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Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 5. 6. Aufl. Leipzig, 1913.

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Rich
und zwanzig Jahre nich in Dessau,
1893. - Rentjeh Scharschmidt unn
seine Kameräde, 1894. - Borwin (E.
a. d. Z. d. Markgrafen Gero), 1895.
- Der Mönch von Ballenstedt (E.),
1895. - Was jibbet's denn mant for
Menschen! (Hum., in Dessauer Mdt.),
1898. - De Fahrt nach Werl'tz unn
Anderes (desgl.), 3. A. 1898. - Nuh
heeren Se abbar bahle uff! (Plaude-
reien in Dessauer Mdt.), 1899. - So
jeht's in de Welt! (desgl.), 1902. - Der
Kaplan v. d. Sachsenburg (E.), 1912.

*Richter, Jean Paul Friedrich
Eugen,

pseud. Jean Paul und
Paul Friedrich u. Paul Höf-
fer,
wurde am 22. Februar 1839 in
Magdeburg geboren und siedelte in
seinem dritten Lebensjahre mit seinem
Vater, dem bekannten Verlagsbuch-
händler Ferdinand Jakob R., nach
Hamburg über. Er besuchte erst in
Altona, dann in Hamburg das Gym-
nasium und schied aus der Prima aus,
um sich auf Wunsch seines Vaters dem
Buchhandel zu widmen. Nachdem er
eine zweijährige Lehrzeit durchge-
macht, ging er 1858 nach Dresden,
wo er in der Redaktion der konstitu-
tionellen Zeitung unter Leitung des
Herausgebers Dr. Siegel sich für den
journalistischen Beruf tüchtig machte,
und unternahm in den Jahren 1859
bis 1862 längere Reisen in Deutsch-
land, Österreich, Dänemark, England,
Frankreich, Spanien, um Länder und
Völker, besonders aber deren Lite-
ratur zu studieren. Er kam während
dieser Jahre mit den hervorragend-
sten Männern der Literatur in Be-
rührung, lieferte auch journalistische
Beiträge für englische, deutsche und
französische Blätter. Von Madrid im
Oktober 1862 durch seinen Vater heim-
gerufen, mußte er diesem erst eine
Stütze in dessen Verlagshandlung
sein, übernahm sie aber bald darauf
selbst, um dem bisherigen, rein loka-
len Verlag eine größere Ausdehnung
zu geben. Jm Jahre 1865 trat er auf
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Rich
Wunsch des Vaters in die Redaktion
der von diesem 1848 gegründeten
"Reform" ein, welches Blatt sich wäh-
rend seines Bestehens einen großen
Leserkreis gewonnen hatte. Seine
nunmehrige Tätigkeit nahm ihn der-
artig in Anspruch, daß er nur jour-
nalistische Arbeiten schaffen konnte
u. seine Neigung zu poetischer Tätig-
keit mehr und mehr zurückdrängen
mußte. Der Wunsch nach weiterer
wissenschaftlicher Bildung ließ ihn
noch spät, erst 1868 sein Maturium
absolvieren und darauf die Universi-
täten Göttingen, Leipzig und Heidel-
berg beziehen, wo er sich erst dem
Studium der Rechte und dann dem
der Philosophie widmete. Als der
Krieg gegen Frankreich ausbrach, ließ
er Weib und Kind daheim, trat als
Freiwilliger in die preußische Armee
und wurde im Nov. 1870 als Train-
offizier nach Frankreich gesandt. Nach
dem Kriege mußte er auf Wunsch sei-
nes Vaters -- da inzwischen der Bru-
der gestorben war -- wieder in die
Redaktion der "Reform" eintreten.
Er entsagte also dem weiteren Stu-
dium und wurde Chefredakteur der
genannten Zeitung und Leiter des
väterlichen Geschäftes. Als sein Vater
1875 starb, sah er sich plötzlich infolge
eines von dritter Seite beeinflußten
Testamentes von seinem Erbe und
aus seinem bisherigen Wirkungskreise
getrieben und wurde deshalb veran-
laßt, die Chefredaktion der "Bremer
Volkszeitung", später die Redaktion
der "Hamburger Zeitung" und 1877
die Mitarbeiterschaft an den "Neuen
Altonaer Nachrichten" zu übernehmen;
letztere gingen jedoch im Januar 1878
wieder ein. Seit dem Jahre 1882
redigierte er in Görlitz die "Nieder-
schlesische Tagespost", kehrte im Okto-
ber 1883 nach Hamburg zurück, wo er
sich neben der redaktionellen Leitung
des "Exporteur" gänzlich schrift-
stellerischer Tätigkeit widmete, und
siedelte 1887 nach Berlin über, wo

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Rich
und zwanzig Jahre nich in Deſſau,
1893. ‒ Rentjeh Scharſchmidt unn
ſeine Kameräde, 1894. ‒ Borwin (E.
a. d. Z. d. Markgrafen Gero), 1895.
‒ Der Mönch von Ballenſtedt (E.),
1895. ‒ Was jibbet’s denn mant for
Menſchen! (Hum., in Deſſauer Mdt.),
1898. ‒ De Fahrt nach Werl’tz unn
Anderes (desgl.), 3. A. 1898. ‒ Nuh
heeren Se abbar bahle uff! (Plaude-
reien in Deſſauer Mdt.), 1899. ‒ So
jeht’s in de Welt! (desgl.), 1902. ‒ Der
Kaplan v. d. Sachſenburg (E.), 1912.

*Richter, Jean Paul Friedrich
Eugen,

pſeud. Jean Paul und
Paul Friedrich u. Paul Höf-
fer,
wurde am 22. Februar 1839 in
Magdeburg geboren und ſiedelte in
ſeinem dritten Lebensjahre mit ſeinem
Vater, dem bekannten Verlagsbuch-
händler Ferdinand Jakob R., nach
Hamburg über. Er beſuchte erſt in
Altona, dann in Hamburg das Gym-
naſium und ſchied aus der Prima aus,
um ſich auf Wunſch ſeines Vaters dem
Buchhandel zu widmen. Nachdem er
eine zweijährige Lehrzeit durchge-
macht, ging er 1858 nach Dresden,
wo er in der Redaktion der konſtitu-
tionellen Zeitung unter Leitung des
Herausgebers Dr. Siegel ſich für den
journaliſtiſchen Beruf tüchtig machte,
und unternahm in den Jahren 1859
bis 1862 längere Reiſen in Deutſch-
land, Öſterreich, Dänemark, England,
Frankreich, Spanien, um Länder und
Völker, beſonders aber deren Lite-
ratur zu ſtudieren. Er kam während
dieſer Jahre mit den hervorragend-
ſten Männern der Literatur in Be-
rührung, lieferte auch journaliſtiſche
Beiträge für engliſche, deutſche und
franzöſiſche Blätter. Von Madrid im
Oktober 1862 durch ſeinen Vater heim-
gerufen, mußte er dieſem erſt eine
Stütze in deſſen Verlagshandlung
ſein, übernahm ſie aber bald darauf
ſelbſt, um dem bisherigen, rein loka-
len Verlag eine größere Ausdehnung
zu geben. Jm Jahre 1865 trat er auf
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Rich
Wunſch des Vaters in die Redaktion
der von dieſem 1848 gegründeten
„Reform“ ein, welches Blatt ſich wäh-
rend ſeines Beſtehens einen großen
Leſerkreis gewonnen hatte. Seine
nunmehrige Tätigkeit nahm ihn der-
artig in Anſpruch, daß er nur jour-
naliſtiſche Arbeiten ſchaffen konnte
u. ſeine Neigung zu poetiſcher Tätig-
keit mehr und mehr zurückdrängen
mußte. Der Wunſch nach weiterer
wiſſenſchaftlicher Bildung ließ ihn
noch ſpät, erſt 1868 ſein Maturium
abſolvieren und darauf die Univerſi-
täten Göttingen, Leipzig und Heidel-
berg beziehen, wo er ſich erſt dem
Studium der Rechte und dann dem
der Philoſophie widmete. Als der
Krieg gegen Frankreich ausbrach, ließ
er Weib und Kind daheim, trat als
Freiwilliger in die preußiſche Armee
und wurde im Nov. 1870 als Train-
offizier nach Frankreich geſandt. Nach
dem Kriege mußte er auf Wunſch ſei-
nes Vaters — da inzwiſchen der Bru-
der geſtorben war — wieder in die
Redaktion der „Reform“ eintreten.
Er entſagte alſo dem weiteren Stu-
dium und wurde Chefredakteur der
genannten Zeitung und Leiter des
väterlichen Geſchäftes. Als ſein Vater
1875 ſtarb, ſah er ſich plötzlich infolge
eines von dritter Seite beeinflußten
Teſtamentes von ſeinem Erbe und
aus ſeinem bisherigen Wirkungskreiſe
getrieben und wurde deshalb veran-
laßt, die Chefredaktion der „Bremer
Volkszeitung“, ſpäter die Redaktion
der „Hamburger Zeitung“ und 1877
die Mitarbeiterſchaft an den „Neuen
Altonaer Nachrichten“ zu übernehmen;
letztere gingen jedoch im Januar 1878
wieder ein. Seit dem Jahre 1882
redigierte er in Görlitz die „Nieder-
ſchleſiſche Tagespoſt“, kehrte im Okto-
ber 1883 nach Hamburg zurück, wo er
ſich neben der redaktionellen Leitung
des „Exporteur“ gänzlich ſchrift-
ſtelleriſcher Tätigkeit widmete, und
ſiedelte 1887 nach Berlin über, wo

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[456/0460] Rich Rich und zwanzig Jahre nich in Deſſau, 1893. ‒ Rentjeh Scharſchmidt unn ſeine Kameräde, 1894. ‒ Borwin (E. a. d. Z. d. Markgrafen Gero), 1895. ‒ Der Mönch von Ballenſtedt (E.), 1895. ‒ Was jibbet’s denn mant for Menſchen! (Hum., in Deſſauer Mdt.), 1898. ‒ De Fahrt nach Werl’tz unn Anderes (desgl.), 3. A. 1898. ‒ Nuh heeren Se abbar bahle uff! (Plaude- reien in Deſſauer Mdt.), 1899. ‒ So jeht’s in de Welt! (desgl.), 1902. ‒ Der Kaplan v. d. Sachſenburg (E.), 1912. *Richter, Jean Paul Friedrich Eugen, pſeud. Jean Paul und Paul Friedrich u. Paul Höf- fer, wurde am 22. Februar 1839 in Magdeburg geboren und ſiedelte in ſeinem dritten Lebensjahre mit ſeinem Vater, dem bekannten Verlagsbuch- händler Ferdinand Jakob R., nach Hamburg über. Er beſuchte erſt in Altona, dann in Hamburg das Gym- naſium und ſchied aus der Prima aus, um ſich auf Wunſch ſeines Vaters dem Buchhandel zu widmen. Nachdem er eine zweijährige Lehrzeit durchge- macht, ging er 1858 nach Dresden, wo er in der Redaktion der konſtitu- tionellen Zeitung unter Leitung des Herausgebers Dr. Siegel ſich für den journaliſtiſchen Beruf tüchtig machte, und unternahm in den Jahren 1859 bis 1862 längere Reiſen in Deutſch- land, Öſterreich, Dänemark, England, Frankreich, Spanien, um Länder und Völker, beſonders aber deren Lite- ratur zu ſtudieren. Er kam während dieſer Jahre mit den hervorragend- ſten Männern der Literatur in Be- rührung, lieferte auch journaliſtiſche Beiträge für engliſche, deutſche und franzöſiſche Blätter. Von Madrid im Oktober 1862 durch ſeinen Vater heim- gerufen, mußte er dieſem erſt eine Stütze in deſſen Verlagshandlung ſein, übernahm ſie aber bald darauf ſelbſt, um dem bisherigen, rein loka- len Verlag eine größere Ausdehnung zu geben. Jm Jahre 1865 trat er auf Wunſch des Vaters in die Redaktion der von dieſem 1848 gegründeten „Reform“ ein, welches Blatt ſich wäh- rend ſeines Beſtehens einen großen Leſerkreis gewonnen hatte. Seine nunmehrige Tätigkeit nahm ihn der- artig in Anſpruch, daß er nur jour- naliſtiſche Arbeiten ſchaffen konnte u. ſeine Neigung zu poetiſcher Tätig- keit mehr und mehr zurückdrängen mußte. Der Wunſch nach weiterer wiſſenſchaftlicher Bildung ließ ihn noch ſpät, erſt 1868 ſein Maturium abſolvieren und darauf die Univerſi- täten Göttingen, Leipzig und Heidel- berg beziehen, wo er ſich erſt dem Studium der Rechte und dann dem der Philoſophie widmete. Als der Krieg gegen Frankreich ausbrach, ließ er Weib und Kind daheim, trat als Freiwilliger in die preußiſche Armee und wurde im Nov. 1870 als Train- offizier nach Frankreich geſandt. Nach dem Kriege mußte er auf Wunſch ſei- nes Vaters — da inzwiſchen der Bru- der geſtorben war — wieder in die Redaktion der „Reform“ eintreten. Er entſagte alſo dem weiteren Stu- dium und wurde Chefredakteur der genannten Zeitung und Leiter des väterlichen Geſchäftes. Als ſein Vater 1875 ſtarb, ſah er ſich plötzlich infolge eines von dritter Seite beeinflußten Teſtamentes von ſeinem Erbe und aus ſeinem bisherigen Wirkungskreiſe getrieben und wurde deshalb veran- laßt, die Chefredaktion der „Bremer Volkszeitung“, ſpäter die Redaktion der „Hamburger Zeitung“ und 1877 die Mitarbeiterſchaft an den „Neuen Altonaer Nachrichten“ zu übernehmen; letztere gingen jedoch im Januar 1878 wieder ein. Seit dem Jahre 1882 redigierte er in Görlitz die „Nieder- ſchleſiſche Tagespoſt“, kehrte im Okto- ber 1883 nach Hamburg zurück, wo er ſich neben der redaktionellen Leitung des „Exporteur“ gänzlich ſchrift- ſtelleriſcher Tätigkeit widmete, und ſiedelte 1887 nach Berlin über, wo *

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Zitationshilfe: Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 5. 6. Aufl. Leipzig, 1913, S. 456. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bruemmer_lexikon05_1913/460>, abgerufen am 21.02.2019.