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Burdach, Karl Friedrich: Propädeutik zum Studium der gesammten Heilkunst. Leipzig, 1800.

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Encyklopädie der Heilkunst.
Erste Abtheilung.
Entfernte Grundwissenschaften
.


§ 155.

Diese Wissenschaften enthalten die allgemeine Kenntniß
der Natur. Da nämlich der Mensch nur ein Glied der gros-
sen Schöpfung ist: so muß man, um ihn gehörig zu beur-
theilen, und seine Kräfte einzusehen, die Erscheinungen der
übrigen Natur hinreichend kennen.

§ 156.

Unsere Kenntnisse der äußern Natur zerfallen aber in
drey Abtheilungen: 1) Kenntniß der Körper und ihrer Er-
scheinungen nach ihrer äußerer Form. Die Mannichfaltig-
keit der Erscheinungen wird hier aus der Mannichfaltigkeit
der Formen abgeleitet. -- Naturgeschichte. 2) Kenntniß
der Körper nach ihrer Mischung, und Erklärung ihrer Er-
scheinungen aus der letztern. -- Chemie. 3) Kenntniß der
Erscheinungen, welche der Materie überhaupt zukommen,
deren Grund also nicht aus ihrer Form und Mischung er-
klärt werden können, und einiger Körper insonderheit, de-
ren Würkung ebenfalls nur berechnet, nicht erklärt werden
kann. -- Physik. -- Diese Naturkenntnisse sind also kei-
nesweges durch die an sich heterogene Natur ihrer Gegen-
stände von einander getrennt, sondern nur durch die größere
oder mindere Eingeschränkheit unserer Erkenntniß.




Erstes
D 2
Encyklopaͤdie der Heilkunſt.
Erſte Abtheilung.
Entfernte Grundwiſſenſchaften
.


§ 155.

Dieſe Wiſſenſchaften enthalten die allgemeine Kenntniß
der Natur. Da naͤmlich der Menſch nur ein Glied der groſ-
ſen Schoͤpfung iſt: ſo muß man, um ihn gehoͤrig zu beur-
theilen, und ſeine Kraͤfte einzuſehen, die Erſcheinungen der
uͤbrigen Natur hinreichend kennen.

§ 156.

Unſere Kenntniſſe der aͤußern Natur zerfallen aber in
drey Abtheilungen: 1) Kenntniß der Koͤrper und ihrer Er-
ſcheinungen nach ihrer aͤußerer Form. Die Mannichfaltig-
keit der Erſcheinungen wird hier aus der Mannichfaltigkeit
der Formen abgeleitet. — Naturgeſchichte. 2) Kenntniß
der Koͤrper nach ihrer Miſchung, und Erklaͤrung ihrer Er-
ſcheinungen aus der letztern. — Chemie. 3) Kenntniß der
Erſcheinungen, welche der Materie uͤberhaupt zukommen,
deren Grund alſo nicht aus ihrer Form und Miſchung er-
klaͤrt werden koͤnnen, und einiger Koͤrper inſonderheit, de-
ren Wuͤrkung ebenfalls nur berechnet, nicht erklaͤrt werden
kann. — Phyſik. — Dieſe Naturkenntniſſe ſind alſo kei-
nesweges durch die an ſich heterogene Natur ihrer Gegen-
ſtaͤnde von einander getrennt, ſondern nur durch die groͤßere
oder mindere Eingeſchraͤnkheit unſerer Erkenntniß.




Erſtes
D 2
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[51/0069] Encyklopaͤdie der Heilkunſt. Erſte Abtheilung. Entfernte Grundwiſſenſchaften. § 155. Dieſe Wiſſenſchaften enthalten die allgemeine Kenntniß der Natur. Da naͤmlich der Menſch nur ein Glied der groſ- ſen Schoͤpfung iſt: ſo muß man, um ihn gehoͤrig zu beur- theilen, und ſeine Kraͤfte einzuſehen, die Erſcheinungen der uͤbrigen Natur hinreichend kennen. § 156. Unſere Kenntniſſe der aͤußern Natur zerfallen aber in drey Abtheilungen: 1) Kenntniß der Koͤrper und ihrer Er- ſcheinungen nach ihrer aͤußerer Form. Die Mannichfaltig- keit der Erſcheinungen wird hier aus der Mannichfaltigkeit der Formen abgeleitet. — Naturgeſchichte. 2) Kenntniß der Koͤrper nach ihrer Miſchung, und Erklaͤrung ihrer Er- ſcheinungen aus der letztern. — Chemie. 3) Kenntniß der Erſcheinungen, welche der Materie uͤberhaupt zukommen, deren Grund alſo nicht aus ihrer Form und Miſchung er- klaͤrt werden koͤnnen, und einiger Koͤrper inſonderheit, de- ren Wuͤrkung ebenfalls nur berechnet, nicht erklaͤrt werden kann. — Phyſik. — Dieſe Naturkenntniſſe ſind alſo kei- nesweges durch die an ſich heterogene Natur ihrer Gegen- ſtaͤnde von einander getrennt, ſondern nur durch die groͤßere oder mindere Eingeſchraͤnkheit unſerer Erkenntniß. Erſtes D 2

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Zitationshilfe: Burdach, Karl Friedrich: Propädeutik zum Studium der gesammten Heilkunst. Leipzig, 1800, S. 51. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/burdach_propaedeutik_1800/69>, abgerufen am 19.03.2019.