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Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 5. 6. Aufl. Leipzig, 1913.

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fessor am Gymnasium in Zwickau, an
welchem er bis Ostern 1888 tätig war.
Seitdem lebte er daselbst im Ruhe-
stande und starb am 19. Dezbr. 1895.

S:

Jn Dämmerlicht und Sonnen-
schein (Ge.), 1888. 2. A. 1908. -
Christi Geburt (Weihnachtsfestsp.),
1894. 4. A. 1910.

Mosen, Julius,

wurde am 8. Juli
1803 zu Marieney, einem Dorfe des
sächsischen Vogtlandes, geboren, wo
sein Vater Schullehrer war. Dieser
unterrichtete den Knaben selbst, bis
er ihn 1817 auf das Gymnasium nach
Plauen brachte. Von da aus bezog
der angehende Student 1822 die Uni-
versität Jena, um sich der Rechts-
wissenschaft zu widmen. Schon im
folgenden Jahre starb sein Vater,
worauf die bedrängte Mutter mit
vier Kindern nach ihrem Heimatstädt-
chen Ölsnitz übersiedelte, während der
junge Rechtsbeflissene seinem Schick-
sal sich allein überlassen sah. Er mußte
daran denken, seiner engeren Heimat
Sachsen sich zuzuwenden u. die Lan-
desuniversität zu besuchen. Bevor er
sich aber aufs neue in die Kollegien
bannte, wollte er einen längst ge-
hegten Lieblingswunsch ausführen,
nämlich Jtalien bereisen. Mit einer
ersparten Summe Geldes, die sich aus
einem Geschenk des Großherzogs Karl
August von Weimar für ein von
Goethe mit dem ersten Preise gekrön-
tes Festgedicht und aus dem Honorar
für seine Beteiligung an der Heraus-
gabe von Kosegartens lyrischen Dich-
tungen zusammensetzte, unternahm
M. zunächst eine Reise nach Tirol und
dann weiter durch ganz Jtalien. Die
Eindrücke und Anregungen, welche
der in der Gärung begriffene Dichter
auf dieser Wanderung empfing, waren
von einem gewaltigen, auf sein gan-
zes Leben u. Schaffen nachwirkenden
Einflusse. Auf dem Rückwege von
Rom über Florenz, Bologna, Padua,
Venedig hatte M. das Glück, die merk-
würdige alte Volkssage "II cavaliere
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Mos
Senso" aufzufinden, die ihm den Stoff
zu dem Epos "Ritter Wahn" lieferte,
das er gleich nach seiner Heimkehr
ausarbeitete (1826). Zu Ostern 1827
bezog er die Universität Leipzig, vol-
lendete mit angestrengtem Fleiße, von
einem hochherzigen Gönner unter-
stützt, seine Fachstudien und bestand
schon im Jahre 1828 sein Examen mit
der ersten Zensur. Hierauf arbeitete
er drei Jahre lang beim Advokaten
Schweinitz in Markneukirchen, ward
im Herbst 1831 Aktuar beim Patri-
monialgericht in Kohren (Amt Froh-
burg) und 1834 Advokat in Dresden.
Hier vollbrachte er die glücklichste
und fruchtbarste Zeit seines Lebens.
Häusliches Glück, Berührung mit be-
deutenden Menschen (Joh. Karl Bähr,
Rietschel, Tieck, Hermann Brockhaus,
E. von Brunnow, Adolf Peters, K.
Förster u. a.), eine seltene Gemälde-
galerie, eine gute Bühne regten den
Dichter neben aller juristischen Be-
schäftigung im Laufe der nächsten
Jahre zu einer sehr lebhaften poeti-
schen Tätigkeit an, hauptsächlich auf
dem novellistischen und dramatischen
Felde. Die philosophische Fakultät
zu Jena zollte 1840 seinem reinen
Kunstleben durch Übersendung des
Doktordiploms ihre Anerkennung.
Durch Ad. Stahrs Vermittlung wurde
M. im Jahre 1844 vom Großherzoge
von Oldenburg an dessen Hofbühne
zum Dramaturgen berufen u. gleich-
zeitig zum Hofrat ernannt. Mit rast-
losem Eifer und glühender Begeiste-
rung nahm M. seine neue Tätigkeit
auf; aber schon im Jahre 1846 stell-
ten sich drohend und schmerzlich die
Symptome jener Krankheit ein, die
ihn über 20 Jahre verfolgte und von
der ihn erst der Tod am 10. Oktober
1867 erlöste.

S:

Der Gang nach dem
Brunnen (N.), 1825. - Das Lied vom
Ritter Wahn (G.), 1831. - Georg
Venlot (N.), 1831. - Heinrich der
Finkler (Hist. Schausp.), 1836. - Ge-
dichte, 1836. - Novellen, 1837 (Jn-

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feſſor am Gymnaſium in Zwickau, an
welchem er bis Oſtern 1888 tätig war.
Seitdem lebte er daſelbſt im Ruhe-
ſtande und ſtarb am 19. Dezbr. 1895.

S:

Jn Dämmerlicht und Sonnen-
ſchein (Ge.), 1888. 2. A. 1908. ‒
Chriſti Geburt (Weihnachtsfeſtſp.),
1894. 4. A. 1910.

Moſen, Julius,

wurde am 8. Juli
1803 zu Marieney, einem Dorfe des
ſächſiſchen Vogtlandes, geboren, wo
ſein Vater Schullehrer war. Dieſer
unterrichtete den Knaben ſelbſt, bis
er ihn 1817 auf das Gymnaſium nach
Plauen brachte. Von da aus bezog
der angehende Student 1822 die Uni-
verſität Jena, um ſich der Rechts-
wiſſenſchaft zu widmen. Schon im
folgenden Jahre ſtarb ſein Vater,
worauf die bedrängte Mutter mit
vier Kindern nach ihrem Heimatſtädt-
chen Ölsnitz überſiedelte, während der
junge Rechtsbefliſſene ſeinem Schick-
ſal ſich allein überlaſſen ſah. Er mußte
daran denken, ſeiner engeren Heimat
Sachſen ſich zuzuwenden u. die Lan-
desuniverſität zu beſuchen. Bevor er
ſich aber aufs neue in die Kollegien
bannte, wollte er einen längſt ge-
hegten Lieblingswunſch ausführen,
nämlich Jtalien bereiſen. Mit einer
erſparten Summe Geldes, die ſich aus
einem Geſchenk des Großherzogs Karl
Auguſt von Weimar für ein von
Goethe mit dem erſten Preiſe gekrön-
tes Feſtgedicht und aus dem Honorar
für ſeine Beteiligung an der Heraus-
gabe von Koſegartens lyriſchen Dich-
tungen zuſammenſetzte, unternahm
M. zunächſt eine Reiſe nach Tirol und
dann weiter durch ganz Jtalien. Die
Eindrücke und Anregungen, welche
der in der Gärung begriffene Dichter
auf dieſer Wanderung empfing, waren
von einem gewaltigen, auf ſein gan-
zes Leben u. Schaffen nachwirkenden
Einfluſſe. Auf dem Rückwege von
Rom über Florenz, Bologna, Padua,
Venedig hatte M. das Glück, die merk-
würdige alte Volksſage „II cavaliere
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Moſ
Senso“ aufzufinden, die ihm den Stoff
zu dem Epos „Ritter Wahn“ lieferte,
das er gleich nach ſeiner Heimkehr
ausarbeitete (1826). Zu Oſtern 1827
bezog er die Univerſität Leipzig, vol-
lendete mit angeſtrengtem Fleiße, von
einem hochherzigen Gönner unter-
ſtützt, ſeine Fachſtudien und beſtand
ſchon im Jahre 1828 ſein Examen mit
der erſten Zenſur. Hierauf arbeitete
er drei Jahre lang beim Advokaten
Schweinitz in Markneukirchen, ward
im Herbſt 1831 Aktuar beim Patri-
monialgericht in Kohren (Amt Froh-
burg) und 1834 Advokat in Dresden.
Hier vollbrachte er die glücklichſte
und fruchtbarſte Zeit ſeines Lebens.
Häusliches Glück, Berührung mit be-
deutenden Menſchen (Joh. Karl Bähr,
Rietſchel, Tieck, Hermann Brockhaus,
E. von Brunnow, Adolf Peters, K.
Förſter u. a.), eine ſeltene Gemälde-
galerie, eine gute Bühne regten den
Dichter neben aller juriſtiſchen Be-
ſchäftigung im Laufe der nächſten
Jahre zu einer ſehr lebhaften poeti-
ſchen Tätigkeit an, hauptſächlich auf
dem novelliſtiſchen und dramatiſchen
Felde. Die philoſophiſche Fakultät
zu Jena zollte 1840 ſeinem reinen
Kunſtleben durch Überſendung des
Doktordiploms ihre Anerkennung.
Durch Ad. Stahrs Vermittlung wurde
M. im Jahre 1844 vom Großherzoge
von Oldenburg an deſſen Hofbühne
zum Dramaturgen berufen u. gleich-
zeitig zum Hofrat ernannt. Mit raſt-
loſem Eifer und glühender Begeiſte-
rung nahm M. ſeine neue Tätigkeit
auf; aber ſchon im Jahre 1846 ſtell-
ten ſich drohend und ſchmerzlich die
Symptome jener Krankheit ein, die
ihn über 20 Jahre verfolgte und von
der ihn erſt der Tod am 10. Oktober
1867 erlöſte.

S:

Der Gang nach dem
Brunnen (N.), 1825. ‒ Das Lied vom
Ritter Wahn (G.), 1831. ‒ Georg
Venlot (N.), 1831. ‒ Heinrich der
Finkler (Hiſt. Schauſp.), 1836. ‒ Ge-
dichte, 1836. ‒ Novellen, 1837 (Jn-

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[39/0043] Moſ Moſ feſſor am Gymnaſium in Zwickau, an welchem er bis Oſtern 1888 tätig war. Seitdem lebte er daſelbſt im Ruhe- ſtande und ſtarb am 19. Dezbr. 1895. S: Jn Dämmerlicht und Sonnen- ſchein (Ge.), 1888. 2. A. 1908. ‒ Chriſti Geburt (Weihnachtsfeſtſp.), 1894. 4. A. 1910. Moſen, Julius, wurde am 8. Juli 1803 zu Marieney, einem Dorfe des ſächſiſchen Vogtlandes, geboren, wo ſein Vater Schullehrer war. Dieſer unterrichtete den Knaben ſelbſt, bis er ihn 1817 auf das Gymnaſium nach Plauen brachte. Von da aus bezog der angehende Student 1822 die Uni- verſität Jena, um ſich der Rechts- wiſſenſchaft zu widmen. Schon im folgenden Jahre ſtarb ſein Vater, worauf die bedrängte Mutter mit vier Kindern nach ihrem Heimatſtädt- chen Ölsnitz überſiedelte, während der junge Rechtsbefliſſene ſeinem Schick- ſal ſich allein überlaſſen ſah. Er mußte daran denken, ſeiner engeren Heimat Sachſen ſich zuzuwenden u. die Lan- desuniverſität zu beſuchen. Bevor er ſich aber aufs neue in die Kollegien bannte, wollte er einen längſt ge- hegten Lieblingswunſch ausführen, nämlich Jtalien bereiſen. Mit einer erſparten Summe Geldes, die ſich aus einem Geſchenk des Großherzogs Karl Auguſt von Weimar für ein von Goethe mit dem erſten Preiſe gekrön- tes Feſtgedicht und aus dem Honorar für ſeine Beteiligung an der Heraus- gabe von Koſegartens lyriſchen Dich- tungen zuſammenſetzte, unternahm M. zunächſt eine Reiſe nach Tirol und dann weiter durch ganz Jtalien. Die Eindrücke und Anregungen, welche der in der Gärung begriffene Dichter auf dieſer Wanderung empfing, waren von einem gewaltigen, auf ſein gan- zes Leben u. Schaffen nachwirkenden Einfluſſe. Auf dem Rückwege von Rom über Florenz, Bologna, Padua, Venedig hatte M. das Glück, die merk- würdige alte Volksſage „II cavaliere Senso“ aufzufinden, die ihm den Stoff zu dem Epos „Ritter Wahn“ lieferte, das er gleich nach ſeiner Heimkehr ausarbeitete (1826). Zu Oſtern 1827 bezog er die Univerſität Leipzig, vol- lendete mit angeſtrengtem Fleiße, von einem hochherzigen Gönner unter- ſtützt, ſeine Fachſtudien und beſtand ſchon im Jahre 1828 ſein Examen mit der erſten Zenſur. Hierauf arbeitete er drei Jahre lang beim Advokaten Schweinitz in Markneukirchen, ward im Herbſt 1831 Aktuar beim Patri- monialgericht in Kohren (Amt Froh- burg) und 1834 Advokat in Dresden. Hier vollbrachte er die glücklichſte und fruchtbarſte Zeit ſeines Lebens. Häusliches Glück, Berührung mit be- deutenden Menſchen (Joh. Karl Bähr, Rietſchel, Tieck, Hermann Brockhaus, E. von Brunnow, Adolf Peters, K. Förſter u. a.), eine ſeltene Gemälde- galerie, eine gute Bühne regten den Dichter neben aller juriſtiſchen Be- ſchäftigung im Laufe der nächſten Jahre zu einer ſehr lebhaften poeti- ſchen Tätigkeit an, hauptſächlich auf dem novelliſtiſchen und dramatiſchen Felde. Die philoſophiſche Fakultät zu Jena zollte 1840 ſeinem reinen Kunſtleben durch Überſendung des Doktordiploms ihre Anerkennung. Durch Ad. Stahrs Vermittlung wurde M. im Jahre 1844 vom Großherzoge von Oldenburg an deſſen Hofbühne zum Dramaturgen berufen u. gleich- zeitig zum Hofrat ernannt. Mit raſt- loſem Eifer und glühender Begeiſte- rung nahm M. ſeine neue Tätigkeit auf; aber ſchon im Jahre 1846 ſtell- ten ſich drohend und ſchmerzlich die Symptome jener Krankheit ein, die ihn über 20 Jahre verfolgte und von der ihn erſt der Tod am 10. Oktober 1867 erlöſte. S: Der Gang nach dem Brunnen (N.), 1825. ‒ Das Lied vom Ritter Wahn (G.), 1831. ‒ Georg Venlot (N.), 1831. ‒ Heinrich der Finkler (Hiſt. Schauſp.), 1836. ‒ Ge- dichte, 1836. ‒ Novellen, 1837 (Jn- *

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Zitationshilfe: Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 5. 6. Aufl. Leipzig, 1913, S. 39. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bruemmer_lexikon05_1913/43>, abgerufen am 23.03.2019.