlichen
Gedankenaustauſch und eine äſtheti-
ſche Analyſe dem beſſern Verſtändnis
zu erſchließen. Nach Abſolvierung der
Studien diente N. einige Jahre als
Auditor, um ſodann, nach erlangter
väterlicher Einwilligung, die juriſti-
ſche Laufbahn zu verlaſſen. Seitdem
widmete er ſeine, leider durch kör-
perliche, 1850 eingetretene Lähmung
beſchränkte Kraft neben naturwiſ-
ſenſchaftlichen Studien ganz ſeiner
Lieblingsbeſchäftigung, der Poeſie.
Seinen Wohnſitz behielt er in Braun-
ſchweig bei u. daſelbſt iſt er im Mai
1878 geſtorben.

S:

Sänge u. Klänge
(L.), 1854. ‒ Lieder (Nach des Verf.
Tode hrsg.), 1879.

*Nitſchmann, Heinrich,

Litera-
urhiſtoriker u. bedeutender Überſetzer
[Spaltenumbruch]

Nit
a. d. Slawiſchen, wurde am 26. April
1826 zu Elbing geboren und von ſei-
nem Vater, der dort Kreisgerichts-
rat war, für die juriſtiſche Laufbahn
beſtimmt. Als er indes das Elbinger
Gymnaſium abſolviert hatte, ſtellte
es ſich heraus, daß durch frühe und
anhaltende Anſtrengung ſeine Ge-
ſundheit ſehr geſchwächt war, und ſo
wandte er ſich der Landwirtſchaft zu.
Jn der Stille des Landlebens wurde
nicht nur ſeine Geſundheit befeſtigt,
ſondern es erwachte auch die alte
Liebe zu den Wiſſenſchaften, beſon-
ders zu fremden Sprachen und zur
Dichtkunſt. Nachdem N. einen Win-
ter hindurch an der Berliner Uni-
verſität Vorleſungen gehört, kaufte
er das Rittergut Poſaren und konnte
nun ganz ſeinen Neigungen leben.
Außer fremden Sprachen, Griechiſch,
Lateiniſch, Franzöſiſch, Engliſch, Hol-
ländiſch, Polniſch u. Serbiſch, die er
völlig beherrſchte, wandte er ſeine
Muße auch der Muſik zu, und meh-
rere von ihm für Klavier, ſowie für
Orcheſter geſchriebene Kompoſitio-
nen geben Zeugnis von ſeiner muſi-
kaliſchen Begabung. Der Schwer-
punkt ſeiner literariſchen Tätigkeit
iſt indeſſen in ſeinen Überſetzungen
aus dem Polniſchen zu ſuchen, u. N.
gebührt wohl das meiſte Verdienſt,
die Schätze der polniſchen Literatur
den Deutſchen zugänglich gemacht zu
haben. Seine „Geſchichte der polni-
ſchen Literatur“ iſt das erſte dieſen
Gegenſtand erſchöpfende Werk in
deutſcher Sprache. Um ſich dieſer
Tätigkeit voll und ganz widmen zu
können, verkaufte N. ſein Landgut
und ſiedelte 1865 nach Elbing über,
wo er, verſchiedene Reiſen durch
einen großen Teil Europas abgerech-
net, bis 1881 verblieb. Seitdem lebte
er in Berlin und Königsberg, kehrte
aber 1884 zu dauerndem Aufenthalt
nach Elbing zurück. Er ſtarb am 28.
April 1905. Sein ganzes bedeuten-
des Vermögen vermachte er der Stadt

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[145/0149] Nit Nit einige Zeit daſelbſt zu verweilen und Land und Leute kennen zu lernen. Sie lebt noch jetzt als Lehrerin an der deutſchen Schule daſelbſt. S: Freudvoll und leidvoll (Ge.), 1884. ‒ Die Weihnachtsfeier im Kinder- garten (Geſänge u. Deklamationen), 1890. ‒ Kinderſpiele, Kinderlieder u. a. für den Kindergarten, 1902. ‒ Volksmärchenſpiele, 1904. *Nitſchke, Julius Ernſt Auguſt v., geb. am 31. Okt. 1818 zu Braun- ſchweig, beſuchte das Geſamtgymna- ſium daſelbſt u. ſtudierte von 1838-41 in Göttingen die ihm gegen ſeinen Wunſch aufgedrungenen Rechtswiſ- ſenſchaften. Hatten ſchon in Braun- ſchweig die Bande der Freundſchaft und eine vorwiegend der deutſchen poetiſchen Literatur zugewandte Liebe ihm und mehreren Mitſchülern in einem ſogenannten „Dichterbunde“ einen erwünſchten geiſtigen Vereini- gungspunkt dargeboten, in dem be- ſonders eigene poetiſche Verſuche vor- geleſen, beſprochen und beurteilt wurden, ſo erweiterte ſich in der Fort- ſetzung dieſes Vereins auf der Uni- verſität das Streben gleichgeſinnter Freunde dahin, die Schätze der deut- ſchen Literatur durch mündlichen Gedankenaustauſch und eine äſtheti- ſche Analyſe dem beſſern Verſtändnis zu erſchließen. Nach Abſolvierung der Studien diente N. einige Jahre als Auditor, um ſodann, nach erlangter väterlicher Einwilligung, die juriſti- ſche Laufbahn zu verlaſſen. Seitdem widmete er ſeine, leider durch kör- perliche, 1850 eingetretene Lähmung beſchränkte Kraft neben naturwiſ- ſenſchaftlichen Studien ganz ſeiner Lieblingsbeſchäftigung, der Poeſie. Seinen Wohnſitz behielt er in Braun- ſchweig bei u. daſelbſt iſt er im Mai 1878 geſtorben. S: Sänge u. Klänge (L.), 1854. ‒ Lieder (Nach des Verf. Tode hrsg.), 1879. *Nitſchmann, Heinrich, Litera- urhiſtoriker u. bedeutender Überſetzer a. d. Slawiſchen, wurde am 26. April 1826 zu Elbing geboren und von ſei- nem Vater, der dort Kreisgerichts- rat war, für die juriſtiſche Laufbahn beſtimmt. Als er indes das Elbinger Gymnaſium abſolviert hatte, ſtellte es ſich heraus, daß durch frühe und anhaltende Anſtrengung ſeine Ge- ſundheit ſehr geſchwächt war, und ſo wandte er ſich der Landwirtſchaft zu. Jn der Stille des Landlebens wurde nicht nur ſeine Geſundheit befeſtigt, ſondern es erwachte auch die alte Liebe zu den Wiſſenſchaften, beſon- ders zu fremden Sprachen und zur Dichtkunſt. Nachdem N. einen Win- ter hindurch an der Berliner Uni- verſität Vorleſungen gehört, kaufte er das Rittergut Poſaren und konnte nun ganz ſeinen Neigungen leben. Außer fremden Sprachen, Griechiſch, Lateiniſch, Franzöſiſch, Engliſch, Hol- ländiſch, Polniſch u. Serbiſch, die er völlig beherrſchte, wandte er ſeine Muße auch der Muſik zu, und meh- rere von ihm für Klavier, ſowie für Orcheſter geſchriebene Kompoſitio- nen geben Zeugnis von ſeiner muſi- kaliſchen Begabung. Der Schwer- punkt ſeiner literariſchen Tätigkeit iſt indeſſen in ſeinen Überſetzungen aus dem Polniſchen zu ſuchen, u. N. gebührt wohl das meiſte Verdienſt, die Schätze der polniſchen Literatur den Deutſchen zugänglich gemacht zu haben. Seine „Geſchichte der polni- ſchen Literatur“ iſt das erſte dieſen Gegenſtand erſchöpfende Werk in deutſcher Sprache. Um ſich dieſer Tätigkeit voll und ganz widmen zu können, verkaufte N. ſein Landgut und ſiedelte 1865 nach Elbing über, wo er, verſchiedene Reiſen durch einen großen Teil Europas abgerech- net, bis 1881 verblieb. Seitdem lebte er in Berlin und Königsberg, kehrte aber 1884 zu dauerndem Aufenthalt nach Elbing zurück. Er ſtarb am 28. April 1905. Sein ganzes bedeuten- des Vermögen vermachte er der Stadt * 10

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Zitationshilfe: Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 5. 6. Aufl. Leipzig, 1913, S. 145. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bruemmer_lexikon05_1913/149>, abgerufen am 20.02.2019.