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Burdach, Karl Friedrich: Propädeutik zum Studium der gesammten Heilkunst. Leipzig, 1800.

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Dritter Theil.
ten. Da nun bis jetzt noch kein vollendetes System der
Heilkunst erschienen ist, so gehören hierher diejenigen Aerzte,
welche zu irgend einem Systeme geschworen haben; und man
lese also anfänglich die Schriften derer nicht, welche einer
Theorie unbedingt huldigen (der Sectirer).

§ 764.

Endlich giebt es auch manche Beobachtungen, welche
die Aerzte erdichtet haben, um mit ihrer Geschicklichkeit zu
prahlen, oder um irgend einer Meinung Glauben zu ver-
schaffen, oder um Bücher voll zu schreiben, oder aus andern
niedrigen Absichten.

§ 765.

Die Lectüre des angehenden Arztes muß daher auf das
sorgfältigste ausgewählt seyn, und darf nur in den Werken
der Klassiker unter den Aerzten bestehen, mit welchen man
so frühzeitig als möglich, bekannt werden muß.

Gruner de observationum medicorum studio rite dirigendo.
Jen. 797.
§ 766.

Uebrigens lese man Aerzte von verschiedeneu Systemen
aus verschiedenen Zeitaltern, und von verschiedenen Natio-
nen. Dadurch beugt man aller Einseitigung vor, gewinnt
Achtung für das Neue sowohl, als für das Alte, und erhält
sich die Freyheit des Geistes, ohne welche man nie die Wahr-
heit findet.

Plaz progr. priscam et recentiorcm medicinam commen-
dans. Lips. 783. 4.
§ 777.

Für die Arzneykunst dürfen folgende Beobachter vor-
züglich empfohlen werden:


Hip-

Dritter Theil.
ten. Da nun bis jetzt noch kein vollendetes Syſtem der
Heilkunſt erſchienen iſt, ſo gehoͤren hierher diejenigen Aerzte,
welche zu irgend einem Syſteme geſchworen haben; und man
leſe alſo anfaͤnglich die Schriften derer nicht, welche einer
Theorie unbedingt huldigen (der Sectirer).

§ 764.

Endlich giebt es auch manche Beobachtungen, welche
die Aerzte erdichtet haben, um mit ihrer Geſchicklichkeit zu
prahlen, oder um irgend einer Meinung Glauben zu ver-
ſchaffen, oder um Buͤcher voll zu ſchreiben, oder aus andern
niedrigen Abſichten.

§ 765.

Die Lectuͤre des angehenden Arztes muß daher auf das
ſorgfaͤltigſte ausgewaͤhlt ſeyn, und darf nur in den Werken
der Klaſſiker unter den Aerzten beſtehen, mit welchen man
ſo fruͤhzeitig als moͤglich, bekannt werden muß.

Gruner de obſervationum medicorum ſtudio rite dirigendo.
Jen. 797.
§ 766.

Uebrigens leſe man Aerzte von verſchiedeneu Syſtemen
aus verſchiedenen Zeitaltern, und von verſchiedenen Natio-
nen. Dadurch beugt man aller Einſeitigung vor, gewinnt
Achtung fuͤr das Neue ſowohl, als fuͤr das Alte, und erhaͤlt
ſich die Freyheit des Geiſtes, ohne welche man nie die Wahr-
heit findet.

Plaz progr. priscam et recentiorcm medicinam commen-
dans. Lipſ. 783. 4.
§ 777.

Fuͤr die Arzneykunſt duͤrfen folgende Beobachter vor-
zuͤglich empfohlen werden:


Hip-
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[240/0258] Dritter Theil. ten. Da nun bis jetzt noch kein vollendetes Syſtem der Heilkunſt erſchienen iſt, ſo gehoͤren hierher diejenigen Aerzte, welche zu irgend einem Syſteme geſchworen haben; und man leſe alſo anfaͤnglich die Schriften derer nicht, welche einer Theorie unbedingt huldigen (der Sectirer). § 764. Endlich giebt es auch manche Beobachtungen, welche die Aerzte erdichtet haben, um mit ihrer Geſchicklichkeit zu prahlen, oder um irgend einer Meinung Glauben zu ver- ſchaffen, oder um Buͤcher voll zu ſchreiben, oder aus andern niedrigen Abſichten. § 765. Die Lectuͤre des angehenden Arztes muß daher auf das ſorgfaͤltigſte ausgewaͤhlt ſeyn, und darf nur in den Werken der Klaſſiker unter den Aerzten beſtehen, mit welchen man ſo fruͤhzeitig als moͤglich, bekannt werden muß. Gruner de obſervationum medicorum ſtudio rite dirigendo. Jen. 797. § 766. Uebrigens leſe man Aerzte von verſchiedeneu Syſtemen aus verſchiedenen Zeitaltern, und von verſchiedenen Natio- nen. Dadurch beugt man aller Einſeitigung vor, gewinnt Achtung fuͤr das Neue ſowohl, als fuͤr das Alte, und erhaͤlt ſich die Freyheit des Geiſtes, ohne welche man nie die Wahr- heit findet. Plaz progr. priscam et recentiorcm medicinam commen- dans. Lipſ. 783. 4. § 777. Fuͤr die Arzneykunſt duͤrfen folgende Beobachter vor- zuͤglich empfohlen werden: Hip-

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Zitationshilfe: Burdach, Karl Friedrich: Propädeutik zum Studium der gesammten Heilkunst. Leipzig, 1800, S. 240. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/burdach_propaedeutik_1800/258>, abgerufen am 20.03.2019.