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Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 5. 6. Aufl. Leipzig, 1913.

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Pip
(Plattdütsch Gesch.), 1898. - Jn'n
Middelkraug (desgl.), 1899.

Piper, Reinhard,

geb. am 31. Okt.
1879 in Penzlin (Mecklenburg), lebt
(1903) in Dresden.

S:

Meine Ju-
gend (Ge.), 1899.

*Pipirs Gustav,

wurde am 1.
September 1862 in dem Fischerdorfe
Nidden auf der kurischen Nehrung
geboren, wo sein Vater kurze Zeit als
lutherischer Pfarrer wirkte. Zumeist
von letzterem vorbereitet, bezog er
das Gymnasium zu Jnsterburg und
nach anderthalb Jahren die Prima
des Tilsiter Gymnasiums, um hier in
den Genuß des litauischen Stipen-
diums zu treten. Jm Jahre 1880
ging er zur Universität über und stu-
dierte in Königsberg drei Jahre lang
Geschichte, Geographie, deutsche
Sprache und Literatur und atwas
Nationalökonomie. Dann siedelte er
in die russischen Ostseeprovinzen über,
erwarb sich im September 1883 in
Dorpat den Grad eines Oberlehrers
der deutschen Sprache und der histo-
rischen Wissenschaften und lebte seit
1884 als Lehrer und Schriftsteller in
Riga. Am 1. Januar 1888 gründete
er mit russischen Kronsubsidien die
"Düna-Zeitung", ein Blatt, das in
deutscher Sprache die russischen Jn-
teressen vertrat und deshalb von den
Deutschen völlig ignoriert wurde u.
im Oktober 1890 in andere Hände
überging. Nach diesem Fiasko ver-
ließ P. Riga und wandte sich nach
Petersburg, wo er in die Redaktion
des "Herold" eintrat. 1899 beteiligte
er sich hier an der Gründung des
"Neuen deutschen Theaters", das aber
schon im Herbst 1900 als nicht lebens-
fähig wieder geschlossen ward.

S:


Am Aryssee. Sirenenstimmen (2 Nn.),
1886.

*Pirazzi, Emil,

Sohn des Dich-
ters Joseph P., der eine Saitenhand-
lung in Offenbach am Main besaß,
wurde daselbst am 3. August 1832
geboren, trat, nachdem er die dortige
[Spaltenumbruch]

Pir
Realschule absolviert hatte, in das
Geschäft seines Vaters ein, wurde
später dessen Associe und nach des
Vaters Tode (1868) alleiniger Jn-
haber der alten Firma G. Pirazzi u.
Söhne. Zwischendurch machte er grö-
ßere Reisen, so 1851 zur ersten Welt-
industrieausstellung nach London; in
Winter 1856 auf 1857 über Korfu
Korinth, Athen, Smyrna nach Ale-
xandrien u. Kairo, wo er einen mehr-
monatigen Aufenthalt nahm; dann
den Nil hinauf bis zur Jnsel Philä
in Nubten, zurück im Frühjahr 1857
über Malta, Sizilien, Neapel und
Südfrankreich; den Winter u. Früh-
ling 1861-62 brachte er in Jtalien
(Florenz und Rom) zu. Jn seiner
Heimat war P. auch im öffentlichen
Leben vielfach tätig; er begründete
1855 einen Zweigverein der Schiller-
Stiftung, rief 1858 die "Freireligiöse
Stiftung" und 1861 den "Deutschen
Schützenbund" ins Leben und betei-
ligte sich 1859 und 1860 in hervor-
ragender Weise bei der Gründung u.
Ausbreitung des Nationalvereins,
wofür er eine kurze Gefängnisstrafe
zu verbüßen hatte. Seit Jahren war
er Vorsteher der von seinem Vater
1845 gegründeten deutsch-katholischen
Gemeinde in seiner Vaterstadt u. der
deutschen freireligiösen Stiftungen;
daneben war er vielfach als Tages-
schriftsteller bei Frankfurter und an-
deren Blättern politisch und schön-
geistig tätig. Er starb in Offenbach
am 8. Jan. 1898. Unter seinen poli-
tischen Schriften sind besonders her-
vorzuheben die selbst gesammelten
"Stimmen des Mittelalters wider
die Päpste und ihr weltliches Reich"
(1872).

S:

Vorspieldichtung zu Schil-
lers 50 jähriger Todesfeier, 1855. -
Gräfin Chateaubriand (Dr.), 1856,
1882. - Fünf Zeitgedichte, 1859. -
Ein Dichtertraum (Prologdichtung),
1859. - Rienzi, der Tribun (Dr.),
1873. - Moderne Größen (Schsp.),
1873. - Die Erbin von Maurach

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Pip
(Plattdütſch Geſch.), 1898. ‒ Jn’n
Middelkraug (desgl.), 1899.

Piper, Reinhard,

geb. am 31. Okt.
1879 in Penzlin (Mecklenburg), lebt
(1903) in Dresden.

S:

Meine Ju-
gend (Ge.), 1899.

*Pipirs Guſtav,

wurde am 1.
September 1862 in dem Fiſcherdorfe
Nidden auf der kuriſchen Nehrung
geboren, wo ſein Vater kurze Zeit als
lutheriſcher Pfarrer wirkte. Zumeiſt
von letzterem vorbereitet, bezog er
das Gymnaſium zu Jnſterburg und
nach anderthalb Jahren die Prima
des Tilſiter Gymnaſiums, um hier in
den Genuß des litauiſchen Stipen-
diums zu treten. Jm Jahre 1880
ging er zur Univerſität über und ſtu-
dierte in Königsberg drei Jahre lang
Geſchichte, Geographie, deutſche
Sprache und Literatur und atwas
Nationalökonomie. Dann ſiedelte er
in die ruſſiſchen Oſtſeeprovinzen über,
erwarb ſich im September 1883 in
Dorpat den Grad eines Oberlehrers
der deutſchen Sprache und der hiſto-
riſchen Wiſſenſchaften und lebte ſeit
1884 als Lehrer und Schriftſteller in
Riga. Am 1. Januar 1888 gründete
er mit ruſſiſchen Kronſubſidien die
„Düna-Zeitung“, ein Blatt, das in
deutſcher Sprache die ruſſiſchen Jn-
tereſſen vertrat und deshalb von den
Deutſchen völlig ignoriert wurde u.
im Oktober 1890 in andere Hände
überging. Nach dieſem Fiasko ver-
ließ P. Riga und wandte ſich nach
Petersburg, wo er in die Redaktion
des „Herold“ eintrat. 1899 beteiligte
er ſich hier an der Gründung des
„Neuen deutſchen Theaters“, das aber
ſchon im Herbſt 1900 als nicht lebens-
fähig wieder geſchloſſen ward.

S:


Am Arysſee. Sirenenſtimmen (2 Nn.),
1886.

*Pirazzi, Emil,

Sohn des Dich-
ters Joſeph P., der eine Saitenhand-
lung in Offenbach am Main beſaß,
wurde daſelbſt am 3. Auguſt 1832
geboren, trat, nachdem er die dortige
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Pir
Realſchule abſolviert hatte, in das
Geſchäft ſeines Vaters ein, wurde
ſpäter deſſen Aſſocié und nach des
Vaters Tode (1868) alleiniger Jn-
haber der alten Firma G. Pirazzi u.
Söhne. Zwiſchendurch machte er grö-
ßere Reiſen, ſo 1851 zur erſten Welt-
induſtrieausſtellung nach London; in
Winter 1856 auf 1857 über Korfu
Korinth, Athen, Smyrna nach Ale-
xandrien u. Kairo, wo er einen mehr-
monatigen Aufenthalt nahm; dann
den Nil hinauf bis zur Jnſel Philä
in Nubten, zurück im Frühjahr 1857
über Malta, Sizilien, Neapel und
Südfrankreich; den Winter u. Früh-
ling 1861‒62 brachte er in Jtalien
(Florenz und Rom) zu. Jn ſeiner
Heimat war P. auch im öffentlichen
Leben vielfach tätig; er begründete
1855 einen Zweigverein der Schiller-
Stiftung, rief 1858 die „Freireligiöſe
Stiftung“ und 1861 den „Deutſchen
Schützenbund“ ins Leben und betei-
ligte ſich 1859 und 1860 in hervor-
ragender Weiſe bei der Gründung u.
Ausbreitung des Nationalvereins,
wofür er eine kurze Gefängnisſtrafe
zu verbüßen hatte. Seit Jahren war
er Vorſteher der von ſeinem Vater
1845 gegründeten deutſch-katholiſchen
Gemeinde in ſeiner Vaterſtadt u. der
deutſchen freireligiöſen Stiftungen;
daneben war er vielfach als Tages-
ſchriftſteller bei Frankfurter und an-
deren Blättern politiſch und ſchön-
geiſtig tätig. Er ſtarb in Offenbach
am 8. Jan. 1898. Unter ſeinen poli-
tiſchen Schriften ſind beſonders her-
vorzuheben die ſelbſt geſammelten
„Stimmen des Mittelalters wider
die Päpſte und ihr weltliches Reich“
(1872).

S:

Vorſpieldichtung zu Schil-
lers 50 jähriger Todesfeier, 1855. ‒
Gräfin Chateaubriand (Dr.), 1856,
1882. ‒ Fünf Zeitgedichte, 1859. ‒
Ein Dichtertraum (Prologdichtung),
1859. ‒ Rienzi, der Tribun (Dr.),
1873. ‒ Moderne Größen (Schſp.),
1873. ‒ Die Erbin von Maurach

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[294/0298] Pip Pir (Plattdütſch Geſch.), 1898. ‒ Jn’n Middelkraug (desgl.), 1899. Piper, Reinhard, geb. am 31. Okt. 1879 in Penzlin (Mecklenburg), lebt (1903) in Dresden. S: Meine Ju- gend (Ge.), 1899. *Pipirs Guſtav, wurde am 1. September 1862 in dem Fiſcherdorfe Nidden auf der kuriſchen Nehrung geboren, wo ſein Vater kurze Zeit als lutheriſcher Pfarrer wirkte. Zumeiſt von letzterem vorbereitet, bezog er das Gymnaſium zu Jnſterburg und nach anderthalb Jahren die Prima des Tilſiter Gymnaſiums, um hier in den Genuß des litauiſchen Stipen- diums zu treten. Jm Jahre 1880 ging er zur Univerſität über und ſtu- dierte in Königsberg drei Jahre lang Geſchichte, Geographie, deutſche Sprache und Literatur und atwas Nationalökonomie. Dann ſiedelte er in die ruſſiſchen Oſtſeeprovinzen über, erwarb ſich im September 1883 in Dorpat den Grad eines Oberlehrers der deutſchen Sprache und der hiſto- riſchen Wiſſenſchaften und lebte ſeit 1884 als Lehrer und Schriftſteller in Riga. Am 1. Januar 1888 gründete er mit ruſſiſchen Kronſubſidien die „Düna-Zeitung“, ein Blatt, das in deutſcher Sprache die ruſſiſchen Jn- tereſſen vertrat und deshalb von den Deutſchen völlig ignoriert wurde u. im Oktober 1890 in andere Hände überging. Nach dieſem Fiasko ver- ließ P. Riga und wandte ſich nach Petersburg, wo er in die Redaktion des „Herold“ eintrat. 1899 beteiligte er ſich hier an der Gründung des „Neuen deutſchen Theaters“, das aber ſchon im Herbſt 1900 als nicht lebens- fähig wieder geſchloſſen ward. S: Am Arysſee. Sirenenſtimmen (2 Nn.), 1886. *Pirazzi, Emil, Sohn des Dich- ters Joſeph P., der eine Saitenhand- lung in Offenbach am Main beſaß, wurde daſelbſt am 3. Auguſt 1832 geboren, trat, nachdem er die dortige Realſchule abſolviert hatte, in das Geſchäft ſeines Vaters ein, wurde ſpäter deſſen Aſſocié und nach des Vaters Tode (1868) alleiniger Jn- haber der alten Firma G. Pirazzi u. Söhne. Zwiſchendurch machte er grö- ßere Reiſen, ſo 1851 zur erſten Welt- induſtrieausſtellung nach London; in Winter 1856 auf 1857 über Korfu Korinth, Athen, Smyrna nach Ale- xandrien u. Kairo, wo er einen mehr- monatigen Aufenthalt nahm; dann den Nil hinauf bis zur Jnſel Philä in Nubten, zurück im Frühjahr 1857 über Malta, Sizilien, Neapel und Südfrankreich; den Winter u. Früh- ling 1861‒62 brachte er in Jtalien (Florenz und Rom) zu. Jn ſeiner Heimat war P. auch im öffentlichen Leben vielfach tätig; er begründete 1855 einen Zweigverein der Schiller- Stiftung, rief 1858 die „Freireligiöſe Stiftung“ und 1861 den „Deutſchen Schützenbund“ ins Leben und betei- ligte ſich 1859 und 1860 in hervor- ragender Weiſe bei der Gründung u. Ausbreitung des Nationalvereins, wofür er eine kurze Gefängnisſtrafe zu verbüßen hatte. Seit Jahren war er Vorſteher der von ſeinem Vater 1845 gegründeten deutſch-katholiſchen Gemeinde in ſeiner Vaterſtadt u. der deutſchen freireligiöſen Stiftungen; daneben war er vielfach als Tages- ſchriftſteller bei Frankfurter und an- deren Blättern politiſch und ſchön- geiſtig tätig. Er ſtarb in Offenbach am 8. Jan. 1898. Unter ſeinen poli- tiſchen Schriften ſind beſonders her- vorzuheben die ſelbſt geſammelten „Stimmen des Mittelalters wider die Päpſte und ihr weltliches Reich“ (1872). S: Vorſpieldichtung zu Schil- lers 50 jähriger Todesfeier, 1855. ‒ Gräfin Chateaubriand (Dr.), 1856, 1882. ‒ Fünf Zeitgedichte, 1859. ‒ Ein Dichtertraum (Prologdichtung), 1859. ‒ Rienzi, der Tribun (Dr.), 1873. ‒ Moderne Größen (Schſp.), 1873. ‒ Die Erbin von Maurach *

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Zitationshilfe: Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 5. 6. Aufl. Leipzig, 1913, S. 294. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bruemmer_lexikon05_1913/298>, abgerufen am 17.02.2019.