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Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 7. 6. Aufl. Leipzig, 1913.

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Win
(Mark Brandenburg) als Rechtsan-
walt niederließ. Dort lebte sie bis
zum Tode ihres Gatten, der Ende
1910 starb, u. siedelte dann nach Pots-
dam über.

S:

Schnee u. Blüten (N.),
1890. - Phönix (D.), 1891. - Un-
kraut (Ge.), 1895. - Harzfahrt (D.),
1901.

*Winkler, Theodor,

* am 4. April
1844 zu Zwickau in Sachsen als der
Sohn eines Lehrers, absolvierte das
Gymnasium daselbst und bezog 1864
die Universität Leipzig, wo er sich an-
fangs, Familienverhältnissen nach-
gebend, dem Studium der Rechte wid-
mete, während ihn seine Neigung
schon als Schüler zur Literatur hin-
zog. Dieser wandte er sich denn auch
schließlich ganz zu, studierte in den
letzten Semestern Geschichte, Litera-
tur, Philosophie, Sprach- und Kunst-
wissenschaft, wirkte gleichzeitig als
Mitarbeiter an verschiedenen Zeit-
schriften, ging dann 1869 zur Über-
nahme der Redaktion der "Didaska-
lia", des Beiblatts zum "Frankfurter
Journal", nach Frankfurt a. M. und
trat erst von der Redaktion zurück,
als das Blatt im Sommer 1878 in
andere Hände überging. Jn den
beiden folgenden Jahren gab er eine
sogenannte "Feuilleton-Korrespon-
denz" heraus und siedelte Ende 1879
nach Mainz über, wo er seitdem den
"Mainzer Anzeiger" redigierte und
Ende November 1895 starb.

S:

Hu-
moresken, 1869. - Gedenkblätter,
1873. - Ein ehrlicher Finder (Lstsp.),
1873. - Was zu handeln? (Schw.),
1874. - Grillenpastillen von Hans
Scherzhold
(pseudon.), 1874. -
Das Buch der Ehe, 1879. - Bunte
Gesellschaft, 1884.

*Winkler, Therese u. Ludwig,


ein schriftstellerndes Ehepaar, das
unter dem Pseudon. Th. Messerer
von 1856-83 gemeinsam an der sitt-
lichen und geistigen Veredelung der
deutschen Jugend und des deutschen
Volkes gearbeitet hat. - Therese
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Win
Winkler-Messerer, wie sich die
Schrifstellerin nach dem Tode ihres
Gatten nannte, wurde am 13. März
1824 zu München als die Tochter
eines königl. Katasterbeamten gebo-
ren. Ein Augenleiden von langer
Dauer und schlimmen Folgen führte
das phantasievolle, geweckte Kind in
seiner ersten Lebenszeit fast aus-
schließlich seinem reichen Seelenleben
zu; denn das innere Auge blickte hell
und ungetrübt auf eine Welt voll
Glanz und Licht, während um das
äußere jahrelang die Binde lag.
Von vortrefflichen Eltern einfach
aber sorgfältig erzogen, wandte sich
Therese nach erlangter Ausbildung
dem Lehrfache zu. Eine Reihe von
Jahren hatte sie schon mit schönem
Erfolge ihrem Berufe gelebt, als sie
unter dem frischen Eindruck ihrer
beweglichen Umgebung in den ersten
Erzählungen für die Jugend sich ver-
suchte. Diese Tätigkeit fand eine
mit verdoppeltem Eifer betriebene
Fortsetzung, als sich Therese 1858
mit Ludwig Winkler verheiratet
hatte, der sich nun an den Arbeiten
der Gattin kräftigst beteiligte. Lud-
wig W. wurde am 27. Mai 1826 in
München als der Sohn eines Billard-
fabrikanten geboren u. später dessen
Nachfolger im Geschäft. Er hatte
Therese im Hause seiner Schwester
kennen gelernt, deren Kinder jene
unterrichtete, u. da ihre Ehe kinder-
los blieb, so wußten sie nach der Ar-
beit u. den Geschäftssorgen des Ta-
ges nichts Schöneres zu tun, als in
gemeinsamem literarischen Wirken
die Abendstunden auszunutzen. An-
fänglich nur das Feld der Jugend-
schriften bebauend, gingen sie seit
1870 zu den Volksschriften über, die
warme Anerkennung und weite Ver-
breitung fanden. Jm Jahre 1875
wurde der Gatte von einem tieflie-
genden, qualvollen, körperlichen Lei-
den befallen, wovon ihn der Tod am
14. Febr. 1883 befreite. Die Witwe,

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Win
(Mark Brandenburg) als Rechtsan-
walt niederließ. Dort lebte ſie bis
zum Tode ihres Gatten, der Ende
1910 ſtarb, u. ſiedelte dann nach Pots-
dam über.

S:

Schnee u. Blüten (N.),
1890. – Phönix (D.), 1891. – Un-
kraut (Ge.), 1895. – Harzfahrt (D.),
1901.

*Winkler, Theodor,

* am 4. April
1844 zu Zwickau in Sachſen als der
Sohn eines Lehrers, abſolvierte das
Gymnaſium daſelbſt und bezog 1864
die Univerſität Leipzig, wo er ſich an-
fangs, Familienverhältniſſen nach-
gebend, dem Studium der Rechte wid-
mete, während ihn ſeine Neigung
ſchon als Schüler zur Literatur hin-
zog. Dieſer wandte er ſich denn auch
ſchließlich ganz zu, ſtudierte in den
letzten Semeſtern Geſchichte, Litera-
tur, Philoſophie, Sprach- und Kunſt-
wiſſenſchaft, wirkte gleichzeitig als
Mitarbeiter an verſchiedenen Zeit-
ſchriften, ging dann 1869 zur Über-
nahme der Redaktion der „Didaska-
lia“, des Beiblatts zum „Frankfurter
Journal“, nach Frankfurt a. M. und
trat erſt von der Redaktion zurück,
als das Blatt im Sommer 1878 in
andere Hände überging. Jn den
beiden folgenden Jahren gab er eine
ſogenannte „Feuilleton-Korreſpon-
denz“ heraus und ſiedelte Ende 1879
nach Mainz über, wo er ſeitdem den
„Mainzer Anzeiger“ redigierte und
Ende November 1895 ſtarb.

S:

Hu-
moresken, 1869. – Gedenkblätter,
1873. – Ein ehrlicher Finder (Lſtſp.),
1873. – Was zu handeln? (Schw.),
1874. – Grillenpaſtillen von Hans
Scherzhold
(pſeudon.), 1874. –
Das Buch der Ehe, 1879. – Bunte
Geſellſchaft, 1884.

*Winkler, Thereſe u. Ludwig,


ein ſchriftſtellerndes Ehepaar, das
unter dem Pſeudon. Th. Meſſerer
von 1856–83 gemeinſam an der ſitt-
lichen und geiſtigen Veredelung der
deutſchen Jugend und des deutſchen
Volkes gearbeitet hat. – Thereſe
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Win
Winkler-Meſſerer, wie ſich die
Schrifſtellerin nach dem Tode ihres
Gatten nannte, wurde am 13. März
1824 zu München als die Tochter
eines königl. Kataſterbeamten gebo-
ren. Ein Augenleiden von langer
Dauer und ſchlimmen Folgen führte
das phantaſievolle, geweckte Kind in
ſeiner erſten Lebenszeit faſt aus-
ſchließlich ſeinem reichen Seelenleben
zu; denn das innere Auge blickte hell
und ungetrübt auf eine Welt voll
Glanz und Licht, während um das
äußere jahrelang die Binde lag.
Von vortrefflichen Eltern einfach
aber ſorgfältig erzogen, wandte ſich
Thereſe nach erlangter Ausbildung
dem Lehrfache zu. Eine Reihe von
Jahren hatte ſie ſchon mit ſchönem
Erfolge ihrem Berufe gelebt, als ſie
unter dem friſchen Eindruck ihrer
beweglichen Umgebung in den erſten
Erzählungen für die Jugend ſich ver-
ſuchte. Dieſe Tätigkeit fand eine
mit verdoppeltem Eifer betriebene
Fortſetzung, als ſich Thereſe 1858
mit Ludwig Winkler verheiratet
hatte, der ſich nun an den Arbeiten
der Gattin kräftigſt beteiligte. Lud-
wig W. wurde am 27. Mai 1826 in
München als der Sohn eines Billard-
fabrikanten geboren u. ſpäter deſſen
Nachfolger im Geſchäft. Er hatte
Thereſe im Hauſe ſeiner Schweſter
kennen gelernt, deren Kinder jene
unterrichtete, u. da ihre Ehe kinder-
los blieb, ſo wußten ſie nach der Ar-
beit u. den Geſchäftsſorgen des Ta-
ges nichts Schöneres zu tun, als in
gemeinſamem literariſchen Wirken
die Abendſtunden auszunutzen. An-
fänglich nur das Feld der Jugend-
ſchriften bebauend, gingen ſie ſeit
1870 zu den Volksſchriften über, die
warme Anerkennung und weite Ver-
breitung fanden. Jm Jahre 1875
wurde der Gatte von einem tieflie-
genden, qualvollen, körperlichen Lei-
den befallen, wovon ihn der Tod am
14. Febr. 1883 befreite. Die Witwe,

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Zitationshilfe: Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 7. 6. Aufl. Leipzig, 1913, S. 469. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bruemmer_lexikon07_1913/473>, abgerufen am 19.03.2019.