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Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 5. 6. Aufl. Leipzig, 1913.

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Rieß
das Haus eines Försters, dessen Kin-
der sie unterrichten mußte, und hier,
umgeben von der Einsamkeit des
Waldes, versuchte sie es, ihrer schon
als Kind empfundenen Lust am Verse-
schmieden Ausdruck zu geben. Eine
auf den ernsten Zuspruch ihrer Eltern
eingegangene Ehe brachte viel Not
und Sorge, Kummer und Leid über
sie. Harte Arbeit in der Wirtschaft
und die Pflege und Erziehung von
7 Kindern ließen ihr keine Minute
Zeit zum Fabulieren und Schreiben.
Die Feder wurde erst wieder ihr
Trost, als Krankheit und Sterben in
ihr Haus einkehrten, als das Ehe-
band zerriß und ihre Kinder in die
Welt hinausgingen. Jetzt lebt sie im
Kreise derselben zu Malmitz in Schle-
sien und hat trotz Armut und Krank-
heit doch das beglückende Gefühl, sich
ihrer Kinder freuen zu können. Pro-
fessor Karl Schrattenthal (s. d.!), der
Anwalt der Dichter aus dem Volke,
hat eine Auswahl ihrer Gedichte vor-
genommen u. herausgegeben.

S:

Tau-
lilien (Ge.), 1898.

*Rieß, Richard,

geb. am 9. Juli
1890 in Breslau als Sohn eines
Kaufmanns, besuchte das Gymnasium
Johanneum daselbst und begann
schon als Sekundaner sich literarisch
zu betätigen. Nachdem er 1909 das
Abiturientenexamen bestanden, ging
er nach München, wo er bis Ostern
1911 Germanistik studierte und trat
dann in die Redaktion der "Bres-
lauer Morgenzeitung" ein, um die
Technik der Tagesschriftstellerei ken-
nen zu lernen. Er gehörte derselben
bis Mitte August an und setzte dann
seine Studien fort. Am 1. Januar
1912 gründete er mit Fritz Ernst die
Monatsschrift für ostdeutsche Lite-
ratur und Kultur "Der Osten".

S:


Voltaires Merope (Nachdichtung),
1910. - Uhus Nachtlieder (Grotes-
ken), 1910. - Die Städtegründerin
(Dr.), 1910. - Der Tod des Eros
(6 Reihen Ge. u. "Der ewige Haß"
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Riet
und "Die Heimkehr" [2 dram. Ge.]),
1912.

*Rieth, Rudolf,

geb. am 9. Sept.
1884 zu Fritzlar (Hessen-Nassau) als
einziges Kind des früh verstorbenen
Rektors der königl. Präparanden-
anstalt daselbst, besuchte dort die
Volksschule, danach die Realgymna-
sien in Essen a. d. Ruhr und Düssel-
dorf und empfing in dieser nieder-
rheinischen Malerstadt die nachhal-
tigsten künstlerischen Eindrücke. Nach
einigen Tastversuchen an der Düssel-
dorfer Kunstakademie und nach Ab-
leistung seiner einjährigen Militär-
pflicht gelang es ihm endlich, seinen
längst und heiß genährten Plan,
Schauspieler zu werden, durchzusetzen
und ein Jahr in Berlin unter Sera-
fine Detschys (s. d.!) meisterlicher Ob-
hut dem dramatisch-rhetorischen Stu-
dium obzuliegen, worauf er 1907 sein
erstes Engagement am Stadttheater
in Eisenach erhielt.

S:

Feurige Zun-
gen (Ge.), 1906.

Rietmann, Johann Jakob,

geb.
am 13. Oktbr. 1815 zu St. Gallen in
der Schweiz, verdankte seinen Eltern
ein reiches, geistiges Erbe, das dann
unter der sorgsamen Obhut eines
Pflegevaters, der den talentvollen
Knaben behufs Vorbereitung zur
wissenschaftlichen Laufbahn zu sich
genommen, trefflich gedieh, und so
widmete sich R. nach vollendeten Gym-
nasialstudien in Jena dem Studium
der Theologie. Jm Jahre 1838 ordi-
niert, ward er auf 41/2 Jahre Pfar-
rer zu Nußbaumen (Thurgau), dann
zu Rapperswyl-Jona, siedelte sich
nach kurzem in seiner Vaterstadt an,
mit dem Gedanken, einzig seinen Stu-
dien zu leben, erhielt aber das Seel-
sorgeramt an der dortigen Straf-
anstalt übertragen. Jm Januar 1847
wurde er Pfarrer der Gemeinde Lich-
tensteig und hat er derselben 20 Jahre
lang gedient, ohne sich durch ander-
weitige Berufungen abziehen zu las-
sen. Die Gemeinde schenkte ihm das

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Rieß
das Haus eines Förſters, deſſen Kin-
der ſie unterrichten mußte, und hier,
umgeben von der Einſamkeit des
Waldes, verſuchte ſie es, ihrer ſchon
als Kind empfundenen Luſt am Verſe-
ſchmieden Ausdruck zu geben. Eine
auf den ernſten Zuſpruch ihrer Eltern
eingegangene Ehe brachte viel Not
und Sorge, Kummer und Leid über
ſie. Harte Arbeit in der Wirtſchaft
und die Pflege und Erziehung von
7 Kindern ließen ihr keine Minute
Zeit zum Fabulieren und Schreiben.
Die Feder wurde erſt wieder ihr
Troſt, als Krankheit und Sterben in
ihr Haus einkehrten, als das Ehe-
band zerriß und ihre Kinder in die
Welt hinausgingen. Jetzt lebt ſie im
Kreiſe derſelben zu Malmitz in Schle-
ſien und hat trotz Armut und Krank-
heit doch das beglückende Gefühl, ſich
ihrer Kinder freuen zu können. Pro-
feſſor Karl Schrattenthal (ſ. d.!), der
Anwalt der Dichter aus dem Volke,
hat eine Auswahl ihrer Gedichte vor-
genommen u. herausgegeben.

S:

Tau-
lilien (Ge.), 1898.

*Rieß, Richard,

geb. am 9. Juli
1890 in Breslau als Sohn eines
Kaufmanns, beſuchte das Gymnaſium
Johanneum daſelbſt und begann
ſchon als Sekundaner ſich literariſch
zu betätigen. Nachdem er 1909 das
Abiturientenexamen beſtanden, ging
er nach München, wo er bis Oſtern
1911 Germaniſtik ſtudierte und trat
dann in die Redaktion der „Bres-
lauer Morgenzeitung“ ein, um die
Technik der Tagesſchriftſtellerei ken-
nen zu lernen. Er gehörte derſelben
bis Mitte Auguſt an und ſetzte dann
ſeine Studien fort. Am 1. Januar
1912 gründete er mit Fritz Ernſt die
Monatsſchrift für oſtdeutſche Lite-
ratur und Kultur „Der Oſten“.

S:


Voltaires Mérope (Nachdichtung),
1910. ‒ Uhus Nachtlieder (Grotes-
ken), 1910. ‒ Die Städtegründerin
(Dr.), 1910. ‒ Der Tod des Eros
(6 Reihen Ge. u. „Der ewige Haß“
[Spaltenumbruch]

Riet
und „Die Heimkehr“ [2 dram. Ge.]),
1912.

*Rieth, Rudolf,

geb. am 9. Sept.
1884 zu Fritzlar (Heſſen-Naſſau) als
einziges Kind des früh verſtorbenen
Rektors der königl. Präparanden-
anſtalt daſelbſt, beſuchte dort die
Volksſchule, danach die Realgymna-
ſien in Eſſen a. d. Ruhr und Düſſel-
dorf und empfing in dieſer nieder-
rheiniſchen Malerſtadt die nachhal-
tigſten künſtleriſchen Eindrücke. Nach
einigen Taſtverſuchen an der Düſſel-
dorfer Kunſtakademie und nach Ab-
leiſtung ſeiner einjährigen Militär-
pflicht gelang es ihm endlich, ſeinen
längſt und heiß genährten Plan,
Schauſpieler zu werden, durchzuſetzen
und ein Jahr in Berlin unter Sera-
fine Detſchys (ſ. d.!) meiſterlicher Ob-
hut dem dramatiſch-rhetoriſchen Stu-
dium obzuliegen, worauf er 1907 ſein
erſtes Engagement am Stadttheater
in Eiſenach erhielt.

S:

Feurige Zun-
gen (Ge.), 1906.

Rietmann, Johann Jakob,

geb.
am 13. Oktbr. 1815 zu St. Gallen in
der Schweiz, verdankte ſeinen Eltern
ein reiches, geiſtiges Erbe, das dann
unter der ſorgſamen Obhut eines
Pflegevaters, der den talentvollen
Knaben behufs Vorbereitung zur
wiſſenſchaftlichen Laufbahn zu ſich
genommen, trefflich gedieh, und ſo
widmete ſich R. nach vollendeten Gym-
naſialſtudien in Jena dem Studium
der Theologie. Jm Jahre 1838 ordi-
niert, ward er auf 4½ Jahre Pfar-
rer zu Nußbaumen (Thurgau), dann
zu Rapperswyl-Jona, ſiedelte ſich
nach kurzem in ſeiner Vaterſtadt an,
mit dem Gedanken, einzig ſeinen Stu-
dien zu leben, erhielt aber das Seel-
ſorgeramt an der dortigen Straf-
anſtalt übertragen. Jm Januar 1847
wurde er Pfarrer der Gemeinde Lich-
tenſteig und hat er derſelben 20 Jahre
lang gedient, ohne ſich durch ander-
weitige Berufungen abziehen zu laſ-
ſen. Die Gemeinde ſchenkte ihm das

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[474/0478] Rieß Riet das Haus eines Förſters, deſſen Kin- der ſie unterrichten mußte, und hier, umgeben von der Einſamkeit des Waldes, verſuchte ſie es, ihrer ſchon als Kind empfundenen Luſt am Verſe- ſchmieden Ausdruck zu geben. Eine auf den ernſten Zuſpruch ihrer Eltern eingegangene Ehe brachte viel Not und Sorge, Kummer und Leid über ſie. Harte Arbeit in der Wirtſchaft und die Pflege und Erziehung von 7 Kindern ließen ihr keine Minute Zeit zum Fabulieren und Schreiben. Die Feder wurde erſt wieder ihr Troſt, als Krankheit und Sterben in ihr Haus einkehrten, als das Ehe- band zerriß und ihre Kinder in die Welt hinausgingen. Jetzt lebt ſie im Kreiſe derſelben zu Malmitz in Schle- ſien und hat trotz Armut und Krank- heit doch das beglückende Gefühl, ſich ihrer Kinder freuen zu können. Pro- feſſor Karl Schrattenthal (ſ. d.!), der Anwalt der Dichter aus dem Volke, hat eine Auswahl ihrer Gedichte vor- genommen u. herausgegeben. S: Tau- lilien (Ge.), 1898. *Rieß, Richard, geb. am 9. Juli 1890 in Breslau als Sohn eines Kaufmanns, beſuchte das Gymnaſium Johanneum daſelbſt und begann ſchon als Sekundaner ſich literariſch zu betätigen. Nachdem er 1909 das Abiturientenexamen beſtanden, ging er nach München, wo er bis Oſtern 1911 Germaniſtik ſtudierte und trat dann in die Redaktion der „Bres- lauer Morgenzeitung“ ein, um die Technik der Tagesſchriftſtellerei ken- nen zu lernen. Er gehörte derſelben bis Mitte Auguſt an und ſetzte dann ſeine Studien fort. Am 1. Januar 1912 gründete er mit Fritz Ernſt die Monatsſchrift für oſtdeutſche Lite- ratur und Kultur „Der Oſten“. S: Voltaires Mérope (Nachdichtung), 1910. ‒ Uhus Nachtlieder (Grotes- ken), 1910. ‒ Die Städtegründerin (Dr.), 1910. ‒ Der Tod des Eros (6 Reihen Ge. u. „Der ewige Haß“ und „Die Heimkehr“ [2 dram. Ge.]), 1912. *Rieth, Rudolf, geb. am 9. Sept. 1884 zu Fritzlar (Heſſen-Naſſau) als einziges Kind des früh verſtorbenen Rektors der königl. Präparanden- anſtalt daſelbſt, beſuchte dort die Volksſchule, danach die Realgymna- ſien in Eſſen a. d. Ruhr und Düſſel- dorf und empfing in dieſer nieder- rheiniſchen Malerſtadt die nachhal- tigſten künſtleriſchen Eindrücke. Nach einigen Taſtverſuchen an der Düſſel- dorfer Kunſtakademie und nach Ab- leiſtung ſeiner einjährigen Militär- pflicht gelang es ihm endlich, ſeinen längſt und heiß genährten Plan, Schauſpieler zu werden, durchzuſetzen und ein Jahr in Berlin unter Sera- fine Detſchys (ſ. d.!) meiſterlicher Ob- hut dem dramatiſch-rhetoriſchen Stu- dium obzuliegen, worauf er 1907 ſein erſtes Engagement am Stadttheater in Eiſenach erhielt. S: Feurige Zun- gen (Ge.), 1906. Rietmann, Johann Jakob, geb. am 13. Oktbr. 1815 zu St. Gallen in der Schweiz, verdankte ſeinen Eltern ein reiches, geiſtiges Erbe, das dann unter der ſorgſamen Obhut eines Pflegevaters, der den talentvollen Knaben behufs Vorbereitung zur wiſſenſchaftlichen Laufbahn zu ſich genommen, trefflich gedieh, und ſo widmete ſich R. nach vollendeten Gym- naſialſtudien in Jena dem Studium der Theologie. Jm Jahre 1838 ordi- niert, ward er auf 4½ Jahre Pfar- rer zu Nußbaumen (Thurgau), dann zu Rapperswyl-Jona, ſiedelte ſich nach kurzem in ſeiner Vaterſtadt an, mit dem Gedanken, einzig ſeinen Stu- dien zu leben, erhielt aber das Seel- ſorgeramt an der dortigen Straf- anſtalt übertragen. Jm Januar 1847 wurde er Pfarrer der Gemeinde Lich- tenſteig und hat er derſelben 20 Jahre lang gedient, ohne ſich durch ander- weitige Berufungen abziehen zu laſ- ſen. Die Gemeinde ſchenkte ihm das *

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Zitationshilfe: Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 5. 6. Aufl. Leipzig, 1913, S. 474. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bruemmer_lexikon05_1913/478>, abgerufen am 23.03.2019.