Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Büchner, Georg: Sämmtliche Werke und handschriftlicher Nachlaß. Frankfurt (Main), 1879.

Bild:
<< vorherige Seite

Commissär mein Diplom als Mitglied der Societe d'histoire
naturelle
nebst einem von den Professoren mir ausgestellten
Zeugnisse. Der Präfect war damit außerordentlich zu-
frieden, und man sagte mir, daß ich namentlich ganz
ruhig sein könne. .....

40.


..... Ich bin ganz vergnügt in mir selbst, ausge-
nommen, wenn wir Landregen oder Nordwestwind haben,
wo ich freilich einer von denjenigen werde, die Abends vor
dem Bettgehn, wenn sie den einen Strumpf vom Fuß haben,
im Stande sind, sich an ihre Stubenthür zu hängen, weil
es ihnen der Mühe zuviel ist, den andern ebenfalls auszu-
ziehen ..... Ich habe mich jetzt ganz auf das Studium
der Naturwissenschaften und der Philosophie gelegt, und werde
in Kurzem nach Zürich gehen, um in meiner Eigenschaft
als überflüssiges Mitglied der Gesellschaft meinen Mitmenschen
Vorlesungen über etwas ebenfalls höchst Ueberflüssiges, nämlich
über die philosophischen Systeme der Deutschen seit Cartesius
und Spinoza, zu halten. -- Dabei bin ich gerade daran,
sich einige Menschen auf den Papier todtschlagen oder ver-
heirathen zu lassen, und bitte den lieben Gott um einen
einfältigen Buchhändler und ein groß Publikum mit so wenig
Geschmack, als möglich. Man braucht einmal zu vielerlei
Dingen unter der Sonne Muth, sogar, um Privatdocent der
Philosophie zu sein......

41.


.... Ich habe meine zwei Dramen noch nicht
aus den Händen gegeben, ich bin noch mit Manchem

Commiſſär mein Diplom als Mitglied der Société d'histoire
naturelle
nebſt einem von den Profeſſoren mir ausgeſtellten
Zeugniſſe. Der Präfect war damit außerordentlich zu-
frieden, und man ſagte mir, daß ich namentlich ganz
ruhig ſein könne. .....

40.


..... Ich bin ganz vergnügt in mir ſelbſt, ausge-
nommen, wenn wir Landregen oder Nordweſtwind haben,
wo ich freilich einer von denjenigen werde, die Abends vor
dem Bettgehn, wenn ſie den einen Strumpf vom Fuß haben,
im Stande ſind, ſich an ihre Stubenthür zu hängen, weil
es ihnen der Mühe zuviel iſt, den andern ebenfalls auszu-
ziehen ..... Ich habe mich jetzt ganz auf das Studium
der Naturwiſſenſchaften und der Philoſophie gelegt, und werde
in Kurzem nach Zürich gehen, um in meiner Eigenſchaft
als überflüſſiges Mitglied der Geſellſchaft meinen Mitmenſchen
Vorleſungen über etwas ebenfalls höchſt Ueberflüſſiges, nämlich
über die philoſophiſchen Syſteme der Deutſchen ſeit Carteſius
und Spinoza, zu halten. — Dabei bin ich gerade daran,
ſich einige Menſchen auf den Papier todtſchlagen oder ver-
heirathen zu laſſen, und bitte den lieben Gott um einen
einfältigen Buchhändler und ein groß Publikum mit ſo wenig
Geſchmack, als möglich. Man braucht einmal zu vielerlei
Dingen unter der Sonne Muth, ſogar, um Privatdocent der
Philoſophie zu ſein......

41.


.... Ich habe meine zwei Dramen noch nicht
aus den Händen gegeben, ich bin noch mit Manchem

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0564" n="368"/>
Commi&#x017F;&#x017F;är mein Diplom als Mitglied der <hi rendition="#aq">Société d'histoire<lb/>
naturelle</hi> neb&#x017F;t einem von den Profe&#x017F;&#x017F;oren mir ausge&#x017F;tellten<lb/>
Zeugni&#x017F;&#x017F;e. Der Präfect war damit <hi rendition="#g">außerordentlich</hi> zu-<lb/>
frieden, und man &#x017F;agte mir, daß <hi rendition="#g">ich namentlich</hi> ganz<lb/>
ruhig &#x017F;ein könne. .....</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head> <hi rendition="#c">40.</hi> </head><lb/>
            <dateline><hi rendition="#g">Straßburg</hi>, den 2. September 1836.</dateline><lb/>
            <p>..... Ich bin ganz vergnügt in mir &#x017F;elb&#x017F;t, ausge-<lb/>
nommen, wenn wir Landregen oder Nordwe&#x017F;twind haben,<lb/>
wo ich freilich einer von denjenigen werde, die Abends vor<lb/>
dem Bettgehn, wenn &#x017F;ie den einen Strumpf vom Fuß haben,<lb/>
im Stande &#x017F;ind, &#x017F;ich an ihre Stubenthür zu hängen, weil<lb/>
es ihnen der Mühe zuviel i&#x017F;t, den andern ebenfalls auszu-<lb/>
ziehen ..... Ich habe mich jetzt ganz auf das Studium<lb/>
der Naturwi&#x017F;&#x017F;en&#x017F;chaften und der Philo&#x017F;ophie gelegt, und werde<lb/>
in Kurzem nach <hi rendition="#g">Zürich</hi> gehen, um in meiner Eigen&#x017F;chaft<lb/>
als überflü&#x017F;&#x017F;iges Mitglied der Ge&#x017F;ell&#x017F;chaft meinen Mitmen&#x017F;chen<lb/>
Vorle&#x017F;ungen über etwas ebenfalls höch&#x017F;t Ueberflü&#x017F;&#x017F;iges, nämlich<lb/>
über die philo&#x017F;ophi&#x017F;chen Sy&#x017F;teme der Deut&#x017F;chen &#x017F;eit Carte&#x017F;ius<lb/>
und Spinoza, zu halten. &#x2014; Dabei bin ich gerade daran,<lb/>
&#x017F;ich einige Men&#x017F;chen auf den Papier todt&#x017F;chlagen oder ver-<lb/>
heirathen zu la&#x017F;&#x017F;en, und bitte den lieben Gott um einen<lb/>
einfältigen Buchhändler und ein groß Publikum mit &#x017F;o wenig<lb/>
Ge&#x017F;chmack, als möglich. Man braucht einmal zu vielerlei<lb/>
Dingen unter der Sonne Muth, &#x017F;ogar, um Privatdocent der<lb/>
Philo&#x017F;ophie zu &#x017F;ein......</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head> <hi rendition="#c">41.</hi> </head><lb/>
            <dateline><hi rendition="#g">Straßburg</hi>, im September 1836.</dateline><lb/>
            <p>.... Ich habe <hi rendition="#g">meine zwei Dramen</hi> noch nicht<lb/>
aus den Händen gegeben, ich bin noch mit Manchem<lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[368/0564] Commiſſär mein Diplom als Mitglied der Société d'histoire naturelle nebſt einem von den Profeſſoren mir ausgeſtellten Zeugniſſe. Der Präfect war damit außerordentlich zu- frieden, und man ſagte mir, daß ich namentlich ganz ruhig ſein könne. ..... 40. Straßburg, den 2. September 1836. ..... Ich bin ganz vergnügt in mir ſelbſt, ausge- nommen, wenn wir Landregen oder Nordweſtwind haben, wo ich freilich einer von denjenigen werde, die Abends vor dem Bettgehn, wenn ſie den einen Strumpf vom Fuß haben, im Stande ſind, ſich an ihre Stubenthür zu hängen, weil es ihnen der Mühe zuviel iſt, den andern ebenfalls auszu- ziehen ..... Ich habe mich jetzt ganz auf das Studium der Naturwiſſenſchaften und der Philoſophie gelegt, und werde in Kurzem nach Zürich gehen, um in meiner Eigenſchaft als überflüſſiges Mitglied der Geſellſchaft meinen Mitmenſchen Vorleſungen über etwas ebenfalls höchſt Ueberflüſſiges, nämlich über die philoſophiſchen Syſteme der Deutſchen ſeit Carteſius und Spinoza, zu halten. — Dabei bin ich gerade daran, ſich einige Menſchen auf den Papier todtſchlagen oder ver- heirathen zu laſſen, und bitte den lieben Gott um einen einfältigen Buchhändler und ein groß Publikum mit ſo wenig Geſchmack, als möglich. Man braucht einmal zu vielerlei Dingen unter der Sonne Muth, ſogar, um Privatdocent der Philoſophie zu ſein...... 41. Straßburg, im September 1836. .... Ich habe meine zwei Dramen noch nicht aus den Händen gegeben, ich bin noch mit Manchem

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/buechner_werke_1879
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/buechner_werke_1879/564
Zitationshilfe: Büchner, Georg: Sämmtliche Werke und handschriftlicher Nachlaß. Frankfurt (Main), 1879, S. 368. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/buechner_werke_1879/564>, abgerufen am 15.08.2020.