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Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 5. 6. Aufl. Leipzig, 1913.

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Mül
übers.), 1836. - Novellen, nach dem
Franz., 1837. - Fromme Feierstun-
den inmitten einer Landgemeinde
(Aus dem Franz. übersetzt), 1839. -
Weimarische Theaterbilder aus Goe-
thes Zeit; II, 1865. - Kleine Lebens-
und Herzensgeschichte eines Dorf-
kindes, 1866. - Musäus' deutsche
Volksmärchen; mit Anmerkungen u.
Einleitung herausgegeben; III, 1868.
- Gedichte, 1880.

*Müller, Niklas,

wurde im Nov.
1809 zu Langenau bei Ulm geboren.
Sein Vater war Leinweber, später
Teppichmacher, vernachlässigte aber
sein Gewerbe über seinen alchimisti-
schen u. kabbalistischen Studien der-
art, daß seine Familie oft mit Not
und Elend zu kämpfen hatte. Später
zog er nach Stuttgart, wo Niklas
seine Kinderjahre verlebte. Eine
Schule besuchte er bis zum zehnten
Jahre nicht, und als sich der Vater
dem Schulzwange fügen mußte,
sandte er seine Kinder in eine Dorf-
schule in der Nähe von Stuttgart.
Nach seiner Konfirmation kam Niklas
M. zu einem Stuttgarter Buchdrucker
in die Lehre u. wußte hier seine freie
Zeit zu seiner Weiterbildung treff-
lich auszunutzen. Jm Herbste 1828
begab er sich auf die Wanderschaft
nach Wien und Pest, kehrte Anfang
1830 heim und trat nun wieder als
Drucker in eine Stuttgarter Offizin
ein. Später kam er in das große Ge-
schäft des Baron von Cotta u. fand
bald an diesem einen wohlwollenden
Gönner. Jn diese Zeit fallen seine
ersten poetischen Versuche. Gustav
Schwab, dem sich der junge Dichter
vertrauensvoll anschloß, wußte ihm
manchen fördernden Wink zu ertei-
len und veröffentlichte schließlich im
Stuttgarter "Morgenblatt" M. s
"Lieder eines Autodidakten". Spä-
ter (1837) versah er die "Lieder"
M. s mit einer Einleitung. Das da-
für erhaltene Honorar benutzte M.
zu einer Reise nach England, teils
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um die englische Sprache gründlich zu
erlernen, teils um sich im Holzschnitt-
druck zu vervollkommnen. Durch G.
Schwab an hochangesehene Familien
empfohlen, verlebte M. in London
ein ganzes Jahr in angenehmster
Weise. Darauf wandte er sich nach
Paris, wo er durch H. Heines Ver-
mittlung in der großen Buchdrucke-
rei von Everat Verwendung fand
u. kehrte dann 1840 nach Stuttgart
zurück, um seine Erfahrungen im
Holzschnittdruck in der Cottaschen
Offizin zu verwerten, in der er die
Organisation und Direktion des
ganzen Druckerdepartements erhielt.
Manche unangenehmen Verhältnisse
bewogen ihn, seine Stellung in Stutt-
gart aufzugeben und sich 1844 mit
Hilfe des Fürsten von Löwenstein
in Wertheim am Main selbständig
als Buchdrucker niederzulassen. Jn-
folge seiner Beteiligung an der
Volkserhebung 1848-49 mußte M.
nach der Schweiz flüchten, wo er sich
vier Jahre lang an den verschieden-
sten Orten, am längsten in Genf,
aufhielt; 1853 wanderte er mit sei-
ner Familie nach Amerika aus und
richtete sich in Neuyork eine Buch-
druckerei ein. Jm Jahre 1867, nach
erfolgter Amnestie, besuchte er Eu-
ropa u. weilte längere Zeit in Paris
und in Württemberg. Seine Absicht
1876 für immer in die Heimat zu-
rückzukehren, vereitelte ein plötzlicher
Tod, der am 14. Aug. 1875 erfolgte.

S:

Lieder, 1837. - Neue Lieder und
Gedichte, 1867.

*Müller, Otto,

geb. am 1. Juni
1816 (nicht 1818) zu Schotten am
Vogelsberg in Hessen, erhielt seine
erste Bildung auf den Gymnasien zu
Büdingen u. Darmstadt und wollte
sich zuerst auf den Wunsch des Vaters
der Theologie widmen, änderte aber
nach dem Tode desselben seinen Le-
bensplan und wählte die kameralisti-
sche Laufbahn. Jndessen gab er auch
diese bald wieder auf, um 1836 die

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Mül
überſ.), 1836. ‒ Novellen, nach dem
Franz., 1837. ‒ Fromme Feierſtun-
den inmitten einer Landgemeinde
(Aus dem Franz. überſetzt), 1839. ‒
Weimariſche Theaterbilder aus Goe-
thes Zeit; II, 1865. ‒ Kleine Lebens-
und Herzensgeſchichte eines Dorf-
kindes, 1866. ‒ Muſäus’ deutſche
Volksmärchen; mit Anmerkungen u.
Einleitung herausgegeben; III, 1868.
‒ Gedichte, 1880.

*Müller, Niklas,

wurde im Nov.
1809 zu Langenau bei Ulm geboren.
Sein Vater war Leinweber, ſpäter
Teppichmacher, vernachläſſigte aber
ſein Gewerbe über ſeinen alchimiſti-
ſchen u. kabbaliſtiſchen Studien der-
art, daß ſeine Familie oft mit Not
und Elend zu kämpfen hatte. Später
zog er nach Stuttgart, wo Niklas
ſeine Kinderjahre verlebte. Eine
Schule beſuchte er bis zum zehnten
Jahre nicht, und als ſich der Vater
dem Schulzwange fügen mußte,
ſandte er ſeine Kinder in eine Dorf-
ſchule in der Nähe von Stuttgart.
Nach ſeiner Konfirmation kam Niklas
M. zu einem Stuttgarter Buchdrucker
in die Lehre u. wußte hier ſeine freie
Zeit zu ſeiner Weiterbildung treff-
lich auszunutzen. Jm Herbſte 1828
begab er ſich auf die Wanderſchaft
nach Wien und Peſt, kehrte Anfang
1830 heim und trat nun wieder als
Drucker in eine Stuttgarter Offizin
ein. Später kam er in das große Ge-
ſchäft des Baron von Cotta u. fand
bald an dieſem einen wohlwollenden
Gönner. Jn dieſe Zeit fallen ſeine
erſten poetiſchen Verſuche. Guſtav
Schwab, dem ſich der junge Dichter
vertrauensvoll anſchloß, wußte ihm
manchen fördernden Wink zu ertei-
len und veröffentlichte ſchließlich im
Stuttgarter „Morgenblatt“ M. s
„Lieder eines Autodidakten“. Spä-
ter (1837) verſah er die „Lieder“
M. s mit einer Einleitung. Das da-
für erhaltene Honorar benutzte M.
zu einer Reiſe nach England, teils
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Mül
um die engliſche Sprache gründlich zu
erlernen, teils um ſich im Holzſchnitt-
druck zu vervollkommnen. Durch G.
Schwab an hochangeſehene Familien
empfohlen, verlebte M. in London
ein ganzes Jahr in angenehmſter
Weiſe. Darauf wandte er ſich nach
Paris, wo er durch H. Heines Ver-
mittlung in der großen Buchdrucke-
rei von Everat Verwendung fand
u. kehrte dann 1840 nach Stuttgart
zurück, um ſeine Erfahrungen im
Holzſchnittdruck in der Cottaſchen
Offizin zu verwerten, in der er die
Organiſation und Direktion deſ
ganzen Druckerdepartements erhielt.
Manche unangenehmen Verhältniſſe
bewogen ihn, ſeine Stellung in Stutt-
gart aufzugeben und ſich 1844 mit
Hilfe des Fürſten von Löwenſtein
in Wertheim am Main ſelbſtändig
als Buchdrucker niederzulaſſen. Jn-
folge ſeiner Beteiligung an der
Volkserhebung 1848‒49 mußte M.
nach der Schweiz flüchten, wo er ſich
vier Jahre lang an den verſchieden-
ſten Orten, am längſten in Genf,
aufhielt; 1853 wanderte er mit ſei-
ner Familie nach Amerika aus und
richtete ſich in Neuyork eine Buch-
druckerei ein. Jm Jahre 1867, nach
erfolgter Amneſtie, beſuchte er Eu-
ropa u. weilte längere Zeit in Pariſ
und in Württemberg. Seine Abſicht
1876 für immer in die Heimat zu-
rückzukehren, vereitelte ein plötzlicher
Tod, der am 14. Aug. 1875 erfolgte.

S:

Lieder, 1837. ‒ Neue Lieder und
Gedichte, 1867.

*Müller, Otto,

geb. am 1. Juni
1816 (nicht 1818) zu Schotten am
Vogelsberg in Heſſen, erhielt ſeine
erſte Bildung auf den Gymnaſien zu
Büdingen u. Darmſtadt und wollte
ſich zuerſt auf den Wunſch des Vaterſ
der Theologie widmen, änderte aber
nach dem Tode desſelben ſeinen Le-
bensplan und wählte die kameraliſti-
ſche Laufbahn. Jndeſſen gab er auch
dieſe bald wieder auf, um 1836 die

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[68/0072] Mül Mül überſ.), 1836. ‒ Novellen, nach dem Franz., 1837. ‒ Fromme Feierſtun- den inmitten einer Landgemeinde (Aus dem Franz. überſetzt), 1839. ‒ Weimariſche Theaterbilder aus Goe- thes Zeit; II, 1865. ‒ Kleine Lebens- und Herzensgeſchichte eines Dorf- kindes, 1866. ‒ Muſäus’ deutſche Volksmärchen; mit Anmerkungen u. Einleitung herausgegeben; III, 1868. ‒ Gedichte, 1880. *Müller, Niklas, wurde im Nov. 1809 zu Langenau bei Ulm geboren. Sein Vater war Leinweber, ſpäter Teppichmacher, vernachläſſigte aber ſein Gewerbe über ſeinen alchimiſti- ſchen u. kabbaliſtiſchen Studien der- art, daß ſeine Familie oft mit Not und Elend zu kämpfen hatte. Später zog er nach Stuttgart, wo Niklas ſeine Kinderjahre verlebte. Eine Schule beſuchte er bis zum zehnten Jahre nicht, und als ſich der Vater dem Schulzwange fügen mußte, ſandte er ſeine Kinder in eine Dorf- ſchule in der Nähe von Stuttgart. Nach ſeiner Konfirmation kam Niklas M. zu einem Stuttgarter Buchdrucker in die Lehre u. wußte hier ſeine freie Zeit zu ſeiner Weiterbildung treff- lich auszunutzen. Jm Herbſte 1828 begab er ſich auf die Wanderſchaft nach Wien und Peſt, kehrte Anfang 1830 heim und trat nun wieder als Drucker in eine Stuttgarter Offizin ein. Später kam er in das große Ge- ſchäft des Baron von Cotta u. fand bald an dieſem einen wohlwollenden Gönner. Jn dieſe Zeit fallen ſeine erſten poetiſchen Verſuche. Guſtav Schwab, dem ſich der junge Dichter vertrauensvoll anſchloß, wußte ihm manchen fördernden Wink zu ertei- len und veröffentlichte ſchließlich im Stuttgarter „Morgenblatt“ M. s „Lieder eines Autodidakten“. Spä- ter (1837) verſah er die „Lieder“ M. s mit einer Einleitung. Das da- für erhaltene Honorar benutzte M. zu einer Reiſe nach England, teils um die engliſche Sprache gründlich zu erlernen, teils um ſich im Holzſchnitt- druck zu vervollkommnen. Durch G. Schwab an hochangeſehene Familien empfohlen, verlebte M. in London ein ganzes Jahr in angenehmſter Weiſe. Darauf wandte er ſich nach Paris, wo er durch H. Heines Ver- mittlung in der großen Buchdrucke- rei von Everat Verwendung fand u. kehrte dann 1840 nach Stuttgart zurück, um ſeine Erfahrungen im Holzſchnittdruck in der Cottaſchen Offizin zu verwerten, in der er die Organiſation und Direktion deſ ganzen Druckerdepartements erhielt. Manche unangenehmen Verhältniſſe bewogen ihn, ſeine Stellung in Stutt- gart aufzugeben und ſich 1844 mit Hilfe des Fürſten von Löwenſtein in Wertheim am Main ſelbſtändig als Buchdrucker niederzulaſſen. Jn- folge ſeiner Beteiligung an der Volkserhebung 1848‒49 mußte M. nach der Schweiz flüchten, wo er ſich vier Jahre lang an den verſchieden- ſten Orten, am längſten in Genf, aufhielt; 1853 wanderte er mit ſei- ner Familie nach Amerika aus und richtete ſich in Neuyork eine Buch- druckerei ein. Jm Jahre 1867, nach erfolgter Amneſtie, beſuchte er Eu- ropa u. weilte längere Zeit in Pariſ und in Württemberg. Seine Abſicht 1876 für immer in die Heimat zu- rückzukehren, vereitelte ein plötzlicher Tod, der am 14. Aug. 1875 erfolgte. S: Lieder, 1837. ‒ Neue Lieder und Gedichte, 1867. *Müller, Otto, geb. am 1. Juni 1816 (nicht 1818) zu Schotten am Vogelsberg in Heſſen, erhielt ſeine erſte Bildung auf den Gymnaſien zu Büdingen u. Darmſtadt und wollte ſich zuerſt auf den Wunſch des Vaterſ der Theologie widmen, änderte aber nach dem Tode desſelben ſeinen Le- bensplan und wählte die kameraliſti- ſche Laufbahn. Jndeſſen gab er auch dieſe bald wieder auf, um 1836 die *

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Zitationshilfe: Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 5. 6. Aufl. Leipzig, 1913, S. 68. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bruemmer_lexikon05_1913/72>, abgerufen am 16.02.2019.