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Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 8. 6. Aufl. Leipzig, 1913.

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selben austreten. Nach seiner Kon-
firmation kam er erst zu einem Buch-
drucker, dann zu einem Gewürzkrä-
mer und endlich zu einem Handels-
herrn in Braunschweig in die Lehre.
Hier erwachte seine Neigung zum
Theater, und so kehrte er nach Ham-
burg zurück, um sich dort für das
Stadttheater engagieren zu lassen.
Bald löste er seinen Kontrakt, indem
er einfach aus Hamburg entfloh und
nun hinfort ein unstetes Wander-
leben führte, auf dem er oft mit den
drückendsten Nahrungssorgen zu
kämpfen hatte. Er spielte in Kalisch,
Ostrowo, wo er sich mit Emile Bach-
mann, einer Schauspielerin verlobte,
in Neiße, Oppeln, trat in dieser Zeit
auch als Opernsänger auf, kam 1834
nach Lübeck, wo er als Sänger gründ-
lich durchfiel, wirkte in der Folge nur
noch als Schauspieler in Hildesheim,
Detmold, Köln, Breslau, Leipzig,
Düsseldorf, Mainz, Bremen, Ham-
burg, wo er kurze Zeit auch eine
Theaterschule und ein Theaterbureau
hielt, und übernahm 1846 die Direk-
tion des Theaters in Schleswig. Von
hier durch den dänischen Minister
Scheele ausgewiesen, weil in einer
Vorstellung des "Wilhelm Tell" das
Publikum das Lied "Schleswig-Hol-
stein meerumschlungen" angestimmt
hatte, eilte W. nach Wien; aber von
hier vertrieb ihn die Revolution des
Jahres 1848, und er flüchtete nach
Baden. Hier kam er auf den Gedan-
ken, seine Kinder zu einem Schau-
spieler- und Sängerensemble auszu-
bilden und sein Glück mit ihnen auf
Gastspielreisen zu versuchen. Das
Unternehmen glückte; in Brünn, Ol-
mütz, Prag, Dresden, Leipzig, Magde-
burg, Hamburg und seit Dezember
1851 in Riga, erzielte W. große und
auch pekuniäre Erfolge. Durch un-
glückliche Umstände büßte er jedoch
in Riga sein Barvermögen ein und
er mußte froh sein, sich und die Sei-
nen gesund wieder nach Deutschland
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zu bringen. Hier leitete er 1852-54
das Hoftheater in Altenburg, späte[r]
dasjenige in Sondershausen, wa[r]
darauf als Schauspieler in Rotter[-]
dam, Pest, Wien, Breslau, 1866-67
als Oberregisseur in Riga, 1867-68
in Olmütz und Lemberg tätig u. zo[g]
sich Ostern 1869 von der Bühne nach
Hamburg zurück. Er lebte hier vo[n]
der Unterstützung seiner Kinder, unte[r]
denen sich seine Tochter Amalie mi[t]
dem Fürsten Leopold von Löwen-
stein-Wertheim-Freudenberg ver-
mählt hatte. Er starb in Prag am
26. Januar 1872.

S:

Trauer, Ver-
lobung und Hochzeit, oder: Das Ge-
richt zu Riebfelden (P.), 1837. - De[r]
schwarze Kater, oder: Zwei Schneide[r]
auf Reisen (P.), 1841. - Hoch- und
Wohlgeboren (Lsp., 1842. - N. N. N.
N. (Nur nicht nach Norden). (Lsp.),
1842. - Memoiren (Enthüllunge[n]
50jähriger Bühnen-Erlebnisse), 1870.
- Als Manuskr. gedruckt: Siebe[n]
Romeos und eine Julie (P.). - Das
Kind aus dem Volke (Lsp.)

Wolrad, E.,

Pseud. für Wolrad
Eigenbrodt;
s. d.!

*Wolters, Wilhelm,

wurde am 8.
Novbr. 1852 in Dresden als älte-
ster Sohn des Dichters Wilhelm
Wolfsohn
(s. d.) geboren, empfing
hier seine erste Schulbildung u. kam
nach dem frühen Tode seines Vaters
(1865) nach Karlsruhe, wo er das
Realgymnasium und danach das Po-
lytechnikum absolvierte. Er kehrte
darauf nach Dresden zurück und trat
hier in eines der ersten Architektur-
ateliers als Architekt ein. Jetzt wur-
den die alten Erinnerungen an das
Vaterhaus wach, in welchem seiner
Zeit die Größen der Dichtkunst und
Schauspielkunst aus und ein gegan-
gen waren; das Theater, dessen
Räume vor und hinter den Kulissen
er als Knabe oft mit seinem Vater
bei den Proben und Aufführungen
von dessen Dramen betreten, übte
einen unwiderstehlichen Reiz auf ihn

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ſelben austreten. Nach ſeiner Kon-
firmation kam er erſt zu einem Buch-
drucker, dann zu einem Gewürzkrä-
mer und endlich zu einem Handels-
herrn in Braunſchweig in die Lehre.
Hier erwachte ſeine Neigung zum
Theater, und ſo kehrte er nach Ham-
burg zurück, um ſich dort für das
Stadttheater engagieren zu laſſen.
Bald löſte er ſeinen Kontrakt, indem
er einfach aus Hamburg entfloh und
nun hinfort ein unſtetes Wander-
leben führte, auf dem er oft mit den
drückendſten Nahrungsſorgen zu
kämpfen hatte. Er ſpielte in Kaliſch,
Oſtrowo, wo er ſich mit Emile Bach-
mann, einer Schauſpielerin verlobte,
in Neiße, Oppeln, trat in dieſer Zeit
auch als Opernſänger auf, kam 1834
nach Lübeck, wo er als Sänger gründ-
lich durchfiel, wirkte in der Folge nur
noch als Schauſpieler in Hildesheim,
Detmold, Köln, Breslau, Leipzig,
Düſſeldorf, Mainz, Bremen, Ham-
burg, wo er kurze Zeit auch eine
Theaterſchule und ein Theaterbureau
hielt, und übernahm 1846 die Direk-
tion des Theaters in Schleswig. Von
hier durch den däniſchen Miniſter
Scheele ausgewieſen, weil in einer
Vorſtellung des „Wilhelm Tell“ das
Publikum das Lied „Schleswig-Hol-
ſtein meerumſchlungen“ angeſtimmt
hatte, eilte W. nach Wien; aber von
hier vertrieb ihn die Revolution des
Jahres 1848, und er flüchtete nach
Baden. Hier kam er auf den Gedan-
ken, ſeine Kinder zu einem Schau-
ſpieler- und Sängerenſemble auszu-
bilden und ſein Glück mit ihnen auf
Gaſtſpielreiſen zu verſuchen. Das
Unternehmen glückte; in Brünn, Ol-
mütz, Prag, Dresden, Leipzig, Magde-
burg, Hamburg und ſeit Dezember
1851 in Riga, erzielte W. große und
auch pekuniäre Erfolge. Durch un-
glückliche Umſtände büßte er jedoch
in Riga ſein Barvermögen ein und
er mußte froh ſein, ſich und die Sei-
nen geſund wieder nach Deutſchland
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Wol
zu bringen. Hier leitete er 1852–54
das Hoftheater in Altenburg, ſpäte[r]
dasjenige in Sondershauſen, wa[r]
darauf als Schauſpieler in Rotter[-]
dam, Peſt, Wien, Breslau, 1866–67
als Oberregiſſeur in Riga, 1867–68
in Olmütz und Lemberg tätig u. zo[g]
ſich Oſtern 1869 von der Bühne nach
Hamburg zurück. Er lebte hier vo[n]
der Unterſtützung ſeiner Kinder, unte[r]
denen ſich ſeine Tochter Amalie mi[t]
dem Fürſten Leopold von Löwen-
ſtein-Wertheim-Freudenberg ver-
mählt hatte. Er ſtarb in Prag am
26. Januar 1872.

S:

Trauer, Ver-
lobung und Hochzeit, oder: Das Ge-
richt zu Riebfelden (P.), 1837. – De[r]
ſchwarze Kater, oder: Zwei Schneide[r]
auf Reiſen (P.), 1841. – Hoch- und
Wohlgeboren (Lſp., 1842. – N. N. N.
N. (Nur nicht nach Norden). (Lſp.),
1842. – Memoiren (Enthüllunge[n]
50jähriger Bühnen-Erlebniſſe), 1870.
– Als Manuſkr. gedruckt: Siebe[n]
Romeos und eine Julie (P.). – Das
Kind aus dem Volke (Lſp.)

Wolrad, E.,

Pſeud. für Wolrad
Eigenbrodt;
ſ. d.!

*Wolters, Wilhelm,

wurde am 8.
Novbr. 1852 in Dresden als älte-
ſter Sohn des Dichters Wilhelm
Wolfſohn
(ſ. d.) geboren, empfing
hier ſeine erſte Schulbildung u. kam
nach dem frühen Tode ſeines Vaters
(1865) nach Karlsruhe, wo er das
Realgymnaſium und danach das Po-
lytechnikum abſolvierte. Er kehrte
darauf nach Dresden zurück und trat
hier in eines der erſten Architektur-
ateliers als Architekt ein. Jetzt wur-
den die alten Erinnerungen an das
Vaterhaus wach, in welchem ſeiner
Zeit die Größen der Dichtkunſt und
Schauſpielkunſt aus und ein gegan-
gen waren; das Theater, deſſen
Räume vor und hinter den Kuliſſen
er als Knabe oft mit ſeinem Vater
bei den Proben und Aufführungen
von deſſen Dramen betreten, übte
einen unwiderſtehlichen Reiz auf ihn

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[34/0038] Wol Wol ſelben austreten. Nach ſeiner Kon- firmation kam er erſt zu einem Buch- drucker, dann zu einem Gewürzkrä- mer und endlich zu einem Handels- herrn in Braunſchweig in die Lehre. Hier erwachte ſeine Neigung zum Theater, und ſo kehrte er nach Ham- burg zurück, um ſich dort für das Stadttheater engagieren zu laſſen. Bald löſte er ſeinen Kontrakt, indem er einfach aus Hamburg entfloh und nun hinfort ein unſtetes Wander- leben führte, auf dem er oft mit den drückendſten Nahrungsſorgen zu kämpfen hatte. Er ſpielte in Kaliſch, Oſtrowo, wo er ſich mit Emile Bach- mann, einer Schauſpielerin verlobte, in Neiße, Oppeln, trat in dieſer Zeit auch als Opernſänger auf, kam 1834 nach Lübeck, wo er als Sänger gründ- lich durchfiel, wirkte in der Folge nur noch als Schauſpieler in Hildesheim, Detmold, Köln, Breslau, Leipzig, Düſſeldorf, Mainz, Bremen, Ham- burg, wo er kurze Zeit auch eine Theaterſchule und ein Theaterbureau hielt, und übernahm 1846 die Direk- tion des Theaters in Schleswig. Von hier durch den däniſchen Miniſter Scheele ausgewieſen, weil in einer Vorſtellung des „Wilhelm Tell“ das Publikum das Lied „Schleswig-Hol- ſtein meerumſchlungen“ angeſtimmt hatte, eilte W. nach Wien; aber von hier vertrieb ihn die Revolution des Jahres 1848, und er flüchtete nach Baden. Hier kam er auf den Gedan- ken, ſeine Kinder zu einem Schau- ſpieler- und Sängerenſemble auszu- bilden und ſein Glück mit ihnen auf Gaſtſpielreiſen zu verſuchen. Das Unternehmen glückte; in Brünn, Ol- mütz, Prag, Dresden, Leipzig, Magde- burg, Hamburg und ſeit Dezember 1851 in Riga, erzielte W. große und auch pekuniäre Erfolge. Durch un- glückliche Umſtände büßte er jedoch in Riga ſein Barvermögen ein und er mußte froh ſein, ſich und die Sei- nen geſund wieder nach Deutſchland zu bringen. Hier leitete er 1852–54 das Hoftheater in Altenburg, ſpäter dasjenige in Sondershauſen, war darauf als Schauſpieler in Rotter- dam, Peſt, Wien, Breslau, 1866–67 als Oberregiſſeur in Riga, 1867–68 in Olmütz und Lemberg tätig u. zog ſich Oſtern 1869 von der Bühne nach Hamburg zurück. Er lebte hier von der Unterſtützung ſeiner Kinder, unter denen ſich ſeine Tochter Amalie mit dem Fürſten Leopold von Löwen- ſtein-Wertheim-Freudenberg ver- mählt hatte. Er ſtarb in Prag am 26. Januar 1872. S: Trauer, Ver- lobung und Hochzeit, oder: Das Ge- richt zu Riebfelden (P.), 1837. – Der ſchwarze Kater, oder: Zwei Schneider auf Reiſen (P.), 1841. – Hoch- und Wohlgeboren (Lſp., 1842. – N. N. N. N. (Nur nicht nach Norden). (Lſp.), 1842. – Memoiren (Enthüllungen 50jähriger Bühnen-Erlebniſſe), 1870. – Als Manuſkr. gedruckt: Sieben Romeos und eine Julie (P.). – Das Kind aus dem Volke (Lſp.) Wolrad, E., Pſeud. für Wolrad Eigenbrodt; ſ. d.! *Wolters, Wilhelm, wurde am 8. Novbr. 1852 in Dresden als älte- ſter Sohn des Dichters Wilhelm Wolfſohn (ſ. d.) geboren, empfing hier ſeine erſte Schulbildung u. kam nach dem frühen Tode ſeines Vaters (1865) nach Karlsruhe, wo er das Realgymnaſium und danach das Po- lytechnikum abſolvierte. Er kehrte darauf nach Dresden zurück und trat hier in eines der erſten Architektur- ateliers als Architekt ein. Jetzt wur- den die alten Erinnerungen an das Vaterhaus wach, in welchem ſeiner Zeit die Größen der Dichtkunſt und Schauſpielkunſt aus und ein gegan- gen waren; das Theater, deſſen Räume vor und hinter den Kuliſſen er als Knabe oft mit ſeinem Vater bei den Proben und Aufführungen von deſſen Dramen betreten, übte einen unwiderſtehlichen Reiz auf ihn *

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Zitationshilfe: Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 8. 6. Aufl. Leipzig, 1913, S. 34. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bruemmer_lexikon08_1913/38>, abgerufen am 26.03.2019.