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Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 5. 6. Aufl. Leipzig, 1913.

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Niederösterreich versetzt ward, besuchte
hier seit dem 12. Jahre das Jnstitut
der Englischen Fräulein, wo sie einen
gediegenen Unterricht erhielt, und
setzte auch nach dem Verlassen des Jn-
stituts ihre Studien in Sprachen u.
Musik eifrig fort. Mit 19 Jahren
nahm sie eine Stelle als Erzieherin
in der Familie eines serbischen Offi-
ziers in Kragujewatz an, gab dieselbe
aber nach einem halben Jahre, als
ein Einfall der Türken ins serbische
Gebiet drohte, wieder auf, reiste in
demselben Jahre noch nach Jtalien
und wurde Gesellschafterin im Hause
eines reichen Seidenfabrikanten der
Lagunenstadt. Den Sommer ver-
brachte sie auf einem Gute nahe bei
Treviso, so daß sie nicht nur das
prächtige Leben der venetianischen
Großen, sondern auch das Leben der
italienischen Landbewohner zur Ge-
nüge kennen lernte. Leider wurde ihr
das heimtückische Klima Venedigs
zum Verhängnis; krank kehrte sie
heim, und Jahre vergingen, bis sie
sich halbwegs erholt hatte. Daher
kam es auch, daß sie trotz ihrer dich-
terischen Begabung erst seit 1902 als
Schriftstellerin in den verschiedensten
Blättern Österreichs und Deutsch-
lands hervortrat. Seit 1904 lebt sie
in Wien, verbringt aber den Sommer
stets in ihrem reizenden Asyl in Hol-
lenburg a. d. Donau.

S:

Der Weg
zur Ehe (Lsp.), 1904. - Jungfräuliche
Briefe (R.), 1906. - Traumseele.
Herzblättchen (2 Nn.), 1907. - Kin-
deraugen (N.), 1907. - Das Rätsel
von Lovrana. Sirenenkünste (2 Nn.),
1908. - Barmherzigkeit (N.), 1910. -
Büßerinnen (R.), 1911.

Panzer, Franziska,

geb. 1868, ist
die Tochter eines Schauspielers, der
unter dem Namen "Fürst" auf Pro-
vinzbühnen spielte. Da der Vater
nur wenig zum Unterhalt der Mut-
ter und Tochter, die in Berlin und
seit 1892 in Groß-Lichterfelde wohn-
ten, beitragen konnte, so lag die
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Pap
Hauptsorge um Beschaffung des Not-
wendigsten meist auf der Tochter,
welche ihre schriftstellerische Bega-
bung in den Dienst des Erwerbs
stellte. Da erkrankte die Mutter, die
Not nahm einen steigenden Umfang
an, und so beschlossen Mutter und
Tochter, gemeinschaftlich in den Tod
zu gehen. Sie stürzten sich am 31.
Oktbr. 1899 in den Teltower See.
Die Mutter ertrank, während die
Tochter gerettet wurde.

S:

Jn Got-
tes Mühle. Jephthas Tochter (2 En.),
1899.

Paoli, Betty,

Pseud. für Barbara
(Babette) Glück; s. d.!

Pape, Diederich,

geb. am 16. Aug.
1802 im Hannöverschen als der Sohn
eines Müllers, studierte 1824-27 in
Göttingen Philosophie u. Theologie
und war hier der Gründer und För-
derer einer Art kleinen Hainbundes,
dem unter andern Adf. Peters (s. d.!),
Werner Bergmann (s. d.!), Schu-
macher, Fortlage u. a. angehörten.
Auch mit Heinrich Heine, der damals
in Göttingen an seiner Harzreise
schrieb, verkehrte er (1826) sehr viel.
Mitte der dreißiger Jahre wurde P.
Prediger in Kirchohsen, ein Jahr-
zehnt später in Hanstedt und im Mai
1857 in Sülfeld b. Fallersleben, wo
er am 28. September 1877 starb.

S:


Die Täler (Jdyll. G.), 1827. - Die
Sterne (Ein Schöpfungslied in fünf
Ges. [Ottaven]), 1837. - Christus
(Ep. Gemälde), 1840.

*Pape, Joseph,

wurde am 4. April
1831 zu Eslohe, einem Dorfe in
Westfalen, geboren, wo seine Eltern
Bauersleute waren. Unter der Hut
einer früh verwitweten Mutter
wuchs er als deren einziges Kind in
der Fülle katholisch-westfäl. Volks-
lebens heran, absolvierte das Gym-
nasium zu Arnsberg u. studierte seit
1849 in München, seit 1850 in Tü-
bingen und seit 1851 in Berlin die
Rechte. Nachdem er dann als Aus-
kultator und Referendar sich bei ver-

*


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Pan
Niederöſterreich verſetzt ward, beſuchte
hier ſeit dem 12. Jahre das Jnſtitut
der Engliſchen Fräulein, wo ſie einen
gediegenen Unterricht erhielt, und
ſetzte auch nach dem Verlaſſen des Jn-
ſtituts ihre Studien in Sprachen u.
Muſik eifrig fort. Mit 19 Jahren
nahm ſie eine Stelle als Erzieherin
in der Familie eines ſerbiſchen Offi-
ziers in Kragujewatz an, gab dieſelbe
aber nach einem halben Jahre, als
ein Einfall der Türken ins ſerbiſche
Gebiet drohte, wieder auf, reiſte in
demſelben Jahre noch nach Jtalien
und wurde Geſellſchafterin im Hauſe
eines reichen Seidenfabrikanten der
Lagunenſtadt. Den Sommer ver-
brachte ſie auf einem Gute nahe bei
Treviſo, ſo daß ſie nicht nur das
prächtige Leben der venetianiſchen
Großen, ſondern auch das Leben der
italieniſchen Landbewohner zur Ge-
nüge kennen lernte. Leider wurde ihr
das heimtückiſche Klima Venedigs
zum Verhängnis; krank kehrte ſie
heim, und Jahre vergingen, bis ſie
ſich halbwegs erholt hatte. Daher
kam es auch, daß ſie trotz ihrer dich-
teriſchen Begabung erſt ſeit 1902 als
Schriftſtellerin in den verſchiedenſten
Blättern Öſterreichs und Deutſch-
lands hervortrat. Seit 1904 lebt ſie
in Wien, verbringt aber den Sommer
ſtets in ihrem reizenden Aſyl in Hol-
lenburg a. d. Donau.

S:

Der Weg
zur Ehe (Lſp.), 1904. ‒ Jungfräuliche
Briefe (R.), 1906. ‒ Traumſeele.
Herzblättchen (2 Nn.), 1907. ‒ Kin-
deraugen (N.), 1907. ‒ Das Rätſel
von Lovrana. Sirenenkünſte (2 Nn.),
1908. ‒ Barmherzigkeit (N.), 1910. ‒
Büßerinnen (R.), 1911.

Panzer, Franziska,

geb. 1868, iſt
die Tochter eines Schauſpielers, der
unter dem Namen „Fürſt“ auf Pro-
vinzbühnen ſpielte. Da der Vater
nur wenig zum Unterhalt der Mut-
ter und Tochter, die in Berlin und
ſeit 1892 in Groß-Lichterfelde wohn-
ten, beitragen konnte, ſo lag die
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Pap
Hauptſorge um Beſchaffung des Not-
wendigſten meiſt auf der Tochter,
welche ihre ſchriftſtelleriſche Bega-
bung in den Dienſt des Erwerbs
ſtellte. Da erkrankte die Mutter, die
Not nahm einen ſteigenden Umfang
an, und ſo beſchloſſen Mutter und
Tochter, gemeinſchaftlich in den Tod
zu gehen. Sie ſtürzten ſich am 31.
Oktbr. 1899 in den Teltower See.
Die Mutter ertrank, während die
Tochter gerettet wurde.

S:

Jn Got-
tes Mühle. Jephthas Tochter (2 En.),
1899.

Paoli, Betty,

Pſeud. für Barbara
(Babette) Glück; ſ. d.!

Pape, Diederich,

geb. am 16. Aug.
1802 im Hannöverſchen als der Sohn
eines Müllers, ſtudierte 1824‒27 in
Göttingen Philoſophie u. Theologie
und war hier der Gründer und För-
derer einer Art kleinen Hainbundes,
dem unter andern Adf. Peters (ſ. d.!),
Werner Bergmann (ſ. d.!), Schu-
macher, Fortlage u. a. angehörten.
Auch mit Heinrich Heine, der damals
in Göttingen an ſeiner Harzreiſe
ſchrieb, verkehrte er (1826) ſehr viel.
Mitte der dreißiger Jahre wurde P.
Prediger in Kirchohſen, ein Jahr-
zehnt ſpäter in Hanſtedt und im Mai
1857 in Sülfeld b. Fallersleben, wo
er am 28. September 1877 ſtarb.

S:


Die Täler (Jdyll. G.), 1827. ‒ Die
Sterne (Ein Schöpfungslied in fünf
Geſ. [Ottaven]), 1837. ‒ Chriſtus
(Ep. Gemälde), 1840.

*Pape, Joſeph,

wurde am 4. April
1831 zu Eslohe, einem Dorfe in
Weſtfalen, geboren, wo ſeine Eltern
Bauersleute waren. Unter der Hut
einer früh verwitweten Mutter
wuchs er als deren einziges Kind in
der Fülle katholiſch-weſtfäl. Volks-
lebens heran, abſolvierte das Gym-
naſium zu Arnsberg u. ſtudierte ſeit
1849 in München, ſeit 1850 in Tü-
bingen und ſeit 1851 in Berlin die
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kultator und Referendar ſich bei ver-

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[224/0228] Pan Pap Niederöſterreich verſetzt ward, beſuchte hier ſeit dem 12. Jahre das Jnſtitut der Engliſchen Fräulein, wo ſie einen gediegenen Unterricht erhielt, und ſetzte auch nach dem Verlaſſen des Jn- ſtituts ihre Studien in Sprachen u. Muſik eifrig fort. Mit 19 Jahren nahm ſie eine Stelle als Erzieherin in der Familie eines ſerbiſchen Offi- ziers in Kragujewatz an, gab dieſelbe aber nach einem halben Jahre, als ein Einfall der Türken ins ſerbiſche Gebiet drohte, wieder auf, reiſte in demſelben Jahre noch nach Jtalien und wurde Geſellſchafterin im Hauſe eines reichen Seidenfabrikanten der Lagunenſtadt. Den Sommer ver- brachte ſie auf einem Gute nahe bei Treviſo, ſo daß ſie nicht nur das prächtige Leben der venetianiſchen Großen, ſondern auch das Leben der italieniſchen Landbewohner zur Ge- nüge kennen lernte. Leider wurde ihr das heimtückiſche Klima Venedigs zum Verhängnis; krank kehrte ſie heim, und Jahre vergingen, bis ſie ſich halbwegs erholt hatte. Daher kam es auch, daß ſie trotz ihrer dich- teriſchen Begabung erſt ſeit 1902 als Schriftſtellerin in den verſchiedenſten Blättern Öſterreichs und Deutſch- lands hervortrat. Seit 1904 lebt ſie in Wien, verbringt aber den Sommer ſtets in ihrem reizenden Aſyl in Hol- lenburg a. d. Donau. S: Der Weg zur Ehe (Lſp.), 1904. ‒ Jungfräuliche Briefe (R.), 1906. ‒ Traumſeele. Herzblättchen (2 Nn.), 1907. ‒ Kin- deraugen (N.), 1907. ‒ Das Rätſel von Lovrana. Sirenenkünſte (2 Nn.), 1908. ‒ Barmherzigkeit (N.), 1910. ‒ Büßerinnen (R.), 1911. Panzer, Franziska, geb. 1868, iſt die Tochter eines Schauſpielers, der unter dem Namen „Fürſt“ auf Pro- vinzbühnen ſpielte. Da der Vater nur wenig zum Unterhalt der Mut- ter und Tochter, die in Berlin und ſeit 1892 in Groß-Lichterfelde wohn- ten, beitragen konnte, ſo lag die Hauptſorge um Beſchaffung des Not- wendigſten meiſt auf der Tochter, welche ihre ſchriftſtelleriſche Bega- bung in den Dienſt des Erwerbs ſtellte. Da erkrankte die Mutter, die Not nahm einen ſteigenden Umfang an, und ſo beſchloſſen Mutter und Tochter, gemeinſchaftlich in den Tod zu gehen. Sie ſtürzten ſich am 31. Oktbr. 1899 in den Teltower See. Die Mutter ertrank, während die Tochter gerettet wurde. S: Jn Got- tes Mühle. Jephthas Tochter (2 En.), 1899. Paoli, Betty, Pſeud. für Barbara (Babette) Glück; ſ. d.! Pape, Diederich, geb. am 16. Aug. 1802 im Hannöverſchen als der Sohn eines Müllers, ſtudierte 1824‒27 in Göttingen Philoſophie u. Theologie und war hier der Gründer und För- derer einer Art kleinen Hainbundes, dem unter andern Adf. Peters (ſ. d.!), Werner Bergmann (ſ. d.!), Schu- macher, Fortlage u. a. angehörten. Auch mit Heinrich Heine, der damals in Göttingen an ſeiner Harzreiſe ſchrieb, verkehrte er (1826) ſehr viel. Mitte der dreißiger Jahre wurde P. Prediger in Kirchohſen, ein Jahr- zehnt ſpäter in Hanſtedt und im Mai 1857 in Sülfeld b. Fallersleben, wo er am 28. September 1877 ſtarb. S: Die Täler (Jdyll. G.), 1827. ‒ Die Sterne (Ein Schöpfungslied in fünf Geſ. [Ottaven]), 1837. ‒ Chriſtus (Ep. Gemälde), 1840. *Pape, Joſeph, wurde am 4. April 1831 zu Eslohe, einem Dorfe in Weſtfalen, geboren, wo ſeine Eltern Bauersleute waren. Unter der Hut einer früh verwitweten Mutter wuchs er als deren einziges Kind in der Fülle katholiſch-weſtfäl. Volks- lebens heran, abſolvierte das Gym- naſium zu Arnsberg u. ſtudierte ſeit 1849 in München, ſeit 1850 in Tü- bingen und ſeit 1851 in Berlin die Rechte. Nachdem er dann als Aus- kultator und Referendar ſich bei ver- *

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Zitationshilfe: Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 5. 6. Aufl. Leipzig, 1913, S. 224. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bruemmer_lexikon05_1913/228>, abgerufen am 23.02.2019.