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Brunner, Heinrich: Deutsche Rechtsgeschichte. Bd. 2. Leipzig, 1892.

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§ 76. Volksversammlungen und Hoftage.
spätkarolingischer Zeit als Lehen des Grafen behandelt wurde, nicht
von einem königlichen actor, sondern vom Grafen selbst verwaltet.

Der einzelne Fiskus ist je nach seiner Grösse in eine Anzahl
ministeria eingeteilt, deren jedes einem Unterbeamten des actor, Na-
mens maior, zugewiesen ist. Der Umfang des Meieramtes soll nach
den karolingischen Ordnungen nur so gross sein, dass es der Meier
im Laufe eines Tages inspicieren kann. Die einzelnen Höfe werden
als Haupt- und Nebenhöfe, villae capitaneae und villae mansioniles 48,
unterschieden. Letztere verwaltet entweder ein fiskalischer Unter-
beamter, oder sie sind mit Zinsbauern besetzt. Sämtliche Unterbeamte
des actor werden als dessen iuniores oder ministeriales zusammen-
gefasst. Zu ihnen gehören auch die decani, welche einen als decania
bezeichneten Komplex von Höfen unter sich haben 49.

§ 76. Volksversammlungen und Hoftage.

Eichhorn, D. Staats- und Rechtsgeschichte §§ 121 f. 133. 161. 162. Daniels,
Handbuch I 578 ff. Waitz, VG II 2, S. 213. 225 ff.; III 554 ff. R. Schröder,
RG S. 143 ff. Dahn, Deutsche Geschichte II 563 ff. Viollet, Historie I 199 ff.
Glasson, Historie II 324 ff. Fustel de Coulanges, Monarchie franque S. 63 ff.
598 ff. Joachim, Geschichte der teutschen Reichstäge 1762. Runde, Ab-
handlung vom Ursprung der Reichsstandschaft der Bischöfe und Äbte 1775.
F. W. Unger, Geschichte d. deutschen Landstände 1844. Ahrens, Über Namen
und Zeit des campus Martius der alten Franken 1872. Waitz, Der frän-
kische campus Martius, Forschungen XIII 489 ff. Prou, Hincmar de ordine pa-
latii 1885, S. 71 ff. Wilhelm Sickel, Zur Geschichte des deutschen Reichs-
tags, Mitth. des Instituts für österr. Geschichtsforschung, 1. Ergänzungsband 1885,
S. 220 f. Derselbe, Die merowingische Volksversammlung, a. O. 2. Ergänzungs-
band 1888, S. 295. Derselbe, in den Götting. gel. Anzeigen vom 15. März 1890,
S. 214 ff. Adelb. Prenzel, Beiträge zur Geschichte der Kriegsverfassung unter
den Karolingern 1887, S. 93 f. (die Heerversammlung).

Neben der in der Person und am Hofe des Königs concentrierten
Reichsregierung bot die fränkische Reichsverfassung keinen Raum für
Volksversammlungen des Reiches von der selbständigen politischen
Bedeutung, wie sie die altgermanische Landesversammlung besass.
Allerdings lassen sich allgemeine Versammlungen bis in die karolin-
gische Zeit hinein verfolgen; allein sie treten nicht aus eigenem
Rechte zusammen, sind in den Dienst des Königs gestellt, der sie

48 Cap. de villis c. 19, I 84. Brevium exempla ad describendas res ... fis-
cales circa 810, c. 26, Cap. I 254: item de mansionilibus, quae ad suprascriptum
mansum aspiciunt. Du Cange (Henschel) IV 239.
49 Cap. de villis c. 10, I 84; c. 88, I 58. Waitz, VG I 486.

§ 76. Volksversammlungen und Hoftage.
spätkarolingischer Zeit als Lehen des Grafen behandelt wurde, nicht
von einem königlichen actor, sondern vom Grafen selbst verwaltet.

Der einzelne Fiskus ist je nach seiner Gröſse in eine Anzahl
ministeria eingeteilt, deren jedes einem Unterbeamten des actor, Na-
mens maior, zugewiesen ist. Der Umfang des Meieramtes soll nach
den karolingischen Ordnungen nur so groſs sein, daſs es der Meier
im Laufe eines Tages inspicieren kann. Die einzelnen Höfe werden
als Haupt- und Nebenhöfe, villae capitaneae und villae mansioniles 48,
unterschieden. Letztere verwaltet entweder ein fiskalischer Unter-
beamter, oder sie sind mit Zinsbauern besetzt. Sämtliche Unterbeamte
des actor werden als dessen iuniores oder ministeriales zusammen-
gefaſst. Zu ihnen gehören auch die decani, welche einen als decania
bezeichneten Komplex von Höfen unter sich haben 49.

§ 76. Volksversammlungen und Hoftage.

Eichhorn, D. Staats- und Rechtsgeschichte §§ 121 f. 133. 161. 162. Daniels,
Handbuch I 578 ff. Waitz, VG II 2, S. 213. 225 ff.; III 554 ff. R. Schröder,
RG S. 143 ff. Dahn, Deutsche Geschichte II 563 ff. Viollet, Historie I 199 ff.
Glasson, Historie II 324 ff. Fustel de Coulanges, Monarchie franque S. 63 ff.
598 ff. Joachim, Geschichte der teutschen Reichstäge 1762. Runde, Ab-
handlung vom Ursprung der Reichsstandschaft der Bischöfe und Äbte 1775.
F. W. Unger, Geschichte d. deutschen Landstände 1844. Ahrens, Über Namen
und Zeit des campus Martius der alten Franken 1872. Waitz, Der frän-
kische campus Martius, Forschungen XIII 489 ff. Prou, Hincmar de ordine pa-
latii 1885, S. 71 ff. Wilhelm Sickel, Zur Geschichte des deutschen Reichs-
tags, Mitth. des Instituts für österr. Geschichtsforschung, 1. Ergänzungsband 1885,
S. 220 f. Derselbe, Die merowingische Volksversammlung, a. O. 2. Ergänzungs-
band 1888, S. 295. Derselbe, in den Götting. gel. Anzeigen vom 15. März 1890,
S. 214 ff. Adelb. Prenzel, Beiträge zur Geschichte der Kriegsverfassung unter
den Karolingern 1887, S. 93 f. (die Heerversammlung).

Neben der in der Person und am Hofe des Königs concentrierten
Reichsregierung bot die fränkische Reichsverfassung keinen Raum für
Volksversammlungen des Reiches von der selbständigen politischen
Bedeutung, wie sie die altgermanische Landesversammlung besaſs.
Allerdings lassen sich allgemeine Versammlungen bis in die karolin-
gische Zeit hinein verfolgen; allein sie treten nicht aus eigenem
Rechte zusammen, sind in den Dienst des Königs gestellt, der sie

48 Cap. de villis c. 19, I 84. Brevium exempla ad describendas res … fis-
cales circa 810, c. 26, Cap. I 254: item de mansionilibus, quae ad suprascriptum
mansum aspiciunt. Du Cange (Henschel) IV 239.
49 Cap. de villis c. 10, I 84; c. 88, I 58. Waitz, VG I 486.
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[125/0143] § 76. Volksversammlungen und Hoftage. spätkarolingischer Zeit als Lehen des Grafen behandelt wurde, nicht von einem königlichen actor, sondern vom Grafen selbst verwaltet. Der einzelne Fiskus ist je nach seiner Gröſse in eine Anzahl ministeria eingeteilt, deren jedes einem Unterbeamten des actor, Na- mens maior, zugewiesen ist. Der Umfang des Meieramtes soll nach den karolingischen Ordnungen nur so groſs sein, daſs es der Meier im Laufe eines Tages inspicieren kann. Die einzelnen Höfe werden als Haupt- und Nebenhöfe, villae capitaneae und villae mansioniles 48, unterschieden. Letztere verwaltet entweder ein fiskalischer Unter- beamter, oder sie sind mit Zinsbauern besetzt. Sämtliche Unterbeamte des actor werden als dessen iuniores oder ministeriales zusammen- gefaſst. Zu ihnen gehören auch die decani, welche einen als decania bezeichneten Komplex von Höfen unter sich haben 49. § 76. Volksversammlungen und Hoftage. Eichhorn, D. Staats- und Rechtsgeschichte §§ 121 f. 133. 161. 162. Daniels, Handbuch I 578 ff. Waitz, VG II 2, S. 213. 225 ff.; III 554 ff. R. Schröder, RG S. 143 ff. Dahn, Deutsche Geschichte II 563 ff. Viollet, Historie I 199 ff. Glasson, Historie II 324 ff. Fustel de Coulanges, Monarchie franque S. 63 ff. 598 ff. Joachim, Geschichte der teutschen Reichstäge 1762. Runde, Ab- handlung vom Ursprung der Reichsstandschaft der Bischöfe und Äbte 1775. F. W. Unger, Geschichte d. deutschen Landstände 1844. Ahrens, Über Namen und Zeit des campus Martius der alten Franken 1872. Waitz, Der frän- kische campus Martius, Forschungen XIII 489 ff. Prou, Hincmar de ordine pa- latii 1885, S. 71 ff. Wilhelm Sickel, Zur Geschichte des deutschen Reichs- tags, Mitth. des Instituts für österr. Geschichtsforschung, 1. Ergänzungsband 1885, S. 220 f. Derselbe, Die merowingische Volksversammlung, a. O. 2. Ergänzungs- band 1888, S. 295. Derselbe, in den Götting. gel. Anzeigen vom 15. März 1890, S. 214 ff. Adelb. Prenzel, Beiträge zur Geschichte der Kriegsverfassung unter den Karolingern 1887, S. 93 f. (die Heerversammlung). Neben der in der Person und am Hofe des Königs concentrierten Reichsregierung bot die fränkische Reichsverfassung keinen Raum für Volksversammlungen des Reiches von der selbständigen politischen Bedeutung, wie sie die altgermanische Landesversammlung besaſs. Allerdings lassen sich allgemeine Versammlungen bis in die karolin- gische Zeit hinein verfolgen; allein sie treten nicht aus eigenem Rechte zusammen, sind in den Dienst des Königs gestellt, der sie 48 Cap. de villis c. 19, I 84. Brevium exempla ad describendas res … fis- cales circa 810, c. 26, Cap. I 254: item de mansionilibus, quae ad suprascriptum mansum aspiciunt. Du Cange (Henschel) IV 239. 49 Cap. de villis c. 10, I 84; c. 88, I 58. Waitz, VG I 486.

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Zitationshilfe: Brunner, Heinrich: Deutsche Rechtsgeschichte. Bd. 2. Leipzig, 1892, S. 125. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/brunner_rechtsgeschichte02_1892/143>, abgerufen am 20.10.2018.