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Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 8. 6. Aufl. Leipzig, 1913.

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Wöh
am 27. Juli 1888.

S:

Eine Reichs-
acht unter Kaiser Sigismund (E.),
1862. - Konradin, der letzte der
Hohenstaufen (Ep.), 1869.

Wöhr, Johann Ev.,

pseud. Hans
Wiesing,
wurde am 1. Nov. 1842
zu Rottenmann in Steiermark als
der Sohn eines Arztes geboren, be-
suchte die dortige Stadtschule, die
Normalschule in Graz und trat dann
in das fürstbischöfliche Knabensemi-
nar zu Graz ein. Als Zögling des-
selben besuchte er ein Jahr lang das
öffentliche Gymnasium, wurde dann
im sogenannten Hausstudium gebil-
det und nach abgelegter Maturitäts-
prüfung in das fürstbisch. Priester-
haus übernommen. Nachdem er am
9. Juli 1865 die Priesterweihe emp-
fangen, kam er am 1. August 1866
als Kuratus nach Aussee, wo sich
ihm ein Feld ausgiebiger Tätigkeit
eröffnete. Er gründete den kathol.
Gesellenverein, einen Arbeiter-Kon-
sumverein und eine Kinderbewahr-
anstalt, zu deren Leitung er die
Kreuzschwestern berief. Seit dem
November 1871 wirkte W. als Pro-
visor in Alt-Aussee, als Benefi-
ziatenstellvertreter in Vordernberg,
als Kaplan in Waasen bei Leoben
und kam am 1. September 1872 als
Kaplan nach St. Andreä in Graz,
wo er seine besondere Kraft wieder
der Entwicklung und Ausbildung
des kathol. Gesellenvereins widmete.
Seit dem Jahre 1876 Domkaplan,
wurde er am 1. März 1888 Mitglied
des Seckauer Domkapitels, nachdem
er schon vorher zum päpstlichen Käm-
merer und fürstbisch. Geistlichen Rat
ernannt worden war. Von 1878-86
war er auch für Gröbming-Aussee
Landtagsabgeordneter. Verschiedene
Reisen führten ihn durch Deutsch-
land, die Schweiz, Österreich, und
zweimal (1869 u. 1888) unternahm
er Pilgerfahrten nach Rom. Er starb
am 2. März 1896 in Graz.

S:

Ag-
nes, der Engel von Paltenthal (Hist.
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Woi
E. a. d. steirischen Reformationszeit),
1865. 4. A. 1906. - Tofana (E. a. d.
17. Jahrh.), 1866. - Die Soldaten
des Kindleins Jesu (En.), 1884. -
Der Zwerg (Weihnachtsgeschichte),
1886. - Sankt Johannes Liebe (dra-
matisierte Lg.), 1901.

*Woisky, Bertha von,

wurde am
3. Jan. 1831 in Labiau (Ostpreußen)
geboren. Jhr Vater, aus vornehmer
Familie stammend, die aber durch die
Kriege gegen Napoleon I. völlig ver-
armte, hatte mit seinen Brüdern Auf-
nahme in Kadettenhäuser gefunden,
und als diese durch die Franzosen
zerstört wurden, war er zur See ge-
gangen, bis ihn der Aufruf Fried-
rich Wilhelms III. zur Rückkehr und
unter die Fahne rief. Nach dem Frie-
den blieb ihm nur die Aussicht auf
eine subalterne Stellung, u. so wurde
er Steuerkontroleur. 1833 wurde er
nach Tapiau versetzt, wo Bertha bis
zum 12. Jahre blieb, um dann neue,
wiederholte Wanderungen anzutre-
ten. Jhr poetisches Talent offenbarte
sich früh und äußerte sich zunächst in
kleinen satirischen Gedichten. Als sie
dann in die Welt hinausging, nach
Königsberg i. Pr., um sich ihr Brot
selbst zu erwerben -- was ihr ja auch
schwer, aber redlich gelungen ist --
schrieb sie Novellen, die in Journalen
zum Abdruck gelangten, u. ein Drama
"Das Täubchen von Amsterdam".
Letzteres reichte sie der Generalinten-
dantur in Berlin ein, und wenn sie
es auch zurück erhielt, so wurde doch
ihr Talent anerkannt, und als sie
1864 ihren Wohnsitz in Berlin nahm,
war es der Generalintendant Herr
v. Hülsen, der ihr freien Eintritt in
die königl. Theater gewährte, eine
Vergünstigung, die sie 23 Jahre ge-
noß. Sie lebt noch jetzt, dank einer
Rente aus einer adeligen Stiftung
und einer königl. Pension vor Nah-
rungssorgen geschützt, in Berlin.

S:


Friedrich der Große und das Marie-
chen mit dem Goldstück, 1864. - Trotz-

*

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Wöh
am 27. Juli 1888.

S:

Eine Reichs-
acht unter Kaiſer Sigismund (E.),
1862. – Konradin, der letzte der
Hohenſtaufen (Ep.), 1869.

Wöhr, Johann Ev.,

pſeud. Hans
Wieſing,
wurde am 1. Nov. 1842
zu Rottenmann in Steiermark als
der Sohn eines Arztes geboren, be-
ſuchte die dortige Stadtſchule, die
Normalſchule in Graz und trat dann
in das fürſtbiſchöfliche Knabenſemi-
nar zu Graz ein. Als Zögling des-
ſelben beſuchte er ein Jahr lang das
öffentliche Gymnaſium, wurde dann
im ſogenannten Hausſtudium gebil-
det und nach abgelegter Maturitäts-
prüfung in das fürſtbiſch. Prieſter-
haus übernommen. Nachdem er am
9. Juli 1865 die Prieſterweihe emp-
fangen, kam er am 1. Auguſt 1866
als Kuratus nach Auſſee, wo ſich
ihm ein Feld ausgiebiger Tätigkeit
eröffnete. Er gründete den kathol.
Geſellenverein, einen Arbeiter-Kon-
ſumverein und eine Kinderbewahr-
anſtalt, zu deren Leitung er die
Kreuzſchweſtern berief. Seit dem
November 1871 wirkte W. als Pro-
viſor in Alt-Auſſee, als Benefi-
ziatenſtellvertreter in Vordernberg,
als Kaplan in Waaſen bei Leoben
und kam am 1. September 1872 als
Kaplan nach St. Andreä in Graz,
wo er ſeine beſondere Kraft wieder
der Entwicklung und Ausbildung
des kathol. Geſellenvereins widmete.
Seit dem Jahre 1876 Domkaplan,
wurde er am 1. März 1888 Mitglied
des Seckauer Domkapitels, nachdem
er ſchon vorher zum päpſtlichen Käm-
merer und fürſtbiſch. Geiſtlichen Rat
ernannt worden war. Von 1878–86
war er auch für Gröbming-Auſſee
Landtagsabgeordneter. Verſchiedene
Reiſen führten ihn durch Deutſch-
land, die Schweiz, Öſterreich, und
zweimal (1869 u. 1888) unternahm
er Pilgerfahrten nach Rom. Er ſtarb
am 2. März 1896 in Graz.

S:

Ag-
nes, der Engel von Paltenthal (Hiſt.
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Woi
E. a. d. ſteiriſchen Reformationszeit),
1865. 4. A. 1906. – Tofana (E. a. d.
17. Jahrh.), 1866. – Die Soldaten
des Kindleins Jeſu (En.), 1884. –
Der Zwerg (Weihnachtsgeſchichte),
1886. – Sankt Johannes Liebe (dra-
matiſierte Lg.), 1901.

*Woisky, Bertha von,

wurde am
3. Jan. 1831 in Labiau (Oſtpreußen)
geboren. Jhr Vater, aus vornehmer
Familie ſtammend, die aber durch die
Kriege gegen Napoleon I. völlig ver-
armte, hatte mit ſeinen Brüdern Auf-
nahme in Kadettenhäuſer gefunden,
und als dieſe durch die Franzoſen
zerſtört wurden, war er zur See ge-
gangen, bis ihn der Aufruf Fried-
rich Wilhelms III. zur Rückkehr und
unter die Fahne rief. Nach dem Frie-
den blieb ihm nur die Ausſicht auf
eine ſubalterne Stellung, u. ſo wurde
er Steuerkontroleur. 1833 wurde er
nach Tapiau verſetzt, wo Bertha bis
zum 12. Jahre blieb, um dann neue,
wiederholte Wanderungen anzutre-
ten. Jhr poetiſches Talent offenbarte
ſich früh und äußerte ſich zunächſt in
kleinen ſatiriſchen Gedichten. Als ſie
dann in die Welt hinausging, nach
Königsberg i. Pr., um ſich ihr Brot
ſelbſt zu erwerben — was ihr ja auch
ſchwer, aber redlich gelungen iſt —
ſchrieb ſie Novellen, die in Journalen
zum Abdruck gelangten, u. ein Drama
„Das Täubchen von Amſterdam“.
Letzteres reichte ſie der Generalinten-
dantur in Berlin ein, und wenn ſie
es auch zurück erhielt, ſo wurde doch
ihr Talent anerkannt, und als ſie
1864 ihren Wohnſitz in Berlin nahm,
war es der Generalintendant Herr
v. Hülſen, der ihr freien Eintritt in
die königl. Theater gewährte, eine
Vergünſtigung, die ſie 23 Jahre ge-
noß. Sie lebt noch jetzt, dank einer
Rente aus einer adeligen Stiftung
und einer königl. Penſion vor Nah-
rungsſorgen geſchützt, in Berlin.

S:


Friedrich der Große und das Marie-
chen mit dem Goldſtück, 1864. – Trotz-

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[14/0018] Wöh Woi am 27. Juli 1888. S: Eine Reichs- acht unter Kaiſer Sigismund (E.), 1862. – Konradin, der letzte der Hohenſtaufen (Ep.), 1869. Wöhr, Johann Ev., pſeud. Hans Wieſing, wurde am 1. Nov. 1842 zu Rottenmann in Steiermark als der Sohn eines Arztes geboren, be- ſuchte die dortige Stadtſchule, die Normalſchule in Graz und trat dann in das fürſtbiſchöfliche Knabenſemi- nar zu Graz ein. Als Zögling des- ſelben beſuchte er ein Jahr lang das öffentliche Gymnaſium, wurde dann im ſogenannten Hausſtudium gebil- det und nach abgelegter Maturitäts- prüfung in das fürſtbiſch. Prieſter- haus übernommen. Nachdem er am 9. Juli 1865 die Prieſterweihe emp- fangen, kam er am 1. Auguſt 1866 als Kuratus nach Auſſee, wo ſich ihm ein Feld ausgiebiger Tätigkeit eröffnete. Er gründete den kathol. Geſellenverein, einen Arbeiter-Kon- ſumverein und eine Kinderbewahr- anſtalt, zu deren Leitung er die Kreuzſchweſtern berief. Seit dem November 1871 wirkte W. als Pro- viſor in Alt-Auſſee, als Benefi- ziatenſtellvertreter in Vordernberg, als Kaplan in Waaſen bei Leoben und kam am 1. September 1872 als Kaplan nach St. Andreä in Graz, wo er ſeine beſondere Kraft wieder der Entwicklung und Ausbildung des kathol. Geſellenvereins widmete. Seit dem Jahre 1876 Domkaplan, wurde er am 1. März 1888 Mitglied des Seckauer Domkapitels, nachdem er ſchon vorher zum päpſtlichen Käm- merer und fürſtbiſch. Geiſtlichen Rat ernannt worden war. Von 1878–86 war er auch für Gröbming-Auſſee Landtagsabgeordneter. Verſchiedene Reiſen führten ihn durch Deutſch- land, die Schweiz, Öſterreich, und zweimal (1869 u. 1888) unternahm er Pilgerfahrten nach Rom. Er ſtarb am 2. März 1896 in Graz. S: Ag- nes, der Engel von Paltenthal (Hiſt. E. a. d. ſteiriſchen Reformationszeit), 1865. 4. A. 1906. – Tofana (E. a. d. 17. Jahrh.), 1866. – Die Soldaten des Kindleins Jeſu (En.), 1884. – Der Zwerg (Weihnachtsgeſchichte), 1886. – Sankt Johannes Liebe (dra- matiſierte Lg.), 1901. *Woisky, Bertha von, wurde am 3. Jan. 1831 in Labiau (Oſtpreußen) geboren. Jhr Vater, aus vornehmer Familie ſtammend, die aber durch die Kriege gegen Napoleon I. völlig ver- armte, hatte mit ſeinen Brüdern Auf- nahme in Kadettenhäuſer gefunden, und als dieſe durch die Franzoſen zerſtört wurden, war er zur See ge- gangen, bis ihn der Aufruf Fried- rich Wilhelms III. zur Rückkehr und unter die Fahne rief. Nach dem Frie- den blieb ihm nur die Ausſicht auf eine ſubalterne Stellung, u. ſo wurde er Steuerkontroleur. 1833 wurde er nach Tapiau verſetzt, wo Bertha bis zum 12. Jahre blieb, um dann neue, wiederholte Wanderungen anzutre- ten. Jhr poetiſches Talent offenbarte ſich früh und äußerte ſich zunächſt in kleinen ſatiriſchen Gedichten. Als ſie dann in die Welt hinausging, nach Königsberg i. Pr., um ſich ihr Brot ſelbſt zu erwerben — was ihr ja auch ſchwer, aber redlich gelungen iſt — ſchrieb ſie Novellen, die in Journalen zum Abdruck gelangten, u. ein Drama „Das Täubchen von Amſterdam“. Letzteres reichte ſie der Generalinten- dantur in Berlin ein, und wenn ſie es auch zurück erhielt, ſo wurde doch ihr Talent anerkannt, und als ſie 1864 ihren Wohnſitz in Berlin nahm, war es der Generalintendant Herr v. Hülſen, der ihr freien Eintritt in die königl. Theater gewährte, eine Vergünſtigung, die ſie 23 Jahre ge- noß. Sie lebt noch jetzt, dank einer Rente aus einer adeligen Stiftung und einer königl. Penſion vor Nah- rungsſorgen geſchützt, in Berlin. S: Friedrich der Große und das Marie- chen mit dem Goldſtück, 1864. – Trotz- *

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Zitationshilfe: Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 8. 6. Aufl. Leipzig, 1913. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bruemmer_lexikon08_1913/18>, S. 14, abgerufen am 21.09.2017.