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Buchner, Johann Siegmund: Theoria Et Praxis Artilleriæ. Bd. 1. Nürnberg, 1682.

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Granaten aus Stücken zu schiessen.

Das Granaten-Schiessen/ und sonderlich aus Dunst/ ist nicht einem jeden
Feuerwercker bekannt/ Theils haben zwar vom Granaten-Schiessen etwas in
Büchern gemeldet/ aber es seynd gefährliche Dinge/ indem sie den Zünder der
Granaten auf das Pulver gesetzet/ und das Stücke hernach abgefeuert/ oder a-
ber haben den Granat in einen höltzernen Spiegel geküttet/ und solchen in das
Stücke auf den ersten Vorschlag/ doch den Brand vorwerts kehrend/ geladen/
Anfeuerzeug in das Rohr geschüttet/ und dadurch den Granat von fornen in
dem Stücke angezündet; wenn sie nun gemercket/ daß er im Brande/ alsdann
ist das Stücke auch abgefeuert worden. Dergleichen Manier haben die lieben
Alten bey der Stein-Carthaunen/ wenn sie Feuerballen geschossen/ gebraucht/
davon ohne Zweiffel diese invention, Granaten zu schiessen/ herrühret.

Solch Granaten-schiessen zu verbessern/ hat der berühmte Obriste Get-
kant (dessen der Herr Siemienowiz in seiner grossen Artillerie des ersten Teut-
schen Exemplars pag. 136. garlöblich gedencket) eine andere sichere Manier/ Gra-
naten zu schiessen/ erfunden. Nemlichen: Er hat ein Stücke mit einer Kammer/
worein zwar nur ein Zündloch/ aber aus selbigem 2. Zündröhre gehen/ eine/ die
den Granaten/ die andere aber das Pulver des Stücks anzündet/ dadurch
der Granat erst/ und hernach das Stücke fast in gleichem tempo, um der Ge-
fahr/ wie oben gemeldt/ zu entgehen/ inventiret. Nachdem aber das rechte
Dunst-Schiessen und werffen erfunden worden/ ist solche Manier auch nach-
geblieben/ und nicht zum völligen Gebrauch gelanget.

Und werden demnach vorerwähnte Granaten auf nachfolgende Art zuge-
richtet/ und geschossen. Als: Es wird von Eisen nach jedem Stücke eine hole
eiserne Kugel mit einem Brand- und Fülloche/ auch unten mit einem Absatze/
den Brand daselbst anzuschrauben/ gegossen/ dessen Stärcke/ ingleichen die eiserne
Brand-Röhre/ aus dem Abrisse/ nachzumessen/ in Beliebung stehet. Solche
Granaten werden also verfertiget; der Brand A. wird oben zum Brandloche/
und unten mit dem Schräublein/ durch das Absätzlein gestecket/ und mit dem
Mütterlein B. durch den Schlüssel C. fest eingeschraubet/ in diese eiserne Brand-
Röhre wird ein Papierener Brand/ so mit guter Composition auf ein tempo
just eingerichtet/ und gefüllet ist/ mit guten Kütt fest eingeküttet/ und um die eiser-
ne Blatte und Mütterlein ebenfalls mit Kütte bestrichen/ auch mit zerklopfften
Pferd-Adern/ oder Rheinischen Hanff/ so viel möglich/ alles fein gleich und eben
verstopffet/ hernach die Granat in einen höltzernen Spiegel bey D. zu ersehen/ ge-
setzet/ den Papiernen Brand mit Stopinen versehen/ und eingeräumt/ auch die
gantze Anfeurung mit einer Leinwad/ oder doppelten Papiere/ biß zum Gebrauch
überleimet. Wann nun solche soll geschossen werden/ alsdenn wird stracks nach
dem Einkütten des Brands/ durch das Füll-Löchlein in die Granaten gut Pirsch-
pulver eingeröhret/ und so sie voll ist/ selbiges mit einem von harten Holtz in Küt-
te geduncket/ und mit Flachs oder Hanff bewundenen Pflöcklein zugeschlagen/ und
Kütte oben darauf gestrichen/ so ist solche biß zum Einladen gantz fertig. Ferner/
so das Stück mit dem Pulver gehöriger Massen nach geladen/ alsdann wird
stracks der Granate (jedoch den Brand vorhero eröffnet) mit dem Spiegel/ daß
der Brand vorwerts zu stehen komme/ hininter auf das Pulver geschoben/
nach diesem das Stück am begehrten Ort gerichtet/ wol eingeräumt und Feuer
gegeben/ man darff sich keines Blind-schiessens beförchten/ auch wer es thun
will/ kan/ um mehrerer Sicherheit willen/ etwas Anfeuerzeug in das Rohr schüt-
ten. Nota. Wenn an den höltzernen Spiegel eine Papierne Patrone/ worinnen
die gehörige Ladung enthalten/ gemacht wird/ gehet es desto geschwinder von
statten/ bleibet auch das Pulver besser beysammen/ und erfolgen gewissere
Schüsse. Fig. 127. und 128.

Jm Fall der Noth/ wenn man dergleichen Granaten und Brandkohlen nicht
bey der Hand haben kan/ können in andere Granaten nur gute höltzerne mit einem

gerechten


Granaten aus Stuͤcken zu ſchieſſen.

Das Granaten-Schieſſen/ und ſonderlich aus Dunſt/ iſt nicht einem jeden
Feuerwercker bekannt/ Theils haben zwar vom Granaten-Schieſſen etwas in
Buͤchern gemeldet/ aber es ſeynd gefaͤhrliche Dinge/ indem ſie den Zuͤnder der
Granaten auf das Pulver geſetzet/ und das Stuͤcke hernach abgefeuert/ oder a-
ber haben den Granat in einen hoͤltzernen Spiegel gekuͤttet/ und ſolchen in das
Stuͤcke auf den erſten Vorſchlag/ doch den Brand vorwerts kehrend/ geladen/
Anfeuerzeug in das Rohr geſchuͤttet/ und dadurch den Granat von fornen in
dem Stuͤcke angezuͤndet; wenn ſie nun gemercket/ daß er im Brande/ alsdann
iſt das Stuͤcke auch abgefeuert worden. Dergleichen Manier haben die lieben
Alten bey der Stein-Carthaunen/ wenn ſie Feuerballen geſchoſſen/ gebraucht/
davon ohne Zweiffel dieſe invention, Granaten zu ſchieſſen/ herruͤhret.

Solch Granaten-ſchieſſen zu verbeſſern/ hat der beruͤhmte Obriſte Get-
kant (deſſen der Herꝛ Siemienowiz in ſeiner groſſen Artillerie des erſten Teut-
ſchen Exemplars pag. 136. garloͤblich gedencket) eine andere ſichere Manier/ Gra-
naten zu ſchieſſen/ erfunden. Nemlichen: Er hat ein Stuͤcke mit einer Kammer/
worein zwar nur ein Zuͤndloch/ aber aus ſelbigem 2. Zuͤndroͤhre gehen/ eine/ die
den Granaten/ die andere aber das Pulver des Stuͤcks anzuͤndet/ dadurch
der Granat erſt/ und hernach das Stuͤcke faſt in gleichem tempo, um der Ge-
fahr/ wie oben gemeldt/ zu entgehen/ inventiret. Nachdem aber das rechte
Dunſt-Schieſſen und werffen erfunden worden/ iſt ſolche Manier auch nach-
geblieben/ und nicht zum voͤlligen Gebrauch gelanget.

Und werden demnach vorerwaͤhnte Granaten auf nachfolgende Art zuge-
richtet/ und geſchoſſen. Als: Es wird von Eiſen nach jedem Stuͤcke eine hole
eiſerne Kugel mit einem Brand- und Fuͤlloche/ auch unten mit einem Abſatze/
den Brand daſelbſt anzuſchrauben/ gegoſſen/ deſſen Staͤrcke/ ingleichen die eiſerne
Brand-Roͤhre/ aus dem Abriſſe/ nachzumeſſen/ in Beliebung ſtehet. Solche
Granaten werden alſo verfertiget; der Brand A. wird oben zum Brandloche/
und unten mit dem Schraͤublein/ durch das Abſaͤtzlein geſtecket/ und mit dem
Muͤtterlein B. durch den Schluͤſſel C. feſt eingeſchraubet/ in dieſe eiſerne Brand-
Roͤhre wird ein Papierener Brand/ ſo mit guter Compoſition auf ein tempo
juſt eingerichtet/ und gefuͤllet iſt/ mit guten Kuͤtt feſt eingekuͤttet/ und um die eiſer-
ne Blatte und Muͤtterlein ebenfalls mit Kuͤtte beſtrichen/ auch mit zerklopfften
Pferd-Adern/ oder Rheiniſchen Hanff/ ſo viel moͤglich/ alles fein gleich und eben
verſtopffet/ hernach die Granat in einen hoͤltzernen Spiegel bey D. zu erſehen/ ge-
ſetzet/ den Papiernen Brand mit Stopinen verſehen/ und eingeraͤumt/ auch die
gantze Anfeurung mit einer Leinwad/ oder doppelten Papiere/ biß zum Gebrauch
uͤberleimet. Wann nun ſolche ſoll geſchoſſen werden/ alsdenn wird ſtracks nach
dem Einkuͤtten des Brands/ durch das Fuͤll-Loͤchlein in die Granaten gut Pirſch-
pulver eingeroͤhret/ und ſo ſie voll iſt/ ſelbiges mit einem von harten Holtz in Kuͤt-
te geduncket/ und mit Flachs oder Hanff bewundenen Pfloͤcklein zugeſchlagen/ und
Kuͤtte oben darauf geſtrichen/ ſo iſt ſolche biß zum Einladen gantz fertig. Ferner/
ſo das Stuͤck mit dem Pulver gehoͤriger Maſſen nach geladen/ alsdann wird
ſtracks der Granate (jedoch den Brand vorhero eroͤffnet) mit dem Spiegel/ daß
der Brand vorwerts zu ſtehen komme/ hininter auf das Pulver geſchoben/
nach dieſem das Stuͤck am begehrten Ort gerichtet/ wol eingeraͤumt und Feuer
gegeben/ man darff ſich keines Blind-ſchieſſens befoͤrchten/ auch wer es thun
will/ kan/ um mehrerer Sicherheit willen/ etwas Anfeuerzeug in das Rohr ſchuͤt-
ten. Nota. Wenn an den hoͤltzernen Spiegel eine Papierne Patrone/ worinnen
die gehoͤrige Ladung enthalten/ gemacht wird/ gehet es deſto geſchwinder von
ſtatten/ bleibet auch das Pulver beſſer beyſammen/ und erfolgen gewiſſere
Schuͤſſe. Fig. 127. und 128.

Jm Fall der Noth/ wenn man dergleichen Granaten und Brandkohlen nicht
bey der Hand haben kan/ koͤnnen in andere Granaten nur gute hoͤltzerne mit einem

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[68/0084] Granaten aus Stuͤcken zu ſchieſſen. Das Granaten-Schieſſen/ und ſonderlich aus Dunſt/ iſt nicht einem jeden Feuerwercker bekannt/ Theils haben zwar vom Granaten-Schieſſen etwas in Buͤchern gemeldet/ aber es ſeynd gefaͤhrliche Dinge/ indem ſie den Zuͤnder der Granaten auf das Pulver geſetzet/ und das Stuͤcke hernach abgefeuert/ oder a- ber haben den Granat in einen hoͤltzernen Spiegel gekuͤttet/ und ſolchen in das Stuͤcke auf den erſten Vorſchlag/ doch den Brand vorwerts kehrend/ geladen/ Anfeuerzeug in das Rohr geſchuͤttet/ und dadurch den Granat von fornen in dem Stuͤcke angezuͤndet; wenn ſie nun gemercket/ daß er im Brande/ alsdann iſt das Stuͤcke auch abgefeuert worden. Dergleichen Manier haben die lieben Alten bey der Stein-Carthaunen/ wenn ſie Feuerballen geſchoſſen/ gebraucht/ davon ohne Zweiffel dieſe invention, Granaten zu ſchieſſen/ herruͤhret. Solch Granaten-ſchieſſen zu verbeſſern/ hat der beruͤhmte Obriſte Get- kant (deſſen der Herꝛ Siemienowiz in ſeiner groſſen Artillerie des erſten Teut- ſchen Exemplars pag. 136. garloͤblich gedencket) eine andere ſichere Manier/ Gra- naten zu ſchieſſen/ erfunden. Nemlichen: Er hat ein Stuͤcke mit einer Kammer/ worein zwar nur ein Zuͤndloch/ aber aus ſelbigem 2. Zuͤndroͤhre gehen/ eine/ die den Granaten/ die andere aber das Pulver des Stuͤcks anzuͤndet/ dadurch der Granat erſt/ und hernach das Stuͤcke faſt in gleichem tempo, um der Ge- fahr/ wie oben gemeldt/ zu entgehen/ inventiret. Nachdem aber das rechte Dunſt-Schieſſen und werffen erfunden worden/ iſt ſolche Manier auch nach- geblieben/ und nicht zum voͤlligen Gebrauch gelanget. Und werden demnach vorerwaͤhnte Granaten auf nachfolgende Art zuge- richtet/ und geſchoſſen. Als: Es wird von Eiſen nach jedem Stuͤcke eine hole eiſerne Kugel mit einem Brand- und Fuͤlloche/ auch unten mit einem Abſatze/ den Brand daſelbſt anzuſchrauben/ gegoſſen/ deſſen Staͤrcke/ ingleichen die eiſerne Brand-Roͤhre/ aus dem Abriſſe/ nachzumeſſen/ in Beliebung ſtehet. Solche Granaten werden alſo verfertiget; der Brand A. wird oben zum Brandloche/ und unten mit dem Schraͤublein/ durch das Abſaͤtzlein geſtecket/ und mit dem Muͤtterlein B. durch den Schluͤſſel C. feſt eingeſchraubet/ in dieſe eiſerne Brand- Roͤhre wird ein Papierener Brand/ ſo mit guter Compoſition auf ein tempo juſt eingerichtet/ und gefuͤllet iſt/ mit guten Kuͤtt feſt eingekuͤttet/ und um die eiſer- ne Blatte und Muͤtterlein ebenfalls mit Kuͤtte beſtrichen/ auch mit zerklopfften Pferd-Adern/ oder Rheiniſchen Hanff/ ſo viel moͤglich/ alles fein gleich und eben verſtopffet/ hernach die Granat in einen hoͤltzernen Spiegel bey D. zu erſehen/ ge- ſetzet/ den Papiernen Brand mit Stopinen verſehen/ und eingeraͤumt/ auch die gantze Anfeurung mit einer Leinwad/ oder doppelten Papiere/ biß zum Gebrauch uͤberleimet. Wann nun ſolche ſoll geſchoſſen werden/ alsdenn wird ſtracks nach dem Einkuͤtten des Brands/ durch das Fuͤll-Loͤchlein in die Granaten gut Pirſch- pulver eingeroͤhret/ und ſo ſie voll iſt/ ſelbiges mit einem von harten Holtz in Kuͤt- te geduncket/ und mit Flachs oder Hanff bewundenen Pfloͤcklein zugeſchlagen/ und Kuͤtte oben darauf geſtrichen/ ſo iſt ſolche biß zum Einladen gantz fertig. Ferner/ ſo das Stuͤck mit dem Pulver gehoͤriger Maſſen nach geladen/ alsdann wird ſtracks der Granate (jedoch den Brand vorhero eroͤffnet) mit dem Spiegel/ daß der Brand vorwerts zu ſtehen komme/ hininter auf das Pulver geſchoben/ nach dieſem das Stuͤck am begehrten Ort gerichtet/ wol eingeraͤumt und Feuer gegeben/ man darff ſich keines Blind-ſchieſſens befoͤrchten/ auch wer es thun will/ kan/ um mehrerer Sicherheit willen/ etwas Anfeuerzeug in das Rohr ſchuͤt- ten. Nota. Wenn an den hoͤltzernen Spiegel eine Papierne Patrone/ worinnen die gehoͤrige Ladung enthalten/ gemacht wird/ gehet es deſto geſchwinder von ſtatten/ bleibet auch das Pulver beſſer beyſammen/ und erfolgen gewiſſere Schuͤſſe. Fig. 127. und 128. Jm Fall der Noth/ wenn man dergleichen Granaten und Brandkohlen nicht bey der Hand haben kan/ koͤnnen in andere Granaten nur gute hoͤltzerne mit einem gerechten

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Zitationshilfe: Buchner, Johann Siegmund: Theoria Et Praxis Artilleriæ. Bd. 1. Nürnberg, 1682, S. 68. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/buchner_theoria01_1682/84>, abgerufen am 21.09.2020.