Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Büchner, Georg: Sämmtliche Werke und handschriftlicher Nachlaß. Frankfurt (Main), 1879.

Bild:
<< vorherige Seite

durch die verschiedenen Gerüchte nicht irre machen lassen; so
soll sogar ein Mensch Euch besucht haben, der sich für Einen
meiner Freunde ausgab. Ich erinnere mich gar nicht, den
Menschen je gesehen zu haben; wie mir die Anderen jedoch
erzählten, ist er ein ausgemachter Schurke, der wahrscheinlich
auch das Gerücht von einer hier bestehenden Verbindung aus-
gesprengt hat. Die Gegenwart des Prinzen Emil, der
eben hier ist, könnte vielleicht nachtheilige Folgen für uns
haben, im Fall er von dem Präfecten unsere Ausweisung
begehrte; doch halten wir uns für zu unbedeutend, als daß
Seine Hoheit sich mit uns beschäftigen sollte. Uebrigens sind
fast sämmtliche Flüchtlinge in die Schweiz und in das Innere
abgereist, und in wenigen Tagen gehen noch mehrere, so daß
höchstens fünf bis sechs hier bleiben werden. .....

33.


...... Mir hat sich eine Quelle geöffnet; es handelt
sich um ein großes Literaturblatt, "Deutsche Revue" betitelt,
das mit Anfang des neuen Jahres in Wochenheften erscheinen
soll. Gutzkow und Wienbarg werden das Unternehmen
leiten; man hat mich zu monatlichen Beiträgen aufgefordert.
Ob das gleich eine Gelegenheit gewesen wäre, mir vielleicht
ein regelmäßiges Einkommen zu sichern, so habe ich doch
meiner Studien halber die Verpflichtung zu regelmäßigen
Beiträgen abgelehnt. Vielleicht, daß Ende des Jahres noch
etwas von mir erscheint. -- Klemm also frei? Er ist mehr
ein Unglücklicher, als ein Verbrecher, ich bemitleide ihn eher,
als ich ihn verachte; man muß doch gar pfiffig die tolle
Leidenschaft des armen Teufels benützt haben. Er hatte

durch die verſchiedenen Gerüchte nicht irre machen laſſen; ſo
ſoll ſogar ein Menſch Euch beſucht haben, der ſich für Einen
meiner Freunde ausgab. Ich erinnere mich gar nicht, den
Menſchen je geſehen zu haben; wie mir die Anderen jedoch
erzählten, iſt er ein ausgemachter Schurke, der wahrſcheinlich
auch das Gerücht von einer hier beſtehenden Verbindung aus-
geſprengt hat. Die Gegenwart des Prinzen Emil, der
eben hier iſt, könnte vielleicht nachtheilige Folgen für uns
haben, im Fall er von dem Präfecten unſere Ausweiſung
begehrte; doch halten wir uns für zu unbedeutend, als daß
Seine Hoheit ſich mit uns beſchäftigen ſollte. Uebrigens ſind
faſt ſämmtliche Flüchtlinge in die Schweiz und in das Innere
abgereiſt, und in wenigen Tagen gehen noch mehrere, ſo daß
höchſtens fünf bis ſechs hier bleiben werden. .....

33.


...... Mir hat ſich eine Quelle geöffnet; es handelt
ſich um ein großes Literaturblatt, "Deutſche Revue" betitelt,
das mit Anfang des neuen Jahres in Wochenheften erſcheinen
ſoll. Gutzkow und Wienbarg werden das Unternehmen
leiten; man hat mich zu monatlichen Beiträgen aufgefordert.
Ob das gleich eine Gelegenheit geweſen wäre, mir vielleicht
ein regelmäßiges Einkommen zu ſichern, ſo habe ich doch
meiner Studien halber die Verpflichtung zu regelmäßigen
Beiträgen abgelehnt. Vielleicht, daß Ende des Jahres noch
etwas von mir erſcheint. — Klemm alſo frei? Er iſt mehr
ein Unglücklicher, als ein Verbrecher, ich bemitleide ihn eher,
als ich ihn verachte; man muß doch gar pfiffig die tolle
Leidenſchaft des armen Teufels benützt haben. Er hatte

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0555" n="359"/>
durch die ver&#x017F;chiedenen Gerüchte nicht irre machen la&#x017F;&#x017F;en; &#x017F;o<lb/>
&#x017F;oll &#x017F;ogar ein Men&#x017F;ch Euch be&#x017F;ucht haben, der &#x017F;ich für Einen<lb/>
meiner Freunde ausgab. Ich erinnere mich gar nicht, den<lb/>
Men&#x017F;chen je ge&#x017F;ehen zu haben; wie mir die Anderen jedoch<lb/>
erzählten, i&#x017F;t er ein ausgemachter Schurke, der wahr&#x017F;cheinlich<lb/>
auch das Gerücht von einer hier be&#x017F;tehenden Verbindung aus-<lb/>
ge&#x017F;prengt hat. Die Gegenwart des Prinzen <hi rendition="#g">Emil</hi>, der<lb/>
eben hier i&#x017F;t, könnte vielleicht nachtheilige Folgen für uns<lb/>
haben, im Fall er von dem Präfecten un&#x017F;ere Auswei&#x017F;ung<lb/>
begehrte; doch halten wir uns für zu unbedeutend, als daß<lb/>
Seine Hoheit &#x017F;ich mit uns be&#x017F;chäftigen &#x017F;ollte. Uebrigens &#x017F;ind<lb/>
fa&#x017F;t &#x017F;ämmtliche Flüchtlinge in die Schweiz und in das Innere<lb/>
abgerei&#x017F;t, und in wenigen Tagen gehen noch mehrere, &#x017F;o daß<lb/>
höch&#x017F;tens fünf bis &#x017F;echs hier bleiben werden. .....</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head> <hi rendition="#c">33.</hi> </head><lb/>
            <dateline><hi rendition="#g">Straßburg</hi>, den 20. September 1835.</dateline><lb/>
            <p>...... Mir hat &#x017F;ich eine Quelle geöffnet; es handelt<lb/>
&#x017F;ich um ein großes Literaturblatt, "<hi rendition="#g">Deut&#x017F;che Revue</hi>" betitelt,<lb/>
das mit Anfang des neuen Jahres in Wochenheften er&#x017F;cheinen<lb/>
&#x017F;oll. <hi rendition="#g">Gutzkow</hi> und <hi rendition="#g">Wienbarg</hi> werden das Unternehmen<lb/>
leiten; man hat mich zu monatlichen Beiträgen aufgefordert.<lb/>
Ob das gleich eine Gelegenheit gewe&#x017F;en wäre, mir vielleicht<lb/>
ein regelmäßiges Einkommen zu &#x017F;ichern, &#x017F;o habe ich doch<lb/>
meiner Studien halber die Verpflichtung zu regelmäßigen<lb/>
Beiträgen abgelehnt. Vielleicht, daß Ende des Jahres noch<lb/>
etwas von mir er&#x017F;cheint. &#x2014; Klemm al&#x017F;o frei? Er i&#x017F;t mehr<lb/>
ein Unglücklicher, als ein Verbrecher, ich bemitleide ihn eher,<lb/>
als ich ihn verachte; man muß doch gar pfiffig die tolle<lb/>
Leiden&#x017F;chaft des armen Teufels benützt haben. Er hatte<lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[359/0555] durch die verſchiedenen Gerüchte nicht irre machen laſſen; ſo ſoll ſogar ein Menſch Euch beſucht haben, der ſich für Einen meiner Freunde ausgab. Ich erinnere mich gar nicht, den Menſchen je geſehen zu haben; wie mir die Anderen jedoch erzählten, iſt er ein ausgemachter Schurke, der wahrſcheinlich auch das Gerücht von einer hier beſtehenden Verbindung aus- geſprengt hat. Die Gegenwart des Prinzen Emil, der eben hier iſt, könnte vielleicht nachtheilige Folgen für uns haben, im Fall er von dem Präfecten unſere Ausweiſung begehrte; doch halten wir uns für zu unbedeutend, als daß Seine Hoheit ſich mit uns beſchäftigen ſollte. Uebrigens ſind faſt ſämmtliche Flüchtlinge in die Schweiz und in das Innere abgereiſt, und in wenigen Tagen gehen noch mehrere, ſo daß höchſtens fünf bis ſechs hier bleiben werden. ..... 33. Straßburg, den 20. September 1835. ...... Mir hat ſich eine Quelle geöffnet; es handelt ſich um ein großes Literaturblatt, "Deutſche Revue" betitelt, das mit Anfang des neuen Jahres in Wochenheften erſcheinen ſoll. Gutzkow und Wienbarg werden das Unternehmen leiten; man hat mich zu monatlichen Beiträgen aufgefordert. Ob das gleich eine Gelegenheit geweſen wäre, mir vielleicht ein regelmäßiges Einkommen zu ſichern, ſo habe ich doch meiner Studien halber die Verpflichtung zu regelmäßigen Beiträgen abgelehnt. Vielleicht, daß Ende des Jahres noch etwas von mir erſcheint. — Klemm alſo frei? Er iſt mehr ein Unglücklicher, als ein Verbrecher, ich bemitleide ihn eher, als ich ihn verachte; man muß doch gar pfiffig die tolle Leidenſchaft des armen Teufels benützt haben. Er hatte

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/buechner_werke_1879
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/buechner_werke_1879/555
Zitationshilfe: Büchner, Georg: Sämmtliche Werke und handschriftlicher Nachlaß. Frankfurt (Main), 1879, S. 359. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/buechner_werke_1879/555>, abgerufen am 09.08.2020.