Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Büchner, Georg: Sämmtliche Werke und handschriftlicher Nachlaß. Frankfurt (Main), 1879.

Bild:
<< vorherige Seite

die beste Gelegenheit, einen Orden zu erwischen, sie ließen
die Truppen ausrücken, die Straßen räumen, Bajonnete und
Kolbenstöße austheilen, Verhaftungen vornehmen, Prokla-
mationen anschlagen u. s. w.

11.


..... Gestern wurden wieder zwei Studenten ver-
haftet, der kleine Stamm und Groß. ....

12.


..... Gestern war ich bei dem Bankett zu Ehren
der zurückgekehrten Deputirten. An zweihundert Personen,
unter ihnen Balser und Vogt. Einige loyale Toaste, bis
man sich Courage getrunken, und dann das Polenlied, die
Marseillaise gesungen und den in Friedberg Verhafteten * ein
Vivat gebracht! Die Leute gehen ins Feuer, wenn's von
einer brennenden Punschbowle kommt! .....

13.


..... Ich verachte Niemanden, am wenigsten
wegen seines Verstandes oder seiner Bildung, weil es in
Niemands Gewalt liegt, kein Dummkopf oder kein Verbrecher
zu werden, -- weil wir durch gleiche Umstände wohl Alle
gleich würden, und weil die Umstände außer uns liegen.
Der Verstand nun gar ist nur eine sehr geringe Seite

* Apotheker Trapp und einige gleichgesinnte Männer aus
Oberhessen. F.

die beſte Gelegenheit, einen Orden zu erwiſchen, ſie ließen
die Truppen ausrücken, die Straßen räumen, Bajonnete und
Kolbenſtöße austheilen, Verhaftungen vornehmen, Prokla-
mationen anſchlagen u. ſ. w.

11.


..... Geſtern wurden wieder zwei Studenten ver-
haftet, der kleine Stamm und Groß. ....

12.


..... Geſtern war ich bei dem Bankett zu Ehren
der zurückgekehrten Deputirten. An zweihundert Perſonen,
unter ihnen Balſer und Vogt. Einige loyale Toaſte, bis
man ſich Courage getrunken, und dann das Polenlied, die
Marſeillaiſe geſungen und den in Friedberg Verhafteten * ein
Vivat gebracht! Die Leute gehen ins Feuer, wenn's von
einer brennenden Punſchbowle kommt! .....

13.


..... Ich verachte Niemanden, am wenigſten
wegen ſeines Verſtandes oder ſeiner Bildung, weil es in
Niemands Gewalt liegt, kein Dummkopf oder kein Verbrecher
zu werden, — weil wir durch gleiche Umſtände wohl Alle
gleich würden, und weil die Umſtände außer uns liegen.
Der Verſtand nun gar iſt nur eine ſehr geringe Seite

* Apotheker Trapp und einige gleichgeſinnte Männer aus
Oberheſſen. F.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0530" n="334"/>
die be&#x017F;te Gelegenheit, einen Orden zu erwi&#x017F;chen, &#x017F;ie ließen<lb/>
die Truppen ausrücken, die Straßen räumen, Bajonnete und<lb/>
Kolben&#x017F;töße austheilen, Verhaftungen vornehmen, Prokla-<lb/>
mationen an&#x017F;chlagen u. &#x017F;. w.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head> <hi rendition="#c">11.</hi> </head><lb/>
            <dateline><hi rendition="#g">Gießen</hi>, den 1. November 1833.</dateline><lb/>
            <p>..... Ge&#x017F;tern wurden wieder zwei Studenten ver-<lb/>
haftet, der kleine <hi rendition="#g">Stamm</hi> und <hi rendition="#g">Groß</hi>. ....</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head> <hi rendition="#c">12.</hi> </head><lb/>
            <dateline><hi rendition="#g">Gießen</hi>, den 19. November 1833.</dateline><lb/>
            <p>..... Ge&#x017F;tern war ich bei dem Bankett zu Ehren<lb/>
der zurückgekehrten Deputirten. An zweihundert Per&#x017F;onen,<lb/>
unter ihnen <hi rendition="#g">Bal&#x017F;er</hi> und <hi rendition="#g">Vogt</hi>. Einige loyale Toa&#x017F;te, bis<lb/>
man &#x017F;ich Courage getrunken, und dann das Polenlied, die<lb/>
Mar&#x017F;eillai&#x017F;e ge&#x017F;ungen und den in Friedberg Verhafteten <note place="foot" n="*">Apotheker Trapp und einige gleichge&#x017F;innte Männer aus<lb/>
Oberhe&#x017F;&#x017F;en. <hi rendition="#et">F.</hi></note> ein<lb/>
Vivat gebracht! Die Leute gehen ins Feuer, wenn's von<lb/>
einer brennenden Pun&#x017F;chbowle kommt! .....</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head> <hi rendition="#c">13.</hi> </head><lb/>
            <dateline><hi rendition="#g">Gießen</hi>, im Februar 1834.</dateline><lb/>
            <p>..... Ich <hi rendition="#g">verachte Niemanden</hi>, am wenig&#x017F;ten<lb/>
wegen &#x017F;eines Ver&#x017F;tandes oder &#x017F;einer Bildung, weil es in<lb/>
Niemands Gewalt liegt, kein Dummkopf oder kein Verbrecher<lb/>
zu werden, &#x2014; weil wir durch gleiche Um&#x017F;tände wohl Alle<lb/>
gleich würden, und weil die Um&#x017F;tände außer uns liegen.<lb/>
Der <hi rendition="#g">Ver&#x017F;tand</hi> nun gar i&#x017F;t nur eine &#x017F;ehr geringe Seite<lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[334/0530] die beſte Gelegenheit, einen Orden zu erwiſchen, ſie ließen die Truppen ausrücken, die Straßen räumen, Bajonnete und Kolbenſtöße austheilen, Verhaftungen vornehmen, Prokla- mationen anſchlagen u. ſ. w. 11. Gießen, den 1. November 1833. ..... Geſtern wurden wieder zwei Studenten ver- haftet, der kleine Stamm und Groß. .... 12. Gießen, den 19. November 1833. ..... Geſtern war ich bei dem Bankett zu Ehren der zurückgekehrten Deputirten. An zweihundert Perſonen, unter ihnen Balſer und Vogt. Einige loyale Toaſte, bis man ſich Courage getrunken, und dann das Polenlied, die Marſeillaiſe geſungen und den in Friedberg Verhafteten * ein Vivat gebracht! Die Leute gehen ins Feuer, wenn's von einer brennenden Punſchbowle kommt! ..... 13. Gießen, im Februar 1834. ..... Ich verachte Niemanden, am wenigſten wegen ſeines Verſtandes oder ſeiner Bildung, weil es in Niemands Gewalt liegt, kein Dummkopf oder kein Verbrecher zu werden, — weil wir durch gleiche Umſtände wohl Alle gleich würden, und weil die Umſtände außer uns liegen. Der Verſtand nun gar iſt nur eine ſehr geringe Seite * Apotheker Trapp und einige gleichgeſinnte Männer aus Oberheſſen. F.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/buechner_werke_1879
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/buechner_werke_1879/530
Zitationshilfe: Büchner, Georg: Sämmtliche Werke und handschriftlicher Nachlaß. Frankfurt (Main), 1879, S. 334. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/buechner_werke_1879/530>, abgerufen am 10.08.2020.