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Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 5. 6. Aufl. Leipzig, 1913.

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Reu
Wohnsitz in Chemnitz (Sachsen) und
ist hier seit 1905 Oberlehrer f. deutsche,
engl. u. franz. Sprache an der öffent-
lichen Handelslehranstalt.

S:

Ein
Vorspiel (Jd. in Prosa), 1908. - Le-
benslagen (Freie Ge. eines Weltmen-
schen), 1909. - Aus Altisland (Über-
tragungen u. Übersetzungen), 1909. -
Das stille Herz (Ge. in Prosa u. Sk.),
1910. - Jung gefreit ... (E.), 1911.

Reuß, Jenny von,

siehe Jenny
Hörnes!

Reuß, Zoe von,

geb. am 28. Okt.
1832 in Mauderode (Prov. Sachsen),
lebt als Gattin eines Kreisgerichts-
rats (1883) in Nordhausen, (1894) in
Liegnitz, jetzt (1909) in Tilleda am
Kyffhäuser.

S:

Deutsche Novellen; II,
1877. 2. A. 1882. - Das Kodizill (R.),
1885. - Der kleine Töffel (E.), 1893.
- Deutsche Männer (E. a. schwerer
Zeit), 1896. - Kyffhausen (Ep. D.),
1892. - Grobbrot und Feinbrot (En).,
1903. - Jrene (R.), 1904. - Doktors
Bescherung u. and. Nov. 1905. - Chri-
stine. Flächsern Garn (2 En.), 1908.

Reuter, Fritz,

geb. am 7. Novbr.
1810 zu Stavenhagen in Mecklenburg-
Schwerin, war der Sohn des dorti-
gen Stadtrichters u. Bürgermeisters,
der dabei auch eine große Vieh- und
Ackerwirtschaft betrieb. Nachdem er
seinen ersten Unterricht von den ver-
schiedensten u. originellsten Persön-
lichkeiten empfangen, bezog R. im
Jahre 1824 das Gymnasium in
Friedland, später das in Parchim,
von wo er 1831 zur Universität Ro-
stock abging, um dort nach des Va-
ters Wunsch die Rechte zu studieren.
Nach einem halben Jahre vertauschte
er Rostock mit Jena. Aus der Juris-
prudenz wurde hier nicht viel, da-
gegen trieb er mit Vorliebe Mathe-
matik und Zeichnen; vor allen Dingen
beschäftigte er sich mit den Angelegen-
heiten der Burschenschaft und trat
derjenigen Studentenverbindung bei,
welche die Herbeiführung eines eini-
gen u. freien Deutschlands anstrebte.
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Reu
Als nach dem Hambacher Fest (1832)
und dem Frankfurter Attentat in den
deutschen Staaten die "Demagogen-
hetzen" begannen, kehrte R. in die
Heimat zurück, wurde aber bei einem
Besuche in Berlin 1833 verhaftet und
nach einer überaus harten Unter-
suchungshaft als des "Konats zum
Hochverrat" schuldig zum Tode ver-
urteilt. Doch wurde er vom Könige
Friedrich Wilhelm III. zu 30 jähriger
Festungsstrafe begnadigt. Die meck-
lenburgische Regierung reklamierte
zwar ihren Untertan wiederholent-
lich, aber R. blieb in Haft und mußte
unter den unsäglichsten Leiden und
Entbehrungen seine Strafe auf den
preußischen Festungen Silberberg,
Glogau, Magdeburg und Graudenz
verbüßen. Endlich wurde auf per-
sönliches Verwenden des Großherzogs
von Mecklenburg R. seiner Haft ent-
lassen, aber doch nur unter der Be-
dingung, daß er auch in seinem Vater-
lande so lange in Haft bleiben solle,
bis der König von Preußen ihn be-
gnadigen werde. So verbrachte R.
den Rest seiner Haft in der mecklen-
burgischen Festung Dömitz, wo er sich
einer liebevollen Behandlung zu er-
freuen hatte. Als Friedrich Wil-
helm III. starb, entließ der Groß-
herzog von Mecklenburg den Gefan-
genen, ohne die Begnadigungsordre
abzuwarten. R. kehrte zu seinem
Vater zurück. Ein Versuch, das Stu-
dium der Rechtswissenschaft wieder
aufzunehmen, erwies sich als verfehlt.
R. wurde "Strom", wie man in Meck-
lenburg einen Pächter oder Ökonomen
zu nennen pflegt, und bei der neuen
Beschäftigung gesundete er an Leib
und Seele. Als sein Vater aber 1845
starb, waren keine Mittel vorhanden,
um eine passende Ökonomie über-
nehmen zu können, und so führte er
denn fünf Jahre lang ein Wander-
leben, bis er sich mit der Tochter
eines Predigers, Luise Kuntze, ver-
lobte und nun daran denken mußte,

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Reu
Wohnſitz in Chemnitz (Sachſen) und
iſt hier ſeit 1905 Oberlehrer f. deutſche,
engl. u. franz. Sprache an der öffent-
lichen Handelslehranſtalt.

S:

Ein
Vorſpiel (Jd. in Proſa), 1908. ‒ Le-
benslagen (Freie Ge. eines Weltmen-
ſchen), 1909. ‒ Aus Altisland (Über-
tragungen u. Überſetzungen), 1909. ‒
Das ſtille Herz (Ge. in Proſa u. Sk.),
1910. ‒ Jung gefreit … (E.), 1911.

Reuß, Jenny von,

ſiehe Jenny
Hörnes!

Reuß, Zoë von,

geb. am 28. Okt.
1832 in Mauderode (Prov. Sachſen),
lebt als Gattin eines Kreisgerichts-
rats (1883) in Nordhauſen, (1894) in
Liegnitz, jetzt (1909) in Tilleda am
Kyffhäuſer.

S:

Deutſche Novellen; II,
1877. 2. A. 1882. ‒ Das Kodizill (R.),
1885. ‒ Der kleine Töffel (E.), 1893.
‒ Deutſche Männer (E. a. ſchwerer
Zeit), 1896. ‒ Kyffhauſen (Ep. D.),
1892. ‒ Grobbrot und Feinbrot (En).,
1903. ‒ Jrene (R.), 1904. ‒ Doktors
Beſcherung u. and. Nov. 1905. ‒ Chri-
ſtine. Flächſern Garn (2 En.), 1908.

Reuter, Fritz,

geb. am 7. Novbr.
1810 zu Stavenhagen in Mecklenburg-
Schwerin, war der Sohn des dorti-
gen Stadtrichters u. Bürgermeiſters,
der dabei auch eine große Vieh- und
Ackerwirtſchaft betrieb. Nachdem er
ſeinen erſten Unterricht von den ver-
ſchiedenſten u. originellſten Perſön-
lichkeiten empfangen, bezog R. im
Jahre 1824 das Gymnaſium in
Friedland, ſpäter das in Parchim,
von wo er 1831 zur Univerſität Ro-
ſtock abging, um dort nach des Va-
ters Wunſch die Rechte zu ſtudieren.
Nach einem halben Jahre vertauſchte
er Roſtock mit Jena. Aus der Juris-
prudenz wurde hier nicht viel, da-
gegen trieb er mit Vorliebe Mathe-
matik und Zeichnen; vor allen Dingen
beſchäftigte er ſich mit den Angelegen-
heiten der Burſchenſchaft und trat
derjenigen Studentenverbindung bei,
welche die Herbeiführung eines eini-
gen u. freien Deutſchlands anſtrebte.
[Spaltenumbruch]

Reu
Als nach dem Hambacher Feſt (1832)
und dem Frankfurter Attentat in den
deutſchen Staaten die „Demagogen-
hetzen“ begannen, kehrte R. in die
Heimat zurück, wurde aber bei einem
Beſuche in Berlin 1833 verhaftet und
nach einer überaus harten Unter-
ſuchungshaft als des „Konats zum
Hochverrat“ ſchuldig zum Tode ver-
urteilt. Doch wurde er vom Könige
Friedrich Wilhelm III. zu 30 jähriger
Feſtungsſtrafe begnadigt. Die meck-
lenburgiſche Regierung reklamierte
zwar ihren Untertan wiederholent-
lich, aber R. blieb in Haft und mußte
unter den unſäglichſten Leiden und
Entbehrungen ſeine Strafe auf den
preußiſchen Feſtungen Silberberg,
Glogau, Magdeburg und Graudenz
verbüßen. Endlich wurde auf per-
ſönliches Verwenden des Großherzogs
von Mecklenburg R. ſeiner Haft ent-
laſſen, aber doch nur unter der Be-
dingung, daß er auch in ſeinem Vater-
lande ſo lange in Haft bleiben ſolle,
bis der König von Preußen ihn be-
gnadigen werde. So verbrachte R.
den Reſt ſeiner Haft in der mecklen-
burgiſchen Feſtung Dömitz, wo er ſich
einer liebevollen Behandlung zu er-
freuen hatte. Als Friedrich Wil-
helm III. ſtarb, entließ der Groß-
herzog von Mecklenburg den Gefan-
genen, ohne die Begnadigungsordre
abzuwarten. R. kehrte zu ſeinem
Vater zurück. Ein Verſuch, das Stu-
dium der Rechtswiſſenſchaft wieder
aufzunehmen, erwies ſich als verfehlt.
R. wurde „Strom“, wie man in Meck-
lenburg einen Pächter oder Ökonomen
zu nennen pflegt, und bei der neuen
Beſchäftigung geſundete er an Leib
und Seele. Als ſein Vater aber 1845
ſtarb, waren keine Mittel vorhanden,
um eine paſſende Ökonomie über-
nehmen zu können, und ſo führte er
denn fünf Jahre lang ein Wander-
leben, bis er ſich mit der Tochter
eines Predigers, Luiſe Kuntze, ver-
lobte und nun daran denken mußte,

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[447/0451] Reu Reu Wohnſitz in Chemnitz (Sachſen) und iſt hier ſeit 1905 Oberlehrer f. deutſche, engl. u. franz. Sprache an der öffent- lichen Handelslehranſtalt. S: Ein Vorſpiel (Jd. in Proſa), 1908. ‒ Le- benslagen (Freie Ge. eines Weltmen- ſchen), 1909. ‒ Aus Altisland (Über- tragungen u. Überſetzungen), 1909. ‒ Das ſtille Herz (Ge. in Proſa u. Sk.), 1910. ‒ Jung gefreit … (E.), 1911. Reuß, Jenny von, ſiehe Jenny Hörnes! Reuß, Zoë von, geb. am 28. Okt. 1832 in Mauderode (Prov. Sachſen), lebt als Gattin eines Kreisgerichts- rats (1883) in Nordhauſen, (1894) in Liegnitz, jetzt (1909) in Tilleda am Kyffhäuſer. S: Deutſche Novellen; II, 1877. 2. A. 1882. ‒ Das Kodizill (R.), 1885. ‒ Der kleine Töffel (E.), 1893. ‒ Deutſche Männer (E. a. ſchwerer Zeit), 1896. ‒ Kyffhauſen (Ep. D.), 1892. ‒ Grobbrot und Feinbrot (En)., 1903. ‒ Jrene (R.), 1904. ‒ Doktors Beſcherung u. and. Nov. 1905. ‒ Chri- ſtine. Flächſern Garn (2 En.), 1908. Reuter, Fritz, geb. am 7. Novbr. 1810 zu Stavenhagen in Mecklenburg- Schwerin, war der Sohn des dorti- gen Stadtrichters u. Bürgermeiſters, der dabei auch eine große Vieh- und Ackerwirtſchaft betrieb. Nachdem er ſeinen erſten Unterricht von den ver- ſchiedenſten u. originellſten Perſön- lichkeiten empfangen, bezog R. im Jahre 1824 das Gymnaſium in Friedland, ſpäter das in Parchim, von wo er 1831 zur Univerſität Ro- ſtock abging, um dort nach des Va- ters Wunſch die Rechte zu ſtudieren. Nach einem halben Jahre vertauſchte er Roſtock mit Jena. Aus der Juris- prudenz wurde hier nicht viel, da- gegen trieb er mit Vorliebe Mathe- matik und Zeichnen; vor allen Dingen beſchäftigte er ſich mit den Angelegen- heiten der Burſchenſchaft und trat derjenigen Studentenverbindung bei, welche die Herbeiführung eines eini- gen u. freien Deutſchlands anſtrebte. Als nach dem Hambacher Feſt (1832) und dem Frankfurter Attentat in den deutſchen Staaten die „Demagogen- hetzen“ begannen, kehrte R. in die Heimat zurück, wurde aber bei einem Beſuche in Berlin 1833 verhaftet und nach einer überaus harten Unter- ſuchungshaft als des „Konats zum Hochverrat“ ſchuldig zum Tode ver- urteilt. Doch wurde er vom Könige Friedrich Wilhelm III. zu 30 jähriger Feſtungsſtrafe begnadigt. Die meck- lenburgiſche Regierung reklamierte zwar ihren Untertan wiederholent- lich, aber R. blieb in Haft und mußte unter den unſäglichſten Leiden und Entbehrungen ſeine Strafe auf den preußiſchen Feſtungen Silberberg, Glogau, Magdeburg und Graudenz verbüßen. Endlich wurde auf per- ſönliches Verwenden des Großherzogs von Mecklenburg R. ſeiner Haft ent- laſſen, aber doch nur unter der Be- dingung, daß er auch in ſeinem Vater- lande ſo lange in Haft bleiben ſolle, bis der König von Preußen ihn be- gnadigen werde. So verbrachte R. den Reſt ſeiner Haft in der mecklen- burgiſchen Feſtung Dömitz, wo er ſich einer liebevollen Behandlung zu er- freuen hatte. Als Friedrich Wil- helm III. ſtarb, entließ der Groß- herzog von Mecklenburg den Gefan- genen, ohne die Begnadigungsordre abzuwarten. R. kehrte zu ſeinem Vater zurück. Ein Verſuch, das Stu- dium der Rechtswiſſenſchaft wieder aufzunehmen, erwies ſich als verfehlt. R. wurde „Strom“, wie man in Meck- lenburg einen Pächter oder Ökonomen zu nennen pflegt, und bei der neuen Beſchäftigung geſundete er an Leib und Seele. Als ſein Vater aber 1845 ſtarb, waren keine Mittel vorhanden, um eine paſſende Ökonomie über- nehmen zu können, und ſo führte er denn fünf Jahre lang ein Wander- leben, bis er ſich mit der Tochter eines Predigers, Luiſe Kuntze, ver- lobte und nun daran denken mußte, *

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Zitationshilfe: Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 5. 6. Aufl. Leipzig, 1913, S. 447. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bruemmer_lexikon05_1913/451>, abgerufen am 18.03.2019.